
  |
Vorbemerkung:
Diese Predigt wurde in Anlehnung an ein Referat von Clark Peddicord
anläßlich der Predigerkonferenz auf St. Chrischona im Juni 1996
geschrieben
Detailliertere Ausführungen sind in dem Buch von Clark Peddicord "Der
Heilige Geist Gott mitten unter uns", Brunnen-Verlag
enthalten)
Liebe Gemeinde,
weil dieser Text, dieser Bericht, diese Geschichte von der Ausgießung
des Heiliger Geistes in der Bibel steht, liebe Freunde und Geschwister,
feiern wir heute das Pfingstfest. Jesus Christus hat nach seiner
Himmelfahrt seinen Jüngern seinen Geist gesandt, damit sie nicht
allein, nicht als Waisen auf dieser Erde bleiben, sondern seine
Gegenwart spüren und erleben.
Weil dieser Bericht in der Bibel steht, sprechen wir im Glaubensbekenntnis:
Ich glaube an den Heiliger Geist.....
Doch dann mache ich die Beobachtung, daß viele, die ihr Christsein
ernst nehmen wollen, nur eine sehr unklare Vorstellung vom Heiliger
Geist haben. Vielen mag es so gehen, wie den Jüngern von Johannes
dem Täufer in Ephesus.
Als Paulus auf einer seiner Missionsreisen nach Ephesus kommt,
trifft er Jünger von Johannes dem Täufer. Paulus fragte sie: "Habt
ihr den Heiligen Geist empfangen, als ihr gläubig wurdet?" Ihre
Antwort damals lautete "Wir haben noch nie gehört, daß es
einen Heiligen Geist gibt". Nachzulesen in Apostelgeschichte
19.
Der durchschnittliche Gottesdienstbesucher in unseren Gemeinden
würde vielleicht sagen: "Nun, ich habe wohl in mancher Predigt
gehört, daß es den Heiliger Geist gibt, aber sonst weiß ich wenig über
ihn. Ich bin mir auch gar nicht so sicher, ob ich ein Mensch bin,
der vom Heiliger Geist erfüllt ist."
Wenn wir anfangen müßten, den Heiliger Geist zu beschreiben, könnte
es schon sein, daß wir dabei ins stottern kommen. Was und wer ist
denn dieser Geist, von dem hier in unserem Predigttext zu lesen
ist?
Der Heiliger Geist wurde ausgegossen, so heißt es in unserem Predigtext.
Ausgießung - das läßt an eine Sache, eine Substanz denken, noch
dazu an eine flüssige! Und damit liegen wir schon falsch. Der Heilige
Geist ist keine Substanz, die verschüttet werden kann. Kein Fluidum,
das sich in leere Räume ergießt. Der Heilige Geist ist nicht Substanz,
sondern Subjekt. Nicht Sache, sondern Person. Nicht ein Gegenstand,
sondern ein Gegenüber!
Der Heilige Geist, so wird uns gesagt, ist Teil von Gott, zu Gott
gehörend.
Nach dem einstimmigen Zeugnis der Gemeinde Jesu ist der Heiliger
Geist derjenige, der Leben stiftet der Lebensspender. Am
Anfang der Schöpfung schwebte der Geist Gottes über dem Chaos und
daraus wurde Ordnung und Leben.
Ich möchte heute mit euch zusammen nachdenken, wie wir den lebensspendenden
Geist Gottes heute neu erfahren können. Ich sage es noch direkter:
Wie kannst du dem Heiliger Geist noch mehr Raum in deinem Leben
geben? Was braucht es und was muß geschehen, daß wir, wie damals
die ersten Jünger, Menschen sind, die mit dem Heiliger Geist erfüllt
sind? Viele Christen treibt diese Frage um, hauptamtliche und Mitarbeiter
in den Gemeinden. Neubekehrte und solche, die schon zu den alten
Hasen gehören.
Ich erinnere mich gut an ein Treffen mit meinen Klassenbrüdern,
mit denen ich zusammen die Ausbildung auf Chrischona absolviert
habe. Als wir uns austauschten spürten wir, wie bei vielen von
uns eine Sehnsucht nach einem Mehr im Leben da war, gerade auch
im geistlichen Leben. Diese Sehnsucht nach dem Mehr im Leben ist
eine gute Sehnsucht, und ich wünschte mir, daß jeden von uns diese
Sehnsucht umtreibt.
