Logo Impuls vom 22.01.2010



Fehler sind immer dick, wo die Liebe dünn ist. (C.H. Spurgeon)

Gibt es eigentlich ein Messgerät für die Größe von Fehlern? Der Gedanke kam mir in den Kopf als ich über das obige Zitat nachdachte. Und wer hätte dieses konstruiert und vor allem, wer hat es kalibriert, also die Messskala festgelegt und geeicht? Ein absurder Gedanke, so denkt der Leser vielleicht. Aber nichts anderes machen wir Menschen, wenn wir Gesetze und dazugehörige Strafbemessungen erstellen. Die Ausgestaltung dieser Gesetze hängt wiederum vom kulturellen Umfeld der Menschen ab, die die Gesetze machen und auch von der Tatsache, dass Menschen geistbeseelte Gemeinschaftswesen sind und ihr Zusammenleben irgendwie regeln müssen. Das Ganze hat mit Gerechtigkeit zu tun, dem Bemühen, allen Menschen gleiche Bedingungen zu verschaffen. Da dies ein hoffnungsloses Unterfangen ist, beschränken sich Gesetzgeber auf die Tatbestände, die eine größere Beeinträchtigung der Mitmenschen zur Folge haben. Unsere Konflikte spielen sich zum größten Teil unterhalb dieser Marke ab. Zum Glück, könnte man sagen, aber auch hier kommen wir nicht aus deren Bannkreis heraus, wenn wir nicht durch Liebe und Vergebung mangelnde Gerechtigkeit ausgleichen. Denn ohne Liebe wird die Bedeutung der Fehler des Anderen so hochgespielt, dass man meint berechtigt zu sein, ihm eine Strafe zukommen zu lassen. Wo die Liebe dünn ist, sind die Fehler des anderen also umso größer. Dies ist nicht all zu schwer nachzuvollziehen.
Paulus hat das in seinem, als Hohelied der Liebe betitelten, Text in 1. Kor. 13 ausgeführt: „Die Liebe sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu“. Gott hat uns Menschen die Fähigkeit zu Lieben mitgegeben. Sie wird nochmal verstärkt, wenn wir erkennen wie wir selber von Gott geliebt sind.
Ein Satz von Hermann Hesse macht deutlich, dass wir im Zusammenleben nicht ohne Liebe auskommen.
Es bleibt zwischen Menschen,
sie seien noch so eng verbunden,
immer ein Abgrund offen, den nur die Liebe
und auch die nur mit einem Notsteg überbrücken kann.

Erschienen am 22.01.2010