Logo Predigt: Christsein - Ein Wettrennen



Das Lebensziel ist uns von Gott gesetzt und wir stehen vor der Frage, ob unser Leben ins Schwarze trifft.

Philipper 3, 12-14

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Voraus geht folgendes Anspiel:

Charlie Brown übt mit Pfeil und Bogen. Er schießt auf eine Wand, und wo der Pfeil gerade hingetroffen hat, malt er den Kreis darum und die Zwölf auf das Einschußloch. So hat er immer das Ziel getroffen. Jemand der zuschaut sagt: "Charlie, das geht anders herum. Du mußt erst die Zwölf und den Kreis malen, und dann mit dem Pfeil die Mitte treffen."

Liebe Gemeinde,

den einen oder anderen unter uns mag dieses kleine Anspiel gerade eben gelächert haben. Nein, so spielt man nicht Darts. Nein so macht es allenfalls ein Kind, das um jeden Preis gewinnen will. Nein, auf diese Art und Weise kann man keinen Wettbewerb gewinnen.
Und doch liebe Freunde, machen wir es mit unserem Leben nicht oft auch so?

Menschen leben und wohin sie gerade gekommen sind, machen sie den Kreis und haben das Ziel getroffen. Die einen arbeiten und rackern, schaffen und werkeln und sagen am Ende: "Arbeit war mein Leben!" Andere setzen mehr auf Vergnügen und Genuß, sie machen den Kreis herum und das Ziel getroffen. Wieder andere suchen Bildung und Ausbildung, Kultur und Wissenschaft und haben am Ende ihr Ziel auf diese Weise erreicht. Noch andere wollen Leben erfahren im Reisen und Unterwegssein. Sie sind ständig auf Achse und suchen ferne Länder und verwegene Abenteuer. Am Ende nennen
sie es "Lebensziel" und haben es auch erreicht.
Aber so, liebe Geschwister. So geht das nicht, so funktioniert das nicht. Alle diese Spiele mit Pfeilen, jedes Pfeil und Bogen schießen geht anders herum. Das Ziel ist gesetzt ist uns von Gott gesetzt und wir stehen vor der Frage, ob unser Leben ins Schwarze trifft.
Gott setzt unserem Leben ein Ziel, und wir müssen es zu erreichen versuchen. Gott hat dem Menschen als Lebensziel die Gemeinschaft mit ihm vorgegeben und auch die Möglichkeit eröffnet, es zu erreichen.
Darum sollen wir nicht "Ich-orientiert" leben, sondern "Gott-orientiert" leben. Gott zu treffen, ist der Sinn unseres Lebens und ihn zu verfehlen ist die Sünde unseres Lebens.
In diese Richtung geht auch der Predigttext aus dem Philipperbrief, den wir heute als Grundlage dieser Predigt haben. Paulus schreibt

Phil 3,12    Nicht, daß ich's schon ergriffen habe oder schon vollkommen sei; ich jage ihm aber nach, ob ich's wohl ergreifen könnte, weil ich von Christus Jesus ergriffen bin.
Phil 3,13    Meine Brüder, ich schätze mich selbst noch nicht so ein, daß ich's ergriffen habe. Eins aber sage ich: Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich aus nach dem, was da vorne ist,
Phil 3,14    und jage nach dem vorgesteckten Ziel, dem Siegespreis der himmlischen Berufung Gottes in Christus Jesus.

1. Das Ziel

Wir haben davon gesprochen, daß unser Leben ins Schwarze treffen soll, das Ziel treffen soll und müssen uns am Anfang natürlich fragen: Worin besteht denn unser Ziel?
Wenn wir in der Fußgängerzone von Freiburg eine Umfrage machen würden und die Frage stellen würden: Was ist denn das Ziel deines Lebens? Ich glaube wir würden vielerlei Antworten bekommen.
Jemand würde sagen: Also ich habe das Ziel, daß ich erst einmal die Schule zu einem guten Abschluß bringe, einen guten Beruf erlerne und eine Arbeitsstelle finde.
Andere würden definieren: Ich habe das Lebensziel meine Familie zu unterhalten und zu ernähren. Und wieder ein anderer würde sagen:
Ich habe das Ziel, daß ich hoffentlich bald das Rentenalter erreiche, und ich aus diesem Berufsstreß aussteigen kann.
Alles normale Ziele, auch nicht zu verachtende Ziele, daß wir uns an dieser Stelle nicht falsch verstehen. Aber sind es nicht eben nur Teilziele unseres Lebens? Können diese Ziele denn die höchsten Ziele sein im Leben eines Christen? Was ist denn das Ziel deines Lebens? Was würdest du antworten?
Paulus sagt: Ich habe ein Lebensziel. Dieses Lebensziel besteht darin, daß ich den Siegespreis in Gottes Herrlichkeit gewinne. Dort bei Gott, dann wenn ich einmal bei ihm sein werde, möchte ich aus seinen Händen den Pokal entgegen nehmen. Dann möchte ich wie ein Michael Schuhmacher auf dem Siegertreppchen stehen und sagen können: Ich habe meine Lauf vollendet, ich habe das Rennen, das Leben heißt, gewonnen. Ich bin nicht an Gottes Ziel vorbeigeschossen.
Und das Schöne bei Gott besteht ja darin, daß es nicht nur einen Sieger gibt, sondern, daß es viele Sieger gibt, viele auf dem Siegertreppchen stehen, nämlich all diejenigen, die Jesus Christus nachgefolgt sind.

