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Liebe Geschwister, liebe Freunde,
wir begegnen hier Israel, dem Volk Gottes einmal mehr in einer unguten
Situation. Wir haben gelesen, wie Israel in eine akute Krise während
seiner Geschichte gekommen ist. Krisen in Israel wurden immer dadurch
ausgelöst, daß die Israeliten das taten, was Gott verabscheute. Doch
zunächst einmal schön der Reihe nach. Nach der Landnahme des Volkes Israel,
nachdem die Generation, die die Wunder Gottes bei der Einnahme des Landes
(Jericho, Ai....) miterlebt hatte, gestorben war, geriet Gott in Israel
mehr und mehr in Vergessenheit. Das Land war eingenommen, die Kämpfe
waren vorbei, eine ruhigere Zeit brach an und Israel hatte sich häuslich
eingerichtet. Josua war ein alter Mann geworden und am Ende seines Lebens
nahm er die Israeliten noch einmal ins Gebet und sagte ihnen:
Jos 24,14 So fürchtet nun den HERRN und dient ihm
treulich und rechtschaffen und laßt fahren die Götter, denen eure Väter
gedient haben jenseits des Euphratstroms und in Ägypten, und dient dem
HERRN.
Jos 24,15 Gefällt es euch aber nicht, dem HERRN zu
dienen, so wählt euch heute, wem ihr dienen wollt: den Göttern, denen
eure Väter gedient haben jenseits des Stroms, oder den Göttern der Amoriter,
in deren Land ihr wohnt. Ich aber und mein Haus wollen dem HERRN dienen.
Jos 23,11 Darum achtet ernstlich darauf um euer selbst
willen, daß ihr den HERRN, euren Gott, liebhabt.
Doch bereits wenige Jahre später schreiben die Chronisten: Israel diente
und folgte Gott solange Josua und die Ältesten, die die Werke des Herrn
gesehen hatten, lebten, danach taten sie, was Gott verabscheute und sie
dienten den Baalen.
Was daraus geworden ist, haben wir gelesen.
Israel verlor Gott als seinen Beschützer und sie verloren das Leben.
Die anderen Völker, in besonderer Weise die Midianiter, wurden stärker
als sie und brachten Israel in eine traurige Knechtschaft. Jahr für Jahr
fielen sie in das Land ein, raubten, was nicht niet- und nagelfest war,
verbrannten die Ernten und sorgten dafür, daß Israel in eine große Not,
in eine lähmende Lethargie und Resignation verfiel.
Israel hatte damals 4 Probleme:
- Durch den Götzendienst war die Einheit des Volkes aufgelöst, sie
dienten den unterschiedlichsten Götzen und hatten ihr einigendes Element,
den Gott der Väter verloren. Israel hatte keine Mitte mehr, sie haben
das Zentrum ihres Lebens und ihres Volkes verloren. Gott war ihnen
zum Mittel geworden, aber er war nicht mehr die Mitte ihres Lebens.
Gott war ihnen einer geworden, den man wohl ab und zu brauchte, aber
er spielte im alltäglichen Leben keine große Rolle mehr. Gott war als
Nothelfer akzeptiert, aber ansonsten nicht so besonders erwünscht.
Diese Entwicklung in Israel fand in späteren Jahren ihre Spitze in
dem Wunsch Israels, einen König zu haben, wie die anderen Völker. Gott
durfte nicht mehr der König der Herzen, der König seines Volkes sein.
Anscheinend besteht die Welt nur aus Dingen, die sich immer wieder
wiederholen. Spüren wir die Aktualität dieser Diagnose? Gott nur noch
Nothelfer, den man braucht, wenn man selber nicht mehr weiter kommt.
Gott nur noch Mittel, aber nicht mehr geliebte Mitte des Lebens. Gott
im Grunde genommen irrelevant für meinen Alltag? In so vielen Familien,
auch unter uns ist die Stille Zeit zu einem Relikt aus der Jugendzeit
verkommen. Es findet keine tägliche Begegnung mit Gott mehr statt.
In so vielen Familien unserer Gemeinde wird gerade noch einmal zu Tisch
gebetet und sonst nicht mehr. Das Zentrum ist ein anderes geworden.
- Israel war von den anderen Völkern um sie herum bedroht und beeinflußt.
Nicht Israel missionierte die anderen Völker mit dem Glauben an Jahwe,
den Gott Israels, sondern sie wurden missioniert, erfolgreich missioniert,
denn sie bauten anderen Göttern ihre Altäre. Auch da fällt einem die
Parallele zu heute nicht schwer. Wir Christen haben unsere prägende
Kraft auf die Gesellschaft verloren, das gilt europaweit. Die Maßstäbe
für Ethik, für Recht und Ordnung werden nicht mehr von uns gesetzt.
