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Apg 16,6 Sie zogen aber durch Phrygien und das
Land Galatien, da ihnen vom heiligen Geist verwehrt wurde, das
Wort zu predigen in der Provinz Asien.
Apg 16,7 Als sie aber bis nach Mysien gekommen waren, versuchten
sie, nach Bithynien zu reisen; doch der Geist Jesu ließ es ihnen
nicht zu.
Apg 16,8 Da zogen sie durch Mysien und kamen hinab nach Troas.
Apg 16,9 Und Paulus sah eine Erscheinung bei Nacht; ein Mann aus
Mazedonien stand da und bat ihn: Komm herüber nach Mazedonien und
hilf uns!
Apg 16,10 Als er aber die Erscheinung gesehen hatte, da suchten
wir sogleich nach Mazedonien zu reisen, gewiß, daß uns Gott dahin
berufen hatte, ihnen das Evangelium zu predigen.
Paulus war mit Silas zusammen auf der zweiten Missionsreise unterwegs.
Sie besuchten zunächst die Gemeinden, die Paulus bei seiner 1.
Reise gründete. In Lystra nahmen sie den jungen Timotheus in ihr
Team auf, der sie fortan begleitete. Nun wollten sie weiterziehen
und in der Provinz Asien das Wort verkündigen. Vermutlich hatten
sie die großen Hafenstädte Ephesus und Smyrna im Visier und wollten
dorthin das Evangelium bringen. Und dann heißt es ganz einfach:
Der Heilige Geist hinderte sie daran. Wie das der Heiligen Geist
getan hat, das würden wir zwar so gerne wissen, aber das wird uns
nicht gesagt. Das ist vielleicht auch ganz gut so, sonst würden
wir all zu gern ein Rezeptbuch, eine Art Orakel daraus machen.
Bemerkenswert ist auch die andere Tatsache: Der Heiligen Geist
gab ihnen nur ein Nein. Er sagte nicht wohin sie statt dessen ziehen
sollten. Daraufhin beschlossen Paulus und seine Mitarbeiter anstatt
nach Süden Richtung Norden zu ziehen. Ich betone es, Paulus beschloß es.
Irgend etwas mußten sie ja tun. Sie wandten sich also nach Norden,
durchzogen die Provinz Galatien und aus dieser Zeit stammen wohl
die galatischen Gemeinden, denen Paulus später seinen Galaterbrief
schrieb. Dann wollten sie weiter nach Norden nach Bythinien in
das bevölkerungsreiche Gebiet um die Schwarzmeerküste. Auch dort
gab es große, blühende, griechische Städte z.B. Nicäa. Paulus predigte
mit Vorliebe in den großen Städten, das gehörte mit zu seiner Strategie.
Und nun heißt es wieder: Der Geist Jesu ließ es ihnen nicht zu.
Das ist die einzige Stelle im NT, wo der Begriff der "Geist
Jesu" vorkommt. Lukas verwendet hier diesen Begriff und will
damit zeigen, daß hinter dieser Leitung und Führung des Heiligen
Geist Jesus selbst steht und die Arbeit seiner Missionare leitet.
Erneut bleibt es offen, wie diese Führung zustande kam, erneut
erhalten sie keine Anweisung: Geht dort hin. Wieder muß Paulus
selbst entscheiden was er nun weiter macht und so zieht er westwärts
nach Troas. Erst in Troas hat Paulus eine Vision und kommt nun
zur Gewißheit, wohin es geht. Ausgerechnet durch eine Vision führt
Gott Paulus, ausgerechnet durch ein Führungsinstrument hinter das
wir so gern ein Fragezeichen setzen.
