Logo Predigt: Thema: Familie sein



Familie ist, wenn man einigen Umfragen Glauben schenkt, auf dem absteigenden Ast. Familie ist aber nach wie vor ein Thema, das jede Generation auf's neue herausfordert. Die Bibel hat zu diesem Thema einiges und manches erstaunlich Aktuelle zu sagen.

Download als pdf-Datei.

 


Liebe Gemeinde,

Wir liegen mit unserem Thema voll im Trend: Gestern fand in Bonn der Familienprotesttag statt.

Familie - es ist wiederum ein Megathema, das man absolut nicht in eine Predigt mit 25 Minuten packen kann. Wo soll ich anfangen, wo soll ich aufhören?

1. Familie sein - ein Dauerbrennerthema

Es wird heute viel gejammert über die Familie. Sie würde zerfallen, sie sei ein Auslaufmodell, sie sei auf dem absteigenden Ast. Bill Hybels schreibt in seinem Buch "Der neue Weg, daß in Amerika unter der weißen Bevölkerung 2 von 3 Kindern zumindest zeitweise mit nur einem Elternteil aufwachsen, unter der schwarzen Bevölkerung sei das Verhältnis noch extremer. Hier würden 19 von 20 Kindern zeitweise von nur einem Elternteil erzogen werden. Solche Zahlen sind natürlich erschreckend. Erschreckend ist für mich auch die Tatsache, daß in früheren Jahren Winnetou und Old Schatterhand so ziemlich das gewalttätigste waren, was Kinder zu lesen bekommen. Was aber heute Kinder und Teenager in Filmen geboten bekommen ist sehr erschreckend und die Auswirkungen davon bekommen wir hier in der Kinder- und Jugendarbeit deutlich zu spüren.

Aber es gibt auch Dinge, über die im Blick auf die Familie gejammert wird, und die nicht wahr sind. Es wird gejammert, wir seien ein kinderunfreundliches Volk. Ich kann diese Stimmen nicht ganz teilen, denn ich glaube, daß es Kindern in Deutschland noch nie so gut ging wie heute. Waren denn die Zeiten familienfreundlicher, als 8-köpfige Familien in zwei Zimmern auf 40m² direkt neben dem Schweinestall lebten? War es nicht auch früher so, daß Väter wenig Zeit für Kinder hatten. Denkt nur an die Walfänger an der Nordseeküste. 9 Monate im Jahr waren sie unterwegs. Hatten diese Väter mehr Zeit für ihre Kinder als Väter heute? Und ihre Mütter. Ein Kind hatten sie auf dem Arm, das nächste im Bauch und in der anderen Hand die Hake, mit dem sie auf dem Feld arbeiteten. Von acht Geschwistern starben im Durchschnitt drei schon als Säuglinge. Ob das kinderfreundlichere Zeiten waren?

Jemand schrieb einmal:

Das Familienleben hat im Lauf der letzen Jahrzehnte an innerer Kraft, Reinheit und Tiefe eingebüßt, der Familiensinn und das Familienbewußtsein Schaden gelitten, die Familienfreundlichkeit und das Familienwachstum haben nachgelassen. Überspannter Intellektualismus, krasser Materialismus, zügelloser Individualismus machen sich bekanntlich mehr und mehr breit und erschüttern das Fundament der Familie....

Eigentlich könnten wir meinen, das sei ein Autor aus unseren Zeiten, drückt er nicht das aus, was wir empfinden, wenn wir an Familie denken? Dieses Zitat stammt aus dem Buch "Familie und Familienpolitik" von F. Zahn. Das Buch ist 1918 in Berlin erschienen, ist jetzt als 80 Jahre alt. Die Schrecken, die wir heute bejammern scheinen so neu gar nicht zu sein. Anscheinend ist es tatsächlich so: Familie ist ein Dauerbrennerthema, ein Thema, das jede Generation aufs neue herausfordert.

2. Familie sein - ein biblisches Thema

Daß Familie ein Dauerbrennerthema ist, das wird auch deutlich, wenn wir die Bibel miteinander auf dieses Thema studieren.

