| Einstieg:
Wir machen Arbeitsgruppen: Jede Arbeitsgruppe bekommt eine andere Frage,
berät darüber, trägt zusammen - Einer der Arbeitsgruppe
gibt ein Kurzreferat
Fragen:
1. Einer ist neu in unser Dorf gezogen: Erklärt ihm, was die Evangelische
Gemeinschaft ist. Was ist die Evangelische Gemeinschaft und wie entstand
sie?
2. Ihr gehört also zum Pietismus? Was wisst ihr über die Geschichte
des Pietismus?
3. Ihr gehört also zu St. Chrischona - Das habe ich ja noch nie
gehört - Was ist denn das?
4. Was unterscheidet den euch Pietisten von anderen Christen? Was ist
der unterschied zur Kirche oder zu diesen Freikirchen, von denen man
in letzter Zeit auch ab und zu liest.
5. Ihr in der Gemeinschaft - Was glaubt ihr denn - Was ist denn euch
wichtig? Wie würdet ihr euer Glaubensbekenntnis formulieren?
1. Wie kam es zum Pietismus?
Von Anfang an hat es in der christlichen Kirche Erneuerungsbewegungen
gegeben, die aufbauend, durchaus aber auch kritisch auf den Weg und das
Leben der Kirche eingewirkt haben: Das frühchristliche und das mittelalterliche
Mönchtum, die iro-schottische Mission, vorreformatische Reformbewegungen
wie die Katharer oder die Waldenser
1. Das Erlahmen der Evangelischen Kirchen nach Martin Luther
Die tiefgreifendste dieser Erneuerungsbewegungen an der Schwelle zur
Neuzeit war die Reformation. Mit seinen reformatorischen Erkenntnissen
wollte Martin Luther die auf manche Fehlwege geratene Kirche des Mittelalters
zum biblischen Evangelium zurückrufen. Seine vier einprägsamen
Begriffe haben die Eckpunkte einer Erneuerung der Kirche markiert: Christus
allein, die Schrift allein, aus Gnade allein, durch den Glauben allein.
Das war Kern und Stern der Theologie Martin Luthers.
Der Pietismus war eine Antwort und Reaktion auf eine Krise, in die die
Kirchen in Europa, besonders aber auch die evangelischen Kirchen im 17.
Jahrhundert gekommen waren.
Die Krise der Kirchen hatten ihren grund im Übermaß der gegeneinander
gerichteten Streittheologien, die unter Berufung auf die je konfessionelle
Ausprägung die rechte Lehre für sich beanspruchten, dabei aber
Haarspalterei betrieben
Diese Zeit nannte man Orthodoxie = Rechtgläubigkeit. Gemeint ist,
dass die evangelischen Kirchen weitgehend erstarrten in die bloße
Rechtgläubigkeit. Über ihrem Hauptanliegen von der "reinen
Lehre" vernachlässigt sie das Leben aus Gott und den lebendigen
Glauben, der in der Liebe tätig ist.
Grundirrtum: Hauptsache man hat die Wahrheit Gottes mit dem Verstand
erfasst.
Über all diesem theologischen Streit wurde die Verwirklichung des
Glaubens im Leben sträflich vernachlässigt
Der geistliche Zerfall des kirchlichen Lebens war weithin katastrophal.
Beim Volk schlich sich unvermerkt die alte katholische Auffassung von
der Selbstwirksamkeit der Sakramente ein (Taufwiedergeburt, Abendmahl
= Vergebung)
Die Pfarrer umgaben sich mit einem Amtsnimbus und waren vom Volk entfremdet.
An den Universitäten herrschte ein Geist der Unsittlichkeit, nicht
nur bei den Studenten, sondern sogar auch bei den Professoren. Das galt
auch für die theologischen Fakultäten. Die Folge war der Zerfall
des biblischen Glaubenslebens.
2. Die Entstehung des Pietismus
2.1 Wer war Philipp Jakob Spener
In dieser Zeit lebte und trat dann Philipp Jakob Spener auf, den mal
als den eigentlichen Gründer des Pietismus bezeichnet
Philipp Jakob Spener lebte von 1635 - 1705. Spener wurde in Rappolsweiler
im Elsass geboren. Sein Vater war Rat und Archivar der Grafen zu Rappoldstein.
Schon von Geburt an hatten die frommen Eltern ihren Sohn für den
Dienst des Herrn geweiht.
