Logo Predigt: So wird Ihr Christsein ansteckend - von der Verlorenheit



Kann denn das Wissen um eine ewige Verlorenheit von Menschen mein Christsein ansteckend machen oder schreckt das nicht geradezu ab? Spornt mich das Wissen um eine Verlorenheit an oder lähmt mich nicht vielmehr dieses Wissen? Trägt die Tatsache, daß es Himmel und Hölle gibt, dazu bei, daß ich mit anderen Menschen entspannt und ansteckend vom Evangelium rede?

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Liebe Geschwister

So wird ihr Christsein ansteckend heißt das Thema, das zur Zeit in unseren Predigten an der Reihe ist. Wir haben am letzten Sonntag miteinander verhandelt, daß ansteckendes Christsein, daß Evangelisation echt, natürlich, d.h. unserer Persönlichkeit entsprechend, sein muß und teamorientiert am Besten gelingt.

Als ich vor einigen Wochen mir Gedanken machte, wie ich die Predigtthemen und Texte dieser Sonntage formuliere, hatte ich mich dazu entschlossen, zu diesem Thema der Evangelisation als eine Begründung oder Motivation für die Evangelisation auch eine Predigt über die Verlorenheit von Menschen ohne Jesus Christus zu machen. "Ob ich das damals gut genug durchdacht habe", habe ich mich in dieser Woche mehrmals gefragt.

So saß ich vor dem Schreibtisch und dachte darüber nach:

So wird ihr Christsein ansteckend - von der Verlorenheit. Uli, bist du von allen guten Geistern verlassen, das paßt doch nicht zusammen, daß ist doch wie eine Faust aufs Auge. Was hat denn ansteckendes Christsein und Verlorenheit miteinander zu tun?

Kann denn das Wissen um eine ewige Verlorenheit von Menschen mein Christsein ansteckend machen oder schreckt das nicht geradezu ab? Spornt mich das Wissen um eine Verlorenheit an oder lähmt mich nicht vielmehr dieses Wissen? Trägt die Tatsache, daß es Himmel und Hölle gibt, dazu bei, daß ich mit anderen Menschen entspannt und ansteckend vom Evangelium rede?

Mit dieser Frage müssen wir - das sei ein Ausblick auf heute - wohl noch kräftig auseinandersetzen.

Laßt mich am Anfang einfach einmal eine biblische Linien zu diesem Thema der Verlorenheit ziehen. Laßt uns noch einmal darauf hören, was Gottes Wort uns zu diesem Thema zu sagen hat. Jeder von uns hat das schon einmal gehört, weiß im Grunde darum. Aber es ist gut, wenn wir wieder einmal verifizieren - worauf stützen wir uns denn, wenn wir von ewiger Verlorenheit, von Himmel und Hölle reden?

Das Wort von der Hölle kommt in der Lutherübersetzung der Bibel gerade einmal 17 mal vor. Dabei übersetzte Luther 2 griechische Wörter mit dem Begriff "Hölle", die man eigentlich voneinander unterscheiden müßte.

Luther übersetzt das griechische Wort "Hades" mit Hölle und das griechische Wort "Gehenna" übersetze er ebenfalls mit Hölle.

Der Hades, damit meint die Bibel die Totenwelt, ist zunächst einmal der Aufenthaltsort aller Gestorbener. Der Hades, das meint die Herrschaft des Todes, die ja zunächst einmal jedem Menschen blüht, denn jeder Mensch muß einmal sterben. Dieses Wort Hades steht z.B. auch in Off 1,18, wo es heißt:

Offb 1,18    Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige. Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.

Was meint Christus hier, wenn er den Schlüssel zur Totenwelt hat? Der Hades war nach alttestamentlicher Vorstellung ein unentrinnbares Totenreich. Wenn Christus nun den Schlüssel zum Hades hat, dann ist damit gemeint, daß der Tod durch die Auferstehung Jesu umkehrbar geworden ist, daß es einen Ausgang aus dem Totenreich gibt.

Gehenna, das zweite Wort, das Luther mit Hölle übersetzt, war ursprünglich ein im Süden von Jerusalem gelegenes Tal. In diesem Tal brachten in alttestamentlicher Zeit dem Götzendienst verfallene Könige dem Götzen Moloch Kinderopfer dar. Im Lauf der Zeit wurde dann das Wort "Gehenna" zum Wort für einen Strafort schlechthin.

