| Liebe Geschwister, liebe Gemeinde
Prinz Paris hatte Helena nach Troja entführt. Das griechische
Expeditionskorps, das zu Schiff die Verfolgung aufgenommen hatte,
wurde auf halbem Wege durch ständigen und starken Gegenwind aufgehalten,
worauf Agamemnon, der militärische Oberbefehlshaber der Griechen,
von zu Hause seine Tochter kommen ließ und sie zeremoniell als
Opfer schlachtete, um die offensichtlich mißgestimmten Götter zu
besänftigen. Scheinbar zahlte sich die Sache aus: Der Wind drehte
auf West, und die Flotte erreichte Troja ohne weiteren Aufschub.
Dieser kleine Ausschnitt aus der Legende der "Ilias" -
etwa 1000 v. Chr. - illustriert anschaulich eine Form von Sühne,
wie sie allen heidnischen Religionen in aller Welt und zu aller
Zeit zugrunde lag. Ihre Auffassung ist folgende: Es gibt mehrere
Götter, von denen keiner uneingeschränkte Macht hat, deren jeder
jedoch in seinem Machtbereich einem Menschen das Leben erleichtern
oder erschweren kann. Ihre Laune ist ständig schwankend, auf den
kleinsten Anlaß hin werden sie böse, oder sie sind eifersüchtig,
weil sie meinen, ihnen selbst werde zuwenig, anderen Göttern oder
Menschen dagegen zuviel Aufmerksamkeit geschenkt. Das nehmen sie
dann zum Anlaß, jemandem durch Eingriffe in seine Umwelt tüchtig
zuzusetzen. Diesem bleibt dann nichts übrig, als sie durch ein
Opfer versöhnlich zu stimmen und sie so zu besänftigen. In der
Regel gilt bei solchen Opfern: je größer, desto besser, denn diesen
Göttern wird ein Hang zu quantitativem Denken unterstellt. Sie
sind in dieser Hinsicht zwar ausgesprochen grausam und herzlos,
aber sie sitzen am längeren Hebel, deshalb: was soll man machen?
Der Weise beugt sich dem Unausweichlichen und versichert sich,
daß sein Opfer eindrucksvoll genug ausfalle, um das gewünschte
Ergebnis sicherzustellen. Ein Menschenopfer insbesondere ist sehr
teuer, dafür aber auch einträglich. So stellt sich das Heidentum
als üble Geschäftemacherei dar; man manipuliert und beeinflußt
seine Götter durch schlaue Bestechungsversuche und Angebote. Und
bei all dem nimmt in heidnischen Versöhnungslehren die Stillung
himmlischen Mißfallens und schlechter Laune einen festen Platz
im Alltagsleben ein, den einer lästigen, aber unbedingt notwendigen Übung,
der man sich nicht entziehen kann.
Die Bibel nun entführt uns der Welt heidnischer Religiosität.
Sie verurteilt alles Heidentum grundsätzlich als ungeheuerliche
Verdrehung der Wahrheit. An die Stelle eines ganzen Haufens von
Göttern, die doch allesamt nur allzu offensichtlich dem Menschen
nachempfunden sind, setzt die Bibel den einen allmächtigen Schöpfer
und einzig wahren, wirklichen Gott, in welchem alle Güte und Wahrheit
ihren Ursprung finden und welchem alles sittliche Verwerfliche
ein Greuel ist.
Im Zusammenhang mit ihm, gibt es nichts derartiges wie schlechte
Laune, keine Allüren, kein eitles Getue und keinen bösen Willen
Ein drittes mal möchte ich uns in den Predigten dieses Jahres
zum Staunen einladen. Zum Staunen über Gottes Heil, zum Staunen über
die Güte unseres Gottes, zum Staunen darüber, daß er ein Gott ist,
der schlicht und ergreifend für uns ist und nicht gegen uns. Nach
Staunen über Gottes Größe und Staunen über Gottes Macht heute nun
also Staunen über Gottes Heil.
Lange habe ich nachgedacht, was ich eigentlich zu diesem Thema
sagen möchte. Nicht daß ich nicht wüßte, was ich sagen soll oder
mir der Stoff zu diesem Thema ausgehen würde. Nein, das Schwierige
daran ist, daß die Bibel ja so viel sagt über Gottes Heil und Gottes
Güte, so daß ich ehrlich gesagt nicht wußte, wo ich anfangen und
wo ich aufhören soll.
Erlaubt mir deshalb heute, daß ich mich zu diesem Thema auf einen
Vers aus dem Römerbrief beschränke. Einen Vers, der, vergleicht
man ihn mit heidnischen Göttervorstellungen, wirklich absolut einzigartig
ist. Ich möchte mich also auf ein Wort des Apostels Paulus beschränken
der im Römerbrief folgenden Satz festgehalten hat:
Rö 8,31 Was sollen wir nun hierzu sagen? Ist
Gott für uns, wer kann wider uns sein?
