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In einem Text wird berichtet, "daß Gott der
Witwe Kiefer die Not der verlassenen Kinder, besonders zur Sommerszeit,
ins Herz gelegt hat". Vor 1887 hatte es in Eichstetten keine
Kinderschule gegeben.
So stellte Witwe Kiefer ihr Haus am Wannenberg zur Verfügung. Unten war ein kleiner
Saal für die Kinder und oben eine Wohnung für die Schwester. Diese erste Schwester
hieß Friedricke Nagel und war auf die Bitte von Frau Kiefer hin von Nonnenweier
nach Eichstetten gesandt worden. Hier hat sie zunächst sehr die Gemeinschaft
vermißt. Sie meinte, so wird von ihr berichtet, "dass sie unter die Heiden
gekommen" sei. Daher lud sie an einem Abend Frauen und Mädchen ein. Daraus
müssen sich regelmäßige Versammlungen entwickelt haben, bei denen alle zwei Wochen
ein Reiseprediger Grüninger aus Emmendingen mitwirkte. Später kamen auch einige
Männer dazu, "aber leider nur wenige". Mit diesen Versammlungen am
Wannenberg waren wohl die Wurzeln für die spätere Gemeinschaft gelegt worden.
In die Kinderschule kam bald eine neue Schwester, Lydia Götz.
Aber leider waren da wohl die Tage dieser Einrichtung schon gezählt.
Das Mutterhaus in Nonnenweier hat sich in der Kinderschule näher
umgeschaut und dabei den Schulraum als "zu ungesund" beurteilt.
Die Folge war, dass die Schwester wieder abgezogen wurde. Das war
das Ende der "Wannenberg-Kinderschule".
Die Versammlungen wurden aber beibehalten. Man traf sich 14-tägig, vermutlich
aber nur im Winter, wobei verschiedene Brüder predigten (Die Namen Östreicher,
Weißer und Schanbacher werden genannt).
Die inzwischen regelmäßigen Versammlungen in der Stube vom "alten Vater
Rinklin" führten bald zu dem Wunsch, ein eigenes Haus zu bauen, in dem
man sich unter Gottes Wort treffen konnte und wo dann auch die Kinderschule
wieder einen Platz finden sollte.
Reinhard Schmidt kaufte 1900 das Grundstück, auf dem heute unser Gemeinschaftshaus
steht und schon bald darauf wurde mit dem Bau begonnen, worüber, wie man in
unseren Unterlagen nachlesen kann, im Dorf und sogar in der Kirche "geredet
und gespottet" wurde. Als Arbeiter werden namentlich aufgeführt: Joseph
Rinklin, Matthäus Danzeisen, Friedrich Schmidt (alt), Reinhard Schmidt, Christian
Schmidt, Karl Bär und Friedrich Schmidt (jung). Im Winter war der Rohbau unter
Dach und schon am 5. Mai 1901 konnte das Haus eingeweiht werden.
Jetzt konnte die unterbrochene Arbeit der Kinderschule wieder
aufgenommen werden. Nonnenweier schickte Schwester Marie, die dann,
weil sie die Arbeit nicht allein bewältigen konnte, im Jahr 1905
Schwester Christiane Winter zur Seite gestellt bekam.
Die Gemeinschaft wurde in dieser Zeit von Bruder Gugel aus Ihringen "versorgt",
daneben wird ein Prediger Kurz genannt. An diesen Versammlungen nahmen sieben
Männer und etwa 20 Frauen teil, eine Zahl, die Schwester Marie durch fleißiges
Werben zu vergrößern verstand.
In der Folgezeit kam es aber dann zu Meinungsverschiedenheiten,
die vermutlich durch die Aktivitäten von einem Prediger Kuhß ausgelöst
worden waren und die dazu führten, dass eine "zweite Gemeinschaft" entstand.
