
  |
Liebe Gemeinde,
weil gut und gern 75 Prozent, zeitweilig sogar 100% unserer Familie
in den vergangenen Wochen mit einer hartnäckigen Erkältung zu tun
hatten, beschlossen wir am vergangenen Montag: Wir machen einen
Ausflug auf den Freiburger Hausberg, den Schauinsland. Höhenluft,
so sagt man und so hört man, ist bei Husten und dererlei Übeln
gut und heilsam.
Als wir in Eichstetten wegfuhren stand die Benzinuhr unseres Astras
auf Reserve. Kein Problem, dachte ich, irgendwo auf dem Weg fährst
du an eine Tankstelle und tankst. Wir fuhren durch Freiburg, Richtung
Schauinsland, doch keine Tankstelle auf dem ganzen Weg. Als wir
schon draußen in Horben waren, war es mir klar. Vor dem Schauinsland
kommt keine Tankstelle mehr. Macht nichts, dachte ich. Wenn der
Zeiger auf Reserve steht, kommt man immer noch gut und gern 50
km. Wir fahren auf den Schauinsland rauf und tanken auf dem Rückweg. "Meinst
du, es reicht wirklich", fragte mich meine Frau, mit einem
etwas zurecht skeptischen Blick? Ich spielte das Problem herunter,
bemühte mich, sehr zuversichtlich zu klingen. Aber: So ganz wohl
fühlte ich mich selber nicht in meiner Haut. Wir verbrachten inmitten
einer richtigen Völkerwanderung einige Stunden auf dem Schauinsland.
Ich vergaß fast gar das Benzinproblem. So gegen 15.00 Uhr machten
wir uns dann wieder auf den Heimweg. Hoffentlich geht mir auf der
Steige nicht das Benzin aus, dachte ich, denn ohne Motorbremse
die Rennstrecke herunterfahren, das wäre zu riskant. Für mich waren
es spannende Minuten, die ich natürlich mit cooler Gelassenheit
herunterzuspielen versuchte.
Natürlich wäre die Geschichte für euch wesentlich interessanter,
wenn mir nun tatsächlich das Benzin ausgegangen wäre, aber da muß ich
euch zum Glück enttäuschen. Wir kamen gut in Freiburg unten an
und der Sprit reichte sogar bis zur nächsten Tankstelle. Die Geschichte
fand damit ein völlig und dramatisches, fast gar banales Ende.
Von Leuten, denen der Sprit, besser gesagt das Öl tatsächlich
ausging, handelt jedoch unser heutiger Predigttext. Es ist das
Gleichnis von den zehn Jungfrauen, das uns nur der Evangelist Matthäus
im 25. Kapitel seines Evangeliums überliefert.
Ich lese uns diesen Text nach der Übersetzung: Hoffnung für alle
Text lesen: Matthäus 25,1-13
Andere Länder andere Sitten heißt ein Sprichwort. In Israel damals
wurden Hochzeiten anders gefeiert als hier in Eichstetten, wo man
mit dem Gottesdienst und dem Fest so um die Mittagszeit beginnt.
Damals im Orient wurden Hochzeiten so gefeiert, daß die Braut
in ihrem elterlichen Haus auf den Bräutigam wartete. Der Bräutigam
sollte sie dort abholen und dann in sein Haus führen, wo die Hochzeit
gefeiert wurde. Auf diesem Weg wurde die Braut von ihren Brautjungfern
begleitet. Wegen der großen Hitze begannen die Feste oft erst in
den Abendstunden, dauerten dann aber nicht nur ein paar Stunden,
sondern einige Tage lang. Nicht selten war, und das ist ja im Orient
noch heute so, ein Brautvater nach der Vermählung einer Tochter
nahezu ruiniert, weil so eine Hochzeit, inklusive der Geschenke
an den Bräutigam, eine kostspielige Angelegenheit war und ist.
Weil diese Hochzeiten erst in den Abendstunden begannen, war es
durchaus naheliegend, daß die Brautjungfern Öllampen oder mit Öl
getränkte Fackeln dabei hatten.
