| Liebe Gemeinde,
Adalbert Stifter, ein großer Schriftsteller und Literat des vorletzten
Jahrhunderts (geboren 1805 in Wien) war anläßlich eines Urlaubs
einmal am Meer. An einem frühen Morgen betrachtete er, auf einem
Hügel sitzend, zwei Stunden lang das tief unter seinen Füßen liegende
Meer. Täglich tat er das, einige Wochen lang. Bei dieser Betrachtung
der Natur, erkannte er: "Wie groß ist Gott, wie herrlich ist
seine Welt!" Durch die liebende Betrachtung des Meeres offenbarte
sich ihm die Größe, die Tiefe, die Weite und Vielfalt Gottes.
Fasziniert schrieb er gut drei Wochen später in einem Brief an
Gustav Heckenast:
"Jeden Tag, jede Stunde war es anders und immer herrlich. In Farben wie
lichter Smaragd, wie leuchtender Azur, wie tiefes Ultramarin, ja wie ein Panzer
mit lauter Silberschuppen spielte es vor mir.
Das staunende Erleben des Meeres wurde für Adalbert Stifter zum
Wendepunkt seines Geisteslebens. Es erwachte in ihm die Sehnsucht,
das 'ewige Meer' nie mehr ganz aus den Augen zu verlieren. Das
heißt, er hatte den Wunsch, fortan sein kleines Leben in der Gegenwart
des großen Gottes zu leben.
Liebe Freunde, ich möchte zu Beginn dieses neuen Jahres einmal über
unseren großen Gott nachdenken mit dem Wunsch und der Sehnsucht,
daß wir es neu lernen, über die Größe unseres Gottes zu staunen.
Gottes Größe, Gottes Macht, Gottes Heil habe ich mir als Predigthemen
für die Sonntage im Januar gesteckt.
Heute nun also: Über Gottes Größe staunen.
Vor einigen Jahren kam in einem evangelikalen Verlag ein kleines
Büchlein mit dem Titel: "Dein Gott ist zu klein" heraus.
Ich habe dieses Buch zwar nie gelesen, aber der Titel dieses Buches
wurde mir zum Anlaß dieser Predigt. Ich denke, daß wir in der Regel
zu klein von unserem Gott denken und daß demzufolge auch unser
Glaube oft genug nur kleinkariert ist.
Wir sind moderne Menschen. Moderne Menschen gefallen sich zwar
in großen Ideen über den Menschen, begnügen sich aber in der Regel
mit ganz kleinen Gedanken über Gott. Uns Christen fehlt heute das
Bewußtsein für die Größe, Herrlichkeit und Majestät unseres Gottes
und das könnte mit ein Grund dafür sein, warum unser Glaube manchmal
so matt und unser Gebet manchmal so lasch ist. Wenn man einmal
die Literatur der Glaubensväter liest, etwa die Bücher Martin Luthers
oder auch anderer, dann merkt man, wie angesteckt sie von dem Glauben
an einen großen und mächtigen Gott waren. Wir bekennen zwar mit
ihnen den gleichen Glauben, doch unsere Vorstellungen über die
Größe unseres Gottes haben gelitten. Wie groß ist dein Gott für
dich? Sicherlich, verstandesmässig sagen wir alle: Gott ist groß,
Gott ist erhaben. Aber fühlen wir das auch, leben wir das auch?
Wie groß ist unser Gott für uns? Ja, ich habe den Wunsch, daß wir
neu staunen lernen über die Größe Gottes.
1. Biblische Zeugnisse von der Größe Gottes
Eigentlich brauchen wir nicht weit in der Bibel zu lesen, bis
uns die Größe und Majestät unseres Gottes in seinem Wort ins Auge
springt. Schon das erste Buch Mose ist voll von Hinweisen und Beweisen
für die Größe Gottes. Da begegnet uns Gott als der Schöpfergott,
der aus dem Chaos die Ordnung schafft (das bringt die Menschheit
nicht fertig, sie stiftet immer nur noch mehr Chaos auf dieser
Welt.)
Gott läßt durch sein Wort Leben entstehen, formt den Adam aus
dem Staub und die Eva aus der Rippe des Mannes. Er offenbart sich
uns als Herr alles Geschaffenen. Der große Gott geht später mit
der Erde ins Gericht, schickt die Sintflut, rettet den Noah. Er
verwirrt die Sprache der Menschheit und zerstreut die Erbauer von
Babel. Melchisedek nennt ihn: "Den höchsten Gott, der Himmel
und Erde geschaffen hat." (1. Mose 14,19). In den ersten Zeilen
der Bibel erkennen wir Gott als einen allgegenwärtigen Gott. Er
sieht die Mordtat Kains, er erkennt die Not der Magd Hagar und
sieht sie und ihren Sohn in der Wüste. Von den Menschen der alten
Zeit, von Abraham, Isaak und Jakob wird er als der El Shaddai der
Allmächtige bezeichnet und all seine Taten beweisen diese seine
Allmacht z.B. die Allmacht, die Abraham und Sarah im hohen Alter
noch einen Sohn schenken kann.