Wir beeinflussen unsere Gesellschaft kaum mehr, aber wir werden von
der Gesellschaft beeinflußt und wir haben die Bündnisse mit ihr längst
geschlossen. Ihre Maßstäbe sind unsere geworden, die Beeinflussung
geht anders herum als sie sein sollte. Ihr fragt nach Beispielen, nach
Beweisen?
Der höchste Wert unserer Gesellschaft ist Toleranz geworden. Alles
muß akzeptiert werden, jedem muß seine Meinung gelassen werden. Und
wenn in unserer Gesellschaft von Gott gesprochen wird, dann darf es
nur noch der liebe Gott sein, der es mit allen gut meint und doch auch
alles zu akzeptieren hat. Und wir. Wir blasen in das gleiche Horn,
wir trauen uns, inklusive mir, oft nur noch von der Liebe Gottes zu
reden. Wir neigen dazu nicht alles, aber vieles zu tolerieren. Auch
in der Gemeinde. Ich sage diese Worte zitternd, weil ich mir sicher
bin, daß sie mißverstanden werden. Ich wehre nicht einer großen Freiheit
in Christus. Ich will auch nicht zurück in eine Zeit, wo sture Gesetzlichkeit
unsere Gemeinden regiert hat. Aber ich will dahin gelangen, wo wir
die geistliche Trägheit, die unter uns Einzug gehalten hat, nicht mehr
akzeptieren.
Wenn ein Mann in einen Fluß fällt, stirbt er nicht daran, daß er auf
einmal vom Wasser umgeben ist, aber er stirbt daran, daß das Wasser
in ihn gelangt. Glaube stirbt nicht daran, daß wir in der Welt leben,
sondern stirbt daran, daß die Welt in uns lebt und uns erfüllt.
- Das 3. Problem für Israel bestand darin, daß sie keine Führungspersonen
mehr hatten. Oft genug heißt es im Richterbuch: Ein jeder tat, was
ihm recht erschien. Was die Mehrheit beschloß, das war richtig. Sie
hatten keinen Mose mehr, sie hatten keinen Josua mehr, sie hatten keine
geistlichen Autoritäten mehr, keine Vorbilder, keine Männer, die den
Mut und die Beauftragung von Gott hatten, Gottes Volk zu führen und
zu leiten.
- Sie kannten Gott nur noch vom Hörensagen, von den Erzählungen der
Alten her. Als der Engel Gideon begegnete war das erste was Gideon
zu ihm sagte
Ri 6,13 Gideon aber sprach zu ihm: Ach, mein Herr!
Ist der HERR mit uns, warum ist uns dann das alles widerfahren? Und
wo sind alle seine Wunder, die uns unsere Väter erzählten und sprachen:
Der HERR hat uns aus Ägypten geführt? Nun aber hat uns der HERR verstoßen
und in die Hände der Midianiter gegeben.
Wo sind alle die Wunder, von denen unsere Eltern und erzählten. Ich
habe bislang noch keines dieser Wunder erlebt, sagte Gideon. Gott war
ihm noch bekannt von den Geschichten, die seine Großmutter erzählte,
aber er selbst hatte noch keine positiven Erfahrungen mit Gott gemacht.
Gott nur vom Hörensagen, von Predigten her kennen. Ihr Jungen Leute heute
abend, kommt euch das bekannt vor?
Die Folge dieser vier Probleme war, daß Israel sich immer mehr vor den
Feinden zurückzog. Sie verschanzten sich in den Schluchten und Höhlen
der Berge. Man hatte vor dem übermächtigen Feind kapituliert, man hatte
sich mit der Situation arrangiert. Es war eben so und keiner stand auf
und sagte: Brüder steht zusammen wir können es schaffen.
Wie tief Israel schon in den Götzendienst verstrickt war und wie blind
sie für Gott geworden sind wird im späteren Verlauf der Geschichte daran
deutlich, daß sie Gideon, der den Baalsaltar später niederreißt, umbringen
wollen.
Und manchmal denke ich, wir Christen heute sind nicht viel anders als
Israel. Wir haben vor der übermächtigen Säkularisierung unserer Gesellschaft
innerlich kapituliert, wir haben uns damit abgefunden, wir sind müde
geworden im Kampf dagegen und beschränken uns auf unser Nischendasein
als Gemeinde Jesu. Oh ja, so ist es, und ich kann das verstehen. Geht
es mir nicht oft genug selber so. Oh ja, ich kann das verstehen und dennoch
- ich bin mir sicher, daß dieses Denken und diese Resignation gegenüber
einem schier übermächtigen "Feind" (in Anführungszeichen) nicht
Gottes Wille für unser Leben und für uns als Gemeinde ist. Viele haben
heute den Eindruck, daß Gemeinde Jesu abbröckelt. Aber das muß nicht
sein, wenn in ihr zwei Hände voll derer zurückgeblieben sind, die sich
nicht auf die allgemeine Stimmung einlassen, sondern von Gott noch einmal
Großes erwarten.