Studierte in Strassburg von 1951 - 1959. Machte später noch den
Doktor und wurde Prediger in Strassburg
Spener war Pfarrer und wurde 1666, also 31 jährig von Straßburg
nach Frankfurt berufen. Er war Senior der dortigen Kirche - Wir würden
vielleicht heute Dekan sagen. Somit war er Chef über die 12 Pfarrer
der Stadt, die ihren Job mehr als locker nahmen.
Als er nach Frankfurt kam, hatte er sich ein Ziel gesetzt.
Er wollte aus der toten Bekenntniskirche Frankfurts eine wahre christliche
Lebensgemeinschaft machen. Er wollte ein Gemeindeleben anzünden,
das dem Vorbild der paulinischen Briefe entsprach.
Was kennzeichnete seine Arbeit in Frankfurt
a) Er hielt erweckliche Predigten - Predigten erweckten das Gewissen
b) Er unterrichtete die Kinder- und Jugendlichen Im Glauben
c) Er führte private Erbauungsstunden ein.
2.2 Die Einführung der privaten Erbauungsstunden
Erste Anregungen zu den persönlichen Erbauungsstunden gab es dann
1669:
"Es würde viel Nutzen schaffen, wenn Sonntags zuweilen gute Freunde
zusammenkämen, entweder ein Buch vor sich nehmen, daraus zu aller Erbauung
etwas zu lesen, oder aus Predigten das, was sie gehört, wiederholten"
1670 hielt er eine so gewaltige Predigt über die ungenügende
Frömmigkeit der Pharisäer, dass eine starke Bewegung davon
ausging. Viele wollten nie mehr seine Predigten hören, andere Taten
Buße und wurden zu einem lebendigen Glauben erweckt. Einige Gemeindeglieder
baten ihn, selbst private Erbauungsstunden einzurichten
So entstand im Sommer 1670 die erste pietistische Erbauungsstunde im
Pfarrhaus von Spener.
Das war die erste bahnbrechende Bibelbesprechung in der evangelischen
Kirche. Wir können uns das heute gar nicht mehr vorstellen, aber
vorher gab es so etwas noch nicht!!
2.3 Die Pia Desideria und ihre Wirkung
1675 schrieb Spener seine bedeutenste Schrift, die Pia Desideria = fromme
Wünsche
Deutscher Untertitel
Herzliches Verlangen nach gottgefälliger Besserung der wahren, evangelischen
Kirchen samt einigen darin einfältig abzweckenden christlichen Vorschlägen".
Die Pia Desideria war eigentlich nur ein Vorwort für die Neuauflegung
eines Predigtbandes. Aber das Vorwort wurde aus versehen 80 Seiten lang
und dann kurz darauf als eigenes Buch herausgebracht.
Luther schenkte uns die Rechtfertigung aus Glauben
Spener ergänzte die Reformation indem er die Frage nach dem Lebensvollzug
des Glaubens stellte.
Luther: Rechtfertigung (Römer 2-5)
Spener Heiligung (Römer 6-8).
1. Der verdorbene Zustand der Evangelischen Kirche:
2. Die Zeichen der Zeit
3. Die sechs Vorschläge Speners zur Besserung der Kirche
Gruppenarbeit: Jede Gruppe liest einen Vorschlag durch, überträgt
ihn für heute und stellt ihn kurz vor
Die Pia desideria fand außerordentliche Beachtung.
Die Reaktionen waren wie immer geteilt: Pfarrer reisten an um an den
Erbauungsstunden teilzunehmen und sie dann zu Hause auch umzusetzen.
Seine Strassburger Fakultät griff Spener heftig an und unterstellte
ihm sogar, er wolle eine neue Religion einführen. Sturm erregte
vor allem, dass in manchen Familien Hausandachten eingeführt wurden
In Frankfurt selbst entstand ein schrecklicher Klatsch
"Weiber und Mägde predigen in den Versammlungen, sie lernen griechisch
und hebräisch. Frauen vernachlässigen ihre Haushaltungen und entzögen
ihren Männern die Nahrung, um ihren christlichen Freunden Leckerbissen zutragen
zu können."
2.4 Weiterer Lebenslauf von Philipp Jakob Spener
1668, also nach 20 Jahren in Frankfurt folgte Spener einem Ruf nach
Dresden. In Frankfurt hatte er einen großen Einfluss unter Gebildeten
und Adeligen hinterlassen, die seine Gedanken in Deutschland verbreiteten.