Mir fällt auf, daß gerade die biblischen Familien keine Musterfamilien waren, sondern Familien mit großen Schwächen. Das kann einem Mut machen, kann einem trösten, wenn man an die eigene Familie denkt. Ein Abraham z.B. verriet seine Frau Sarah, als sie in Ägypten waren, stellte sich, weil er um sich sein Leben fürchtetet nicht zu seiner Frau. Zwischen den Söhnen Abrahams Isaak und Ismael und ihren Müttern kam es zum Streit bis dorthin, daß man sich trennte.

Isaak und Rebekka haben ihre Ehe sehr verliebt begonnen. Doch wenn man die weitere Familiengeschichte der beiden liest bekommt man immer mehr den Eindruck, daß sich die beiden einander entfremdet hatten und über die wichtigen Dinge und Fragen des Lebens nicht mehr miteinander sprachen. Isaak hat nichts von Gottes Verheißung gewußt, daß der Ältere dem Jüngeren dienen wird. Das hat Rebekka für sich behalten. Und auch in der ergreifenden Geschichte um den Erstgeburtssegen wird deutlich, wie die beiden sich gegenseitig ausgespielt haben. Jakob und Esau wurden zu Brüdern, die einander haßten und einander fürchteten. War das eine glückliche Familie?

Und war Jakobs Familie später eine glückliche Familie? Seine zwei Frauen lebten in einem erbitterten Konkurrenzkampf um die Liebe ihres gemeinsamen Mannes. Die Kinder von Lea und Rahel wiederum lebten ebenfalls im Konflikt miteinander, wie wir an der Josephsgeschichte sehen, bis dorthin, daß sie ihn verkauft hatten. Selbst im Leben des gesegneten Gottesmannes David entdecken wir, daß seine Familie der Schwachpunkt seines Lebens war. Waren diese Familien besser, glücklicher als unsere Familien heute? Familie ist ein Dauerbrennerthema und eine Daueraufgabe. Jede Generation muß sich aufs neue dieser Herausforderung stellen. Wir auch.

Welche Anweisungen gibt denn die Bibel noch zum Thema Familie?

Da ist z.B. das 4. Gebot:

2Mo 20,12 Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf daß du lange lebest in dem Lande, das dir der HERR, dein Gott, geben wird.

Da ist das Wort aus

Eph 5,21 Ordnet euch einander unter in der Furcht Christi.

Das als Überschrift über den paulinischen Regeln zur Familie steht.

Und des weiteren schreibt Paulus im Epheserbrief:

Eph 6,1 Ihr Kinder, seid gehorsam euren Eltern in dem Herrn; denn das ist recht.

Und

Eph 6, 4 Und ihr Väter, reizt eure Kinder nicht zum Zorn, sondern erzieht sie in der Zucht und Ermahnung des Herrn.

Das Wort Familie selber kommt so kaum in der Bibel vor. Dafür steht das Wort Haus. So heißt es z.B., daß der Kerkermeister von Philippi mit seinem ganzen Haus, d.h. mit seiner ganzen Familie an Jesus gläubig geworden ist. Und im gleichen Sinn kann auch ein Josua sagen:

Jos 24,15 Ich aber und mein Haus wollen dem HERRN dienen.

Auch wenn die biblischen Familien nicht immer glückliche Familien waren, so denke ich doch, daß wir aus dem Gesamtzeugnis der Schrift einige Tips für unser zusammenleben als Familien heute als Familien ableiten können.

3. Familie sein - einige praktische Tips

a) geistliche Impulse setzten

Geistliche Impulse zu geben ist ein biblischer Auftrag. Zuhause ist der erste Platz, wo er ausgeführt wird. Den Kindern sollen Glaubensinhalte liebevoll vermittelt werden. Schon zu biblischen Zeiten trug Gott den Eltern ( insbesondere den Vätern ) auf, den Kindern zu erzählen, wie groß Gott ist und wie er immer wieder konkret geholfen hat. Wir sollten unseren Glauben nicht verstecken. Je natürlicher Kinder unseren eigenen Umgang mit Gott

erleben, um so mehr können sie ihn in ihr eigenes Leben einbeziehen. Gott sollte in der Erziehung nicht als Drohfigur mißbraucht werden. In jungen Jahren erlernte Lieder und Gebete können später von entscheidender Bedeutung sein. Manche Kinder verlieren

später zeitweise ihren Glauben. Aber eingeprägte Bibelverse und Lieder können durch den Heiligen Geist aktiviert werden und zu einer Neuentscheidung führen.

