
  |
Liebe Freunde, liebe Geschwister
Vielleicht haben manche in der Tagespresse und in den Nachrichten
davon gehört, daß im vergangenen Jahr der Missionar Graham Staines
in Indien ermordet wurde. Der Mord erregte weltweit aufsehen, wurde
er doch auch als Indiz dafür genommen, daß religiöser Fanatismus
in unserer Zeit wieder seltsame und bedrohende Perspektiven erzeugt.
In der letzten Ausgabe von Idea wurde nun berichtet, daß in diesen
Tagen der Täter von der indischen Polizei gefaßt wurde. Staines
Ehefrau Glady erregte damals weltweites Aufsehen, als sie den Mördern
ihres Mannes öffentlich vergab. Ihre Geste bewegte einen hinduistischen
Reporter derart, daß er sagte: Wenn so das Christentum ist, sollten
wir alle Christen werden.
Ich weiß, ich habe mit einem extremem Beispiel begonnen. Dieses
Beispiel ist eben ein sehr augenfälliger Hinweis darauf, daß Christsein
abstoßend oder ansteckend sein kann. Ansteckend war das sicherlich
in schweren Stunden durchgerungene Zeugnis dieser Ehefrau, das
viele dazu bewegt hat, über Christsein anders zu denken.
"So wird ihr Christsein ansteckend" ist ein Thema, das
zur Zeit in vielen Gemeinden in Deutschland behandelt und bedacht
wird. "So wird ihr Christsein ansteckend" ist nämlich
das Motto eines Schulungskurses, den zur Zeit viele Gemeinden in
Deutschland angesichts der kommenden Pro Christ- Evangelisation
im März absolvieren.
Und auch ich möchte an den kommenden Sonntagen mit euch über dieses
Thema nachdenken. Es soll an den kommenden Sonntagen um ansteckendes
Christsein um Evangelisation gehen.
Evangelisation ist eigentlich ein Hauptwort in der Bibel. Evangelisation
ist eines ihrer Hauptanliegen. Das wird an vielen Stellen der Bibel
ausgesprochen. So heißt ja z.B. der bekannte Missionsbefehl:
Mt 28,19 Darum gehet hin und machet zu Jüngern
alle Völker:
oder ich denke an Worte, die der Apostel Paulus im 2. Korinterbrief
schreibt:
2Kor 5,11 Weil wir nun wissen, daß der Herr
zu fürchten ist, suchen wir Menschen zu gewinnen; aber vor Gott
sind wir offenbar. Ich hoffe aber, daß wir auch vor eurem Gewissen
offenbar sind.
2Kor 5,14 Denn die Liebe Christi drängt uns,
zumal wir überzeugt sind, daß wenn einer für alle gestorben ist,
so sind sie alle gestorben.
2Kor 5,15 Und er ist darum für alle gestorben,
damit, die da leben, hinfort nicht sich selbst leben, sondern dem,
der für sie gestorben und auferstanden ist.
2Kor 5,20 So sind wir nun Botschafter an Christi
Statt, denn Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi
Statt: Laßt euch versöhnen mit Gott!
Christen sind Botschafter an Christi statt, d.h. sie vertreten
die Sache ihres Herrn an dem Platz, an den sie gestellt wurden.
Ein ganzes Buch der Bibel, nämlich die Apostelgeschichte, hat
fast ausschließlich das Thema Evangelisation zum Gegenstand ihrer
Betrachtung und beschreibt uns, wie die erste Christenheit mit
Leidenschaft und Begeisterung das Anliegen und die Versöhnung Jesu
in ihrer damaligen Welt bekannt gemacht hat.
Evangelisation - ansteckendes Christsein ist ein Hauptthema der
Bibel. Aber was verbinden wir mit dem Begriff Evangelisation? Und
da ist meine Beobachtung, daß viele von uns mit dem Wort Evangelisation
zuerst einmal negative Gedanken verbinden.