In dieser Spaltungszeit wandte man sich an den damaligen Leiter
des Evangelischen Vereinshauses in Freiburg, Bruder Eckhardt. Dieser
war jedoch gesundheitlich nicht in der Lage, die ganze Arbeit allein
zu versehen, daher wurde ihm von St. Chrischona Bruder Sames zur
Hilfe geschickt, der dann auch in Eichstetten predigte. Damit taucht
wohl erstmals der Name St. Chrischona bei uns auf.
Die geschilderten Meinungsverschiedenheiten hatten damit zumindest
die eine positive Konsequenz, dass die Kontakte zum Evangelischen
Vereinshaus in Freiburg geknüpft und gefestigt wurden. Dies führte
dann schließlich dazu, dass man sich den Freiburgern ganz anschloss.
Der jeweilige Prediger versah nun auch in Eichstetten seinen Dienst.
Unsere Unterlagen geben über den genauen Zeitpunkt dieses Anschlusses
keine eindeutige Auskunft. Es dürfte aber wohl im Jahr 1934 gewesen
sein. In diese Zeit fällt dann auch die Gründung unseres Posaunenchores.
In die Gemeinschaft war wieder Ruhe eingekehrt und man liest,
dass inder Folgezeit immer wieder Menschen zum lebendigen Glauben
fanden. Das schlug sich dann auch in der Tatsache nieder, dass
die Räumlichkeiten zu eng wurden. So musste man bereits 1937 einen
Anbau an den Saal erstellen.
Das Jahr 1937 markiert auch für die Kinderschule einen wichtigen Meilenstein,
denn die beiden Schwestern Marie und Christiane traten nach über 30 Jahren
Dienst in den Ruhestand. Von St. Chrischona wurde als Nachfolgerin Schwester
Käthe Lösch zugeteilt, die dann bis 1949 ihren Dienst in Eichstetten tat, bevor
sie von Schwester Martha Jäger abgelöst wurde.
Während des Zweiten Weltkrieges war die Mitversorgung unserer
Gemeinschaft von Freiburg aus - besonders wegen der schlechten
Zugverbindung - sehr erschwert. Die Gemeinschaftsstunden mussten
daher oft von Eichstetter Brüdern gehalten werden. 1947 verstarb
Bruder Sames, der seit 1919 Prediger in Freiburg gewesen war. Als
sein Nachfolger wurde Bruder Ohlau berufen, der dann bis 1951 zuständig
war, bevor er von Bruder Seiberlich abgelöst wurde.

Mit dieser alten Aufnahme des Posaunenchores möchten wir vorläufig
die Reihe "Chronik" unterbrechen. Der Grund hierfür liegt
in 2 dicken Ordnern mit nahezu 800 Seiten. Es handelt sich dabei
um Arbeitsberichte aus Freiburg, die bis in die Zeit vor dem Ersten
Weltkrieg zurückreichen. Diese Dokumente hat Prediger Uli Limpf
für unsere Gemeinschaft kopiert, und die gilt es nun durchzuarbeiten.
Viele Texte sind in der Sütterlinschrift verfaßt, deren "Entzifferung" uns
noch nicht so leicht von der Hand geht. Wir haben vor, die Texte "EDV-gerecht" zu
dokumentieren, um später jederzeit schnell an die richtige Stelle
zu gelangen. Bis dies erledigt ist, lassen deshalb die Serie "Chronik" ruhen.
Wir hoffen, danach viel Neues und Interessantes berichten zu können.
- Was lese ich da z.B. in einem Arbeitsbericht des Predigers Sames
vom 5. Juli 1935 über das 2. Quartal 1935:
"... das Neueste ist die Gründung eines Posaunenchores, der bei den bodenständigen
Bauern leichter ins Leben zu rufen ist, als bei den fliegenden Städtern. Wenn
sich nun vorerst mancher Eichstetter auch die Ohren zuhalten wird, ob all der
sonderbaren Töne, die aus Keller, Scheune oder Stube an sein Ohr dringen, so
mögen nachher die harmonischen Töne manche locken zum Worte Gottes und zu Jesus
hin..."
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