Logo Predigt: Wandelt würdig - Kämpft einmütig - Leidet mit Christus



Wie kann mein Leben nach dem Willen Gottes ausrichten? Wir sollten unsere Rechte und Pflichten als Christen wahrnehmen, diese neu entdecken und uns Paulus als Vorbild nehmen.

Philipper 1, 27-30

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1. Wandelt würdig

Wandelt würdig. Diese Aufforderung des Paulus, es ihm gleich zu tun klingt in unseren Ohren etwas antiquiert und verstaubt. Wandelt würdig, da denken wir daran, daß in katholischen Gebieten die Priester Hochwürden genannt werden. Wandelt würdig, das empfinden wir wahrscheinlich so, wie es die Karikatur auf dieser Folie zeigt. Einen Christen, einen Geistlichen, der 10 cm über der Erde schwebt, gemessenen Schrittes einherschreitet, von Kopf bis Fuß auf Würde eingestellt. Aber ich bin mir sehr sicher, daß Paulus das so nicht gemeint hat. Im Gegenteil. Das griechische Wort, daß Paulus hier verwendet heißt politeuomai ein Wort von dem unsere Wörter wie Politik oder Polizist abgeleitet sind. Politeuomai meint eigentlich seine Verantwortung wahrnehmen, seine Rechte und Pflichten als Staatsbürger wahrnehmen und ausüben. Wenn Paulus nun schreibt, daß wir würdig des Evangeliums leben sollen, dann meint er damit, daß wir unsere Rechte und Pflichten als Christen wahrnehmen. Das heißt wir leben als solche, die sich ihrer Würde bewußt sind. Christus hat uns erlöst und als Gotteskinder angenommen, was ist das für ein großartiges Recht, das wir haben, ein Recht, das uns erhobenen Hauptes, nicht jedoch überheblich, durch unser Leben gehen läßt. Aber nicht nur unsere Rechte, auch unsere Pflichten als Bürger des Reiches Gottes, wollen wir nicht aus den Augen verlieren. Das heißt meine ganze Lebensführung, die Art und Weise wie ich lebe soll christusgemäss sein und das kann nun in unserem Leben sehr konkret werden. Wandelt würdig, das heißt dann:

daß wir wie Christus reden würde auch wir mit unseren Eltern und unseren Kindern reden
daß wir uns wie Christus am Arbeitsplatz oder in der Schule verhalten würden
daß wir wie Jesus mit Menschen des anderen Geschlechtes umgehen
und nun könnten wir unendlich viel ganz praktische Bereiche unseres Lebens nennen, wo wir uns immer fragen wollen: Was hätte Christus getan?

2. Kämpft einmütig

Kämpft mit uns! Schreibt Paulus
Es scheint mir heute Mode geworden zu sein, daß man viel lieber zusieht, wie andere kämpfen, als daß man selber kämpft. Z.B. beim Fußball: Wenig Aktive, viel Zuschauer. Oder beim Boxen: wenig Boxer, viel Schreier. Ich denke, wir müssen darauf achten, daß diese Mentalität unter uns Christen nicht einreißt und sich breit macht, daß wir nicht Publikumschristen werden, nach dem Motto: Wollen wir heute mal sehen was unser Mitarbeiterkreis auf die Beine gebracht hat, wollen wir heute mal sehen, was unser Pfarrer, unser Prediger, unser Pastor, ganz gleich wie man den nennt, heute sich mal wieder ausgedacht hat. Gottesdienst - war heute nichts los, dem fällt auch nichts neues mehr ein - Nächstes mal sehe ich mir lieber das Fernsehprogramm an, da wird mehr geboten. Darf ich das einmal besonders den Jüngeren, den Jugendlichen sagen? Gerade in der Jugendarbeit spürt man manchmal diese Publikumshaltung, aber ich glaube, daß auch die Älteren sich alle davor in acht nehmen müssen.
Kämpft mit uns, schreibt Paulus und in Vers 30 noch einmal: Habt denselben Kampf wie wir. Stehen wir wirklich im Kampf, oder haben wir uns als Christen in die Zuschauerrolle hineinbegeben?
Und beachten wir auch das andere: Wir kämpfen nicht gegen etwas, wir kämpfen für etwas, nämlich für den Glauben an Christus. Ein Kampf gegen etwas hat mit Haß und Vernichtung zu tun, ein Kampf für etwas mit Liebe und Rettung.
Kämpft einmütig, schreibt Paulus. Der Kampf, in den wir hineingestellt sind kann in der Gemeinde nur dann gelingen, wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen.