- Evangelisation ist so etwas wie Seelenmassage
- Evangelisation manipuliert und beeinflusst Leute gefühlsmäßig
- Evangelisation versucht Menschen über den Tisch zu ziehen
- Persönliche Evangelisation verlangt von mir, daß ich, der ich
mich so schwer damit tue, wortreich meinen Glauben an Jesus bezeugen
muß
- Evangelisation ist ein peinliches Überreden von Nachbarn, Freuden,
Arbeitskollegen zu einer Veranstaltung zu kommen
- Evangelisation wirkt sektiererisch, schwärmerisch, ist fromme
Agitation
- Evangelisationen sind zudem peinlich, weil ja zu solchen Veranstaltungen
doch nur zu 95 % Fromme kommen
Vielleicht könnte man diese Liste noch fortsetzen, vielleicht
könntet ihr dieser Liste eigene entsprechende Erfahrungen anfügen.
So sind viele von uns in einem innerlichen Dilemma, wenn sie das
Wort Evangelisation hören.
Wir wissen zwar im Verstand, daß sie biblisch gesehen von Jesus
gewollt ist, aber unsere Gefühle stehen dem Wort Evangelisation
ablehnend gegenüber. Und dieses Dilemma, dieses Spannungsfeld erzeugt
wahrscheinlich bei vielen von uns einen Krampf und daraus resultierend
auch eine Wirkungslosigkeit bei diesem Thema.
Und doch - doch verspüre ich bei diesem Wort in den vergangenen
Monaten auch eine Veränderung, eine gesellschaftliche Veränderung.
Für mich war es aufregend, daß die letzte Synode der EKD im vergangenen
Herbst in Eisenach das Thema Evangelisation gewählt hatte.
Die Leitung der Evangelischen Kirche in Deutschland, führende
Kirchenvertreter fangen angesichts der Säkularisierung unserer
Gesellschaft wieder an, über Evangelisation nachzudenken. Ob sie
dabei die Einsicht, daß eben nicht jeder Christ ist, der im christlichen
Abendland geboren wurde, leitet oder einfach die wegbrechenden
Kirchensteuermittel, das weiß ich nicht. Aber Evangelisation ist
wieder zu einem Thema geworden, das nicht nur besonders Fromme,
oder Evangelikale, oder Pietisten vorantreiben, sondern das mehr
und mehr wieder zu einem Anliegen der ganzen Christenheit in Deutschland
wird. Das freut mich. Das beobachten wir nicht nur in der EKD,
sondern z.B. auch konkret in unseren Nachbarorten Bahlingen, wo
vor zwei Jahren alle Christen, gemeinsam eine Evangelisation durchgeführt
haben.
Es ist Zeit für uns, daß auch wir aufwachen und neu über Evangelisation
nachdenken, und wieder zu einem positiven Verständnis von Evangelisation
kommen. Mit zu einem positiven Verständnis für Evangelisation trägt
dazu bei, daß wir auch mit falschen Vorurteilen und falschen Vorstellungen
zu diesem Thema zuerst einmal aufräumen. Damit aufräumen möchte
ich dadurch, daß ich einmal positiv darstelle, was ansteckendes
Christsein, was Evangelisation eigentlich ist.
1. Evangelisation ist echt
Evangelisation darf nicht aufgesetzt oder übergestülpt sein. Evangelisation
kann nur dann ansteckend sein, wenn sie echt ist, d.h. wenn das,
was wir leben ,aus einer lebendigen Beziehung zu Jesus Christus
herauswächst. Evangelisation findet dann statt, wenn Christen von
der Liebe, die Jesus zu Menschen hat, erfüllt sind und diese Liebe
dann durch sie hindurch zu anderen Menschen fließt. Jesus liebt
Menschen. Das ist eines seiner Hauptmerkmale und er will, daß Christen
Träger, Transportmittel, Rohrleitung dieser seiner Liebe sind.
Besonders dabei geht es um echt sein.