Ein Tag der sagt´s dem andern, mein Leben sei ein Wandern, zur großen Ewigkeit. Oh Ewigkeit so schöne, mein Herz an dich gewöhne, mein Ziel ist nicht von dieser Zeit.

Als Christen können wir nur ein Lebensziel haben und dieses Lebensziel heißt: Die Herrlichkeit bei Gott, das Leben mit ihm im Himmel. Das griechische und das Buddhistische denken haben ein zyklisches Weltbild und Lebensverständis. Alles geht im Kreis herum, alles kommt wieder. Die Bibel und wir Christen haben ein ausgesprochen zielgerichtetes Denken. Unser Leben hat einen Anfang und es hat ein Ziel. Gottes neue Welt.
Es wird heute in der Wirtschaft viel vom zielorientierten Denken geredet. Ein Unternehmen definiert sich ein Unternehmensziel. Und überall kann man es hören: Man braucht ein großes Ziel, eine Idee, die man ansteuern möchte, um dann auch alle Teilschritte auf dieses große Ziel hin planen zu können.
So ist es bei uns Christen auch. Es gibt Teilziele in unserem Leben. Aber Teilziele in einem Unternehmen müssen dem großen Unternehmensziel untergeordnet werden, dürfen nicht in eine andere Richtung weisen als das Hauptziel, sollen dazu helfen, daß man das große Ziel, das eigentliche Ziel erreicht. Unsere berufliche Tätigkeit, unsere Familien und die Aufgaben, die damit verbunden sind, unsere Gemeinde und die Aufgaben in ihr. Das alles dürfen und sollen wir nicht aus unserem Leben streichen. Es sind Teilziele unseres Lebens. Aber wir wollen sie nützlich und fruchtbar machen, um das eigentliche Ziel unseres Lebens zu erreichen. Alle Teilziele unseres Lebens sollen und müssen dazu dienen, das große Ziel zu erreichen und wir wollen drauf achten, daß Teilziele nicht zu Hauptzielen werden, Nebenkriegsschauplätze nicht zum eigentlichen Krieg eskalieren.
Dann und wann müssen wir auf einen Berggipfel steigen um den Weg zu überschauen und das Ziel unseres Lebens wieder klar ins Auge zu fassen. Ich will den Siegespreis gewinnen, das Leben in Gottes Herrlichkeit.

Fragen zum Nachdenken: (Einige Minuten der Stille, dazu passende Musik)

  • Was ist zur Zeit mein Lebensziel? Trifft mein Leben ins Schwarze?
  • Habe ich dieses Ziel vor Augen, ordne ich alles andere in meinem Leben diesem Ziel unter?
  • Sind mir Teilziele des Lebens zu Hauptzielen geworden
2. Unterwegs zum Ziel

Paulus vergleicht an dieser Stelle des Philipperbriefes das Christenleben mit einem Wettlauf. Das ist sein Bild. Bilder bieten hilfreiche Illustrationen, haben aber auch ihre Grenzen. Die Grenze im Bild vom Wettlauf besteht z.B. darin, daß bei einem Wettrennen immer nur einer gewinnen kann. Das ist im Christsein nicht der Fall. Aber hilfreich in diesem Bild des Wettlaufes sind die beiden Gedanken, die Paulus hier nennt: ich vergesse was dahinten ist und ich strecke mich nach dem aus, was da vorne ist.

Ich vergesse was dahinten ist. Ich drehe mich nicht um und stiere ständig auf meine Vergangenheit, denn das bringt mich in meinem Lauf nicht weiter, kostet mich wertvolle Sekunden, läßt mich vielleicht sogar vom Ziel abkommen. Es ist tatsächlich so, wenn einer bei einem 100 m Wettrennen mitmacht, darf er sich nicht umdrehen, darf er nicht nach hinten schauen, es könnte ihn den Sieg kosten.