Wenn Paulus solche Sätze schreibt, dann hat er Bilder vor sich, hier wohl das Bild eines römischen Heeres. Vielleicht haben wir das Bild so eines römischen Heeres vor Augen. Der eine oder andere hat es schon in einem Asterix Comic gesehen. Da stehen die Soldaten dicht an dicht, sie tragen den Schild vor sich her, es ist eine fest gefügte Schlachtreihe. Nur innerhalb dieser gemeinsamen Schlachtreihe war der schwerbewaffnete römische Soldat von allen Seiten geschützt. Von Vorne, von hinten, von oben. Das Ziel des Feindes war es immer, diese Schlachtlinie zu durchbrechen, die Einmütigkeit aufzulösen und damit jeden Soldaten auf sich selber zu stellen. Dann hatte er leichtes Spiel, dann hatte er gewonnen.

Wo es dem Feind gelingt, die Einheit von uns Christen aufzulösen, hat er leichtes Spiel, erschrickt der Einzelne, verliert er Mut und Zuversicht.
Deshalb legt Paulus im Philipperbrief so viel Wert auf die Einheit der Christen. Diese Einheit ist für Paulus nicht eine Möglichkeit, sie ist eine Notwendigkeit. Die Kampfestüchtigkeit der Gemeinde hängt von dieser Einheit ab. Deshalb ist es meines Erachtens auch wichtig, daß Christen verschiedenster Prägungen zwar ihre Eigenprägung bewahren, aber in dem Kampf, für das Evangelium, der uns aufgetragen ist, gemeinsame Sache machen.

3. Leidet mit Christus

Phil 1,29    Denn euch ist die Gnade gegeben, um Christi willen, nicht allein an ihn zu glauben, sondern auch um seinetwillen zu leiden,
Das ist nun der Satz, der uns an diesem Abschnitt, wie überhaupt im Leben des Paulus wohl am meisten umtreibt und uns auch die meisten Fragezeichen aufgibt.
Euch ist die Gnade gegeben zum Leiden.
Wie, ist Leiden denn Gnade? Unter Gnade verstehen wir normalerweise etwas ganz anderes. Unter Gnade verstehen wir, daß Jesus für uns da ist: Für meine Sünden, um sie zu vergeben; für meine Not, um mir zu helfen; für mein Leben, um ihm einen Sinn zu geben.
Nein sagt Paulus, Gnade ist viel mehr. Nicht nur, daß Jesus für mich da ist, sondern auch umgekehrt, daß ich für Jesus da sein darf. Wie er für mich gelitten hat, so darf ich auch ein Stück für ihn mitleiden.
Das ist nun wirklich eine ganz neue Seite an diesem Text und an der Bibel und ich frage mich, ob wir unser persönliche Lebenssituation unser persönliches Leiden schon einmal so gesehen haben? Das Leiden des Paulus bestand darin, daß er für Christus im Gefängnis saß, Fesseln für Christus trug. Aber nicht nur das. Paulus litt auch unter Krankheiten und erlebte durch seine Aufgabe und seine Mission unendlich viel Nöte und Schwierigkeiten.
Wir tragen keine Fesseln für Christus und doch, es ist kaum einer unter uns, dem im Leben nicht Schweres begegnet, der Leiden erlebt. Krankheit mit all ihren Schattierungen und Facetten, Krankheit, die ich selber an mir trage, und Krankheit im Leben von mir lieben Menschen, Unfall, persönliche Mißerfolge, berufliche Pleiten, Streit und Unverständnis in der Familie,
Sie sind zahlreich unsere Leiden und mancher unter uns und noch viel mehr in der weiten Welt leidet auch um Christi willen, leidet unter Spott, unter dem Einsatz für Christus, ja sogar unter Gefängnis und Tod.
In der Februarausgabe des Chrischonamagazines hat mich eine Zahl schockiert, der Hinweis darauf, daß Jahr für Jahr 168.000 Menschen um ihres Glaubens Willen ums Leben kommen.