Wenn hier unsere Geschichte und unsere Predigt aufhören würde, wäre
das wahrlich ein trauriger Abschnitt aus unserer Bibel. Aber wir haben
es bereits gehört. Das ist nicht das Ende.
Israel, das Gott zu seinem Nothelfer degradiert hat, für das Gott nicht
mehr Mitte, sondern Mittel zum Zweck geworden ist beginnt in seiner Not
nach Gott zu rufen. Und die erste gute Botschaft an dieser Predigt ist
die, daß Gott darauf eingeht, daß Gott sich erbarmt.
Ja Gott ist tatsächlich so barmherzig, daß er auch dann, wenn er nicht
mehr König und Herr unseres Lebens ist, dennoch oft genug unser Nothelfer
geworden ist. So auch in dieser Geschichte. Gott sendet seinen Engel,
seinen Boten zu einem Mann, zu Gideon.
Gideon, sein Name wird gedeutet als "Fäller", "Krieger".
Wer war Gideon? Dazu noch 3 Gedanken.
Gideon gehörte zunächst einmal auch zu den Resignierten in Israel. Das
zeigt seine Antwort an den Engel
Ri. 6,13 Ach mein Herr! Ist der Herr mit uns, warum
ist uns denn dann das alles widerfahren? Und wo sind all die Wunder,
die uns unsere Väter erzählten und sprachen: Der Herr hat uns aus Ägypten
geführt.
Gideon tritt uns als einer entgegen, der zunächst einmal maßlos enttäuscht
von Gott ist. In seiner Antwort an den Engel redet er mit keinem Wort
von dem Abfall Israels vom lebendigen Gott, er sagt nur: Der Herr hat
uns verstoßen, aber er sagt nicht warum. Gideon verwechselt
Ursache und Wirkung. Er hatte von selber nicht erkannt, daß Israel
mit seinem Götzendienst die Ursache dieses Elends ist. Er meint Gott
sei die Ursache, Gott schweigt eben und dagegen kann man nicht s machen.
Dabei war es umgekehrt: Israel hatte sich versündigt, sie waren die Ursache
für das Desaster. Gideon einer wie vielen anderen in seinem Volk, nicht
als einer, der von vorneherein ein Querdenker, einer der letzten Aufrechten
und Getreuen gewesen wäre. Gideon wurde sicherlich nicht deshalb berufen,
weil er von vorneherein ein Glaubensheld gewesen wäre. Das macht mir
Mut, das spricht mich heute an. Das sagt mir. Dich und mich kann und
will Gott heute genauso berufen wie er damals Gideon berufen hat. Dich
und mich will Gott gebrauchen um seine Gemeinde zu heilen und voran zu
bringen.
Wer war Gideon?
Das zweite, was uns an Gideon auffällt ist, daß er ein Mann war, der
durchaus mit einem geringen Selbstwert, mit Minderwertigkeit zu kämpfen
hatte. Er war von Haus aus ein entmutigter Mensch. Er sagt zu dem Engel:
Ri 6,15 Ach mein Herr, womit soll ich Israel erretten?
Siehe, mein Geschlecht ist das geringste in Manasse und ich bin der Jüngste
in meines Vaters Haus.
Gideon war keiner, der von sich überzeugt war und nach dem Motto lebte,
laßt nur mal mich ran, ich werde das Ding schon schaukeln, sondern er
war eher einer der sagte? Was kann und will ich denn schon tun. Ich bin
nicht viel, ich kann nicht viel, was solls.
Zu diesem Gideon sagt Gott: wenn ich mit Dir bin, dann kannst du die
Midianiter schlagen.
Ich möchte an dieser Stelle einmal etwas ganz persönlich zu jedem von
euch sagen. Mir begegnet bei vielen Christen oft auch so etwas, wie so
eine Minderwertigkeit. Nicht eine Minderwertigkeit, die die Bewältigung
des Lebens betrifft, die auf eine Lebensuntüchtigkeit schließen würde,
sondern so etwas wie eine geistliche Minderwertigkeit, die oft in den
Sätzen herüber kommt. Ich habe nicht studiert. Ich kann keine Bibelarbeit
halten. Ich kann keine Andacht vorbereiten, ich kann keine Hauskreisstunde
halten, ich habe das nie gelernt. Und das sagen Menschen, die gut und
gern schon 1000 Predigten gehört haben und eigentlich viel von der Bibel
wissen können. So oder so ähnlich kommt dieses geistliche Minderwertigkeitsgefühl
herüber.
