Logo Predigt: Staunen über Gottes Größe



Über unseren großen Gott nachdenken mit dem Wunsch und der Sehnsucht, daß wir es neu lernen, über die Größe unseres Gottes zu staunen.

Jesaja 40, 12ff

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Liebe Gemeinde,

Adalbert Stifter, ein großer Schriftsteller und Literat des vorletzten Jahrhunderts (geboren 1805 in Wien) war anläßlich eines Urlaubs einmal am Meer. An einem frühen Morgen betrachtete er, auf einem Hügel sitzend, zwei Stunden lang das tief unter seinen Füßen liegende Meer. Täglich tat er das, einige Wochen lang. Bei dieser Betrachtung der Natur, erkannte er: "Wie groß ist Gott, wie herrlich ist seine Welt!" Durch die liebende Betrachtung des Meeres offenbarte sich ihm die Größe, die Tiefe, die Weite und Vielfalt Gottes.

Fasziniert schrieb er gut drei Wochen später in einem Brief an Gustav Heckenast:
"Jeden Tag, jede Stunde war es anders und immer herrlich. In Farben wie lichter Smaragd, wie leuchtender Azur, wie tiefes Ultramarin, ja wie ein Panzer mit lauter Silberschuppen spielte es vor mir.

Das staunende Erleben des Meeres wurde für Adalbert Stifter zum Wendepunkt seines Geisteslebens. Es erwachte in ihm die Sehnsucht, das 'ewige Meer' nie mehr ganz aus den Augen zu verlieren. Das heißt, er hatte den Wunsch, fortan sein kleines Leben in der Gegenwart des großen Gottes zu leben.

Liebe Freunde, ich möchte zu Beginn dieses neuen Jahres einmal über unseren großen Gott nachdenken mit dem Wunsch und der Sehnsucht, daß wir es neu lernen, über die Größe unseres Gottes zu staunen. Gottes Größe, Gottes Macht, Gottes Heil habe ich mir als Predigthemen für die Sonntage im Januar gesteckt.

Heute nun also: Über Gottes Größe staunen.

Vor einigen Jahren kam in einem evangelikalen Verlag ein kleines Büchlein mit dem Titel: "Dein Gott ist zu klein" heraus. Ich habe dieses Buch zwar nie gelesen, aber der Titel dieses Buches wurde mir zum Anlaß dieser Predigt. Ich denke, daß wir in der Regel zu klein von unserem Gott denken und daß demzufolge auch unser Glaube oft genug nur kleinkariert ist.

Wir sind moderne Menschen. Moderne Menschen gefallen sich zwar in großen Ideen über den Menschen, begnügen sich aber in der Regel mit ganz kleinen Gedanken über Gott. Uns Christen fehlt heute das Bewußtsein für die Größe, Herrlichkeit und Majestät unseres Gottes und das könnte mit ein Grund dafür sein, warum unser Glaube manchmal so matt und unser Gebet manchmal so lasch ist. Wenn man einmal die Literatur der Glaubensväter liest, etwa die Bücher Martin Luthers oder auch anderer, dann merkt man, wie angesteckt sie von dem Glauben an einen großen und mächtigen Gott waren. Wir bekennen zwar mit ihnen den gleichen Glauben, doch unsere Vorstellungen über die Größe unseres Gottes haben gelitten. Wie groß ist dein Gott für dich? Sicherlich, verstandesmässig sagen wir alle: Gott ist groß, Gott ist erhaben. Aber fühlen wir das auch, leben wir das auch? Wie groß ist unser Gott für uns? Ja, ich habe den Wunsch, daß wir neu staunen lernen über die Größe Gottes.

1. Biblische Zeugnisse von der Größe Gottes

Eigentlich brauchen wir nicht weit in der Bibel zu lesen, bis uns die Größe und Majestät unseres Gottes in seinem Wort ins Auge springt. Schon das erste Buch Mose ist voll von Hinweisen und Beweisen für die Größe Gottes. Da begegnet uns Gott als der Schöpfergott, der aus dem Chaos die Ordnung schafft (das bringt die Menschheit nicht fertig, sie stiftet immer nur noch mehr Chaos auf dieser Welt.)