Die Kampfeinheit der Gemeinde Jesu, von der wir vorher gesprochen haben ist heute oft zu einer Leidenseinheit geworden. Der Kampf, der uns Christen aufgetragen ist wird an so vielen Stellen dieser Welt durch das Leiden ausgefochten und gekämpft. Das sehen wir schon an Jesus. Sein Kampf und sein Sieg über Sünde, Tod und Teufel wurde durch das Leiden erfochten. Wieso sollte das bei uns anders sein? Es ist für uns ohne Zweifel schwer zu verstehen, daß Macht durch Ohnmacht gebrochen werden soll, es ist für uns schwer zu verstehen, daß bei Gott der Leidensweg ein Siegesweg ist, aber es ist so und an unzähligen Menschen hat sich das schon so bestätigt.

Phil 1,29    Denn euch ist die Gnade gegeben um Christi willen, nicht allein an ihn zu glauben, sondern auch um seinetwillen zu leiden,
Was macht dieser Satz mit uns? Welches Licht wirft er auf unsere persönlichen Nöte und Schwierigkeiten, auf unser Leiden?
Wenn Leiden Gnade ist, meinen wir dann, daß Jesus uns im Handumdrehen von all unseren Leiden erlöst? Ich weiß, daß keiner von uns, auch ich nicht, gerne leidet. Und dennoch bin ich der Überzeugung, daß das leiden, das jedem einzelnen von uns verordnet ist nicht sinnlos, nicht willkürlich, nicht boshaft ist, sondern etwas mit uns vorhat, etwas mit uns macht.

Wir alle wollen das Leiden gerne los werden, aber an so vielen Stellen des Neuen Testamentes werden wir einen anderen Weg gelehrt.
Mt 16,24    Da sprach Jesus zu seinen Jüngern: Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir.
Joh 12,24    Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.
Im Leiden und durch Leiden werden wir geprägt, können wir geändert werden, will Jesus an uns und durch uns wirken und arbeiten, ja Jesus sagt sogar, daß durch Leiden hindurch Frucht entsteht.
Leiden, so sagt es Paulus hier, ist ein Geschenk der Gnade Gottes.
Wir können in diesem Zusammenhang nicht die Frage beantworten, wie ein gerechter Gott all das unsägliche Leiden auf der Erde zulassen kann. Diese Frage ist uns zu hoch und wir werden sie nie beantworten können. Aber wir können das andere sagen.

Unser persönliches Leid wird uns nicht zugemutet - es wird uns anvertraut. Es wird uns anvertraut, daß wir es gestalten, es wird uns anvertraut, daß wir uns davon gestalten lassen, es wird uns anvertraut, weil nach göttlichem Rat Macht durch Ohnmacht gebrochen wird. Wie ohnmächtig war die Gemeinde Jesu in Rußland zur zeit des Kommunismus und hat ihre Ohnmacht nicht gerade auch diese Macht gebrochen, so daß heute in Rußland große Erweckungen durch dieses Land gehen?

Paulus hat dieses Prinzip gelebt. Im Gefängnis von Philippi haben es die Philipper zum ersten mal beobachtet, wie dieser Mann in ketten und im Stock Loblieder sang und dadurch Gefängnismauern sprengte.

Ihr lieben, trotz allem Haare sträuben, trotz allem inneren Widerstand gegen diesen Weg des Leidens, den uns Gott führt, wünsche ich uns allen, daß wir uns gegen unser Leiden nicht auflehnen, sondern daß wir es annehmen, gestalten und fruchtbar machen.

Unter Leiden prägt der Meister in die Herzen in die Geister sein allgeltend Bildnis ein.
Leiden sammelt unsre Sinne, daß die Seele nicht zerrinne in den Bildern dieser Welt, ist wie eine Engelwache, die im innersten Gemachte des Gemütes Ordnung hält.

Wandelt würdig, kämpft einmütig, leidet mit
Ich denke, wir tun gut daran, diese biblischen Prinzipien der Nachfolge neu zu beherzigen und zu leben.

Amen