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Liebe Freunde, liebe Gemeinde,
viele von uns haben es vielleicht schon einmal in den Händen
gehalten, dieses kleine Traktat unter dem Thema: "Letzte Worte
großer Männer". Ein kleines Heft, wo uns überliefert
wird, was Menschen am Ende ihres Lebens, in der Stunde ihres Todes
gedacht und gesagt haben. Solche Worte haben Gewicht, in diesen
Stunden kommt das Wesentliche ans Licht, der Ertrag des Lebens
wird sichtbar.
Der frühere englische Premierminister Winston Churchill sagte
am Ende seines Lebens: "Welch ein Narr bin ich gewesen".
Und Johann Wolfgang Goethe schrie in der Stunde seines Todes nach
mehr Licht. Wohl dem der in solchen Stunden nicht von Hoffnungslosigkeit
oder Resignation reden muß, sondern wesentliches und bleibendes
zu sagen hat.
Unser Bibeltext für heute abend ist so ein letztes Wort eines
großen Mannes. Es ist nicht das Wort eines englischen, sondern
eines israelischen Politikers. Es sind Worte, die in zahllosen
Gefährdungen und Stürmen des Lebens erprobt waren.
Josua, der Nachfolger Moses, rief am Ende seines Lebens die Verantwortlichen
Israels nach Sichem zusammen um ihnen sein Vermächtnis, sein
letztes großes Anliegen weiterzugeben.
Text lesen: Josua 24,1-8a + 13-15
Diese letzte Rede Josuas war nicht von Resignation oder Hoffnungslosigkeit
geprägt, sondern sie war mitreißend. Keiner im Volk
Israel blieb dabei kalt oder ungerührt. Seine Rede ist eine
einzige Ermutigung zum Gottesdienst. Wem wollt ihr dienen?
16 mal kommt in diesem 24. Kapitel das Wort dienen vor (7 mal in
Vers 14+15). Das Thema des Gottesdienstes ist also die zentrale
Botschaft dieses Abschnittes. Dabei ist der Begriff dienen jedoch
anders gebraucht, als wir es heute herkömmlich meinen. Wenn
wir uns über das Thema Dienst unterhalten, dann geht es uns
darum zu klären, wer Mitarbeiter in der Jugendgruppe ist,
wer den Kaffee beim Gemeindenachmittag kocht oder wer bei einem
Strasseneinsatz dabei ist. Wir betrachten die Frage des Dienstes
unter dem Aspekt: Wer macht die Arbeit. Doch dies ist nicht die
Fragestellung unseres Bibeltextes. Wenn Josua hier in diesem Abschnitt
den Dienst zum Zentralthema macht, dann geht es um die Herrschaftsfrage
unseres Lebens. Es geht um die Frage: Wer hat in unserem Leben
das Sagen? Für wen lebe ich mein Leben? Wer prägt meine
Motive? Wer legt die innersten Beweggründe meines Lebens fest?
Josua stellt die Herrschaftsfrage. Wer ist Herr, wem gehörst
du, wem dienst du?
1. Wir müssen entscheiden wem wir dienen
Josua stellt die Israeliten vor eine Entscheidung. Erwählt
euch heute, wem ihr dienen wollt. War denn diese Entscheidung überhaupt
erforderlich? Israel war doch das erwählte Volk, das Gott
aus Ägypten geführt hatte. Sie waren doch das Volk, das
mit Gott am Berg Sinai einen Bund geschlossen hatte. Genügte
das nicht, war durch diese Ereignisse in der Vergangenheit nicht
schon alles klar? Josua, wie kommst du dazu, die Israeliten vor
solch eine radikale Entscheidung zu stellen? Ich möchte die
Frage weiter ausziehen. Müssen auch wir, obwohl wir eine Bekehrung
erlebt haben, immer neu entscheiden, wem wir mit unserem Leben
dienen wollen?
Josua stellte Israel vor die Entscheidung, weil Israel in einer
neuen Situation lebte. Die Zeit der Wüstenwanderung war vorüber.
Nun lebte Israel Tür an Tür mit den Amoritern. Israel
war umgeben von den Göttern der Amoriter und diese Götter
schienen angenehmere Götter als der Gott Israels zu sein.
Diese Götter forderten nicht einen ethisch und moralisch einwandfreien
Lebenswandel. Diese Götter waren zuständig für Erfolg
und Lust im Leben, Sie förderten ein stilles und bequemes
Leben. Ach es war so viel leichter, diesen Göttern zu dienen,
als das Leben unter Jahwes Herrschaft zu stellen und ihm zur Verfügung
zu stehen.
Auch herrschte damals im Orient die Vorstellung, daß für
jedes Land ein spezieller Gott zuständig sei. Für Kanaan
waren es Baal und die Astarte. Jahwe war zwar der Gott in der Wüste
gewesen, aber nun waren sie in einem neuem Land. Nun waren vielleicht
die Götter der Völker dieses Landes zuständig. Josua
sah die Gefahr, daß Israel neben Jahwe auch die anderen Götter
in ihr Gottesdienstprogramm aufnahm. Deshalb forderte er Israel
zur Entscheidung auf. Ihr müßt euch entscheiden, wem
ihr dienen wollt.
Liebe Freunde, auch wir müssen uns entscheiden, wem wir dienen
wollen. Es kann sein, daß wir schon lange Christen sind.