In Dresden stießen seine Predigten auf Widerstand. Die Uni-Professoren
fühlten sich durch seine offene Kritik am akademischen Studium verletzt.
Auch am Hof, wo er angestellt war, schlug die Stimmung um. Spener kritisierte
den Kurfürsten wegen seiner Trunksucht. Dadurch viel er beim Kurfürsten
völlig in Ungnade.
5 Jahre später, also 1691 wechselte Spener deshalb nach Berlin,
wo er Probst an der Nikolai-Kirche wurde. Spener starb am 5. Februar
1705.
3. Der hallische Pietimus
In folgendem wich der hallische Pietismus von Spener ab:
a) Stärkere Betonung der Bekehrung (Forderung: Bekehrung müsse
ein Bußkampf sein. Man muss das Datum seiner Bekehrung zeitlich
fixieren können)
b) Stärkeres Engagement für christliche Liebestätigkeit
c) Aktiver Einsatz für die Heidenmission
d) Geringschätzung der Wissenschaft (vor allem in den späteren
Generationen)
e) Stärkerer asketischer Einschlag. Strikte Ablehnung der Adiaphora
(Mitteldinge) wie z.B. Tanzen, Rauchen, Theater usw.)
3.1 Wer war August Hermman Francke
Der hallische Pietismus wurde vor allem durch August Hermann Francke
geprägt.
Im Gegensatz zu Spener, der mehr ein Gelehrter war, war Francke eine
ausgesprochene Führerpersönlichkeit, voll unerschöpflicher
Energie und Tatkraft. Er war der Mann, der Speners Gedanken in die Tat
umsetzen konnte.
Francke gehörte zu den großen Betern in der Geschichte. Mit
einem riesenhaften Gottvertrauen hat er das 1. evangelische Waisenhaus
ohne Barmittel, allein durch den Glauben ins Leben gerufen und erhalten.
Francke wurde am 12. März 1663 als Sohn eines Juristen in Lübeck
geboren.
Er war ein hochbegabter junger Mann. Als 13 jähriger besuchte er
bereits die oberste Klasse des Gymnasiums.
Und studierte dann natürlich auch Theologie. An den Universitäten
hatte die Aufklärung ihre ersten Wirkungen gezeigt. Man versuchte
die Welt auch ohne Gott zu erklären.
Francke erlebte eine Zeit des Zweifels. In einer Nachtstunde erlebte
er Gottes Befreiung. Er brach zum Glauben durch, alle seine Zweifel waren
mit einem mal weg - eben so eine richtige Bekehrung.
Fortan war Francke ein für Jesus brennender Mensch.
Als er 1689 als Professor nach Leipzig kam, konnte Gott durch ihn ein
Feuer anzünden. Unter Studenten kam durch ihn eine Erweckung in
Gang. Hunderte von Studenten bekehrten sich.
Die Kollegen neideten den Erfolg Franckes. Ihre spröden wissenschaftlichen
Kollegs wurden immer leerer und sie erfanden dann auch einen Spottnamen
für die Anhänger Franckes: Pietisten
3.2 Francke in Halle
Francke musste Leipzig verlassen und wurde dann eben an die Uni nach
Halle berufen.
Neben der akademischen Tätigkeit hatten die Professoren damals eine
kleine Kirchengemeinde zu betreuen.
Francke betreute als Pfarrer die Vorstadgemeinde Gaucha. Arg vernachlässigt,
sein Vorgänger war wegen Ehebruch entlassen. Von den 200 Häusern
waren 37 Gastwirtschaften.
Täglich hielt Francke Gebetsstunden in seinem Pfarrhaus, er führte
den Unterricht für Kinder ein, drei Hauskreise wurden gegründet.
Auch dort brach sich die Erweckung Bahn. - Ja, so war das damals.