Die ganze Apostelgeschichte ist voll von Berichten, in denen Menschen
von Gott geführt wurden. Apg 8 berichtet uns von Philippus. Ein
Engel erschien ihm und sagte ihm: "Steh auf und geh nach Süden
auf die Straße, die von Jerusalem nach Gaza hinabführt." Philippus
gehorchte diesem Engel, obwohl er noch nicht wußte, was er an dieser
Wüstenstraße tun sollte. Als er dort an der Wüstenstraße angekommen
war, gab ihm der Heilige Geist die nächste Anweisung. Geh hin und
steige auf diesen Wagen, der da gerade vorbeifährt. In Apg 9 greift
Gott in außergewöhnlicher Weise in die Lebensführung des Saulus
ein. Gleichzeitig spricht Gott zu Ananias in Damaskus und fordert
ihn auf zu Paulus zu gehen. In Apg 10 lesen wir wie der Heilige
Geist den römischen Hauptmann Kornelius und gleichzeitig Petrus
führte. In Apg 13 spricht der Heilige Geist zu den Ältesten der
Gemeinde von Antiochien und gibt ihnen den Auftrag Paulus und Barnabas
in die Mission zu senden. Gleichzeitig macht der Heilige Geist
die ganze Gemeinde in Antiochien bereit sich für diese Führung
zu öffnen und die Missionare zu unterstützen. Es gäbe noch viele
weitere Beispiele, wo das wahr wird: Menschen werden vom Heiligen
Geist geführt, erfahren Geistesleitung.
Und wir? Was empfinden wir, wenn wir diese Berichte hören? sagen
wir: Ja, das mag damals so gewesen sein, aber heute gibt es das
nicht mehr, zumindest erfahre ich das nicht in meinem Leben. es
gab schon so viele Situationen in meinem Leben, wo ich klare Wegweisung
von Gott gebraucht hätte, und sie nicht erfahren habe! ich hatte
den Eindruck Gott schweigt - er redet nicht, er führt nicht. Sicherlich
waren wir alle schon in Situationen, wo wir uns den berühmten Zettel
vom Himmel gewünscht hätten. Man steht vor einer Entscheidung,
kann kaum einschlafen und wünscht es sich. Wenn doch am anderen
Tag nur ein Zettel auf dem Nachttisch liegen würde, auf dem steht,
wie Gottes Weg aussieht. Wie viele junge Menschen beschäftigt diese
Frage im Blick auf den Lebenspartner. Wie viele stehen im Beruf
vor Entscheidungen von großer Tragweite und wissen nicht: Was ist
jetzt der Richtig. Eine andere wird angefragt, ob sie eine Aufgabe
in der Gemeinschaft übernehmen würde, und zögert. Ist das jetzt
Gottes Platz? Ich kann mich sehr gut noch an einer Woche im Oktober
1990 erinnern. Wilhelm Wagner rief mich an und fragte mich, ob
ich bei einer Freizeit in Griechenland technische Leitung mache.
Und das war eine schlimme Woche für mich, ich war hin- und hergerissen.
Und dann die Frage: Soll ich, oder soll ich nicht? Was ist das
Gebot der Stunde? Und wir stehen in diesen Stunden nicht vor Entscheidungen
wo wir wählen müßten ob wir das Böse oder das Gute, das Unrechte
oder das Rechte tun wollen. Beide Wege könnten Recht sein. es könnte
Recht sein die Freizeit zu leiten, es könnte aber genauso Recht
sein, daß jetzt Erholung für mich dran ist. Die Alternative ist
nicht das Böse oder das Gute, sondern es geht darum aus dem mancherlei
Rechten das Richtige herauszufinden. Ist Führung durch Gottes Geist
nur eine Sache für Spezialisten, nur eine Angelegenheit besonderer
Heiliger ? Die Heilige Schrift sagt uns, daß wir an diesem Scheideweg,
an dem wir oft stehen, mit der Führung durch Gottes Heiligen Geist
rechnen dürfen.
Joh 16,13 Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird,
wird er euch in alle Wahrheit leiten.
Vom Heiligen Geist geführt, wie geschieht das? 4 Aspekte sind
mir an diesem Text wichtig geworden.
1. Führung des Heiligen Geistes - Nicht jede
Not ist eine Führung des Heiligen Geistes.
Gibt es eine größere, eine bessere und eine lohnendere Aufgabe
als den Menschen das Evangelium von Gottes rettender Gnade zu bringen?
Jetzt will Paulus in Asien und in Bythinien diese Aufgabe anpacken.