Im Griechischen ist dieser eh schon kurze und präzise Satz des
Paulus noch knapper: Wörtlich steht dort: "Wenn Gott für uns,
wer gegen uns?" Und die Hoffnung für alle übersetzt:
"Kann man wirklich noch mehr erwarten? Wenn Gott für uns
ist, wer kann dann gegen uns sein?"
1. Gott ist für uns - das heißt: Sein Sohn
für uns
Stimmt er denn wirklich dieser Satz oder ist diese Aussage von
Paulus nicht doch etwas schön gefärbt? Ist sie nicht zu einseitig,
ist sie nicht nur eben die eine Seite einer Münze? Kann man das
wirklich so direkt sagen, oder müßte man da nicht ein "Aber",
ein "Vielleicht", ein "Wenn und ob" noch dahinter
setzen?
Hat den Paulus nicht am Anfang des Römerbriefes gleich im 1. Kapitel
im 18. Vers nicht geschrieben:
Rö 1,18 Denn Gottes Zorn wird vom Himmel her
offenbart über alles gottlose Wesen und alle Ungerechtigkeit der
Menschen, die die Wahrheit durch Ungerechtigkeit niederhalten.
Und allein dreimal heißt es in diesem ersten Kapitel des Römerbriefes:
Gott hat sie dahin gegeben.
Rö 1,24 Darum hat Gott sie in den Begierden
ihrer Herzen dahingegeben in die Unreinheit, so daß ihre Leiber
durch sie selbst geschändet werden,
Rö 1,26 Darum hat sie Gott dahingegeben in Schändliche
Leidenschaften; denn ihre Frauen haben den natürlichen Verkehr
vertauscht mit dem widernatürlichen;
Rö 1,28 Und wie sie es für nichts geachtet haben,
Gott zu erkennen, hat sie Gott dahingegeben in verkehrten Sinn,
so daß sie tun, was nicht recht ist,
Und noch im 2. Kapitel des Römerbriefes bekräftigt es Paulus:
Rö 2,5-6 Du aber mit deinem verstockten und
unbußfertigen Herzen häufst dir selbst Zorn an auf den Tag des
Zorns und der Offenbarung des gerechten Gerichtes Gottes, der einem
jeden geben wird nach seinen Werken:
Wie bekommen wir denn das zusammen? Dieses "Gott für uns
- wer gegen uns" und diese Sätze über den Zorn Gottes? bekommt
das ein Mensch zusammen, kriegen wir das unter einen Hut, ist das
der gleiche Gott oder ist das nicht Schizophrenie in ihrer Reinkultur?
Ja, man könnte sagen, das gehört nicht zusammen und doch - es
gehört zusammen und das ist ja wohl gerade das Staunenswerte an
unserem Gott.
Im Gegensatz zu heidnischen Göttern, die bestochen werden müssen,
hat Gott seinen Zorn von uns abgewendet, dadurch, daß er ihn auf
sich selbst genommen hat.
Rö 5,8-10 Gott aber erweist seine Liebe zu uns
darin, daß Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder
waren. Um wieviel mehr werden wir nun durch ihn bewahrt werden
vor dem Zorn, nachdem wir jetzt durch sein Blut gerecht geworden
sind! Denn wenn wir mit Gott versöhnt worden sind durch den Tod
seines Sohnes, als wir noch Feinde waren, um wieviel mehr werden
wir selig werden durch sein Leben, nachdem wir nun versöhnt sind.
Das "Gott für uns" ist keine trotzige Behauptung, sondern
eine geschichtliche Tatsache. Gott hat seinen eigenen Sohn nicht
verschont, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben.
Ist das nicht gewaltig: Gott hat seinen Zorn von uns abgewendet,
er hätte Grund gehabt auf uns auf mich zornig zu sein, aber er
hat diesen seinen Zorn gegen seinen Sohn Jesus gerichtet, damit
wir tatsächlich befreite, erlöste, versöhnte Menschen sein können
Ich habe viel zu diesem Thema gelesen und ihr habt schon manches
zu diesem Thema gehört - ich könnte so manche Bibelstelle nun zitieren
und kunstreich versuchen zu erklären, was es heißt: Gott ist für
uns - er hat seinen Sohn für uns gegeben.
Ich will das lassen, will stattdessen eine Geschichte lesen, die
mich jedesmal sehr sehr berührt und mir deutlich macht, was Gott
getan hat, was Jesus getan hat - Es ist eine Geschichte die mir
das Evangelium erklärt.