3.3 Die Gründung des Waisenhauses und vieler pädagogischer
Einrichtungen
Vorlesen aus Kirchengeschichte S. 99 - 102
4. Die Lehrunterschiede zwischen Orthodoxie und
Pietismus
Orthodoxie Pietismus
Thema: Wiedergeburt
Die Wiedergeburt vollzieht sich in der Taufe Die Wiedergeburt vollzieht
sich in der Bekehrung
Thema: Rechtfertigung und Heiligung
Man hält an den Lehren der lutherischen Bekenntnisschriften fest,
ohne dass man sich um die Praxis des Lebens müht Es wird lebendiger
Glaube gefordert, der die Rechtfertigung ohne Verdienst empfängt,
sich aber in einem heiligen Wandel und in der Liebe zeigt
Thema: Mitteldinge - (Adiaphora)
Der Christ darf weltoffen sein und alles gebrauchen. Alles ist Euer...
In der Heiligung gilt es, den Herrn zu verleugnen mit ihren Lüsten.
Die Mitteldinge werden abgelehnt
Thema: Glaube
Es ist entscheidend, was geglaubt wird. Glaube bezieht sich auf die Lehrinhalte
Es ist entscheidend, wie geglaubt wird, d.h. ob der Glaube tot oder lebendig
ist
Thema: Kirche und Amt
Das Amt (also die Kirche) verwaltet Wort und Sakrament Die Kirche ist
die Gemeinschaft der Heiligen. Nur Wiedergeborene gehören zur wahren
Kirche. Ziel ist das Priestertum aller Gläubigen.
5. Die weitere Entwicklung des Pietismus
(siehe Übersichtsblatt: Pietisten)
5.1 Der württembergische Pietismus
5.2. Der separatistische Pietismus
(Herrenhuter Brüdergemeinde - Zinsendorf)
Referat 2: Aufklärung und Erweckungsbewegung
6. Die Aufklärung
6.1 Wodurch kam die Aufklärung in Gang?
Bereits Wiederentdeckung der Antike in der Renaissance (14. - 16. Jahrhundert)
Forderte an Stelle der christlichen Ideale wieder antike Ideale, lehnte
Tradition und Autorität der Kirche ab.
Gleichzeitig gab es bei den Naturwissenschaften einen unerhörten
Aufschwung. Die Naturwissenschaft begann sich aus der Bevormundung der
Kirche zu lösen. Wichtige Namen sind dabei Kopernikus, Galilei,
Magalhans
6.2 Die Ausbreitung der Aufklärung
Ihren Ursprung nahm die Bewegung, die man Aufklärung bezeichnet,
in England.
Durch das ansteigen der wissenschaftlichen Bildung und die Berührung
mit vielen anderen Völkern, Religionen und Kulturen im Welthandel
kam es in England gesellschaftlich zu Veränderungen. 1689 wurde
die Gewissensfreiheit gesetzlich verankert, 1694 die Pressefreiheit in
England eingeführt. Führende Personen der Gesellschaft fingen
an, anders zu denken. Dieses Denken nennt man heute den Deismus.
• Der Glaube, den man seither "naiv" von den Vätern übernommen
hatte, wurde kritisch geprüft.
• Man begann, die verschiedenen Religionen miteinander zu vergleichen und
entwickelte daraus eine natürliche Religion, in der nur noch geglaubt wird,
was auch vernünftig ist. Übernatürliche Offenbarungen wurden abgelehnt.
• Die großen monotheistischen Religionen sind in ihrem Kern gleich.
Das Christentum kann nicht die einzige, absolute Religion sein.
• Die biblischen Wunder wurden bestritten
• Das Wesen der Religion besteht in einem moralischen und sittlichen Verständnis.
Die französische Aufklärung verbreitete sich in ganz Europa,
weil französisch damals die universale europäische Sprache
war. Die Aufklärung hatte in Frankreich einen sehr radikalen Charakter
und ausgesprochen kirchen- und religionsfeindliche Züge an sich.
Der Materialismus brach sich Bahn. Alles geistige und seelische Leben
wird aus der Materie erklärt.
Wichtigsten Vertreter der französischen Aufklärung war Voltaire
(1694 - 1778).
In Deutschland wurde die Aufklärung vor allem von drei Männern
vorangetrieben. Leibnitz, Christian Thomasius, Christian Wolff
Gottfried Wilhelm Leibniz
Leibniz galt als der letzte Universalgelehrte und war einer der größten
abendländischen Denker. war in seinen Aufklärungsgedanken weit
weniger aggressiv und spöttisch wie Voltaire. Sein Hauptverdienst
bestand darin zu beweisen, dass der christliche Gottesglaube mit den
Naturwissenschaften vereinbart werden kann.