Im NT meint dann dieses Wort "Gehenna" die endgültige Verwerfung der Verdammten durch Gottes Gericht. Die Hölle ist dann im Gegensatz zum Hades ein unentrinnbarer Ort. Interessanterweise ist es nicht die Offenbarung, sondern Jesus selbst, der am meisten von der Hölle redet. Ja es gibt sogar Bibelausleger, die behaupten, daß Jesus mehr von der Hölle geredet habe, als vom Himmel, was ich so jetzt nicht nachgeprüft habe. So sagt Jesus z.B.:

Mt 10,28    Und fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, doch die Seele nicht töten können; fürchtet euch aber viel mehr vor dem, der Leib und Seele verderben kann in der Hölle.

Mt 25,41    Dann wird er auch sagen zu denen zur Linken: Geht weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln

Mt 25,46    Und sie werden hingehen: diese zur ewigen Strafe, aber die Gerechten in das ewige Leben.

Mt 23,33    Ihr Schlangen, ihr Otternbrut! Wie wollt ihr der höllischen Verdammnis entrinnen?

Es ist also deutlich zu sagen, daß für Jesus die spätere Existenz einer Hölle zu keinem Zeitpunkt bezweifelt wurde.

Was aber genauso deutlich zu sagen ist, ist daß im NT, im Gegensatz zu späteren kirchlichen Schriften und Vorstellungen, die Höllenqualen nie ausgemalt worden sind. Das geschah erst in späterer Zeit, im 2. Jahrhundert, im Mittelalter in Predigten und Bildern meist in der Absicht, das Gewissen der Menschen wachzurütteln.

Bußprediger malten die schrecklichsten Bilder, malten den Zuhörern die Schrecken der Hölle vor Augen um sie aus Höllenangst zur Umkehr zu bewegen. Ich denke es ist wichtig für uns zu wissen, daß die landläufigen, sadistischen, phantastischen und oft lächerlichen Ausmalungen der Hölle im NT keinen Anhaltspunkt haben.

In jüngerer Zeit ist man dann in der Theologie dazu übergegangen, überhaupt nicht mehr von der Hölle zu reden. Die neuere Theologie sagt: Die Rede von der ewigen Höllenstrafe ist ein Widerspruch zur Botschaft vom Gott der Liebe. Das Reden von der Hölle sei unchristlich und muß aus der christlichen Predigt ausgeschieden werden.

Das ist tatsächlich so. Früher predigte man wahrscheinlich zuviel über die Hölle, um Menschen gefügig zu machen, sie zu etwas zu bewegen. Heute wahrscheinlich zu wenig.

Wilhelm Pahls hat einmal gesagt: "Früher hatte man Angst vor der Hölle, heute hat man Angst, über die Hölle zu predigen." An diesem Wort ist schon etwas dran.

Was heißt das nun alles für uns? Wir verzichten auf irgendwelche Vorstellungen über die Hölle, weil die Bibel auch darauf verzichtet. Wir halten jedoch in aller Deutlichkeit fest, daß es bei diesen ganzen Fragen um das zeitliche und ewige Heil eines Menschen geht.

Annahme oder Verwerfung der Botschaft Jesu haben zeitliche und ewige Folgen, bringen in die Freude des Reiches Gottes oder in die Gottesferne. Das Lebensziel eines Menschen kann in einem letzten und tiefsten Sinne gewonnen oder verfehlt werden.

Das Furchtbare, das möglich ist, besteht im endgültigen Ausgeschlossen sein vom Heil und von der Gottesgemeinschaft - Das ist die Hölle, das ist die Verlorenheit. Ganz so wie Jesus es einmal im Johannesevangelium sagte:

Joh 3,36    Wer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben. Wer aber dem Sohn nicht gehorsam ist, der wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt über ihm.

Theo Lehmann, der Evangelist aus den neuen Bundesländern sagte einmal: "Der Himmel ist das Schönste und die Hölle das Schlimmste, was es gibt. In beide kommt man nur freiwillig. Gott lädt alle in den Himmel ein. Für alle die ablehnen macht er nachträglich die Hölle. Sie ist der Ort der Gottesferne. Sie hat keinen Ausgang. Ihre Qual besteht in der Erkenntnis: meine Entscheidung gegen Gott war falsch. Mit dieser Tatsache leben zu müssen ist furchtbar, deshalb sollen wir uns vor ihr fürchten."

