Logo Predigt: Jona - vor Gott davon



Leben wie Jona: leben von und für den täglichen Kleinkram, und du fragst dich: Was ist eigentlich meine Bestimmung, gibt es eigentlich auch für mich so etwas wie eine Lebensaufgabe? Ist das, was ich zur Zeit erlebe, der ganze und letzte Horizont meines Lebens? Jona bekommt von Gott eine Bestimmung für sein Leben. Jona jedoch hat eine sehr eigensinnige Art, diese Bestimmung anzupacken...

Jona 1, 1-3

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Liebe Gemeinde,

An den kommenden drei Sonntagen soll es um Jona gehen.

Ich lade euch ein, euch auf diese bekannte Geschichte einzulassen. Und ich habe für mich den Wunsch, daß die Jonageschichte zu einer Geschichte wird, in der ich mich wiederfinde.

Ich lese uns Jona 1,1-3

1. Wer war Jona:

Jona, sein Name heißt übersetzt: Taube. Eine Taube hat manchmal etwas flatterhaftes an sich. Ob das wohl auch für den Jona zutrifft? Jona war ein Sohn Amittais, das heißt übersetzt, treu, zuverlässig, sicher. Warum solch ein Vater seinem Sohn den Namen Taube, Flattergeist gibt? Jona war ein Prophet im Nordreich Israels. Das geht aus der einzigen Bibelstelle hervor, in der Jona außerhalb des Jonabuches erwähnt wird.

2Kö 14,25 Er (Jerobeam II) stellte wieder her das Gebiet Israels von Hamat bis ans Salzmeer nach dem Wort des HERRN, des Gottes Israels, das er geredet hatte durch seinen Knecht Jona, den Amittais, den Propheten, der von Gat-Hefer war.

Danach lebte Jona in der Zeit Jerobeam II. Jerobeam regierte von 793 - 753 v.Chr. also ca. 200 Jahre nach David.

Jona wohnte in Gad Hepher, einem unbedeutendem Dorf, wir würden sagen einem Kaf. Jona lebte in Hintertupfingen. Was macht ein Prophet in Gad Hepher? Warum war er überhaupt Prophet?

Jonas große Zeit war eigentlich zu dem Zeitpunkt, an dem das Jonabuch seine Geschichte beginnt, eigentlich schon vorbei. Jona hatte einmal eine große Zeit. Das war damals, als Jerobeam Krieg führte gegen die Assyrer und alle Leute den Jona fragten: Wie geht die Schlacht aus? Wird Jerobeam siegen? Jona sagte damals "Ja", er wird siegen. Das war seine Prophetie, und es kam tatsächlich auch so. Jerobeam gewann und konnte das Nordreich ausdehnen und stärken. Damals, da feierten sie Jona, damals, da riefen sie: Jona, was bist du für ein großer Prophet, damals stand er im Mittelpunkt. Aber der Ruhm der großen Tage verblaßte. Jona kehrte nach Gad Hepher zurück und dort war nicht mehr viel los. Vielleicht kam manchmal einer bei ihm vorbei und fragte: "Du Jona, meine Ziege ist weggelaufen, du bist doch ein Prophet, kannst du mir sagen, wo ich sie suchen soll?" Vielleicht kam ab und zu einer vorbei und fragte Jona: "Du, ich hab Schwierigkeiten mit meinem Sohn, er rebelliert gegen mich, was soll ich tun?" Aber das war schon alles, was sich im Prophetenleben eines Jona noch ereignete. Sicherlich, die Leute grüßten ihn auf der Straße sehr freundlich. Sicherlich, er war ein geschätzter Bürger seines Dorfes. Aber ansonsten baute er Gemüse in seinem Garten an, damit er überhaupt leben konnte. Oder aber Jona lag in seiner Hängematte und träumte vom Glanz vergangener Tage. Das war Jona!! Jona, bevor das Wort Gottes zu ihm geschah.

Geht es dir vielleicht genauso wie Jona? Bist du vielleicht der Jona? Hast du auch das Gefühl: Die großen, erfolgreichen Zeiten in meinem Leben sind vorbei. In meinem Leben passiert nichts weltbewegendes mehr?