Der größte Förderer der Aufklärung in Deutschland
war Friedrich II (der Grosse) der von 1740 - 1786 in Preußen regierte.
Von 1750 - 1753 war Voltaire an seinem Hof auf Schloss Sancoussi.
Er stand dem Christentum und der Kirche fern, verstand sich als Vorkämpfer
der Geistes- und Gewissensfreiheit (Die Religionen müssen alle toleriert
werden... hier muss jeder nach seiner Fasson selig werden.)
6.3 Folgen der Aufklärung in Europa
Die Aufklärung war eine natürliche Folge des Machtmissbrauches
der Kirchen. Die Kirche hatte ihre Macht missbraucht. Es musste zu einer
Befreiung von ihrer Vormundschaft kommen.
· Religion und Kirche treten in der Gesellschaft und in der Politik
in den Hintergrund. Religion wird zur Privatsache.
· Die Aufklärung sucht das Ewiggültige in den Tiefen des eigenen
menschlichen Geistes
· Die Vernunft wird zum Maß aller Dinge, zur Norm aller Wahrheit
· Viele Gebildete lösten sich von der Kirchenlehre und ersetzen sie
durch einen religiös gefärbte Weltanschauung.
· Die unteren Schichten werden von der Aufklärung zunächst noch
nicht berührt. Erst im 19. und 20. Jahrhundert sickert die Aufklärung
bis zu den untersten Schichten hinunter
6.4 Die Verdienste der Aufklärung für das
moderne Leben
Entdeckung der Menschenrechte
Religiöse Freiheit, unveräußerliches Recht auf Leben,
Freiheit der Person - Französische Aufklärung: Denkfreiheit,
Glaubensfreiheit, Redefreiheit.
Praktische Auswirkungen: Abschaffung
· der Intoleranz
· der Folter (in Preußen 1740, in der Schweiz 1798
· der Hexenprozesse (erste Hexenverbrennung 1275 in Toulouse, die letzte
1782 in Glarus. Ca. 500.00 - 1.000.000 Frauen wurden so zu Tode gequält)
· der Leibeigenschaft (Ende des 18. Jahrhunderts)
· Emanzipation der Juden (Keine Ghettos mehr, Juden erhalten die Staatsbürgerschaft
(erstmals in der französischen Revolution 1791)
· Emanzipation der Frau beginnt. Frauen der oberen Stände bekommen
Zugang zur höheren Bildung
6.5 Der Einbruch der Aufklärung in die Kirche
Die Flut der Aufklärung war so stark, dass die Theologen außerstande
waren, den Einbruch in die Kirche zu verhindern. Grund war:
· Die konfessionellen Interessen und Konflikte erlahmten
· Der Pietismus brachte kein kirchliches Lehrsystem hervor. Er hat zwar
das orthodoxe Lehrsystem unwirksam gemacht, aber selbst kein neues an seine Stelle
gesetzt.
· Eine intellektuell unbefriedigte Theologengeneration öffnete sich
für die neuen Lehren.
So wurde die kirchliche Theologie sehr bald von der Aufklärung
dominiert.
7. Die Erweckung
Das 18. Jahrhundert brachte den Siegeslauf der Aufklärung. Zu Beginn
des 19. Jahrhunderts ging jedoch dann eine neue pietistische Erweckungswelle
durch ganz Europa hindurch, die man Erweckung nennt und zur Gemeinschaftsbewegung,
wie wir sie heute kennen, geführt hat.
Die Erweckung war international, fand also nicht nur in Deutschland,
sondern vor allem auch in England, Amerika und auch der Schweiz statt.
7.1 Ursachen für die Erweckung:
· Sie war zuerst eine Gegenbewegung auf die Aufklärung.
Die Aufklärung war eine geistige, intellektuelle Angelegenheit.
Allgemein kam es im Geistesleben zu einem Gefühlsumschwung, der
in der Kunst zur Romantik und auf dem Gebiet des Glaubens zu einer Hinkehr
zum Pietismus seinen Ausdruck fand.
· Der Abgrund der französischen Revolution und die Nöte der
napoleonischen Herrschaft brachte viele Menschen zum Fragen
· Durch die Völkerschlacht von Leipzig, an der Napoleon besieht wurde,
kam es zu einer starken nationalen Begeisterung, die auch von starken religiösen
Kräften bestimmt und getragen war. Aber man stand dem Christentum wieder
positiver gegenüber.