In unserem Gleichnis, so heißt es, ließ der Bräutigam nun besonders
lange auf sich warten. Alle zehn Brautjungfern waren in der Zwischenzeit
eingenickt. Sehr spät, erst um Mitternacht, jedoch wurde dann der
Bräutigam angekündigt und Hektik machte sich breit. O Schreck,
die Lampen waren in der Zwischenzeit niedergebrannt, also schnell Öl
nachgießen, falls man überhaupt welches dabei hat.
Das ist nun der Punkt, wo sich die zehn voneinander unterscheiden.
5 hatten ein Gefäß mit Reserveöl dabei, 5 hatten ihren antiken
Ersatzkanister vergessen, oder fanden es einfach nicht nötig, solch
einen Kanister mitzuschleifen.
Der Rest des Gleichnisses ist schnell erzählt. Bis die 5 törichten
Jungfrauen sich Ölnachschub besorgt hatten, man bedenke, immerhin
hatten nachts um 24.00 Uhr noch die Kaufleute ihre Geschäfte offen,
war die Hochzeitsgesellschaft bereits aufgebrochen und mitten im
Fest. Aber quasi als geschlossene Gesellschaft. Der Bräutigam läßt
sie nicht mehr herein, sondern weist sie mit dem harten Wort: "Ich
kenne euch nicht" zurück.
Über drei Dinge will ich jetzt mit euch zusammen nachdenken, wenn
wir uns fragen, was Jesus uns mit diesem Gleichnis sagen will.
Die ersten beiden Punkte sind recht kurz, beim dritten wollen wir
uns etwas mehr Zeit nehmen.
1. Wir leben am Vorabend des Festes
Ob euch das auch so geht wie mir? Wenn ein Fest oder gar ein Urlaub
bevorstehen, auf die wir uns freuen, dann ist die Vorfreude immer
die schönste Freude. Beispielsweise wenn wir in den Urlaub fahren
und die Reise beginnt am kommenden Morgen ganz in der Frühe. Man
hat schon alles gepackt, das Auto ist beladen. Das ist für mich
immer eine schöne, eine tolle Zeit. Es kribbelt und prickelt. Bald
geht es los. Manchmal sogar so, daß wir nicht mehr schlafen können.
Freude macht sich breit. Die Arbeit ist geschafft, jetzt kommen
erst einmal einige Tage der Erholung. Bei einem schönen Fest, zu
dem wir eingeladen sind, mag es uns ähnlich gehen.
Jesus beschreibt in diesem Gleichnis das Leben seiner Jünger als
ein Leben am Vorabend des Festes. Die zehn Jungfrauen, das sind
Jünger Jesu. Und wir begegnen ihnen, wie sie auf das große Fest,
zu dem sie eingeladen sind, warten. So reich sind Jünger Jesu durch
die Verheißung Gottes, die sie haben. Jünger Jesu gehören zur Begleitung
des Bräutigams, wissen, daß er bald kommt, freuen sich auf sein
Fest und sind bereits unterwegs, ihn zu empfangen.
Christen leben am Vorabend des Festes, das bald im Himmel gefeiert
wird. Christen leben am Vorabend der großen Reise, zu der sie einmal
aufbrechen und die sie in den Himmel bringen wird. Ja, alle diese
schönen Dinge warten auf uns. Jesus hat sie uns verheißen und diese
Zeit, die wir hier auf der Erde leben, ist wie der kurze Abend
vor dem großen Fest, zu dem wir eingeladen sind.
Manfred Siebald singt es so:
"Gott lädt uns ein zu seinem Fest, laßt uns gehen und
es allen sagen, die wir auf dem Wege sehn. Gott lädt uns ein
das haltet fest, wenn wir gehen. worauf noch warten, warum nicht
starten, laßt alles andere stehn.
Werden sich Weg und Mühe denn lohnen, bis Gottes Fest beginnt?
Ja, denn es hat für die schon begonnen, die auf dem Wege sind.
Können wir jetzt schon singen und feiern, hat sich schon was
getan? Ja, denn Gott will die Erde erneuern und fängt bei uns
schon an."
Gut, wenn uns dieses Wissen freudig unter der Haut prickelt. Gut
wenn wir unser Leben mit dieser Perspektive leben.
2. Bis zum Fest dauert es länger als gedacht
Ist das ein Widerspruch zu dem Vorher gesagten? Ich glaube nicht.
