Logo Predigt: So wird Ihr Christsein ansteckend - Retterliebe



Die Frage der Motivation zur Evangelisation kann mit einem schönen alten Wort umschreiben werden: Retterliebe. Das meint die Freude den Menschen das Evangelium weiterzusagen.

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Liebe Gemeinde,

diese Predigt beginne ich mit einer Frage, mit einer Frage an all diejenigen, die am vergangenen Sonntag im Gottesdienst waren und die Predigt gehört haben.

Wir haben gehört, daß es eine Hölle, eine Verlorenheit gibt. Wir haben uns damit auseinander gesetzt, welche Gefühle das auslöst, ob uns dieses Wissen beklemmt oder beflügelt, mit Mitmenschen über den Glauben und die Rettung von Jesus zu reden. Und an irgendeiner Stelle dieser Predigt habe ich dann gesagt:

"Ohne Retterliebe wird unser Zeugnis wohl immer etwas von dem Krampf behalten, den wir eben in uns tragen. Deshalb, laßt uns wieder um Retterliebe beten. Flehe du zu Gott, daß er dein Leben an dieser Stelle verändert."

Die Frage, die ich an euch Stelle, lautet: Haben wir im Lauf der vergangenen Woche darum gebetet? War uns das in den letzten Tagen ein Anliegen?

Wenn wir das getan haben, dann wird uns die heutige Predigt freuen, denn in unserer Reihe - "So wird ihr Christsein ansteckend" werden wir uns heute noch einmal intensiver mit dem Thema "Retterliebe" auseinandersetzen.

Haben wir die Anregung vom letzten Sonntag noch nicht umgesetzt, wird uns die heutige Predigt auch gut tun, wird es uns gut tun, dieses Thema noch einmal zu vertiefen.

Und wer die Predigt vom vergangenen Sonntag gar nicht gehört hat - wohlan, dann kannst du heute mit diesen Gedanken vertraut werden - mit der Tatsache, daß Gott Menschen liebt und retten will.

Wir behandeln ja in diesen Wochen das Thema ansteckendes Christsein - Evangelisation. Dazu ließe sich vieles sagen, besonders auch vieles darüber - wie mache ich das. Allerlei Praktisches ist schon geschrieben worden, wie wir den Missionsauftrag Jesu konkret umsetzen könnten. Es gibt vielerlei Strategien und Ansätze, Tips und Tricks. Das ist ja alles recht und gut und hilfreich und wohl uns, wenn wir auf Schulungen und Seminare gehen, in denen wir lernen können, wie unser Christsein ansteckend wird.

Aber vor all diesen praktischen Fragen muß noch eine andere Frage geklärt werden, und das ist die Frage unserer Motivation. Denn das beste Handwerkszeug nützt dem Handwerker nichts, wenn er keine Lust, keine Freude an seinem Beruf verspürt. Der beste Computer nützt dem Programmierer nichts, wenn er eine Abscheu vor dem Bildschirm und der Tastatur hat. Der schnellste Formel-I Rennwagen kann nicht gewinnen, wenn sein Fahrer Angst vor der Geschwindigkeit hat.

Und die besten Tips und praktischen Konzepte zur Evangelisation helfen uns persönlich und uns als Gemeinde auch nicht weiter, wenn unsere Motivation zu diesem Thema nicht ausreicht.

Diese Frage der Motivation zur Evangelisation haben die Väter mit dem schönen alten Wort: "Retterliebe" umschrieben. Retterliebe, das findet man heute in keinem Lexikon mehr - Retterliebe meint die Freude, die man dabei verspürt, wenn man Menschen das Evangelium weitersagen kann.

Eine Missionarin, deren Hauptaufgabe es war, Missionarinnen in Übersee zu betreuen, sagte einmal: "Das größte Missionsfeld ist nicht die Welt, sondern unser Herz."

Und ein Missionsinspektor sagte ergänzend bei einer Missionstagung: "Ich bete mehr für die einzelnen Missionare, als für ihre Arbeit und die von ihnen betreuten Personen. Nach meiner Erfahrung geht es mit der Arbeit auf der Station voran, wenn der Missionar ein williges Werkzeug in Gottes Hand ist."

Das ist ja interessant und wenn ich das übertrage, dann heißt das für einen Prediger: Ein Prediger betet mehr darum, daß die Glieder seiner Gemeinde fähig werden, das Evangelium Menschen zu sagen, als daß er für einzelne Menschen fern von Christus betet.