Ab 1816 brachen dann in den verschiedensten Gebieten der Kirche Erweckungen
aus, die zur Entstehung des Neupietismus führten. Es waren viele
kleine einzelne Bewegungen. Mann kann sie jetzt nicht am Auftreten einer
großen Leiterperson festmachen.
Am Niederrhein und in Württemberg gab es noch die alten Gemeinschaften,
die zu Herden der neuen Bewegung wurden.
7.2 Erweckung in den angelsächsischen Ländern
In England entstand der Methodismus, der seine entscheidenden Impulse
durch die Brüdergemeinde Zinsendorfs empfing. Die führenden
Personen des Methodismus waren.
John Wesley (1703 - 1791, Charles Wesley (1707 - 1788), Georg Whitefield
(1714 - 1770
Während ihrer Studentenzeit in Oxford gründeten sie den "Heiligen
Club". Sie wollten, beeinflusst durch Zinsendorf mit ganzem Ernst
ein frommes Leben führen und sich gegenseitig dabei helfen.
In einer Herrenhuter Versammlung erlebten die drei und mit ihnen noch
60 andere während einer Abendmahlsfeier am Neujahrstag 1739 das,
was man das Pfingstfest für die methodistische Bewegung nennt. Wesley
berichtet:
Es war ungefähr 3 Uhr morgens, wir verharrten im Gebet. Da kam die
Kraft Gottes so gewaltig über uns, dass wir aufschrieen vor Freude
und viele von uns fielen auf die Erde. Wir spürten die Gegenwart
Gottes) (Es kam jedoch zu keinen pfingstlerischen Symptomen).
Sie begannen mit einer evangelistischen Tätigkeit und ihr Wort schlug
ein. Weil die anglikanische Kirche sie jedoch zurückwies und ihre
Evangelisationen in ihren Räumen nicht zuließ, kam es zu Freiversammlungen.
1739 war die erste Freiversammlung in Bristol, 1744 standen bereits
50 Laienprediger im Dienst dieser Bewegung, 1748 gab es schon 72 Gemeinden
in 9 Bezirken, das ganze Werk erlebte ein gesundes und starkes Wachstum,
1770 hatte die Bewegung ca. 30.000 Mitglieder, beim Tode Wesleys im Jahr
1791 120.000 Mitglieder und 511 Reiseprediger. 1795 kam es zur offiziellen
Trennung von der anglikanischen Kirche.
7.5 Erweckung in Deutschland
In Deutschland kam es nach den Befreiungskriegen zu einer tief- und
weitgreifenden Erweckungsbewegung. In dieser Erweckung vereinigte sich
die Glaubenskraft der Reformation mit der Herzenswärme des Pietismus
und führte an vielen Orten zu einem großartigen Aufschwung
des geistlichen Lebens.
Überall in den nachher beschrieben Gebieten sammelten sich Menschen aus
den verschiedensten Kreisen um Gottes Wort. Zumeist kam die Initialzündung
von jungen Pfarrern, die mit zündendem Feuer das Wort der Schrift von den
Kanzeln herab verkündigten. Die Bibel verdrängte die Öde, rationale
Aufklärung mit ihren Tugendlehren.
Exkurs: Erweckung
Fragen, die in Gruppen beantwortet werden:
• Wie sind im Lauf der Kirchengeschichte Erweckungen entstanden?
• Was sind Faktoren einer Erweckung
8. Die Entstehung der Pilgermission St. Chrischona
8.1 Das Elternhaus von Spittler
Spittler wurde 1782 in Wimsheim bei Pforzheim geboren
Vater war Pfarrer zunächst in Wimsheim, dann in Strümpfelbach
im Remstal.
1793 starb Christians Vater an einer Lungenentzündung, Christian
war damals 11 Jahre alt und wurde von seinem Vater gesegnet. Kniete auf
einem Schemel vor dem Bett des Vaters
8.2 Schul und Lehrjahre
8.3 Berufsfragen und Berufungserleben
Berufung durch seinen Freund Steinkopf zum Sekretär der Christentumsgesellschaft
in Basel. Eigentlich wollte er Aufgabe nur für kurze Zeit übernehmen,
jedoch Ahnung, daß sein Leben nun am eigentlichen Ort der Berufung
angekommen ist.