Er hat die feste Absicht diesen Menschen zu helfen. Paulus will
ein gutes Werk tun und Gott läßt ihm das nicht zu. Gott sagt Nein.
Paulus sieht die Not der Verlorenheit der Menschen in der Provinz
Asien und Gott sagt: das ist nicht der Weg des Geistes. Was du
vorhast ist ein fleischlicher, menschlicher Gedanke.
Martin Luther sagte zu dieser Stelle: "Es kommt nicht darauf
an gute Werke zu tun. sondern Gottes Willen, auch wenn ich die
ganze Welt bekehren könnte. Gott will uns in seinem Gehorsam behalten,
damit wir nicht von uns selbst anfangen, aus eigenem Gutdünken,
sondern nur seinen Willen tun. Tun wir etwas darüber, so ist's
vom Teufel, auch wenn es noch so köstlich wäre." Bei Gott
geht es nicht unbedingt darum möglichst viel zu tun, sondern es
geht darum seinen Willen zu tun. Auch wenn wir die ganze Welt bekehren
könnten ist es noch nicht gesagt, daß wir Gottes Willen tun. Es
kann sein, daß wir uns selbst beauftragt haben. Das ist also ein
kräftiges Wort gegen allen frommen Aktivismus, der auch die Not
unserer heutigen Christenheit ist. Wir machen zwar viel - aber
wir hören wenig auf Gott. Wir unternehmen viel - aber wir verbringen
keinen halben Tag mehr in der Stille vor dem Herrn.
Nicht jede Not ist identisch mit Gottes Auftrag. Wenn irgendwo
Not ist heißt das noch nicht, daß wir dort unbedingt eingreifen
und helfen müßten. Not und Menschen hätte es in Asien und Bythinien
viel gegeben, aber Gottes Auftrag hat gefehlt und deshalb hat Paulus
die Finger davon gelassen.
Nicht jede Not ist eine Berufung.
Über Silvester dieses Jahres waren Gabi und ich zu einer Freizeit
auf dem Sternenberg im Haus der Stille. Es war der erste Abend,
die Teilnehmer saßen im Kreis und man stellte sich gegenseitig
vor. Neben mir saß ein Mann, locker mit einem Trainingsanzug begleitet.
Als er hörte, daß ich auf Chrischona bin fragte er, ob ich den
Holger Jung kennen würde. Nun diese Frage konnte ich mit ja beantworten,
schließlich bin ich mit dem Holger zusammen auf dem Zimmer, er
schläft jede Nacht einen Meter über mir. Es stellte sich dann heraus,
daß der Mann neben mir Missionar in Thailand ist und zu Holger
Verbindung hat. Ich saß also neben Missionar Erwin Groebli. Einige
Tage später gingen wir zum Nachmittagskaffee in das kleine angeschlossene
Café und setzen uns zu Erwin Groebli an den Tisch. Wir kamen ins
Gespräch. Er fragte mich, was ich denn nach Chrischona machen wollte.
Nun ich will in Deutschland Prediger werden. Und dann wurde Erwin
engagiert. Das könne ich nicht machen. In Thailand gibt es soviel
Arbeit, so viele Menschen sind noch nicht mit dem Evangelium erreicht.
Das sei nicht gerecht, daß die in Deutschland das Wort Gottes zum
hundertsten mal hören und die in Thailand noch nie. Und er redete
uns sehr eindringlich zu, wir sollte doch nach Thailand in die
Mission kommen. Sie würden so unendlich dringend Mitarbeiter suchen.
Aber in diesem Gespräch wurde mir das klar. Not allein ist noch
keine Führung Gottes. Zur Führung braucht es noch mehr, es braucht
Erkenntnis des Willens Gottes. Ich habe keine Beauftragung für
Thailand. Deshalb werde ich nicht dorthin gehen.
Es gibt Christen, die können nicht nein sagen. Überall wo Not
auftritt meinen sie, sie seien von Gott gerufen in die Bresche
zu springen. Es gibt Christen, die stöhnen ständig unter der Last
ihrer christlichen Arbeit, die sie für den Herrn tun. Diesen Kreis
leiten, bei dieser Sitzung dabei sein, dies und jenes und hier
auch noch. Und sie fühlen sich mit diesem Pensum im Grunde ständig überfordert
und meinen dabei noch dies hätte ihnen alles der liebe Gott aufgeladen.