Nur etwas macht Jesus in diesem Gleichnis auch deutlich. Bis der
Bräutigam kommt, dauert es länger als alle denken. Erst um Mitternacht,
also wirklich zu einer unmöglich späten Zeit, kommt der Bräutigam
um seine Braut, die schon eine halbe Ewigkeit auf ihn gewartet
hat, abzuholen.
Schon zu seinem Lebzeiten hat Jesus gerade in diesem Gleichnis
deutlich gemacht: Bis zu meiner Wiederkunft dauert es länger, als
ihr denkt. Und das ist ja nun auch tatsächlich so. Wie viele haben
ihn schon erwartet. Wie viele waren schon fest der Meinung. Bald
kommt der Herr. Angefangen bei einem Paulus, weiter bei einem Martin
Luther und bis hinein in unsere Tage. Wundern wir uns nicht, wenn
es länger dauert, als wir Menschen denken und meinen. Verfallen
wir aber auch nicht in den anderen Fehler zu meinen und zu wähnen,
es wird noch lange dauern oder sogar. Er wird nie mehr wiederkommen.
Vor beiden Irrtümern, der übertriebenen und der lässigen Erwartung,
warnt uns die Bibel.
3. Beim Fest sind nicht alle dabei
Das klingt zunächst einmal plump, das klingt auch ziemlich hart,
aber das hat Jesus auch gemeint, als er dieses Gleichnis erzählt
hat.
Das schockierende an diesem Gleichnis besteht ja darin, daß man
nicht sagen kann: Die 5 klugen Jungfrauen, das sind Christen und
die fünf törichten Jungfrauen sind eben keine Christen. Sondern
wie bereits vorher einmal gesagt: Die Übertragung des Gleichnisses
geht so, daß Jesus der Bräutigam ist, die 10 Jungfrauen aber sind
Jünger Jesu. Alle zehn sind Jünger Jesu, erwarten seine Wiederkunft
und doch kommt es bei ihnen zu einer Scheidung. 5 sind bei der
Hochzeit dabei, die anderen bleiben vor der Tür.
Wir halten die Luft an, wir protestieren laut und sagen: Das kann
doch nicht sein. Und dennoch, hierin besteht der Ernst dieses Gleichnisses.
Worin besteht denn nun der entscheidende Unterschied? Alle zehn
nennen sich doch Christen, alle zehn warten sogar auf den Bräutigam,
sogar alle zehn schlafen ein, weil es soll lange dauert. Der einzige
Unterschied zwischen ihnen besteht darin, daß 5 Öl dabei haben,
während die anderen das Öl ausgehen ließen. Die törichten Jungfrauen
haben zwar ihre Lampen dabei, aber kein Öl. Was heißt das übertragen?
Ihr Glaubensleben hat zwar einen Anfang, aber keine Dauer, kein
Weiterbrennen. Sie sind Jesus in ihrem Glauben nicht treu geblieben.
Jesus will uns zeigen, daß die Hoffnung auf das Fest im Himmel,
uns nicht nur fröhlich, sondern auch wach machen soll, wach im
Glauben und wach in der Nachfolge unseres Herrn.
Die klugen Jungfrauen sind im Gebet und im Gehorsam ihrem Herrn
gegenüber treu geblieben, haben immer wieder Vergebung ihrer Sünden
erbeten und erlangt. Bei den törichten Jungfrauen ist nach einem
guten Glaubensanfang im Lauf der Zeit das Öl ausgegangen, d.h.
ihr Glaube ist abgestorben, ihr Glaubenslicht ist verlöscht.
Genauso wenig wie eine einmalige Taufe als Kind uns retten kann,
kann uns eine einmalige Bekehrung oder Entscheidung für Jesus retten,
wenn wir nicht in diesem Glauben und in unserer Jesusnachfolge
treu und lebendig bleiben. Auf diese Möglichkeit macht Jesus hier
in so erschreckender Weise aufmerksam. Eine Stelle aus der Offenbarung
kam mir bei der Vorbereitung in den Sinn. Ein Satz aus einem der
Sendschreiben Jesu an die Gemeinde in Sardes:
Offb 3,1 Und dem Engel der Gemeinde in Sardes schreibe: Das sagt,
der die sieben Geister Gottes hat und die sieben Sterne: Ich kenne
deine Werke: Du hast den Namen, daß du lebst, und bist tot.
Offb 3,2 Werde wach und stärke das andre, das sterben will.