Ulrich Parzany, der Redner bei ProChrist: "Die Hölle ist das Schweigen Gottes! Da werden allen Sprüchemachern die lockeren Reden erfrieren. Die Hölle beginnt schon hier, wir sehen mit Grauen, wozu Menschen fähig sind, wenn Gott die Hand abzieht und wir uns selbst ausgeliefert sind."

So weit nun also der biblische Befund.

Nun hatte ich also vor einigen Wochen beschlossen, ich will bei dem Thema: "So wird ihr Christsein ansteckend" auch über das Thema der Verlorenheit reden. Ich hatte das beschlossen, weil ich mir dadurch Motivation zur Evangelisation erhoffte. Aber ich stelle hier an dieser Stelle die Frage: Motiviert uns das Wissen um die Verlorenheit zur Evangelisation? Motiviert es uns noch zur Evangelisation?

Ich erinnere mich gut an Stunden und Gottesdienste, in denen ich selbst unter der Kanzel saß. Persönliche Evangelisation war das Steckenpferd, die Leidenschaft unseres Predigers in meiner Heimatgemeinde und es gab Stunden, wo er uns eindringlich ermahnte, zu evangelisieren. Jeder Christ ein Evangelist!

Ganz lebendig in mir noch der Vergleich: Wenn jemand ein Heilmittel gegen Krebs gefunden hätte, und selbstsüchtig für sich behalten würde, der wäre ein Mörder. Wer das Heilmittel, das Evangelium für Seelen gefunden hat und es für sich behält, der ist auch ein Mörder.

Es geht um Leben und Tod, ohne mein Zeugnis geht mein Arbeitskollege, mein Nachbar verloren.

Verkündigung in dieser Art und Weise hat bei mir immer einen Druck ausgeübt. Ich ging nach diesen Stunden nach Hause mit einer Last. Ich ging in die nächste Woche und hatte dann nicht selten ein schlechtes Gewissen, wenn ich eine Gelegenheit auszulassen schien, einem Menschen das Evangelium zu sagen. Dabei geht es doch um Leben und um Tod. Manchmal merkte ich auch, daß die Tragweite der Dinge mich in meinem Zeugnis anderen Menschen gegenüber oft verkrampfen lies. Hoffentlich sage ich das Richtige, Hoffentlich finde ich die Worte, die überzeugen, denn es geht ja um Leben und Tod.

Vielleicht geht es nicht allen so, wie es mir nach Predigten über dieses Thema ergangen ist. Vielleicht wurden andere ja durch die eindringliche Verkündigung über die Verlorenheit von Menschen ohne Christus zum Zeugnis überaus motiviert. Ich erlebte sie für mich als erdrückend und belastend.

Und nun stand ich in dieser Woche vor der Frage: Soll ich jetzt auch so verkündigen? Soll ich jetzt auch ein Gewitter über euch ergehen lassen und euch bei Himmel und Hölle ermahnen, Menschen der Hölle zu entreißen und für den Himmel zu gewinnen? Macht das Thema von der Verlorenheit mein Christsein ansteckend oder führt es nicht zu einem maßlosen Krampf?

Solch eine Verkündigung hat einen wahnsinnigen Druck bei mir ausgelöst, mich oft genug auch verkrampfen lassen. Und dann denke ich, vielen von uns ist es auch so ergangen. Und was einem verkrampft, was einem Druck macht, das verdrängt man. Das verdrängt man und schiebt man auf die Seite. Wir halten die Erkenntnis, daß es eine Verlorenheit gibt nicht aus, sie erzeugt bei uns Druck und deshalb verdrängen wir sie, weil wir diesen Druck nicht standhalten. Das alles hat mich und vielleicht auch dich träge gemacht, was Evangelisation betrifft. Man möchte doch heute einem Menschen nicht mehr sagen, daß es bei dieser Frage um Tot und Leben geht. Man sagt ihm allenfalls noch: Gott hat dich lieb, damit kann man nichts kaputt machen, aber dem Evangelium ist damit auch eine Spitze genommen.
Und das ist mein, vielleicht auch dein Dilemma an diesem Abend.

Wie lösen wir dieses Dilema?

  1. Idealerweise müßte ich jetzt sagen: Wir müssen uns eine größere Liebe schenken lassen für Menschen ohne Christus. Unsere Liebe muß so groß werden, daß sie größer wird als unsere Furcht, von Christus zu reden. Die Liebe, die Gott zu anderen Menschen hat muß in uns stärker werden als alle Furcht davor, Außenseiter zu sein oder als extremer Mensch zu gelten. Ich weiß, das hört sich fromm an, aber das ist tatsächlich ein Schlüssel: Paulus sagte von sich einmal

    1Kor 9,16    Denn daß ich das Evangelium predige, dessen darf ich mich nicht rühmen; denn ich muß es tun. Und wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht predigte!