Wer ständig in solch einer Überforderungssituation ist, der prüfe
sich, ob er mehr der Not gehorcht als der Führung Gottes. Vieles
in unserem Leben ist gar nicht vom Heiligen Geist geführt, sondern
entspringt unserer eigenen Wahl. Hier gilt es neu in der Stille
vor Gott zu prüfen. Herr, stehe ich an deinen Aufträgen. Hast du
sie mir gegeben. Bin ich eigenen Plänen oder der Führung des Heiligen
Geistes gefolgt?
2. Führung des Heiligen Geistes - Manchmal
müssen wir warten
Das erste Nein Gottes, das Paulus vom Heiligen Geist erhielt war
in Lystra. Bereits vorher hatten wir festgehalten, daß er dort
keinen neuen Auftrag erhielt. Er wußte zunächst einmal nicht, wie
Gottes Führung für ihn aussah. In Galatien kam dann das zweite
Nein. Paulus bekam erst in Troas Gewißheit für seinen weiteren
Weg. Zwischen Lystra und Troas legte Paulus gut 1000 km zurück.
Alles auf dem Landweg. Gehen wir davon aus, daß er zwischendurch
auch in Galatien das Evangelium verkündigte, lagen zwischen dem
ersten Nein Gottes und der Wegweisung Gottes eine Zeit von ca.
3 Monaten. 3 Monate der Ungewißheit für Paulus. Er bekam zwar Anweisungen
von oben, aber nicht so, daß jedes Dunkel sich sofort lichtete.
Im Gegenteil, er mußte gehorchen ohne zu wissen, wohin sein Weg
letzten Endes führt. Wenn wir über Führung des Heiligen Geistes
reden dann gehört auch das dazu. Es gibt Zeiten, wo wir nicht wissen,
wo es hingehen soll, wo es uns unklar ist, wie wir uns entscheiden
sollen. Zeiten in denen wir keine Weisung von Gott haben. Oder
es gibt Zeiten, da sehen wir nur eine kleine Etappe, aber nicht
das große Ziel. Paulus hat wohl Führung erlebt, er hat Gottes Nein
erhalten, aber er wußte noch nicht, wie es weitergehen soll. Diese
Strecken gehören in unserem Leben dazu und sind nicht ein Zeichen
eines mangelhaften Christseins. Diese Zeiten gehören zur Führung
durch den Heiligen Geist, und können geradezu ein Kennzeichen dafür
sein, daß man unter der Führung des Heiligen Geistes steht. Auch
im Blick auf die Führung des Heiligen Geistes gilt manchmal der
Satz aus:
2. Kor 5,7 wir wandeln im Glauben und nicht im Schauen.
Es gibt Zeiten der inneren Dunkelheit und es gibt Zeiten, wo wir
hell und klar erkennen wo's lang geht. Das gilt es auszuhalten.
3. Führung des Heiligen Geistes - Manchmal
müssen wir selbst entscheiden
Das hört sich nun nicht sehr geistlich an, und dennoch muß das
gesagt werden, wenn wir über das Thema Führung reden. Nachdem Paulus
von Gott ein Nein erhalten hatte blieb er nicht in Galatien sitzen
und wartete auf ein neues Kommando. Zuerst wandte er sich Richtung
Norden, nachdem ihm dieser Weg auch versperrt wurde Richtung Westen.
Paulus ging in den Zeiten der Ungewißheit weiter. Er tat das, was
ihm vernünftig erschien, was er für richtig hielt. Paulus erstarrte
nicht, er harrte nicht ängstlich aus und jammerte: jetzt weiß ich
gar nicht mehr was ich tun und machen soll, sondern er tat das
nächstliegende. Paulus schaltet in den Fragen der Führung seinen
Verstand nie aus, er hat nie behauptet, daß er über jede Strecke
seines Weges volle göttliche Klarheit besessen hatte.