2. Evangelisation ist natürlich
Evangelisation spiegelt unsere eigene Persönlichkeit wider. Wir
müssen uns nicht zwingen, etwas anderes zu sein oder darzustellen
als wir sind à Hauptmißverständnis von Evangelisation. Bei allem
ansteckenden Christsein ist es das Wichtigste, daß wir natürlich
bleiben. Egal wie wir sind, ob wir sachlich oder gefühlsmäßige
Typen sind, ob wir kirchlich oder freikirchlich orientiert sind,
ob wir gesprächig sind oder eher zu den Stillen im Land gehören,
die lieber fest zupacken, bevor sie reden. Wir sollen und wir dürfen
uns selbst bleiben.
Es ist wirklich ein aufregender und ein ungemein befreiender Gedanke,
daß Gott genau wußte, was er tat, als er uns schuf und daß er durch
meine und deine einzigartige Persönlichkeit wirken will.
In der Bibel finden wir verschiedene Beispiele und verschiedene
Stile von Evangelisation. Die Menschen der Bibel waren auch nicht
alle gleich, aber Gott hat sie in ihrer Verschiedenartigkeit zur
Evangelisation gebraucht.
Da war z.B. der Petrus, der einen sehr direkten
Stil als Evangelisationsmethode hatte. Petrus stand nach
Apostelgeschichte 2 in Jerusalem vor Tausenden von Menschen und
sagte ihnen, daß sie daran beteiligt gewesen waren, den Messias
umzubringen. Das war direkt, aber das war eben Petrus, so wie
er war. Petrus war immer ein spontaner Mensch gewesen. Er sprang
aus dem Boot, um auf dem Wasser zu gehen und in seiner direkten
Art schlug er mit seinem Schwert einem Soldaten das Ohr ab. Petrus
hatte eben einen direkten Stil, wie ihn z.B. in unseren Tagen
der Evangelist Theo Lehmann hat.
Neben dem direkten Stil gibt es den intellektuellen
Stil. Paulus ist das biblische Beispiel für diesen Stil:
In Apg 17 wird uns beschrieben, wie er mit den Philosophen in
Athen argumentierte. Ein Petrus mit seiner direkten, herausplatzenden
Art wäre dort nicht gehört worden. Aber Paulus war ein Denker,
ein Intellektueller und in logischen Schritten begründete er
den Athener Philosophen seinen Glauben an Jesus.
Anderen unter uns fällt es schwer, so intellektuell über den Glauben
zu reden, sie vertreten eher einen zeugnishaften
Stil, wie es z.B. der Blinde aus Johannes 9 tat. Ihm lag
es nicht, zu argumentieren und zu philosophieren. Er erzählte einfach,
was Jesus an ihm getan hatte. Er sagte: Viel kann ich zu der Sache
nicht sagen, ich weiß nur: Ich war blind und jetzt kann ich sehen.
Fertig aus basta. Das war seine natürliche Art und Weise, mit der
er evangelisierte und sein Zeugnis wurde beachtet.
Wieder anderen liegt das bisher genannte alles nicht, weil sie
eher beziehungsorientierte Menschen sind. Sie pflegen einen beziehungsorientierten
Stil. Das biblische Beispiel hierfür ist Matthäus der Zöllner.
Nachdem er zum Glauben gekommen ist, hatte er die Idee, ein Festessen,
eine Party zu veranstalten. Menschen mit diesem Evangelisationsstil
haben eine warme Persönlichkeit und ihre Stärke darin, Kontakte
mit anderen Menschen zu haben. Sie interessieren sich mehr für
Menschen, wie für abstrakte Gedanken.
Auch gut - wenn wir auf diese Art und Weise nur natürlich von
unserem Glauben an Jesus reden.
Einen letzten Stil möchte ich noch erwähnen, der für manche eben
ihr natürlicher Stil ist und das ist der dienende
Stil. Tabita aus der Apostelgeschichte 9 ist der Prototyp
dieses Stiles. Sie war eine Frau, die im Namen Jesu anderen diente.