Vorlesen: Walter Wanner: Die Entscheidung
2. Gott ist für uns - das heißt: Seine Gnade
umsonst
Daß Gott uns mit sich in Jesus versöhnt hat, das, so denke ich,
haben wir alle begriffen. Und doch glaube ich auch, daß viele von
uns die Größe und die Tragweite dieses Gott ist für uns noch gar
nicht verstanden und ermessen haben. Die Versöhnung ist umsonst
- jawohl!! Aber dann muß ich doch gut als Christ leben, dann muß ich
mich doch anstrengen, Jesus zu gefallen, dann muß ich mich ja um
meine Heiligung bemühen, dann muß und sollte ich ja im Dienst für
Jesus stehen. Und so ist es gekommen, daß gerade viele Pietisten
die Erlösung aus Gnade zwar bejahen, aber das Leben nach der Bekehrung
als Krampf und Kampf , als Zwang und Not erleben. Auch wenn wir
uns erlöst wissen plagt ja viele von uns die Frage: Reicht das
aus, wie ich lebe, bin ich gut genug als Christ, bin ich fromm
genug? Er hat uns alles geschenkt, nur wir sind es, die immer noch
Zweifel anmelden. und uns oft genug hinterfragen: Bin ich gut genug?
Kennen wir solche Fragen?
Gott stellt solche Fragen nicht . In diesen Versen hier im Römerbrief
steht gleich mehrmals der Satz: "Für uns".
Ist denn Gott einer, wie diejenigen die die Kaffee und Butterfahrten
organisieren?
Da bekommt man ein verlockendes Werbeprospekt ins Haus. Eine Busfahrt,
eine Reise an ein schönes Ziel zu einem sagenhaft günstigen Preis.
Man fragt sich, wie das Busunternehmen überhaupt leben kann. Man
meldet sich an und geht mit, aber das dicke Ende kommt nach. Diese
und jene Leistung war noch nicht im Preis inbegriffen, eine Verkaufsveranstaltung
jagte die andere und die Verkäufer waren so penetrant, daß man
viel Geld ausgegeben hat, um wenigstens seine Ruhe zu haben. Und
am Schluß ist einem das Unternehmen teuer zu stehen gekommen?
Ist es denn im Glauben genauso?
Präsentiert uns Gott nach unserer Bekehrung und Entscheidung für
ich ihn erst die Rechnung?
Nein, das tut er nicht, aber es das ist ein Mißverständnis gerade
in solch einer traditionellen Gemeinde, wie wir es sind. Ins solchen
Gemeinden hat sich im Lauf der Jahre ein Standart herausgebildet.
Ein Standart, der etwa lautet: Als Christ tut man dieses und jenes.
Das andere hat man zu lassen und darüber hinaus wäre es gut, wenn
Du Zeugnis geben könntest, jeder Christ ein Evangelist ist und
du natürlich auch Andachten vorbereiten können müßtest.
Man läßt sich die Gnade schenken und erkauft sich die Heiligung
des Lebens. Ich kann an dieser Stelle nur soviel sagen:
Das "Gott ist für uns" reicht weiter. Es reicht weit,
es reicht über unsere Bekehrung hinaus. Es gilt für unser ganzes
Christenleben. Wir können unserer Erlösung nichts hinzufügen. Unser
Heil, nicht einmal unsere Heiligung können wir etwas zufügen. Unser
Heil machen wir nicht selbst. Diese Notwenigkeit hat Gott uns Gott
sei Dank aus den Händen genommen. Auch wenn wir versagen nimmt
Gott uns unser Heil nicht weg, Genauso wenig wie wir unseren Kindern
die Kindschaft aufkündigen, wenn sie einmal Mist gebaut haben.
Gott ist für uns - das heißt Seine Gnade ist umsonst, sie ist
nicht Werk - nie und nimmer. Das macht uns gelassen, das macht
mich froh, das läßt mich aufatmen, das läßt mich gerne Christ sein.
Schluß:
Vor solchem Heilshandeln Gottes stehen wir in anbetendem, der
Sprache nicht zugänglichen Staunen und Rühmen. Die Einwände und
Einwürfe müssen vor dieser Großtat des Handelns Gottes verstummen,
so sehr sie auch in den folgenden Versen immer noch mitschwingen.
Vielleicht wählte auch Paulus deshalb die rhetorische Frageform
für dieses Lob- und Anbetungslied.
Noch singen wir seine Strophen in der Bedrängnis dieses Äons,
noch stehen manche Fragezeichen; im Reich Gottes werden Ausrufezeichen
stehen.
In solchem Gottesbewußtsein dürfen Christen in wehrhaftem Glauben
den Mächten dieser Welt entgegentreten. Denn das ist Gewiß: Gott
ist für uns. Das Urteil ist ergangen und es lautet: Freispruch
- Gott ist für uns
Ps 118,6 Der HERR ist mit mir, darum fürchte
ich mich nicht; / was können mir Menschen tun?
Mt 1,23 Siehe, eine Jungfrau wird schwanger
sein und einen Sohn gebären, und sie werden ihm den Namen Immanuel
geben das heißt übersetzt: Gott mit uns.
Lothar Zenetti:
Was Jesus für mich ist? - Einer der für mich ist
Was ich von Jesus halte? - Daß er mich hält
Amen
Lied:
"Gott ist für uns"- von Siegfried Fietz aus dem Paulus Oratorium evt.
nach der Predigt |