Diese Sehnsucht braucht der Engagierte, der in der Gemeinde für
einen Kreis zuständig ist. Die Frage, wie kann in diesem Kreis
mehr geschehen, mehr geistliches. Mehr Verantwortung füreinander,
mehr Fürsorge füreinander, mehr Verlangen nach Gebet und Gottes
Wort.
Diese Sehnsucht braucht derjenige, der mit Problemen im Leben
kämpft. Wo ist dieses Mehr der lebensverändernden Kraft Gottes.
Wo ist diese Kraft zu spüren, wo ich doch schon so lange für meinen
Ehepartner bete. Wo ist diese Kraft Gottes zu spüren, wo man doch
selber immer so viel mit Problemen im eigenen Leben zu kämpfen
hat?
Ich möchte die Frage, wie wir die lebensspendende Kraft des Heiliger
Geist heute erfahren in ein Bild fassen.
Wer von der Autobahn her kommend nach Eichstetten fährt, sieht
am Ortseingang das große Umspannwerk der Badenwerke. Kein besonders
schöner Anblick, für alle, die ihn nicht gewohnt sind, und doch
gehört dieses Bild zum Ortseingang von Eichstetten dazu. In diesen
Hochspannungsleitungen fließt Strom. Viel Strom. Hochspannungsleitungen
transportieren Unmengen von Energie und jeder, der mit so einer
Leitung in Berührung kommt, ist sofort tot, weil er diese Energie
nicht aushält. Nun, was geschieht in so einem Umspannwerk, wie
wir es vor den Toren von Eichstetten haben. In diesem Umspannwerk
wird die Hochspannungsenergie heruntertransformiert auf die Spannungen,
wie wir sie in unseren Haushalten vertragen und einsetzen können.
Dort wird aus der Hochspannung eine 220 Volt Spannung gemacht und
diese 220 V können wir in unserem Alttag gebrauchen, damit der
Herd funktioniert, die Spülmaschine läuft, der Bohrer unserer Bohrmaschinen
sich dreht, unsere Fernseh- und Radiogeräte richtig funktionieren.
Die Frage, die wir uns heute stellen, ist die: Wie können wir
die Hochspannung des Heiliger Geistes, die uns die Schrift durchaus
bezeugt, so in unser Leben transformieren, daß sie für uns erfahrbahr
wird?
Hat Gott Leitungen und Transformatorenstationen erdacht, durch
die Gott seine Kraft und Vollmacht zu uns fließen läßt? Und wenn
es solche Transformatorenstationen gibt, wie können wir den Stau,
die Blockade in ihnen zur Seite räumen?
Ich möchte uns noch einen Text lesen. Einen Text aus dem 1. Johannesbrief.
Vielleicht fragen sie sich zuerst: Was hat dieser Text mit Pfingsten
zu tun, aber wir werden noch sehen. Er hat sehr viel mit Pfingsten
zu tun.
1Joh 1,5 Und das ist die Botschaft, die wir von ihm gehört haben
und euch verkündigen: Gott ist Licht, und in ihm ist keine Finsternis.
1Joh 1,6 Wenn wir sagen, daß wir Gemeinschaft mit ihm haben, und
wandeln in der Finsternis, so lügen wir und tun nicht die Wahrheit.
1Joh 1,7 Wenn wir aber im Licht wandeln, wie er im Licht ist,
so haben wir Gemeinschaft untereinander, und das Blut Jesu, seines
Sohnes, macht und rein von aller Sünde.
1Joh 1,8 Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so betrügen wir
uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns.
1Joh 1,9 Wenn wir aber unsre Sünden bekennen, so ist er treu und
gerecht, daß er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller
Ungerechtigkeit.
1Joh 1,10 Wenn wir aber sagen, wir haben nicht gesündigt, so machen
wir ihn zum Lügner, und sein Wort ist nicht in uns.
Eine erste Blockade in dieser Transformatorenstation ist für mich
1.Joh 1,8. Wer sie beachtet, kann dadurch den Stau im geistlichen
Leben in Bewegung setzen. 1. Joh 1,8 heißt:
1Joh 1,8 Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so betrügen wir
uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns.
1. Die Gefahr des Selbstbetruges
Was meine ich damit? Der Selbstbetrug in unserem Leben beginnt
dort, wo ich meine: Es ist schon richtig was ich mache. Der Selbstbetrug
beginnt dort, wo Christen anfangen zu denken. So wie ich lebe,
das ist schon in Ordnung.