Gott läßt durch sein Wort Leben entstehen, formt den Adam aus dem Staub und die Eva aus der Rippe des Mannes. Er offenbart sich uns als Herr alles Geschaffenen. Der große Gott geht später mit der Erde ins Gericht, schickt die Sintflut, rettet den Noah. Er verwirrt die Sprache der Menschheit und zerstreut die Erbauer von Babel. Melchisedek nennt ihn: "Den höchsten Gott, der Himmel und Erde geschaffen hat." (1. Mose 14,19). In den ersten Zeilen der Bibel erkennen wir Gott als einen allgegenwärtigen Gott. Er sieht die Mordtat Kains, er erkennt die Not der Magd Hagar und sieht sie und ihren Sohn in der Wüste. Von den Menschen der alten Zeit, von Abraham, Isaak und Jakob wird er als der El Shaddai der Allmächtige bezeichnet und all seine Taten beweisen diese seine Allmacht z.B. die Allmacht, die Abraham und Sarah im hohen Alter noch einen Sohn schenken kann.

Wir müßten heute lange hier sitzen, wenn wir all die Zeugnisse der Bibel über die Größe und Majestät unseres Gottes zusammen tragen wollen. Ich möchte vor unseren Ohren nur einmal noch einige Worte aus den Psalmen anklingen lassen:

Ps 93,1-2    Der HERR ist König und herrlich geschmückt; der HERR ist geschmückt und umgürtet mit Kraft. / Er hat den Erdkreis gegründet, daß er nicht wankt. Von Anbeginn steht dein Thron fest; / du bist ewig.

Ps 145,3-5    Der HERR ist groß und sehr zu loben, / und seine Größe ist unausforschlich. Kindeskinder werden deine Werke preisen / und deine gewaltigen Taten verkündigen. Sie sollen reden von deiner hohen, herrlichen Pracht / und deinen Wundern nachsinnen;

Ps 95,3f    Denn der HERR ist ein großer Gott / und ein großer König über alle Götter.     Denn in seiner Hand sind die Tiefen der Erde, / und die Höhen der Berge sind auch sein. Kommt, laßt uns anbeten und knien / und niederfallen vor dem HERRN, der uns gemacht hat.
Auch das NT redet von der Erhabenheit und Majestät Jesu, so z.B. der Hebräerbrief wenn er dort heißt:

Hebr 1,3    Er (Jesus) ist der Abglanz seiner Herrlichkeit und das Ebenbild seines Wesens und trägt alle Dinge mit seinem kräftigen Wort und hat sich gesetzt zur Rechten der Majestät in der Höhe

Wenn die Bibel davon redet, daß Gott und Jesus Christus hoch erhaben und im Himmel ist, meint sie keinesfalls, daß Gott weit von uns weg wäre. Im Gegenteil, sie redet davon, daß dieser grosse und wunderbare Gott ein persönlicher Gott ist, unser persönlicher Gott sein will und daß er uns nahe ist.

2. Wie gewinnen wir ein rechtes Bild von der Größe Gottes

Nachdem wir uns ein grobes biblisches Bild über die Größe Gottes gemacht haben, möchten wir uns einer zweiten Frage stellen. Wie können wir uns denn von Gottes Größe ein rechtes Bild machen? Dazu möchte ich uns einige Schritte nennen.

2.1 Wir verbannen den kleinen Gott aus unseren Gedanken

David hat uns diesen Prozeß im 139. Psalm ganz meisterhaft beschrieben. In diesem Psalm denkt David über die uneingeschränkte und grenzenlose Gegenwart unseres Gottes nach. Der Mensch, so sagt David, ist stets in Gottes Gegenwart. Man kann sich zwar vor seinen Mitmenschen verschließen, doch seinem Schöpfer kann man nicht entfliehen.

Führe man in den Himmel oder bettete man sich in der Hölle, Gott ist doch da. Gott sieht alle meine Gedanken von ferne, er weiß, ob ich sitze, liege, schlafe oder gehe. Meine Gewohnheiten, Ziele, Wünsche und Pläne liegen vor ihm wie ein aufgeschlagenes Buch. Das Leben wird eine ehrfurchtsvolle Angelegenheit, wenn man sich klar macht, daß jeder kleinste Moment unter der Gegenwart eines allwissenden und allgegenwärtigen Schöpfers stattfindet. Und das tut Gott bei jedem Menschen, milliardenfach.

Wenn der Psalmist dies bedenkt und darüber nachsinnt, so ist in seinen Gedanken kein Platz mehr für einen kleinen Gott. Wenn er darüber nachdenkt, wird ihm die Größe unseres Gottes bewußt und er wendet sich wie automatisch zur Anbetung dieses Gottes, indem er sagt: "Ich danke dir, daß ich wunderbar gemacht bin, wunderbar sind deine Werke." (Psalm 139,14). Das ist also ein erster Schritt, zum Begreifen der Größe Gottes: Sich klar machen, wie grenzenlos seine Weisheit, seine Gegenwart und seine Macht sind.