Gerade ihr jungen Familien, ich möchte euch Mut machen die gute alte Tradition der Familienandachten fortzuführen. Es ist so wichtig, daß eure Kinder nicht nur wissen, daß ihr Christen seid, sondern euer eigenes geistliches Leben sehen und abgucken können. Wer kein geistliches Leben hat, kann auch keines weitergeben, er wird nur eine Konfession weitergeben und das ist zu wenig, wenn Kinder zu eigenständigen, verantwortlichen Christen werden sollen.

b) Regeln vorgeben

Regeln führen dazu, daß Sicherheit entsteht. Wer als Kind weiß, daß die Hausaufgaben gleich nach dem Mittagessen gemacht werden oder ab einer bestimmten Uhrzeit, wird sich nicht immer neu mit den Eltern anlegen, wie man es heute handhaben soll. Feste Vorgaben verhindern in einem bestimmten Alter manche Diskussion und führen zu einer größeren Selbstverständlichkeit. Dazu gehört auch, daß wir Aufgaben in den Familien verteilen.

Aufgabenverteilung befreit die Eltern von dem Gefühl, die Lastesel der Familie zu sein. Ein wechselnder Wochenplan z.B. führt dazu, daß jeder seine Aufgaben kennt. Wer Pflichten hat, weiß damit, daß er gebraucht wird und wichtig ist. Daß Aufgaben nicht immer nur Spaß machen, ist einleuchtend. Die jeweilige Arbeit darf auch mit motzigem Gesicht ausgeführt werden; aber sie muß erledigt werden.

c) Freude planen

Freude ereignet sich selten von allein. Deshalb muß Freude geplant werden anhand von Aktivitäten, an denen die ganze Familie Spaß hat. Ein Wochentag sollte festgelegt werden, an dem eine Familienkonferenz abgehalten wird, die je nach anstehenden Punkten länger oder kürzer währt. Wünsche dürfen geäußert, Schwierigkeiten ausgesprochen werden. Dabei kann man miteinander überlegen, was man in der kommenden Woche unternehmen könnte, sei es ein. Schwimmbadbesuch, eine Wanderung, ein Konzert, ein Spielabend in der Familie, Eisessen gehen u.ä. Wer sich schwer einigen kann, legt eine Wunschdose an, in die alle Wünsche auf Zetteln eingelegt werden. Abwechselnd darf jeder im Laufe der Zeit einen Zettel ziehen. Wenn man sich miteinander beschäftigt, lernt man sich besser kennen. Wer miteinander spielen lernt, kommt auch beim Streit besser miteinander zurecht.

d) Lob und Ermutigung sind die Vitamine für den Alltag

Positives muß ausgesprochen und nicht nur gedacht werden. Mehrere positive Aussagen wiegen erst eine Negativaussage auf. Also nicht nur kritisieren, sondern Gutes aussprechen lernen. Lob erspart manche Kritik. Lob motiviert zum Guten.

e) Kinder sind Gäste...

...der Partner bleibt. Er muß im Mittelpunkt unseres Denkens stehen. Kinder dürfen den Partner nicht von seinem Platz als wichtigster Mensch in meinem Leben verdrängen. Spätestens wenn Kinder aus dem Haus gehen, gibt es sonst ein böses Erwachen. Ehe ist Arbeit. Sie ist ein Organismus, der ständig ernährt werden muß, um nicht zu verkümmern. Ernähren heißt: Das Werben umeinander darf nie aufhören.

f) einander vergeben

Unversöhnlichkeit nimmt dem anderen ein Stück Lebensrecht. Auch wir selbst verarmen dabei. Oft benehmen sie sich dabei wie sture Esel, die kaum vom Platz zu bewegen sind. Einander vergeben heißt für mich, einander aus dem Vorwurf entlassen. Das ist für mich gerade im Rahmen der Familie eine sehr eindrückliche Formulierung. Wie oft bleiben gegenseitige Vorwürfe, gerade, wenn die Kinder aus dem Haus sind bestehen. Solche Vorwürfe, solche unvergebenen Dinge sind Gift im eigenen Leben und im Leben anderer.