Das heißt nun sicherlich nicht, daß wir als Christen uns bemühen sollten, unsere Vergangenheit in unserem Denken auszulöschen. Auch Paulus tut das nicht, denn einige Verse vorher berichtet er den Philippern ausführlich von dem, was ihn früher gefangen nahm und wie was sich in seinem Leben durch Christus alles verändert hat. Frühere Erlebnisse können für unser Leben sogar wertvoll sein, können in uns einen unauslöschlichen Besitz bilden, der uns hilft unser Leben heut zu gestalten. Auch frühere Sünde müssen wir nicht vollständig auslöschen aus unserem Gedächtnis, damit wir die Größe der Gnade in unserem Leben dankbar schätzen können und uns demütig bewußt bleiben, daß auch wir noch gefährdete Menschen sind. Vergesst was dahinten ist, das heißt streicht die Vergangenheit nicht aus, drückt nicht auf die Löschtaste im Computer deines Lebens, aber habe darauf acht, daß dich die Vergangenheit deines Lebens nicht so gefangen nimmt, daß du nicht mehr nach vorne denken kannst.
Die Vergangenheit kann uns in zweifacher Hinsicht gefangen nehmen.
Unsere früher erzielten Erfolge können uns so gefangen nehmen, daß wir darüber das Laufen hier und heute vergessen. Dann steht man da und glorifiziert den Rückblick auf das Leben, man ruht sich auf den Lorbeeren früherer Erfolge aus und merkt nicht, wie andere im Begriff sind einem zu überholen und wie man im Blick auf das Ziel nicht mehr vorankommt. Es ist gefährlich, sich in falscher Sicherheit zu wiegen. Man muß erkennen, daß man noch unterwegs ist und das solange man atmet auf dieser Erde. Bei einem Wettlauf ist es wirklich nicht dran, nach der Hälfte der Strecke sich ins grüne Gras zu setzen und zu sagen. Das ist aber toll, wie weit ich schon gekommen bin. Wir wollen uns jetzt noch nicht sonnend ausruhen, indem wir glorreich von unseren beruflichen Erfolgen reden und von dem, daß wir Kinder großgezogen haben. Wir wollen uns noch nicht ausruhen aufgrund von dem, daß wir uns einmal bekehrt haben, ja früher sogar eine Jungschar, einen Teenagerkreis geleitet haben oder im Posaunenchor mitgespielt haben. All das sind schöne Teilerfolge, aber es ist noch nicht das Ziel.
Aber die Vergangenheit kann uns auch negativ gefangen nehmen, indem wir immer auf das stieren, was schief gelaufen ist in unserem Leben, indem wir immerzu grübeln über den falschen Entscheidungen und Entwicklungen unseres Lebens. Unser Leben kann sich an dem in negativer Weise festklammern, was andere an uns falsch gemacht haben. Die Beschäftigung mit der Vergangenheit kostet dann soviel Kraft, daß man im Blick auf das Ziel nicht mehr vorankommt und daß man nichts anderes mehr denken kann.
Es gibt Menschen, die sind ständig am "nachkarteln" ihres Lebens. Kennt ihr diesen Ausdruck? Da spielen Leute ein Kartenspiel, meinetwegen Skat, und wenn das Spiel vorbei ist, kartelt man nach:
Wenn ich gleich am Anfang den Buben gespielt hätte, dann wäre ich ins Spiel gekommen und hätte gewonnen. Wenn Du diesen Stich nicht voreilig gestochen hättest, hätten wir am Schluß noch die Trümpfe gehabt. Wenn ich das dritte Ass gehabt hätte, dann hätte ich euch im Schneider abgezogen. Das nennt man nachkarteln und kann bei vielen Spielen beobachtet werden, beim Schach, beim Siedler, beim Fußball...
Und allzu oft machen wir das auch in unserem Leben.
Wenn ich nach dem erlernten Beruf noch das Abitur gemacht hätte, dann würde mein Leben heute anders aussehen, dann hätte ich heute keine Geldsorgen. Wenn ich diesen Heiratsantrag nicht abgelehnt hätte, dann könnte ich heute eine glückliche Familie haben. Wenn diese Krankheit nicht in mein Leben gekommen wäre, dann würde ich heute nicht ständig dem Leben hinterherhinken.
Wir analysieren rückblickend das Spiel unseres Lebens und bekommen gar nicht mit, daß dieses Spiel noch gar nicht vorbei, sondern voll im Gang ist.

Paulus sagt: Ich vergesse, was dahinten ist......

Fragen zum Nachdenken:
Gibt es Dinge, an denen ich nachkartle und wie kann ich sie überwinden?