Der Selbstbetrug beginnt dort, wo wir uns abkoppeln von den Problemen,
die wir haben und meinen: Andere sind Schuld, daß es dieses Problem
gibt. Ich will versuchen das an Beispielen zu verdeutlichen:
Wenn jemand sagt: Ach, unser Prediger ist auch nichts besonders,
seine Predigten sagen mir nichts und ich finde sie absolut langweilig.
Dann beginnt dort der Selbstbetrug. Ich trenne dann das Problem
von mir. Ich sage dann: Nicht ich sondern der andere ist Schuld.
Das ganze könnten wir auch an anderen Beispielen verdeutlichen.
Zum Beispiel wenn es in einer Ehe Spannungen und Schwierigkeiten
gibt. Da gibt es verheiratete Männer oder Frauen die sagen (oder
denken): wenn meine Frau, mein Mann nur anders wäre, dann hätten
wir keine Probleme in unserer Ehe. Solche Menschen leben im Selbstbetrug.
Sie sagen: Sie haben keine Sünde, keinen Anteil an dem Problem
und die Bibel urteilt darüber so, daß sie sagt: Solche Menschen
betrügen sich selber und die Wahrheit ist nicht in ihnen.
Wo Menschen im Selbstbetrug leben, kann Gottes Geist nicht in
ihnen wirken. Wo Menschen im Selbstbetrug leben, blockieren sie
den Heiliger Geist und verhindern damit, daß er in ihrem Leben
wirksam wird. Anders werden müssen nur die anderen. Der Prediger,
die Gemeinde, der Ehepartner, der Chef, die Kinder, die Eltern.
Wer so denkt, blockiert das Werk des Heiliger Geistes, wird Kraft
und Fülle des Geistes nicht erfahren, denn der Heiliger Geist ist
das Gegenüber, der uns Erkenntnis über uns selbst, unseren wahren
Zustand unsere Sündhaftigkeit schenken will. Nur wer sich diesem
Zustand stellt, erfährt Veränderung.
Wie entgehen wir dem Selbstbetrug? Dem Selbstbetrug können wir
nur dann entgehen, wenn wir einen Menschen haben, der unser Leben,
auch unser geistliches Leben in Frage stellen darf. Haben wir so
einen Menschen? Nicht einen Menschen, der uns immer auf die Schulter
klopft und sagt: Schon gut, was du machst. Nicht einen Menschen,
den wir um Rat fragen wenn wir Reben anbauen, Häuser bauen oder
mit dem Computer umgehen. Sondern einen Menschen, der dich fragen
darf: Du, ist das, was du tust, richtig? Ist das, wie du dein Christsein
lebst, ok. Du, ich beobachte bei dir dies und jenes .... Müßtest
du darüber nicht einmal nachdenken? Wo wir solche Menschen zur
Seite haben, hört der Selbstbetrug auf und dann beginnt Gottes
Geist in uns zu wirken.
Meine konkrete Frage: Hast du so einen Menschen? Wer darf dich
kritisieren, wer darf dein Christsein kritisieren?
Eine zweite Blockade in der Transformatorenstation des Geistes
Gottes steht in 1. Johannes 1,6
1Joh 1,6 Wenn wir sagen, daß wir Gemeinschaft mit ihm haben, und
wandeln in der Finsternis, so lügen wir und tun nicht die Wahrheit.
Nach der Gefahr des Selbstbetruges möchte ich zweitens sprechen über
2. Die Gefahr eines Lebens im Schatten
Es ist, nehmen wir 1. Johannes 6 ernst, offensichtlich möglich,
Gott zu kennen und doch in der Finsternis, im Zwielicht, im Halbdunkel
oder im Schatten zu leben und zu wandeln.
Horst Klaus Hoffmann, der Gründer und Leiter der Offensive junger
Christen in Reichelsheim, wurde einmal gefragt, welche Qualitäten
für einen Christen wichtig sind. Horst Klaus Hoffmann sagte: Die
wichtigste Eigenschaft eines Christen, eines Mitarbeiters sei für
ihn: Durchsichtigkeit! Ein Leben, ohne Geheimzonen!
Laserstrahlen sind nichts anderes als Lichtwellen, Lichtimpulse,
die auf eine Wellenlänge gestimmt sind, indem sie durch einen reinen
Kristall hindurchgehen. Das ist ein Bild für ein Leben aus und
in der Vollmacht des Geistes Gottes. Durchlässigkeit, Reinheit
sind Voraussetzungen echten geistlichen Lebens. Jesus sagt:
Mt 5,8 Selig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott
schauen.