g) füreinander beten und einander segnen

Man kann nichts Besseres für einen Menschen tun, als für ihn zu beten. Beten heißt, sich an die allerhöchste Instanz zu wenden, der alle Macht im Himmel und auf Erden gegeben ist. Uns erscheint Gottes Wirken manchmal ein wenig zu langsam. Aber Er erachtet dies für nötig, damit wir Geduld lernen, - Geduld mit den Schwächen des anderen, - aber auch mit unseren eigenen Schwächen. Wer betet, geht zum Herzen Gottes und findet dort den Vater, der ihn am besten versteht. Segnen setzt die Kraft Gottes frei. Gott kommt in unsere Mitte, zwischen uns als Filter und Dolmetscher, hinter uns als Stütze, vor uns als Bewahrung, über uns mit seinem Geist, der uns erleuchtet, um den andern mit Seinen Augen sehen zu können. Füreinander beten und einander segnen ist das Geheimnis allen guten Miteinanders.

4. Familie sein - ein Wort, wenn die Kinder aus dem Haus sind

Vielleicht mag heute mancher gedacht haben: Das geht mich alles nicht mehr an. Meine Kinder sind schon aus dem Haus, sind schon erwachsen. Was ist denn da zu sagen. Der Umgang mit den erwachsenen Kinder oder den älter gewordenen Eltern ist manchmal genauso schwierig wie das Leben in der Familie, wenn nicht sogar noch schwieriger. Auch das ist kein neues Thema, sondern jahrhundertelange Erfahrung. Auch ein Bereich, an dem ich keine persönliche Erfahrung habe und wenn, dann nur als Kind.

Für Eltern: Sich rechtzeitig darauf einstellen - Neue Lebensphase als neue Chance begreifen - Akzeptieren, daß ihr Einfluß am abnehmen ist - Kinder gehören uns nicht, sie sind uns für eine Zeit des Lebens anvertraut. Das ist eine Wahrheit, die man lange Zeit ignoriert und dann wenn sie nicht da ist oft nicht akzeptiert. Man muß es auch akzeptieren, wenn Kinder ihre Entscheidungen anders treffen, als das man selber getan hat. Oft sind sie ja erwachsen. D.h. aber auch, man darf Verantwortung für sie abgeben. Entlastung.

Für Kinder:

Geduld und Verständnis sind wohl die wichtigsten Worte für den Umgang mit Eltern und Schwiegereltern. Mancher der über seine alt gewordene Eltern klagt sollte achtsam sein. Wie geht es ihm, wenn er mal die 70 überschritten hat? Wenn jetzt auch nicht mehr der gehorsam den Eltern gegenüber gefragt ist, so doch die Ehrfurcht und die Dankbarkeit für alles, was sie in einem investiert haben. Das versteht der, der eigene Kinder groß zieht.

Über allem aber steht die Vergebung als die wichtigste Eigenschaft im Umgang miteinander.

Ich schließe mit einem Zitat:

Ohne eine gesunde Familie gibt es keinen gesunden Staat. Das klingt vielleicht altmodisch, aber das ist so. Deshalb muß die Familie wieder absoluten Vorrang bekommen. Wer ja zu Kindern sagt, muß auch spüren, daß die Gesellschaft ihn dabei unterstützt. Einen alten Kardinal, der ausgewandert ist und heute in Lateinamerika lebt habe ich einmal gefragt: "Wie finden sie das Deutschland von heute? Er sagte: Man sieht so wenig Kinder und die Leute lachen so wenig. In diesem knappen Satz ist ein Teil unserer Situation treffen wiedergegeben. Kinder haben etwas mit Wärme zu tun, mit Herzlichkeit, mit Zukunft. Ich glaube, daß wir das einzige Land der Welt sind, in dem vor Gericht prozessiert wird, ob Kinderspielplätze in Wohngebieten liegen dürfen. Wenn dort keine Kinderspielplätze mehr sind, weil sie stören, dann gibt es bald nur noch einen einzigen ruhigen Ort - und das ist der Friedhof.

Amen