Dieses Denken ist tief eingeschliffen. Aber ich finde das schade und
ich finde das nicht richtig. Sollten wir nicht alle mündige Christen
sein, die auch ein Wort Gottes weitersagen und sei es zunächst stotternd
und zagend? Ich mache euch Mut, das Wort Gottes weiterzusagen zuerst
auch einmal in euren Familien.
Gottes Wort gegen diese Art von Minderwertigkeit heißt heute: Wenn ich
mit Dir bin, dann kannst du es schaffen.
Übrigens: wenn wir dabei sind, das Wort Gottes weiterzusagen. Das beginnt in
unseren Familien. Ihr Eltern, machen wir das noch? Unseren Kindern die Geschichten
aus der Bibel erzählen? Oder denken wir: Das sollen die von der Kinderstunde
und von der Jungschar besorgen? Ihr Großeltern, können eure Enkel, ja sogar eure
Urenkel noch auf eurem Schoß sitzen und hören sie euch, wie ihr mit einem leuchten
in den Augen die großen Taten Gottes verkündigt?
Wer war Gideon?
Zum Dritten war Gideon ein äußerst furchtsamer Mensch. Er war ängstlich.
Weizendreschen in der Kelter. Habt ihr das schon einmal gemacht? Zum
Dreschen braucht man eigentlich Platz. Dreschen tut man auf der Tenne,
aber nicht in einer engen Kelter. Aber Gideon tut es, weil er Angst hat.
Später gibt ihm Gott den Auftrag, den Baalsaltar im Hause seines Vaters
niederzureißen und die Ascherastatue abzusägen. Weil er sich fürchtet,
führt er diesen Auftrag bei Nacht aus.
Mehrmals erbittet sich Gideon von Gott ein wunderhaftes Zeichen, um für
seinen Weg Bestätigung zu erlangen. Er war ein Zauderer, ein Zager, der
Gottes Stimme lieber zwei- oder dreimal gehört hat, eher noch ein Wunder "extra" brauchte,
bevor er loslief.
Als es in die Schlacht gegen die Midianiter ging sagte Gott zu ihm: Wenn
du Angst hast, dann geh mit deinem Diener Pura hinunter ins Lager. Dort
im Lager hört Gideon, wie einer der Midianier einem anderen einen Traum
erzählte, der vom Sieg Gideon handelte. Wenn Du Angst hast, hat Gott
gesagt, ja Angst, das hatte unser Gideon.
Spüren wir, wie nahe uns Gideon ist, oder wie ähnlich wir ihm sind?
Ich weiß nicht, ob ihr das noch im Hinterkopf habt, was der Engel ganz
zu Beginn zu Gideon gesagt hatte: Der Herr mit dir, du tapferer Held.
Gideon ein tapferer Held? Oh nein, das war Gideon nicht und dennoch spricht
ihn der Engel so an. War das eine Taktik des Engels, hatte er in der
Engelschule gelernt, daß man Menschen eben ein bißchen loben soll, oder
war das tatsächlich die Meinung und Ansicht, die man von Gideon im Himmel
hatte?
Wenn Gott zu Gideon sagen läßt: Du tapferer Held, dann ist das kein Trick
und keine Methode, sondern dann meint das Gott auch so, dann war Gideon
in den Augen Gottes der streitbare Held, den er gebrauchen wollte. trotz
seinen Zweifel, trotz seiner Resignation im Blick auf Gott, trotz seinem
mangelnden Selbstwert, trotz seiner Furcht.
Gott sah schon, was aus Gideon noch werden sollte und deshalb nannte
er ihn tapferer Held und ermutigte ihn auf diese Weise.
Siehst du, das gleiche möchte Gott an dir heute abend tun. Er will dich
ermutigen, ein tapferer Christ und Held zu sein. Er will dich zurüsten,
dich glücklich machen und dich gebrauchen. Das ist sein Anruf an dich
an diesem Abend. Wer du auch bist und egal wie du seither über dich gedacht
hast. Egal was du schon getan hast und egal, was du dir selbst zutraust.
Der Engel des Herrn ist heute abend in diesem Raum und er sagt zu euch:
Der Herr ist mit dir .... du tapferer Held, du außergewöhnlich Tüchtiger
.. du, die ich so dringend brauche, der Herr ist mit euch.
Und wo Gott das heute zu uns sagt, da wendet sich wie bei Gideon das
Leben, der Glaube, der Auftrag. Da wendet sich die Resignation über Gott
und Christsein in gewisse Tritte. Da wendet sich der Weg einer Gemeinde
von Enttäuschten zu solchen, die wieder vorangehen.
Dazu will Gott uns gebrauchen, uns alle, dich ganz persönlich. Wie antworten
wir ihm?
Amen |