Es ist Betrug, wenn man Schecks ausgibt, ohne das Geld zu besitzen,
das sie decken. Es ist Betrug, wenn ich im Hertie in Freiburg groß einkaufe,
mit einem Scheck bezahle, aber nichts auf dem Konto habe.
Geben wir ungedeckte geistliche Schecks aus? Geistliche Worte
und Aktivitäten, frommes Reden nach dem Gottesdienst oder beim
Kaffeekränzchen danach, die nicht durch die harte Währung erlebter
geistlicher Wirklichkeit gedeckt sind? Worte und Aktivitäten, die
wir nur durch unsere eigenen nachgemachten falschen Münzen zu decken
versuchen?
Leben wir mit Bereichen unseres Lebens im Schatten, in einem Schatten,
den niemand wissen darf. Vielleicht ist es hilfreich, wenn wir
konkret werden.
Gehst du ehrlich und aufrichtig mit deiner Arbeitszeit um? Darf
dein Chef wissen, wie du deine Arbeitszeit zubringst?
Darf und kann jeder die Filme sehen, die du dir im Fernsehen anschaust?
Hegst du im Grunde deines Herzens einen beständigen Groll auf
einen Menschen oder auf eine Gruppe von Menschen?
Lebst du in Gleichgültigkeit und bewußtem Egoismus gegenüber einem
Menschen, der deine Hilfe eigentlich nötig hätte?
Könnte dein Schatten vielleicht beständiger und anhaltender Neid
auf Menschen sein, die es besser oder scheinbar besser haben als
du?
Welche Bereiche in deinem Leben hälst du im verborgenen? Was darf
kein Mensch wissen? Was hast du bislang beharrlich gegenüber allen
anderen verschwiegen?
An diesen Dingen ist zu prüfen, ob wir ein Leben im Schatten führen.
Und wohlgemerkt: Es geht nicht darum, daß es diese Dinge in unserem
Leben nicht mehr geben darf. Wer ehrlich ist wird merken. Tief
in jedem Menschenherzen gibt es eine Truhe und darin liegt ein
Geheimnis, das so furchterregend ist, daß wir bereit sind alles
zu tun, um den Deckel dieser Truhe nicht aufmachen zu müssen. Nicht,
daß es diese Dinge im Leben gibt ist das Verhängnisvolle, sondern
daß wir sie verbergen, daß es keinen Seelsorger gibt, vor dem wir
sie aussprechen und bekennen, daß wir es oft nicht einmal wagen,
mit diesen Dingen in das Licht Gottes zu treten, das ist das Verhängnisvolle,
dasjenige, was ein Leben im Schatten ausmacht
Was können wir tun? Wir wollen anfangen, zuerst ehrlich vor uns
selber zu werden, dann wollen wir ehrlich vor Gott werden und dann
gilt es eine Entscheidung zu treffen. Die Entscheidung, von nun
an nicht mehr im Schatten, sondern in der Durchsichtigkeit leben
zu wollen.
Diese Dinge haben für mich sehr viel damit zu tun, ob wir mit
dem Heiliger Geist erfüllt sind oder nicht. Betrübet nicht den
Heiliger Geist heißt es in Eph 4,30. Was im Schatten bleibt, betrügt
und betrübt ihn.
Für mich hat die Sache mit dem Heiliger Geist mit diesen Fragen
zu tun. Nicht mit spektakulären Erlebnissen, wie wir sie vielleicht
hier und dort hören. Nicht mit einem Toronto Segen, bei dem in
manchen Gemeinden reihenweise Menschen umfallen. Dort beginnt für
mich Geistesfülle, ein Leben in der Kraft des Heiliger Geistes,
die Erfahrung von Pfingsten heute, hier und jetzt, wo wir:
- Ehrlich werden mit uns selbst
- Gott, den Heiliger Geist bitten, in mir ein brennendes Verlangen
nach Gott zu entzünden
- Rückhaltlose Aufrichtigkeit vor einem Bruder oder einer Schwester,
d.h. Beichte praktizieren
- Die konkrete Verpflichtung auf uns nehmen, mit mindestens einem
anderen Bruder, einer anderen Schwester verbindlich, durchsichtig
und transparent zu werden. Wo ist der Mensch, der dich in deinem
Christsein hinterfragen darf?
So wollen wir uns prüfen, und wir wollen bitten: Herr, füll mich
neu, füll mich neu mit deinem Geiste.
Amen |