8.4 Deutsche Christentumsgesellschaft
Begründer Johann August Urlsberger, Sohn von Samuel Urlsberger
Idee der Gesellschaften kam aus England
Aufgaben: "Zusammenschluß von Christen über konfessionelle
Schranken hinweg zur gegenseitigen Erbaung und zur Begründung und
Unterstützung von Liebeswerken, auch die äußere Mission".
Es entstand eine Überkonfessionelle Organisation. Menschen, die
im gleichen Geist miteinander verbunden waren aber dabei keine neue Kirche
gründeten.
Spittler war voll in diese Arbeit integriert und war voll durch diese
Arbeit ausgelastet.
8.5 Weiterer Lebenslauf
1811 Spittler wurde zur Musterung nach Württemberg gerufen, ordnete
in Basel seine Sachen zum Leben und Sterben. War untauglich wegen lahmem
Mittelfinger.
1812 Spittler heiratet Susanne Götz, die Tochter eines väterlichen
Freundes. Keine eigenen Kinder, nahmen 2 Kinder an. Spittlers Frau starb
1844.
8.6 Gründung der Basler Mission
Ein anderes Thema bewegte Spittler ebenso und das war die Heidenmission,
eine Sache die mehr oder weniger in den Anfängen lag. Immer wieder
sagten jedoch gute bekannte: Die Mission zu Hause sei wichtiger, als
die Heidenmission. Spittler ließ sich nicht beirren.
1815 stellt er an den Basler Stadtkommandanten einen Antrag zur Gründung
einer Missionsanstalt für Heidenmission. Sein Freund Christian Gottlieb
Blumhardt übernahm die Leitung
25.9 1815 Offizielle Gründung
26.8.1816 Erste 7 Missionsschüler ziehen in ein neu erworbene Haus
Tageslosung: "Es soll nicht durch Heer oder Kraft geschehen.."
8.7 Beuggen und andere Werke
Spittlers Leben zeigte sich in einem ungeheuren Tatendrang. Er sah die
Not, aber er leiß sich von der Not, die um ihn herum war nicht
erdrücken.
8.8 Anfänge der Pilgermission St. Chrischona
Eigentlicher Geburtstag 8. März 1840. Joseph Moor ein Zimmermann,
der die Ausbildung an der Basler Missionsschule nicht schaffte, war der
erste Bruder von St. Chrischona. Im Juli 1840 Einzug einiger Brüder
aus Württemberg und der Schweiz
Sorgten durch Mitarbeit in der Landwirtschaft für eigenen Lebensunterhalt.
Instandhaltung des Gebäudes.
1841 erste Lehrer auf Chrischona.
Bis 1847 wurden 18 junge Männer in den Dienst ausgesandt.
Bis 1867 schlossen über 200 junge Männer auf Chrischona ihre
Ausbildung ab.
Weitere Werke Spittlers
8.10 Was wir von Spittler lernen können
Was hilft's, wenn wir beim warmen Ofen und einer Pfeife Tabak die Notstände
der Zeit bejammern: Hand anlegen müssen wir, und sei es auch ganz
im Kleinen.
- "Den Strom des Verderbens können wir zwar nicht aufhalten,
aber unsere Sache ist es einzelne aus demselben herauszuretten, und es
gibt nichts anziehenderes und Interessanteres als in dieser Weise für
den Herrn zu arbeiten." !!!!
8.11 Weiterer Werdegang von St. Chrischona
Nach Spittler wurde Chrischona von Carl Heinrich Rappard geleitet (Von
1868 - 1909). Er gab dem Werk seine eigentliche Prägung, indem er
die Evangelisation und die Sammlung der Bekehrten in Gemeinschaften als
neue Hauptaufgaben betonte.
Von 1909 bis 1947 wurde Chrischona von Friedrich Veiel geleitet. Er war
der Schwiegersohn von Rappard. Er leitete das Werk durch die schwierigen
Zeiten der beiden Weltkriege, in denen natürlich die Zahl der Studenten
jeweils deutlich zurückgingen.
1925 wurde das Diakonissenmutterhaus auf St. Chrischona gegründet.
Der Andrang war damals groß. Von 32 Meldungen konnten nur 20 berücksichtigt
werden.
Von 1947 - 1967 wurde Das Chrischonawerk von Hans Staub geleitet, von
1967 - 1992 von Edgar Schmid und wir merken jetzt schon, dass wir jetzt
in unsere Tage kommen.