Wir müßten heute lange hier sitzen, wenn wir all die Zeugnisse
der Bibel über die Größe und Majestät unseres Gottes zusammen tragen
wollen. Ich möchte vor unseren Ohren nur einmal noch einige Worte
aus den Psalmen anklingen lassen:
Ps 93,1-2 Der HERR ist König und herrlich geschmückt;
der HERR ist geschmückt und umgürtet mit Kraft. / Er hat den Erdkreis
gegründet, daß er nicht wankt. Von Anbeginn steht dein Thron fest;
/ du bist ewig.
Ps 145,3-5 Der HERR ist groß und sehr zu loben,
/ und seine Größe ist unausforschlich. Kindeskinder werden deine
Werke preisen / und deine gewaltigen Taten verkündigen. Sie sollen
reden von deiner hohen, herrlichen Pracht / und deinen Wundern
nachsinnen;
Ps 95,3f Denn der HERR ist ein großer Gott /
und ein großer König über alle Götter. Denn
in seiner Hand sind die Tiefen der Erde, / und die Höhen der Berge
sind auch sein. Kommt, laßt uns anbeten und knien / und niederfallen
vor dem HERRN, der uns gemacht hat.
Auch das NT redet von der Erhabenheit und Majestät Jesu, so z.B.
der Hebräerbrief wenn er dort heißt:
Hebr 1,3 Er (Jesus) ist der Abglanz seiner Herrlichkeit
und das Ebenbild seines Wesens und trägt alle Dinge mit seinem
kräftigen Wort und hat sich gesetzt zur Rechten der Majestät in
der Höhe
Wenn die Bibel davon redet, daß Gott und Jesus Christus hoch erhaben
und im Himmel ist, meint sie keinesfalls, daß Gott weit von uns
weg wäre. Im Gegenteil, sie redet davon, daß dieser grosse und
wunderbare Gott ein persönlicher Gott ist, unser persönlicher Gott
sein will und daß er uns nahe ist.
2. Wie gewinnen wir ein rechtes Bild von der
Größe Gottes
Nachdem wir uns ein grobes biblisches Bild über die Größe Gottes
gemacht haben, möchten wir uns einer zweiten Frage stellen. Wie
können wir uns denn von Gottes Größe ein rechtes Bild machen? Dazu
möchte ich uns einige Schritte nennen.
2.1 Wir verbannen den kleinen Gott aus unseren
Gedanken
David hat uns diesen Prozeß im 139. Psalm ganz meisterhaft beschrieben.
In diesem Psalm denkt David über die uneingeschränkte und grenzenlose
Gegenwart unseres Gottes nach. Der Mensch, so sagt David, ist stets
in Gottes Gegenwart. Man kann sich zwar vor seinen Mitmenschen
verschließen, doch seinem Schöpfer kann man nicht entfliehen.
Führe man in den Himmel oder bettete man sich in der Hölle, Gott
ist doch da. Gott sieht alle meine Gedanken von ferne, er weiß,
ob ich sitze, liege, schlafe oder gehe. Meine Gewohnheiten, Ziele,
Wünsche und Pläne liegen vor ihm wie ein aufgeschlagenes Buch.
Das Leben wird eine ehrfurchtsvolle Angelegenheit, wenn man sich
klar macht, daß jeder kleinste Moment unter der Gegenwart eines
allwissenden und allgegenwärtigen Schöpfers stattfindet. Und das
tut Gott bei jedem Menschen, milliardenfach.
Wenn der Psalmist dies bedenkt und darüber nachsinnt, so ist in
seinen Gedanken kein Platz mehr für einen kleinen Gott. Wenn er
darüber nachdenkt, wird ihm die Größe unseres Gottes bewußt und
er wendet sich wie automatisch zur Anbetung dieses Gottes, indem
er sagt: "Ich danke dir, daß ich wunderbar gemacht bin, wunderbar
sind deine Werke." (Psalm 139,14). Das ist also ein erster
Schritt, zum Begreifen der Größe Gottes: Sich klar machen, wie
grenzenlos seine Weisheit, seine Gegenwart und seine Macht sind.