Sie nähte Kleider für andere Menschen und verschenkte großzügig.
Auf diese Art und Weise wurde sie vielen Menschen in Joppe bekannt
und ihre selbstlosen Akte der Freundlichkeit öffneten Türen und
schafften ihr Gelegenheiten, um über Gott zu sprechen. Der zeitgenössische
Prototyp wäre hier Mutter Theresa von Kalkutta, die ja nie viel
predigte, aber anderen diente.
Egal welcher Typ du bist - Dein Typ ist gefragt und wenn wir natürlich
das Leben, was in uns steckt, dann sind wir einen ersten Schritt
zu einem ansteckenden Christsein, zu einem positiven Verständnis
von Evangelisation gegangen. Dann haben wir damit angefangen mit
unsere negativen Vorstellungen über Evangelisation aufzuräumen,
weil wir dann wissen: Evangelisation ist kein Krampf, sondern braucht
mich in meiner natürlichen Art.
3. Evangelisation ist Teamwork
Auch das kann unser Verständnis von Evangelisation positiv beeinflußen
und uns zu einem ansteckenden, unverkrampften Christsein führen.
Gott gebraucht selten nur eine Person, um jemand Kontakt zu Gott
finden zu lassen. Viel öfters stellt er ein ganzes Orchester aus
Menschen, Orten und Ereignissen zusammen, um einen Menschen liebevoll
zu Christus hinzuführen. Wir müssen nicht das Gefühl haben, die
ganze Verantwortung für den Glauben eines anderen Menschen zu tragen.
Das ist in zweifacher Hinsicht eine wohltuende Erkenntnis.
Zum Einen: Die Bekehrung eines Menschen ist mit einer Kette aus
vielen Gliedern vergleichbar. Es gibt ein Anfangsglied, es gibt
Mittelglieder und ein Endglied. Und es ist für mich ermutigend
zu wissen, daß wir eben nur ein Glied, vielleicht auch zwei Glieder
in einer Kette sein können, die Gott selber schmiedet. Und es ist
begeisternd, daß alle Glieder, vom ersten bis zum letzten, zusammen
mit den Engeln im Himmel feiern können, wenn ein Mensch schließlich
die Grenze zum Glauben überschreitet.
Zum anderen ist daraus erkennbar, daß es überaus wirkungsvoll
sein kann, sich mit anderen Christen zusammen zu tun um somit unsere
Stärken untereinander zu verketten. Das gilt nicht nur innerhalb
einer Gemeinde, das gilt auch über Gemeindegrenzen hinweg. Wenn
sich Christen zusammentun, mit anderen Gemeinden zusammen Evangelisation
praktizieren, wird man merken, daß alles viel einfacher ist und
daß man etwas von dem Reichtum der christlichen Teamarbeit erfährt.
Echtes Christsein - Natürliches Christsein - Teamorientiertes
Christsein - Das alles sind Schritte dazu, unser Christsein ansteckend
zu machen.
Dieses Jahr ist ja gekennzeichnet von einer äußerst ansteckenden
Grippewelle, von der bislang wenige Menschen verschon worden sind.
Grippe ist ansteckend, in negativem Sinne ansteckend. Aber was
ich mir wünsche, ist, daß unser Christsein wenigsten ein wenig
von dieser Ansteckungskraft abbekommt.
2Kor 5,14 Denn die Liebe Christi drängt uns,
zumal wir überzeugt sind, daß wenn einer für alle gestorben ist,
so sind sie alle gestorben.
2Kor 5,15 Und er ist darum für alle gestorben,
damit, die da leben, hinfort nicht sich selbst leben, sondern dem,
der für sie gestorben und auferstanden ist.
2Kor 5,20 So sind wir nun Botschafter an Christi
Statt, denn Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi
Statt: Laßt euch versöhnen mit Gott!
Amen |