    Friedrich von Bodelschwingh, der Begründer der Bethelanstalten, sagte, als die Anstalten in Bethel gebaut wurden: "Wir haben uns zu sputen, sie sterben uns sonst darüber." Wahre Christen werden von einer Leidenschaft zur Rettung von Menschen getrieben und stehen unter einem geheimnisvollen Zwang, unter dem sie ausrufen: Wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht predige.
    Das hört sich fromm an, aber das ist so. Das hört sich billig und theoretisch an. Aber das ist so. Ohne Retterliebe wird unser Zeugnis wohl immer etwas von dem Krampf behalten, den wir eben in uns tragen. Deshalb, laßt uns wieder um Retterliebe beten. Flehe du zu Gott, daß er dein Leben an dieser Stelle verändert.

  2. Und wenn unsere Gefühle immer noch dagegen sprechen - was dann. Und nun sage ich etwas seltsames. Dann denke ich, ist es wichtig trotz unserer negativen Gefühle von Jesus zu reden, denn Überwindung wird es uns ein Stück weit immer kosten. Wir dürfen dann unseren Gefühlen nicht so einen hohen Stellenwert geben wie der schlichten biblischen Tatsache, daß es Himmel und Hölle, daß es ein gerettet sein und ein verlorensein gibt. Manchmal habe ich mich nach solch einer Predigt übel gefühlt, aber ich habe dennoch gewußt: ich muß dem Auftrag gehorsam sein und Gott hat gesegnet.

    Fritz Grünzweig, lange Jahre Pfarrer in Korntal bei Stuttgart, erzählte einmal, daß man bei den Juristen und im kaufmännischen Leben zwischen einer Bringschuld und einer Holschuld unterscheidet. Eine Bringschuld ist z.B. Geld. Wenn ich etwas kaufe, muß ich das Geld zum Geschäft bringen. Ich kann vom Bäcker nicht verlangen, daß er zu mir nach Hause kommt und das Geld abholt. Eine Holschuld verpflichtet einen Gläubiger, das Geld bei demjenigen, der ihm es schuldet, abzuholen. Das war z.B. in den früheren Jahren bei der Rentenversicherung so. Wer sein Geld wollte mußte auf die Post und es holen. Fritz Grünzweig pflegte nun zu sagen: Das Evangelium ist keine Holschuld, sondern es ist eine Bringschuld. Wir sind gerufen uns aufzumachen und es den Menschen zu bringen. Und er sagte wörtlich: Wir dürfen nicht zu Hause oder in unseren Versammlungsräumen sitzen bleiben und auf Menschen warten. Es genügt auch nicht, nur die Glocken zu leuten. Nötig ist es, zu den Menschen hinzugehen, immer wieder. Denn unser Herr sagt: Gehet hin in alle Welt."

    Und manchmal, ja manchmal geht das auch gegen meine Gefühle.

    Nicht daß wir uns in der Form verkrampfen müßten. Es kann ja so viele unterschiedlichen Formen und Möglichkeiten geben, wie wir Menschen mit dem Evangelium bekannt machen können. Nicht daß jeder von Haus zu Haus rennt oder jeder ein ideale Gastgeber sein müßten oder jeder ein Held im praktischen Helfen sein müßte. Nein, so nicht. Jeder auf seine natürliche Weise und in einem Stil, der zu ihm paßt. Aber wir werden nicht aus der Verantwortung entlassen, Botschafter an Christi Stelle zu sein.

    Eine Legende erzählt: Als Christus in den Himmel zurückkehrte hatte ihn ein Engel gefragt, was er jetzt vorhat, um das Evangelium auf der Erde zu verbreiten, welche Strategien und Methoden er einführt und entwickelt hat. Und Christus sagte zu dem Engel. Ich habe 12 einfachen Männern den Auftrag überlassen. Der Engel: Und wenn das schief geht, welchen anderen Plan hast du? Christus: Ich habe keinen anderen Plan - es ist mein einziger.

Liebe Geschwister und liebe Freunde, es hilft nichts. Ich denke jeder muß wieder neu darüber nachdenken, was er dazu beitragen kann, damit Menschen mit dem Evangelium bekannt werden. Du bist gefragt, denn es geht um Leben und Tod.

Amen