Bei den weiteren Schritten wollen wir uns vom 40. Kapitel des
Propheten Jesajas, in dem er Israels unvergleichlichen Gott beschreibt,
leiten lassen
Jesaja schreibt dieses Kapitel an Leute, die verzagt, geduckt
und heimlich verzweifelt sind. Leute, denen der Wind nur allzu
lange ins Gesicht geblasen hat, Leute, die auch von ihrem Gott
nur noch wenig erwarten. Wie zeigt Jesaja diesen Menschen seiner
Zeit, wie zeigt er uns heute die Größe unseres Gottes? Wir können
nicht dieses ganze Kapitel lesen (ich empfehle es euch zur Lektüre
zu Hause) aber einzelne Verse aufleuchten lassen.
2.2 Wir schauen auf die Werke, die Gott tut
Jesaja wendet den Blick seines Volkes auf die Werke Gottes.
Jes 40,12 Wer mißt die Wasser mit der hohlen
Hand, und wer bestimmt des Himmels Weite mit der Spanne und faßt
den Staub der Erde mit dem Maß und wiegt die Berge mit einem Gewicht
und die Hügel mit einer Waage?
Könnte irgendein Mensch das tun, was Gott tun kann? Wir schießen
Teleskope in den Weltraum und wollen die Weite des Himmels, des
Weltalls erfassen und begreifen es doch nicht. Wir haben Methoden
entwickelt, um die Größe der Meere zu ermitteln, aber wir schaffen
es nicht auch nur einige Quadratkilometer dieses Meeres von ausgelaufenem Öl
zu befreien (Ölkatastrophe vor der Bretagne). Wir sind nicht dazu
imstande, Berge zu bewegen, geschweige denn Hügel in unserer Hand
zu halten. Alles Bilder - und doch. Was Gott tut, seine Werke sind
groß, wir können sie nicht tun Allein die Werke, die Gott tut,
um diese Erde am Laufen zu erhalten, daß sie die Bahn behält, daß sie
die richtige Schieflage der Achse hat, daß es Sommer und Winter
gibt. Wir können das nicht machen, allenfalls zerstören.
2.3 Wir schauen auf das, was Gott mit den Völkern
tut
Jesaja wendet den Blick der Israeliten als zweites auf die Völker,
auf die Großmächte seiner Zeit. In Israels Augen sind sie groß und
mächtig, die Assyrer, die Ägypter, die Babylonier. Israel ist ihnen
auf Gnade und Ungnade ausgeliefert. Ihr Militärpotential ist ein
Vielfaches der Israeliten. Und doch: Wie sieht Gott sie?
Jes 40,15 Siehe, die Völker sind geachtet wie
ein Tropfen am Eimer und wie ein Sandkorn auf der Waage. Siehe,
die Inseln sind wie ein Stäublein.
So sieht Gott die mächtigen Völker auch unserer Tage, die Amerikaner,
die Chinesen, die Russen und wie sie alle heißen, vor denen die
Welt zittert. Sie sind ein Tropfen am Eimer.
2.4 Wir schauen auf das, wie Gott die Großen dieser
Welt sieht
Manche schon haben vor den Großen der Welt gezittert, vor einem
Sanherib, vor einem Nebukadnezar zu der damaligen Zeit. Vor einem
Napoleon im 18. Jahrhundert, vor einem Stalin oder Hitler im letzten
Jahrhundert, vor einem.... Gadhafi und Khomeni, vor einem Breschnew,
Jelzin, Carter oder Clinton, egal wie sie heißen.
Jes 40,23 er gibt die Fürsten preis, daß sie
nichts sind, und die Richter auf Erden macht er zunichte:
In den Augen Gottes sind die Mächtigen dieser Welt machtlos. So
groß ist unser Gott
2.5 Wir schauen auf die Wunder der Schöpfung hier
auf dieser Erde
Ich könnte ihrer viele nennen. Allein die Vielfalt in der Tier-
und Pflanzenwelt. Habt ihr gewußt, daß es allein von den Ameisen
10000 verschiedene Arten gibt?. Habt ihr verstanden, wie ein Einzeller
in der Weite des Ozeans überleben kann? Habt ihr begriffen, wie
der Duft der Blumen zustande kommt und wie Äpfeln und Birnen eine
Schale wächst. Können wir die Haare auf unserem Haupt zählen und
begreifen, welches Wunder geschieht, wenn ein Mensch gezeugt wird,
das Leben erhält? Wie groß ist unser Gott, daß er bei all dem durchblickt,
all diese wunderbaren Mechanismen ins Leben gerufen hat.