Retterliebe - was ist denn das, was ist mit diesem alten Wort gemeint?

Retterliebe meint zunächst die Liebe, die Gott zu Menschen hat. Retterliebe ist kein emotionales Produkt, daß wir unserer Seele entringen müßten. Retterliebe ist kein Ding, daß man wie die Stecknadel im Heuhaufen suchen müßte. Retterliebe ist in dieser Welt vorhanden, ist über dieser Welt ausgegossen. Eine Liebe, Menschen, die nicht an Jesus glauben und deshalb verloren gehen zu retten, brennt in Gottes Herz, seit die Menschheit nach dem Sündenfall sich von ihrem Schöpfer gelöst hat. Habt ihr schon einmal die "jammert- Stellen" in der Bibel gelesen und die anderen Worte, die von Gottes brennender Liebe zu uns reden?

Mt 9,36    Und als er das Volk sah, jammerte es ihn; denn sie waren verschmachtet und zerstreut wie die Schafe, die keinen Hirten haben.

Lk 15,20        Und er machte sich auf und kam zu seinem Vater. Als er aber noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater, und es jammerte ihn; er lief und fiel ihm um den Hals und küßte ihn.

Retterliebe ist die Kraft, die Jesus, den Heiland ans Kreuz gebracht hat, die ihn bereit gemacht hat, den Passionsweg zu gehen. Retterliebe müssen wir nicht produzieren. Retterliebe ist in dieser Welt vorhanden.

Nur, wie kommt es , daß diese Liebe uns ergreift? Ich habe dieser Tage , wieder in dem Buch von Oswald Smith - "Glühende Retterliebe" gelesen. Gelesen von den großen Evangelisten. Viele von ihnen nahmen sich einen Sänger mit auf die Reise, Von Charles Finney heißt es: Er nahm sich einen Beter mit. Den Vater Nash. Und während Finney predigte, widmete sich Nash dem Gebet. Irgendwo draußen im Wald vergrub dieser Gebetsstreiter sein Gesicht in seine Hände und schrie zu Gott in der Angst und Not seiner Seele, damit Gott Finney zur Errettung verlorener Männer und Frauen benutzen möge. Nash betete aus der innere Qual und Not heraus, die er um die Seelen der Menschen empfand.

Oswald Smith fährt fort indem er schreibt: "Durch die Jahrhunderte hindurch stoßen wir auf Knechte Gottes, die alle in inständigem Gebet heiß gerungen haben. Wer diese geistlichen Geburtswehen kennt, weiß, wovon ich spreche; denn das mühevolle ringen der Seele gehört mit zu dem Preis, der für eine Erweckung gezahlt werden muß."

Und noch ein paar Zeilen von Oswald Smith, unter dessen Kanzel Tausende zum Glauben kamen:

"Wenn die Last der Verantwortung für die Seelen deiner Mitmenschen nicht mehr auf dir liegt, dann hast du eine Erweckung nötig. Ist es denn möglich, daß du auf dem schmalen Pfad zum Himmel bist, während Angehörige von dir, Arbeitskollegen, Nachbarn, Freunde auf dem breiten Weg zur Verlorenheit gehen? Ist es denn möglich, daß du keine innere Not leidest um ihretwillen, daß dich die Last der Verantwortung für sie kein bißchen bedrückt, daß du keine Gebetslast für sie auf dem Herzen trägst. Das mühevolle Ringen der Seele gehört mit zu dem Preis, der für eine Erweckung gezahlt werden muß."

Das also meine ich, das also meint man mit Retterliebe.

Was bremst mich:

a) Wir haben viel mit uns selbst zu tun

Retterliebe fällt uns heute schwer, weil wir eben alle enorm viel mit uns selber, mit unseren Familien, mit unserem Beruf zu kämpfen und zu tun haben. In unserer Gesellschaft breitet sich eine Mentalität aus, daß eben jeder zuerst einmal seine eigenen Dinge regeln muß und will. Und mir selber geht es doch auch so:

Am Freitag fuhr ich durch Bahlingen. Ein etwa 10-jähriges Mädchen fuhr mit seinem Fahrrad auf dem Gehsteig und an irgendeiner Stelle stürzte es, ich weiß nicht warum. Das Fahrrad fiel um, und fiel auf ein am Straßenrand parkendes Auto. Ich beobachtetet das von gut und gern 200 m Entfernung. Das Mädchen war verdattert, stand wieder auf, hob sein Fahrrad auf und fuhr zwar mit Schmerzen, aber doch weitgehend unverletzt, weiter.