Rö 1,13 Ich will euch aber nicht verschweigen, liebe Brüder, daß ich
mir oft vorgenommen habe, zu euch zu kommen - wurde aber bisher
gehindert
Und da gibt es nicht viele andere Stellen (1.Kor 1,15f; Ph 2,19;
Ph 2,25). Haben wir das richtig gehört? Ich habe mir vorgenommen!
In den Entscheidungen seines Lebens beruft sich Paulus durchaus
nicht immer auf unmittelbare göttliche Führungen. Welch eine wichtige
Rolle spielte auch bei ihm der selbständige, bewußt und klar gefaßte
Entschluß. Eigene Entscheidungen, eigene Verantwortung übernehmen
steht für ihn nicht im Widerspruch mit der Leitung des Heiligen
Geistes. Das Erlebnis von Führung entbindet uns nie von der Verantwortung
für unser Tun vor Gott und vor Menschen. Neben Christen, die in
jeder Not gleich eine Führung Gottes sehen, gibt es auch andere.
Christen, die vor lauter Angst einen falschen Weg einzuschlagen
lieber gar keinen Weg gehen und dann ewig sitzen bleiben, weil
sie nicht wissen, was Gottes Wille ist. Auch das ist verkehrt und
entspricht nicht dem Führungsverständnis der Bibel. Ein Schiff
kann nur gelenkt werden, wenn es in Bewegung ist (Beispiel länger
ausziehen). Gott kann deinem Leben oft erst dann Führung zuteil
werden lassen, wenn du in Bewegung bist. Dann kann er bestätigen
oder bremsen, wie er es hier bei Paulus gemacht hat.
4. Führung des Heiligen Geistes - wie können
wir sie erleben?
Paulus erlebte in Troas die Führung Gottes durch eine Vision bei
Nacht. Vermutlich hat Paulus in dieser Nacht nicht geschlafen,
sondern gebetet. Er sieht einen Mann, den er vermutlich an seiner
Kleidung als einen Mazedonier erkennt, vielleicht auch an seiner
Sprache. Komm herüber und hilf uns. Das war für ihn die Weichenstellung.
Ich denke, daß die wenigsten von uns schon einmal so eine Erfahrung
gemacht haben. Mich hat Gott noch nie in dieser Weise geführt.
Auch für Paulus waren Visionen nicht der Normalfall. Kann auch
in unserem Leben Führung durch den Heiligen Geist geschehen? Wie
erleben wir Geistesleitung? Wie erkennen wir im Gewirr unserer
inneren Stimmen die Stimme des Herrn? Wie bringt Gott Klarheit
in unser Leben?
4.1 Unser Leben gewinnt durch Gottes Wort Klarheit
Die Apostel erlebten ja in einer Fülle Leitung durch Gottes Geist
und das hängt ganz offenbar auch damit zusammen, daß sie ihren
Geist, ihre Seele in einzigartiger Weise aus dem Wort Gottes nährten.
Sie blieben beständig am Wort des Alten Testamentes, sie blieben
an den Worten Jesu. Sie lebten nicht aus ihren subjektiven Eindrücken
heraus, sondern sie lebten aus der Objektiven Wahrheit des Wortes
Gottes heraus. Dieses Wort stand ihnen deutlich und eindrücklich
vor Augen. In der Begegnung mit diesem Wort gewann auch ihr Leben
und ihre Lebensentscheidungen die Klarheit und das Licht, die dem
Wort Gottes eigen sind. Menschen, die mit dem Wort Gottes, der
Bibel leben, bekommen ein Empfinden, ein Gespür für den Willen
des Herrn. Im Wort Gottes wird uns der allgemeingültige Wille Gottes
mitgeteilt, Gott gibt uns Einblick in seine Gedanken und Pläne.
Wer in diesem Wort zu Hause ist bekommt auch mehr Klarheit, mehr
Licht für seine persönlichen Lebensentscheidungen. Jesus selbst
zeigt diesen Zusammenhang:
Joh 8,31 Jesus sagt: Wenn ihr bleiben werdet an meinem Wort, so
seid ihr wahrhaftig meine Jünger.
Joh 8,32 und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird
euch frei machen.