Ja, vielleicht hast du auch ruhmreiche Zeiten in deinem Leben erlebt. Du hast eine Jungschar geleitet, die super gelaufen ist, zu der viele gekommen sind. Man hat dich in der Gemeinde gelobt. Der X, was ist der für ein toller Mitarbeiter. Aber das ist der Glanz vergangener Tage. Heute hast du das Gefühl, du bekommst nicht mehr viel zustande.

Vielleicht warst du während deiner Schulzeit große Klasse. Du gehörtest zu den Besten deines Jahrgangs und der Rektor hat bei deinem Schulabschluß gesagt: Aus Dir wird noch einmal etwas rechtes, Leute wie dich braucht die Welt. Aber irgendwie ist alles anders gekommen. Nach der Schule ist nichts mehr richtig zusammengelaufen. Die Berufsausbildung war nicht so, wie du es dir erhofft hattest. Andere Dinge sind dazwischen gekommen. In der Zwischenzeit lebst du ein stinknormales Leben, hast mit deinen Kindern und der Familie mehr als genug zu tun und der Traum einer großen Karriere... zerplatzt wie eine Seifenblase.

Vielleicht stehst du schon seit zig Jahren in deiner Firma am selben Platz. Bist in deinem Alter ohnehin ohne Chance, irgendwie weiter zu kommen.

Leben wie Jona, Leben von und für den täglichen Kleinkram, leben in Gad Hepher und keine Aussicht, dort heraus zu kommen, und du fragst dich: Was ist eigentlich meine Bestimmung, gibt es eigentlich auch für mich so etwas wie eine Lebensaufgabe? Ist das, was ich zur Zeit erlebe, der ganze und letzte Horizont meines Lebens? Stimmt das denn, was wir früher immer gesungen haben: Irgendeinen Platz hat Gott, an dem will er dich haben, irgend etwas kann kein anderer Mensch so gut wie du!!

An dieser Stelle geschieht das Wort des Herrn zu Jona. Jona, mach dich auf und geh in die große Stadt Ninive.

2. Wo ist Ninive:

Nach Ninive soll Jona gehen. Ninive, das heißt zu deutsch: "Wohnung". Wohnung des Bösen. In Ninive, so waren die Juden überzeugt, war das Böse zu Hause. Ninive stand als Symbol für die Hölle auf Erden, so wie für uns Auschwitz, das ehemalige Jugoslawien, Ruanda Orte sind, an denen das Böse sich ballt. Alles, was Menschen an Gemeinem, Kriegerischem, an Friedlosem, an Zerstörerischem unternimmt, ist in Ninive symbolisiert. Die Armeen und Soldaten Ninives waren berüchtigt für ihre Grausamkeiten und ihre Brutalität, waren berühmt für die Deportation ganzer Völker und für Massenmorde. Ninive ist das, was man flieht, wenn man leben will; Ninive ist der Ort, der krank macht vor Angst und Verzweiflung und Empörung und Enttäuschung. Ninive, das ist der äußerste Gegensatz zu Gott und zu allem, wofür er steht: Leben, Friede, Wahrheit, Gerechtigkeit, Glück, Liebe. Ninive, das ist der Ort, wo Menschen auf Kosten anderer Menschen leben. Dorthin also soll Jona gehen. Dorthin, wo der Name seines Gottes nichts, aber auch gar nichts galt.

Ich möchte es euch überlassen, wie man Ninive auf die heutige Zeit übertragen kann. Aber an der Sendung Jonas nach Ninive wird deutlich: Gott interessiert sich für dieses Ninive. Gott will eine Brücke schlagen, zu dieser höllischen Stadt, er will eine Brücke schlagen zu diesem Symbol des Gemeinen. Gott überläßt Ninive nicht sich selber, sondern er hat mit dieser Stadt etwas vor. Deshalb geschieht des Herrn Wort zu Jona.

Was ist dein Ninive? Vielleicht ist Ninive für dich ein Mensch. Ein unmöglicher Mensch, ein Mensch, der dich plagt, ein Mensch, der sich über dich erhebt, ein Mensch, der prallt, ein Mensch, den du als grausam empfindest, vielleicht einfach seelisch grausam.

Vielleicht ist Ninive für dich eine Situation.

Gott hat mit deinem Ninive etwas vor, es ist ihm nicht egal. Er interessiert sich dafür.