Bei den weiteren Schritten wollen wir uns vom 40. Kapitel des Propheten Jesajas, in dem er Israels unvergleichlichen Gott beschreibt, leiten lassen

Jesaja schreibt dieses Kapitel an Leute, die verzagt, geduckt und heimlich verzweifelt sind. Leute, denen der Wind nur allzu lange ins Gesicht geblasen hat, Leute, die auch von ihrem Gott nur noch wenig erwarten. Wie zeigt Jesaja diesen Menschen seiner Zeit, wie zeigt er uns heute die Größe unseres Gottes? Wir können nicht dieses ganze Kapitel lesen (ich empfehle es euch zur Lektüre zu Hause) aber einzelne Verse aufleuchten lassen.

2.2 Wir schauen auf die Werke, die Gott tut

Jesaja wendet den Blick seines Volkes auf die Werke Gottes.

Jes 40,12    Wer mißt die Wasser mit der hohlen Hand, und wer bestimmt des Himmels Weite mit der Spanne und faßt den Staub der Erde mit dem Maß und wiegt die Berge mit einem Gewicht und die Hügel mit einer Waage?

Könnte irgendein Mensch das tun, was Gott tun kann? Wir schießen Teleskope in den Weltraum und wollen die Weite des Himmels, des Weltalls erfassen und begreifen es doch nicht. Wir haben Methoden entwickelt, um die Größe der Meere zu ermitteln, aber wir schaffen es nicht auch nur einige Quadratkilometer dieses Meeres von ausgelaufenem Öl zu befreien (Ölkatastrophe vor der Bretagne). Wir sind nicht dazu imstande, Berge zu bewegen, geschweige denn Hügel in unserer Hand zu halten. Alles Bilder - und doch. Was Gott tut, seine Werke sind groß, wir können sie nicht tun Allein die Werke, die Gott tut, um diese Erde am Laufen zu erhalten, daß sie die Bahn behält, daß sie die richtige Schieflage der Achse hat, daß es Sommer und Winter gibt. Wir können das nicht machen, allenfalls zerstören.

2.3 Wir schauen auf das, was Gott mit den Völkern tut

Jesaja wendet den Blick der Israeliten als zweites auf die Völker, auf die Großmächte seiner Zeit. In Israels Augen sind sie groß und mächtig, die Assyrer, die Ägypter, die Babylonier. Israel ist ihnen auf Gnade und Ungnade ausgeliefert. Ihr Militärpotential ist ein Vielfaches der Israeliten. Und doch: Wie sieht Gott sie?

Jes 40,15    Siehe, die Völker sind geachtet wie ein Tropfen am Eimer und wie ein Sandkorn auf der Waage. Siehe, die Inseln sind wie ein Stäublein.

So sieht Gott die mächtigen Völker auch unserer Tage, die Amerikaner, die Chinesen, die Russen und wie sie alle heißen, vor denen die Welt zittert. Sie sind ein Tropfen am Eimer.

2.4 Wir schauen auf das, wie Gott die Großen dieser Welt sieht

Manche schon haben vor den Großen der Welt gezittert, vor einem Sanherib, vor einem Nebukadnezar zu der damaligen Zeit. Vor einem Napoleon im 18. Jahrhundert, vor einem Stalin oder Hitler im letzten Jahrhundert, vor einem.... Gadhafi und Khomeni, vor einem Breschnew, Jelzin, Carter oder Clinton, egal wie sie heißen.

Jes 40,23    er gibt die Fürsten preis, daß sie nichts sind, und die Richter auf Erden macht er zunichte:

In den Augen Gottes sind die Mächtigen dieser Welt machtlos. So groß ist unser Gott

2.5 Wir schauen auf die Wunder der Schöpfung hier auf dieser Erde

Ich könnte ihrer viele nennen. Allein die Vielfalt in der Tier- und Pflanzenwelt. Habt ihr gewußt, daß es allein von den Ameisen 10000 verschiedene Arten gibt?. Habt ihr verstanden, wie ein Einzeller in der Weite des Ozeans überleben kann? Habt ihr begriffen, wie der Duft der Blumen zustande kommt und wie Äpfeln und Birnen eine Schale wächst. Können wir die Haare auf unserem Haupt zählen und begreifen, welches Wunder geschieht, wenn ein Mensch gezeugt wird, das Leben erhält? Wie groß ist unser Gott, daß er bei all dem durchblickt, all diese wunderbaren Mechanismen ins Leben gerufen hat.