Eigentlich, so dachte ich, eigentlich sollte ich jetzt Zivilcourage haben, und die Kleine anhalten. Das Auto hat sicherlich einen Kratzer bekommen und wenn der Besitzer zurückkommt, wird er sich ärgern. Eigentlich sollte ich dieses Mädchen jetzt anhalten, ihre Personalien aufnehmen, die Sache ihren Eltern melden - ein Fall für die Haftpflicht.

Aber dummerweise - in Anführungsstrichen - dummerweise hatte ich es eilig, hatte ich in Eichstetten einen Termin - und so fuhr ich rasch an dem parkenden Auto und an dem mit schmerzverzerrtem Gesicht weiterradelnden Mädchen vorbei. Jeder in unserer Gesellschaft schaut zuerst einmal, daß er selber zurecht kommt. Und das ist auch unser Problem, wenn es um ansteckendes Christsein und um Evangelisation geht.

Retterliebe geht bei uns unter, weil wir eben alle genug mit uns zu tun haben. Aber diese Tatsache und damit wiederhole ich meine Predigt vom letzten Sonntag, diese Tatsache sollte uns wieder auf die Knie treiben.

b) Wir schämen uns des Evangeliums

Wir leben nach dem Motto - möglichst nicht zu aufdringlich sein - möglichst nirgends unangenehm auffallen. Ja niemand einen Anstoß geben, ja keine Tür zuschlagen. Das alles ist in gewissem Maß auch richtig, aber fallen wir heute nicht auf der anderes Seite des Pferdes herunter? War man früher eher zu anstößig zu trampelig, zu provokant mit dem Evangelium, daß man Menschen wirklich abgestoßen hat, müssen wir uns, so glaube ich, heute die Frage stellen: Sind wir nicht zu harmlos, zu rund, zu wenig eckig, zu rücksichtsvoll?

Paulus:

Rö 1,16    Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die daran glauben, die Juden zuerst und ebenso die Griechen.

Ich schäme mich des Evangeliums von Christus nicht -

Beispiel: Harald Petersen, Leiter der Seelsorgeabteilung beim ERF wurde als 14 jähriger angesprochen: Hast du Jesus auch schon angenommen. Petersen: "Das trauen wir uns heute nicht mehr zu fragen, auch in unseren pietistischen Gemeinden ist der Glaube dermaßen Privatsache geworden, daß man keinen mehr darauf anspricht. Wir alle hoffen und glauben und denken, der sitzt ja Sonntag für Sonntag in der Predigt, der wird es doch hoffentlich kapieren."

Rö 1,16    Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die daran glauben, die Juden zuerst und ebenso die Griechen.

Das waren zwei Bremsklötze der Retterliebe

Was tut Retterliebe?

Am 4.12.97 strandeten 13 Pottwale vor Sylt. 3 Tiere starben. Die übrigen Tiere wurden von Naturschützern ins Meer gebracht. Allerdings ist die Rettung damit nicht vollbracht. Pottwale haben so ein Sozialverhalten, daß sie immer in der Gruppe zusammen bleiben wollen. Die lebenden Tiere wollen zu den toten Tieren zurück um sie zu retten. Wenn es uns doch aus so zu den Verlorenen ziehen würde. Wenn wir doch auch solchen Rettersinn, solch ein Sozialverhalten hätten.

2Kor 5,14    Denn die Liebe Christi drängt uns, zumal wir überzeugt sind, daß wenn einer für alle gestorben ist, so sind sie alle gestorben.

Menschen, die vom Rettersinn Gottes durchdrungen sind, werden mithelfen, daß andere zu Jesus finden.

Was tut Retterliebe?
Sie beugt sich unter die Gleichgültigkeit, mit der wir hier in unseren Landen so gemeinhin leben.

Was tut Retterliebe?
Sie hat wenigstens einen Menschen, der ohne Christus lebt, für den sie treu betet.

Was tut Retterliebe?
Sie ist bestrebt danach Zeit mit Menschen ohne Jesus zu verbringen

Was tut Retterliebe:
Sie macht sich Gedanken, wie kann ich diesen einen in Kontakt mit dem Evangelium bringen:
Hier einbauen: Aussage eines Kirchenführers:

"Früher haben sich Menschen bekehrt und fanden dann in eine Gemeinde - Heute finden Menschen in eine Gemeinde und bekehren sich im Lauf der Jahre."