2.6 Wir schauen auf das Wunder der Sternenwelt
Als letztes wendet Jesaja den Blick seines Volkes, um die Größe
Gottes zu begreifen auf die Sternenwelt
Jes 40,26 Hebet eure Augen in die Höhe und seht!
Wer hat dies geschaffen? Er führt ihr Heer vollzählig heraus und
ruft sie alle mit Namen; seine Macht und starke Kraft ist so groß,
daß nicht eins von ihnen fehlt.
Nichts wohl kann uns die Größe Gottes besser vermitteln, als die
Wunder der Sternenwelt, der Milchstraßen, des Universums. Millionen
von Sternen, die Billionen von Lichtjahren entfernt sind. Selbst
solche Begriffe wie Lichtjahre können wir nicht begreifen. 300.000
km legt das Licht in der Sekunde zurück. Im Jahr also 9,46 Billarden,
das sind 9460 Milliarden Kilometer, Und nun entdeckt man in Weltall
Galaxien, die wiederum 12 Milliarden Lichtjahre von uns entfernt
sind. Unser Verstand versagt, aber wenn er uns doch nur etwas ahnen
lassen möchte, von der Größe unseres Gottes.
Das läßt uns an den englischen Mathematiker und Physiker Sir Isaac
Newton (1643-1727) denken, der einmal sein alltägliches Leben mit
dem Spiel eines Kindes verglich, das sich am Strand eines Meeres
eifrig mit Muscheln und Steinen beschäftigt, während vor ihm der
Ozean rauscht.
3. Welche Konsequenzen ziehen wir aus der
Größe unseres Gottes
Für Israel zieht Jesaja aus all diesem Staunen über Gottes Größe
folgende Konsequenzen:
Jes 40,25 Mit wem wollt ihr mich also vergleichen,
dem ich gleich sei? spricht der Heilige.
Gott ist mit nichts zu vergleichen und all unsere Gedanken über
Gott sind viel zu sehr Menschengedanken. Unsere Gedanken über Gott
sind nicht groß genug. Wir rechnen viel zu wenig mit der Grenzenlosigkeit
seiner Weisheit und Macht.
Jes 40,27 Warum sprichst du denn, Jakob, und
du, Israel, sagst: "Mein Weg ist dem HERRN verborgen, und
mein Recht geht vor meinem Gott vorüber"
Diese Frage ist ein Tadel gegen falsche Vorstellungen von uns
selbst. Gott hat in all seiner Größe uns nicht im Stich gelassen.
Er läßt niemanden im Stich und auch dein Weg ist vor deinem Gott
nicht verborgen. Gott hat dich nicht vergessen, auch nicht übersehen
und das, obwohl er so groß ist.
Jes 40,28 Weißt du nicht? Hast du nicht gehört?
Der HERR, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat,
wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich.
Das ist die 3. Konsequenz, die Jesaja zieht. Er tadelt die Israeliten über
ihrer Schwerfälligkeit, wie sie von Gottes Majestät denken. Habt
ihr euch den eingebildet, der Schöpfer sei alt und müde geworden.
Habt ihr den gemeint, der Schöpfer sei erschöpft, wie ein Artikel
im Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" vor einem Jahr überschrieben
war?
Und all diese Korrektur unseres Denkens über Gott führt uns zur
letzten Konsequenz aus all unseren Überlegungen über die Größe
unseres Gottes. Und diese Konsequenz kann nur heißen, daß wir ihn
anbeten.
Psalm 95 haben wir Eingangs gehört und die Beschreibung der Herrlichkeit
Gottes mündet in diesem Psalm in die Aufforderung ein:
Ps 95,7 Denn er ist unser Gott, und wir
das Volk seiner Weide und Schafe seiner Hand. Wenn ihr doch heute
auf seine Stimme hören wolltet:
Groß ist unser Gott und er ist hoch zu rühmen.
Unsere einzige Antwort kann sein. Dich Gott will ich anbeten.
Wer Gott anbetet, kann die Größe Gottes nicht besser begreifen,
dazu ist unser Verstand zu klein. Aber wer Gott anbetet, der fängt
an mit der Größe Gottes zu rechnen. Wir fangen wieder neu an über
die Größe Gottes zu staunen, indem wir ihn anbeten.
Liebe Geschwister, bei all dem, was wir gehört haben - ich wünsche
uns für diese Woche, ja für dieses Jahr, daß unser Herz froh wird,
daß wir solch einen Gott haben. Und ich wünsche es uns, daß wir
kommen und vor ihm niederfallen und ihn anbeten.
Amen |