2.6 Wir schauen auf das Wunder der Sternenwelt

Als letztes wendet Jesaja den Blick seines Volkes, um die Größe Gottes zu begreifen auf die Sternenwelt

Jes 40,26    Hebet eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat dies geschaffen? Er führt ihr Heer vollzählig heraus und ruft sie alle mit Namen; seine Macht und starke Kraft ist so groß, daß nicht eins von ihnen fehlt.

Nichts wohl kann uns die Größe Gottes besser vermitteln, als die Wunder der Sternenwelt, der Milchstraßen, des Universums. Millionen von Sternen, die Billionen von Lichtjahren entfernt sind. Selbst solche Begriffe wie Lichtjahre können wir nicht begreifen. 300.000 km legt das Licht in der Sekunde zurück. Im Jahr also 9,46 Billarden, das sind 9460 Milliarden Kilometer, Und nun entdeckt man in Weltall Galaxien, die wiederum 12 Milliarden Lichtjahre von uns entfernt sind. Unser Verstand versagt, aber wenn er uns doch nur etwas ahnen lassen möchte, von der Größe unseres Gottes.

Das läßt uns an den englischen Mathematiker und Physiker Sir Isaac Newton (1643-1727) denken, der einmal sein alltägliches Leben mit dem Spiel eines Kindes verglich, das sich am Strand eines Meeres eifrig mit Muscheln und Steinen beschäftigt, während vor ihm der Ozean rauscht.

3. Welche Konsequenzen ziehen wir aus der Größe unseres Gottes

Für Israel zieht Jesaja aus all diesem Staunen über Gottes Größe folgende Konsequenzen:

Jes 40,25    Mit wem wollt ihr mich also vergleichen, dem ich gleich sei? spricht der Heilige.

Gott ist mit nichts zu vergleichen und all unsere Gedanken über Gott sind viel zu sehr Menschengedanken. Unsere Gedanken über Gott sind nicht groß genug. Wir rechnen viel zu wenig mit der Grenzenlosigkeit seiner Weisheit und Macht.

Jes 40,27    Warum sprichst du denn, Jakob, und du, Israel, sagst: "Mein Weg ist dem HERRN verborgen, und mein Recht geht vor meinem Gott vorüber"

Diese Frage ist ein Tadel gegen falsche Vorstellungen von uns selbst. Gott hat in all seiner Größe uns nicht im Stich gelassen. Er läßt niemanden im Stich und auch dein Weg ist vor deinem Gott nicht verborgen. Gott hat dich nicht vergessen, auch nicht übersehen und das, obwohl er so groß ist.

Jes 40,28    Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der HERR, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich.

Das ist die 3. Konsequenz, die Jesaja zieht. Er tadelt die Israeliten über ihrer Schwerfälligkeit, wie sie von Gottes Majestät denken. Habt ihr euch den eingebildet, der Schöpfer sei alt und müde geworden. Habt ihr den gemeint, der Schöpfer sei erschöpft, wie ein Artikel im Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" vor einem Jahr überschrieben war?

Und all diese Korrektur unseres Denkens über Gott führt uns zur letzten Konsequenz aus all unseren Überlegungen über die Größe unseres Gottes. Und diese Konsequenz kann nur heißen, daß wir ihn anbeten.

Psalm 95 haben wir Eingangs gehört und die Beschreibung der Herrlichkeit Gottes mündet in diesem Psalm in die Aufforderung ein:

Ps 95,7    Denn er ist unser Gott,  und wir das Volk seiner Weide und Schafe seiner Hand. Wenn ihr doch heute auf seine Stimme hören wolltet:

Groß ist unser Gott und er ist hoch zu rühmen.

Unsere einzige Antwort kann sein. Dich Gott will ich anbeten.

Wer Gott anbetet, kann die Größe Gottes nicht besser begreifen, dazu ist unser Verstand zu klein. Aber wer Gott anbetet, der fängt an mit der Größe Gottes zu rechnen. Wir fangen wieder neu an über die Größe Gottes zu staunen, indem wir ihn anbeten.

Liebe Geschwister, bei all dem, was wir gehört haben - ich wünsche uns für diese Woche, ja für dieses Jahr, daß unser Herz froh wird, daß wir solch einen Gott haben. Und ich wünsche es uns, daß wir kommen und vor ihm niederfallen und ihn anbeten.

Amen