Diese Behauptung hat Konsequenzen. In unseren Reihen dürfen solche sein, die sich ganz und gar unchristlich verhalten, aber die es bei uns warm und schön und nett finden. Im Lauf der Jahre finden sie zu Christus.

Abschluß:

Geschichte von der Seenotrettungsstation:

An einer gefährlichen Küste befand sich vor Zeiten eine kleine armselige Rettungsstation. Die Küste war von vielen Schiffen zum Verhängnis geworden. Deshalb hatte sich eine Handvoll Freiwilliger hier eine kleine Hütte gebaut, um den Wachdienst zu versehen. Zu dieser Rettungsstation gehörte nur ein einziges Boot. Mit diesem wagte sich die kleine mutige Mannschaft immer wieder, bei Tag und bei Nacht, auf das Meer hinaus, um die Schiffbrüchigen zu retten. Es dauerte nicht lange, daß dieser kleine Stützpunkt bald überall bekannt wurde. Viele der Erretteten und auch andere Leute aus der Umgebung waren gern bereit, die armselige Station mit Geld zu unterstützen. Die Zahl der Gönner wuchs. So konnte man sich neue Boote kaufen und neue Mannschaften schulen.

Mit der Zeit gefiel den Gönnen die kleine ärmliche Hütte nicht mehr. Die Geretteten, sagte man, benötigten doch einen etwas komfortableren Ort als erste Zufluchtsstätte. Deshalb beschloß man, die provisorischen Lagerstätten durch richtige Betten zu ersetzen. Man erweiterte das Gebäude und stattete alle Räume mit schöneren Möbeln aus. Auf diese Weise wurde die Rettungsstation allmählich zu einem beliebten Aufenthaltsort. Die Station diente den Männern als Clubhaus, in dem man gesellig beieinander sein kannte.

Gleichzeitig geschah aber auch etwas sehr Verständliches: Immer weniger Freiwillige waren bereit, mit auf Bergungsfahrt zu gehen. Was tat man? Man heuerte für die Rettungsboote eine eigene Besatzung an. Immerhin schmückte das Wappen des Seenotdienstes noch überall die Räume, und von der Decke des Zimmers, indem gewöhnlich der Einstand eines neuen Clubmitgliedes gefeiert wurde, hing das Modell eines großen Rettungsbootes.

Und nun passierte folgendes: Vor der Küste scheiterte ein großes Schiff, und die angeheuerten Seeleute kehrten mit ganzen Bootsladungen Frierender und Halbertrunkener zurück. Unter ihnen befanden sich Schwarze und Orientale. In dem schönen Clubhaus entstand Chaos. Das Verwaltungskomitee ließ deshalb gleich danach Duschkabinen im Freien errichten, damit man die Schiffbrüchigen vor Betreten des Clubhauses gründlich säubern könne.

Bei der nächsten Versammlung gab es eine Auseinandersetzung unter den Mitgliedern. Die meisten wollten den Rettungsdienst einstellen, weil er unangenehm und dem normalen Clubbetrieb hinderlich sei. Einige jedoch vertraten den Standpunkt, daß Lebensrettung die vorrangige Aufgabe sei und daß man sich auch noch als Lebensrettungsstation' bezeichne. Sie wurden schnell überstimmt. Man sagte ihnen: Sie könnten ja auch woanders ihre eigene Rettungsstation aufmachen, wenn ihnen das Leben all dieser angetriebenen schiffbrüchigen Typen so wichtig sei.

Das taten sie dann auch. Sie fingen ganz von vorne an mit einer kleinen erbärmlichen Hütte. Ihr guter Ruf aber verbreitete sich sehr schnell. Es gab neue Gönner, und es entstand ein neues Clubhaus - usw. usw. Die neue Station wandelte sich genauso wie die erste. Und so kam es dann schließlich zur Gründung einer dritten Rettungsstation. Doch auch hier wiederholte sich die alte Geschichte. Zuerst gab es wieder nur eine kleine erbärmliche Hütte. Aber der gute Ruf verbreitete sich schnell; es gab Gönner; es wurde ein Clubhaus gebaut usw. usw.

Wenn man heute diese Küste besucht, findet man längs der Uferstraße eine beträchtliche Reihe exklusiver Clubs. Immer noch wird die Küste vielen Schiffen zum Verhängnis.

Was sind unsere Kirchen: Clubhäuser für geistlich gestrandete oder Rettungsstationen für Verlorene?

Amen

Abschließend Hinweis auf Pro Christ in Bötzingen