Der letzte große Bau auf St. Chrischona wurde 1992 fertiggestellt,
das Chrischonazentrum
9. Der Gnadauer Verband - Die Entstehung der Gemeinschaftsbewegung
Der Grundstock der neueren Gemeinschaftsbewegung bildeten die Kreise
der Erweckten innerhalb der Landeskirchen. Zahlreiche Menschen, die neu
vom Glauben angesteckt waren sammelten sich zu privaten Erbauungsstunden.
Oft fanden sie in der Landeskirche nicht das, was sie suchten und dennoch
lösten sie sich nicht von den Kirchen. Die Gemeinschaftsbewegung
stand dann auch in sehr intensiver Verbindungen mit den verschiedensten
Werken der äußeren und inneren Mission, die aus Gemeinschaftskreisen
tatkräftig unterstützt wurden. Starke Impulse erhielt die Gemeinschaftsbewegung
immer wieder aus dem angelsächsischen Raum (das ist anscheinend
bis heute so geblieben ....)
Vom 22.-24. Mai 1888 tragen sich aus fast allen deutschen Landesteilen
die führenden Vertreter der Gemeinschaften und ihr nahestehende
Theologen zur ersten Gnadauer Pfingstkonferenz. 142 Teilnehmer waren
bei dieser Konferenz versammelt. Von dieser Konferenz ging eine starke
Belebung der Gemeinschaften aus. Es wurde beschlossen:
· Das Prinzip des Priestertums aller Gläubigen soll in der Evangelischen
Kirche mehr zur Geltung kommen
· Das Amt der Evangelisten, wie sie die Urgemeinde kannte, wurde wieder
eingeführt
· Die Bildung von Bibelbesprechstunden und Gebetsstunden wurde angeregt
· Es wurde der Wunsch ausgesprochen, dass die einzelnen Gemeinschaften
untereinander in Kontakt treten möchten
1897 kam es dann zu der Gründung des Gnadauer Verbandes, in dem
alle deutschen Gemeinschaftskreise zusammengeschlossen waren (siehe Blatt:
Gnadauer Verband).
10. Entstehung der Evangelischen Gemeinschaft in
Eichstetten
11. Sind wir noch eine Bewegung
Der Pietismus ist eine Erweckungsbewegung, die sich vom 17. Jahrhundert
bis in die Gegenwart hinein gehalten hat. Doch seit 1910 hat der Pietismus
keine gewaltige Welle mehr erlebt. Er lebt von der Fortsetzung des Glaubensgutes
der Väter!
Eine Bewegung entsteht meist durch einen Verursacher. Ihre Namen sind
unterschiedlich, aber sie haben dort, wo sie waren eine Bewegung ausgelöst.
Sie heißen Luther, Spener, Francke, Zinsendorf, Wesley, Spittler
und viele andere Namen wären noch zu nennen.
Meist erleben solche Bewegungen stürmische Anfangs- und Durchbruchzeiten.
Man wird anfangs bekämpft. Schließlich hat eine Bewegung sich
etabliert, die Hindernisse sind überwunden, man wird anerkannt.
Eine Bewegung kommt immer an die Frage der 2. oder 3. Generation. Die
Anfangsdynamik erlischt man beschäftigt sich mit den Fragen des
Alltags, der realen Gemeindegestaltung, der Erziehung der nachkommenden
Generationen.
Eine Bewegung kann sich aber auch auf einem verminderten Stand einspielen.
Dann ist der Ausgang noch offen. Sie können wieder Dynamik gewinnen,
· durch Buße,
· neue Hingabe an Jesus,
· persönlichen missionarischen Einsatz,
· Öffnung für die Wirklichkeit des Heiligen Geistes und die
· Treue zum Wort Gottes.
Geschieht dies in einer Bewegung bleibt sie frisch und lebendig und hat
die Kraft, sich immer wieder selbst zu erneuern.
Deshalb heißt das Motto unseres 100. Geburtstages: Mit Gott in
Bewegung
Meine persönliche Hoffnung ist es, dass Gott unseren Landen noch
einmal eine Zeit der Erweckung schenkt. So wie es in der Kirchengeschichte
immer Zeiten der Dürre und des neuen Lebens gegeben hat, so hoffe
ich, dass in Deutschland noch einmal neu viele Menschen sich zu Jesus
Christus hinwenden. |