Gott sagt zu Jona: Hör auf, über Ninive zu schimpfen, gehe hin und predige wider sie. Predigen ist etwas anders als beschimpfen. Predigen heißt, dieses Ninive mit Gott in Verbindung zu bringen, sei es durch ein Wort, sei es durch ein Gebet. Dieser wider ist nicht im Sinn einer Gegnerschaft zu verstehen. Es ist wie wenn ein Feuerwehrmann den Wasserstrahl wider das Feuer richtet. Es ist ein heilsames Wider.

3. Was ist deine Bestimmung

An dem Tag, als des Herrn Wort zu Jona geschah, erfuhr Jona eine neue Bestimmung für sein Leben. Er hörte: Mach dich auf und geh nach Ninive. Gott hatte mit seinem Leben, das in mehr oder weniger langweiligen, kleinkarierten Bahnen in Gad Hepher verlief, etwas vor. Jona bekommt für sein Leben von Gott einen neue Bestimmung und was tut er? Jona flieht vor dieser Bestimmung. Er flieht vor seiner Lebensbestimmung.

Verstehen kann ich Jona dabei schon, es gab viele gute Gründe, logische Gründe, richtige Gründe vor dieser Lebensbestimmung zu fliehen.

Der Auftrag Gottes war schon eine Zumutung. Die Gefahr, sich lächerlich zu machen, war wirklich riesengroß. Sich dem Gespött der Niniviten auszusetzen, um sein Leben zu bangen, all das war drin, war möglich.

Das gemütlich eingerichtete, vielleicht doch beschauliche Zuhause zu verlassen. Auch das war eine Zumutung.

Und wer überbringt schon gerne eine schlechte, negative Botschaft?

Gründe hatte Jona wirklich genug, vor seiner Lebensbestimmung, vor seiner Lebensaufgabe davonzulaufen. Und Jona tut es. Er soll nach Ninive, das liegt im Osten, und er rennt gegen Westen, hinunter zum Hafen nach Jaffa, dem heutigen Haifa. Dort liegt tatsächlich eines der bekannten Tarsisschiffe, eines der Tarsisschiffe, die in der Antike für ihre Schnelligkeit und Geschwindigkeit berühmt waren. Eine Reise mit diesen Schiffen war damals nicht billig. Aber Jona war jeder Preis recht, er ließ es sich etwas kosten, seiner Bestimmung zu entgehen. Und machen wir es nicht genauso? Lassen nicht auch wir es uns etwas kosten, unserer Bestimmung zu entgehen?

Wohin führt es, wenn wir denn unserer Bestimmung, unserer Aufgabe zu entgehen versuchen? Ein Wort kommt im Jonabuch immer wieder vor.

Dieses Wort heißt: "Hinab"

Hinab nach Jaffa. Hinab in den Schiffsbauch. Später dann: Hinab in die Tiefe des Meeres.

Seiner Bestimmung zu entgehen, ist wie ein Abstieg. Jona begab sich damit auf einen schwankenden Grund.

Gibt es Situationen, wo wir aus den Augen Gottes fliehen wollen? Nur weit, weit weg von diesem Gott?

Vielleicht fliehst du schon immer vor Gott

Vielleicht würdest du gerne aus deinem Christsein heraus fliehen

Vielleicht fliehst du vor einer Aufgabe, die Gott dir geben will

Dabei gilt doch

Ps 139,7-10 Wohin soll ich gehen vor deinem Geist, / und wohin soll ich fliehen vor deinem Angesicht? Führe ich gen Himmel, so bist du da; / bettete ich mich bei den Toten, siehe, so bist du auch da. Nähme ich Flügel der Morgenröte / und bliebe am äußersten Meer, so würde auch dort deine Hand mich führen / und deine Rechte mich halten.

Jona heißt Taube. Eine Taube hat die Eigenschaft, daß sie stets an ihren Ausgangspunkt zurückfindet. Sie findet an den Ort zurück, wo sie zu Hause ist. Ob wohl ein Jona zu Gott und seinem Auftrag zurückfindet? Sicher ist nur: Gott wird ihn finden.

Findest du Gott - zurück zu Gott? Wer weiß das. Sicher ist nur: Gott findet dich und das ist gut so.

Amen