Sich nach dem Ziel ausstrecken und ihm nachjagen

Ein Wettläufer hat in seinem Leben immer nur eine Richtung. Er läuft auf das Ziel zu. Danach streckt er sich aus. Ein Wettläufer rennt nicht einmal hier und einmal dorthin, er rennt nicht im Kreis herum wie ein aufgeregtes Huhn, sondern er gibt seinem Lauf eine Richtung. Er hat ein Ziel, für das er alle seine Kräfte mobilisiert.
Ich jage dem Ziel nach. Dieses Wort "jagen" verwendet Paulus an vielen Stellen im NT. Griechisch heißt dieses Wort diwko und man kann es auch mit verfolgen übersetzen. Nachjagen, verfolgen. Es kommt im gleichen Kapitel des Philipperbriefes im 6. Vers noch einmal vor, wo Paulus schreibt:

Phil 3,6    nach dem Eifer ein Verfolger der Gemeinde, nach der Gerechtigkeit, die das Gesetz fordert, untadelig gewesen.
Ich war ein Verfolger der Gemeinde, einer, der der Gemeinde nachjagte. Und bei seiner Bekehrung hat Paulus dieses diokw gleich zweimal aus dem Mund Jesu gehört.
Apg 9,4-5    Saul, Saul, was verfolgst du mich? Er aber sprach: Herr, wer bist du? Der sprach: Ich bin Jesus, den du verfolgst.

Dieses Wort hat sein Leben unauslöschlich geprägt. Paulus war ein Eiferer und nach seiner Bekehrung ist er ein Eiferer geblieben, aber er eifert jetzt für etwas anderes, er jagt nun auf ein anderes Ziel zu. Der ganze Eifer, den er früher anwandte, richtet sich nun auf ein anderes Ziel.
Früher eiferte er darum, vor Gott gerecht zu sein. Fanatisch hielt er sich an Gottes Gebote und strafte all diejenigen, die sie übertraten.
Und wir: Vielleicht hast du in deinem Leben darum geeifert, daß Gott dir gnädig ist, du hast dich geplagt, eine gnädigen Gott zu finden und ihm zu gefallen. Heute sagt dir Jesus, daß Du ein Kind des Vaters sein darfst. Doch unser Eifer für seine Sache sie darf bleiben. Auch heute jagen wir auf das Ziel zu, das Gott heißt, aber ohne Angst und ohne Zweifel, daß wir dieses Ziel nicht erreichen könnten, ohne Angst und ohne Zweifel es zu verpassen, weil Gott selbst uns ergriffen hat.

Damit kommen wir zum dritten und letzten Gedanken, den ich nur noch andeuten möchte.

3. Unterwegs zum Ziel und doch schon am Ziel.

Vielleicht mag der eine oder andere sich ängstlich fragen: Werde ich das Ziel erreichen? Werde ich genug Kraft haben für diesen Wettlauf oder wird mir unterwegs die Puste ausgehen? Wie schön, daß Paulus sagt:

Phil 3,12    Ich jage ihm aber nach, ob ich's wohl ergreifen könnte, weil ich von Christus Jesus ergriffen bin.

In all unserem Mühen und Laufen, das Ziel zu erreichen und in unserem Lauf nicht innezuhalten gibt es einen sicheren Anker. Eine Zielgarantie, die Jesus uns gegeben hat. Und diese Zielgarantie heißt: Jesus hat mich ergriffen und er sorgt dafür, daß ich sicher ans Ziel komme.
Ist das ein Widerspruch zu dem vorher Gesagten? Nein, ich denke nicht. Wir wollen uns nach vorne ausstrecken, auf das Ziel zugehen ohne Angst und Zweifel. Wir wollen laufen aber mit der Gewißheit, daß Jesus uns schon an der Leine hat und uns auf alle Fälle über die Ziellinie zieht. Ich will es noch in einem anderen Bild ausdrücken.
Unser Leben ist wie der Drahtseilakt eines Artisten, wir sind auf dem Seil unterwegs, aber wir sind gesichert an einem Seil und durch ein Netz. Christus hat seine Hand nach uns ausgestreckt und uns ergriffen. Ist das nicht wunderbar. Wir sind unterwegs, wir wollen nicht träge sein, aber wir dürfen wissen, daß wir am Ziel ankommen. Dafür verbürgt sich Jesus.

Ein Wettlauf besteht aus vielen tausend einzelnen Schritten. Die sieben Tage der kommenden Woche sind weitere sieben Schritte in unserem Lauf auf das Ziel zu. Diese sieben Schritte der kommenden Woche wollen wir bewußt tun als Schritte, die uns unserem Ziel näher bringen.

Amen

Stille und noch einmal Musik