4.2 Unser Leben gewinnt durch das Bleiben bei
und in Jesus Klarheit
Joh 15,5 Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht;
denn ohne mich könnt ihr nichts tun.
Dieses Wort steht auch über allen Fragen der Führung und Leitung
unseres Lebens. In Jesus bleiben, darin liegt eine für die Geistesleitung
grundlegende Wahrheit. Wer in enger Verbundenheit mit Jesus lebt,
wird eher ein Gespür für die Leitung des Heiligen Geistes haben
als derjenige, der nur sporadisch, nur so ab und zu die Gemeinschaft
mit Jesus sucht. Das ist auch im zwischenmenschlichen Leben so.
Wer eine intensive Beziehung zu einem anderen Menschen hat versteht
auch eine Geste, ein Augenzwinkern des Anderen. Im Leben mit Jesus
ist das kein Haar anders.
4.3 Unser Leben gewinnt durch den Gehorsam Klarheit.
Wer in Jesus bleibt, der bleibt auch im Gehorsam. Im Gehorsam
gegenüber den Weisungen, die der Herr schon deutlich gemacht hat.
Es ist ja nicht so, daß wir an jedem Tag wie der Ochse vor der
Apotheke stehen und nicht wissen was Gott von unserem Leben haben
will. In seinem Wort hat er uns schon viel von seinem Willen offenbart
und trotz aller möglichen Ungewißheit über persönlichen Lebensfragen
gilt es zunächst einmal dem uns offenbarten Willen Gottes zu gehorchen.
Ohne Widerspruch und ohne wenn und aber. In der Apostelgeschichte
Apg 5,32 Den heiligen Geist, gibt Gott denen, die ihm gehorchen.
Gehorsam gegenüber dem, was man bereits als Willen Gottes kennt,
bereitet uns zu für weitere Gaben des Heiligen Geistes und seiner
Inspiration. Das ist keine tyrannische Bevormundung Gottes, das
ist eigentlich ganz logisch. Gott kann nur denen Weisungen geben,
die auch bereit sind dieser Weisungen Gottes zu folgen. Wenn wir
doch nur das tun, was wir wollen, warum sollte uns dann Gott Leitung
durch seinen Heiligen Geist geben?
4.4 Unser Leben gewinnt durch die Stille Klarheit
Das Still sein vor Gott, das Hören auf Gott, ist, so denke ich
auch noch eine ganz wesentliche Voraussetzung dafür, daß uns Gott
leiten kann. zwischen Geistesleitung, Heiligung und innerer Stille
besteht ein tiefer Zusammenhang, den wir gerade in unserer raschen,
lauten und vom allgemeinen Streßempfinden gekennzeichneten Zeit
nicht unterschätzen sollten. Zinsendorf formuliert diesen Zusammenhang
in einem seiner Lieder:
Gottes Führung fordert Stille, wo der Fuß noch selber rauscht,
wird des ewgen Vaters Wille mit der eigenen Wahl vertauscht.
Göttliche und inn´re Dinge lassen vollends gar nicht zu, daß man
sie im Sturm erzwinge, sondern weisen uns zur Ruh.
Gottes Führung fordert Stille, das gilt nicht nur für den wichtigen
Augenblick zu Beginn eines neuen Tages, sondern das meint auch
eine innere Haltung unseres Herzens, daß unser Seele mitten in
den äußeren Stürmen und Erschütterungen unseres Lebens im Frieden
Gottes Ruhe und Frieden finden. Stille sein vor Gott, die Stille
suchen und aushalten, Frieden finden in den Armen Jesu, mit Gott
reden und auf ihn hören. All das trägt dazu bei, daß wir die Stimme
und die Führung des Heiligen Geist erfahren, daß wir Gottes Wege
und Aufträge für unser Leben erkennen.
Ich möchte Schließen mit Worten von Sören Kiergegaard.
"Beten heißt nicht nur sich selbst reden hören, sondern heißt
dahin kommen, daß man schweigt, und im Schweigen verharren, und
harren, bis der Betende Gott hört."
Das ist es, was wir uns wünschen, Gott zu hören! Dazu segne uns
Gott.
Amen |