Eine Gemeinde, Christen, können den Christusnamen tragen, sogar
den Ruf haben, lebendig, d.h. dann in diesem Fall geschäftig zu
sein, und dennoch geistlich tot sein. Das geschieht nicht nur in
anderen Gemeinden, das geschieht nicht nur in liberalen oder konservativen
Gemeinden. Das geschieht auch in Chrischonagemeinden.
Eingeschlafen zu sein, kein Öl dabei zu haben oder, so wie es
die Offenbarung sagt: Tot zu sein ist kein Schicksal, sondern das
kann anders werden. Ich lese uns noch einmal Off 3.
"Werde wach und stärke das andere, das sterben will."
Und auch Jesus, er beschließt dieses Gleichnis mit dem Aufruf
zur Wachsamkeit. Darum wacht, denn ihr wißt weder Tag noch Stunde.
Nun will ich euch nicht verbergen, daß ich selbst erschrocken
bin, als ich über dieses Gleichnis und seinen Ernst nachgedacht
habe. Ich bin erschrocken über die Worte Jesu, wenn er zu den törichten
sagt: "Ich kenne euch nicht!"
Stimmt dieses Gleichnis den überein mit dem gnädigen Gott? Ist
es also doch, so, daß unsere Teilnahme bei der Hochzeit von uns
und unserer Leistung abhängt? Und ich ahne die Frage, die vermutlich
vielen von uns nun durch den Kopf geht: Wann ist man wach, bereit,
lebendig genug, wieviel Öl braucht man, um beim Hochzeitsfest des
Lammes dabei zu sein? Nicht wahr, diese Fragen gehen uns durch
den Kopf. Sie haben mich bei der Vorbereitung umgetrieben, das
dürft ihr mir glauben.
Was will ich dazu sagen:
- Man ist nicht ein bißchen tot und ein bißchen lebendig, sondern
entweder man ist tot oder man ist lebendig. Es geht nicht um
eine Gradeinteilung und nicht um eine prozentualen Grad, den
man erreichen müßte. Sondern es ist immer eine Frage von entweder
oder. Das gleiche gilt für das Wach sein.
- Es ist tatsächlich so, daß Menschen einen Anfang mit Christus
gemacht haben, aber dieses Glaubensleben keine Dauer hat. Diese
Warnung von Jesus ist berechtigt und wir müssen sie uns vor Augen
halten und ihrer gewärtig sein. Deshalb will auch ich nicht aufhören und
das ist auch meine konkrete Bitte an euch heute nicht
aufhören, mich zu prüfen. Herr, bin ich wach, ist meine Beziehung
zu dir überhaupt noch da? Dieses Ringen will ich mir bewahren,
denn alles andere wäre eine falsche Selbstsicherheit.
- Gehöre ich nun zu denen, die beim Hochzeitsfest dabei sind,
oder bin ich eine derjenigen, die draußen vor der Tür ist? Diese
Frage möchte ich mit einer biblischen Umkehrung beantworten:
Jesus sagt in der Offenbarung:
Offb 3,20 Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn jemand
meine Stimme hören wird und die Tür auftun, zu dem werde ich
hineingehen und das Abendmahl mit ihm halten und er mit mir.
Spürt ihr das, da sind die Rollen auf einmal vertauscht. Da stehe
nicht ich vor verschlossenen Türen, sondern Jesus steht vor meiner
Tür. Wer ihm aufmacht, wer ihn einläßt, nicht nur einmal, sondern
immer neu auch heute neu, zu dem wird er kommen und das Abendmahl
- das Hochzeitsmahl mit ihm halten.
Deshalb will ich dich bitten. Laß Jesus heute neu in dein Leben,
laß ihn morgen Herr sein über dein Leben, sprich zu ihm: Zu dir
will ich gehören, dein Geist soll mich erfüllen und du darfst
im Leben bestimmen. Dann hast du Öl genug, dann wirds dir
nicht ausgehen und dann wird unser Leben so glücklich enden,
wie unsere Fahrt auf den Schauinsland. Dann sind wir dabei, dann
ist dein Leben und unsere Gemeinde lebendig.
Offb 3,20 Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn jemand
meine Stimme hören wird und die Tür auftun, zu dem werde ich hineingehen
und das Abendmahl mit ihm halten und er mit mir.
Amen |