Aber die Gefahr, daß wir anderen Göttern dienen, daß wir
nach den Maßstäben der uns umgebenden Welt leben ist
ständig da. Wir haben immer wieder neu zu entscheiden wem
unser Leben gehören soll. Wie Israel kommen wir mit unserem
Leben in neue Abschnitte, neue Phasen, neue Situationen. In neuen
Situation müssen wir uns neu entscheiden, wer der Herr dieser
Situation sein soll und wem wir nun dienen wollen. Und auch wir
werden so leicht von den Göttern, die um uns herum angebetet
werden beherrscht und bestimmt. Die Götter unserer Gesellschaft,
Wohlstand, uneingeschränkte Freiheit oder Selbstverwirklichung,
der Gedanke, daß wir eigentlich auch ganz gut ohne Gott zurecht
kommen könnten setzt sich schnell bei uns fest. Viele Christen
haben sich heute im religiösen Niemandsland angesiedelt und
gehen als Unentschiedene oder als halb Entschiedene ihren Weg.
Das ist eine Majestätsbeleidigung Gottes. Denn Gott teilt
seine Herrschaft, seinen Anspruch auf unser Leben nicht mit den
Werten unserer modernen Gesellschaft. Er ist nicht zufrieden, wenn
er nur einen Teil, nur eine Möglichkeit unter anderen in unserem
Leben ist. Klar und unmißverständlich hat er seinen
Willen zum Ausdruck gebracht. "Ich bin der Herr dein Gott,
du sollst keine anderen Götter haben neben mir". Gott
will, daß wir ihm allein gehören, ihn allein ehren,
ihm allein dienen. Er sagt nein zu den vielen Seitenaltären,
die im Haus unseres Lebens Platz gefunden haben.
Ludwig Hofacker: " Unter allen Dingen, die dem Herrn ein
Greuel sind in seinen Augen, ist ihm nichts verhaßter, nichts
eine größere Abscheu, nichts das mehr seinen Eifer erregt,
als das unsichere Schwanken zwischen Gott und Baal, dem Gott dieser
Welt, wo man dem Herrn nicht ins Angesicht hinein den Dienst aufkündigen,
und doch auch nicht von ganzem Herzen dienen will. Nichts ist ihm
verhaßter als der laue Zustand der Seelen, die bequeme Mittelstraße.
Ach daß du kalt oder warm wärest".
Durch die ganze Bibel hindurch zieht sich diese Linie der Entscheidung.
Elia stellte das Volk Israel vor die Frage: Wie lange wollt ihr
auf beiden Seiten hinken? Ist der Herr Gott, so wandelt ihm nach,
ist´s aber Baal, so wandelt ihm nach (1.Könige 18,21).
Und Jesus sagt ihm Evangelium: Niemand kann zwei Herren dienen:
Entweder er wird den einen hassen und den anderen lieben, oder
er wird an dem einen hängen und den anderen verachten. Ihr
könnt nicht Gott dienen und dem Mammon (Mt 6,24).
Josua wußte und ahnte es: Der Bund am Sinai ist gut, aber
die Entscheidung von damals kann morgen nichtig und vergessen sein.
Die Erfahrungen mit Gott in der Vergangenheit sind gut. Aber die
Verführung des morgigen Tages ist groß, und kann uns
in die Halbheit abgleiten lassen. Weil Josua dies ahnt stellt er
Israel vor die Entscheidung. Ihr müßt euch entscheiden,
wem ihr dienen wollt. Diese Entscheidung müssen auch wir immer
wieder neu in unsere, Leben treffen. Auch als Christen braucht
unsere Entscheidung für Jesus neue Verbindlichkeit, neue Eindeutigkeit,
neue Klarheit.
2. Wir müssen wissen, warum wir dienen
Bevor Josua das Volk Israel vor die Entscheidung stellt, wem sie
dienen wollen, schildert er ihnen ausführlich die Geschichte
Gottes mit seinem Volk. Er beginnt bei Abrahams Vorfahren, die
anderen Götter dienten und erzählt dann von der Erwählung
und der Berufung Abrahams. Abraham hatte er herausgenommen, damit
er nicht den Göttern seiner Väter diente, sondern ihm,
dem lebendigen Gott. Josua berichtet vom Segen Gottes in Abrahams
Leben, von dem Land und dem Reichtum, den er ihm gegeben hat. Und
dann geht Josua die ganze Geschichte durch. Gottes Geschichte über
viele hundert Jahre. Josua zeigte den Israeliten: Gottes Geschichte
mit Israel war und ist eine Geschichte der Errettung. Aus der Hungersnot,
aus der Ägypter Hand, aus den Nöten der Wüste, aus
den Angriffen anderer Völker, die euch locker überrannt
hätten, hat Gott euch errettet. Gott hat euch ein Land gegeben,
um das ihr euch nicht gemüht habt, und dessen Weinberge ihr
nicht gepflanzt habt. (Stellt euch das einmal vor). Israel soll
Gott dienen, weil Gott einen Weg der Gnade mit Israel gegangen
ist. Ihr Dienst ist nicht ein Dienst des Gesetzes, sondern ist
Antwort auf Gottes gnädiges Handeln an seinem Volk. Seht,
wie Gott an eurem Leben gehandelt hat. Ist das nicht Grund genug,
Gott zu dienen?
Reinhard Frische, Studienleiter auf St. Chrischona, sagte vor
einigen Tagen: Unsere gegenwärtige Christenheit ist so geschichtslos
geworden. Wir glauben mit dem Kopf, überlegen mit unserem
Verstand, haben in unserem Hirn alles begriffen. Aber wer glaubt,
weil er Gottes Realität, Gottes Handeln im Leben spürbar
erfahren hat. Wenige können heute etwas davon berichten, wo
Gott in ihrem Leben eingegriffen hat. Fragt man, was habt ihr in
vergangener Zeit mit Gott erlebt, ist oft lähmendes Schweigen
zu entdecken. Gott will sich doch nicht nur im Kopf und Herz offenbaren,
sondern er will in unserem Leben Geschichte schreiben, so wie er
mit dem Volk Israel Geschichte geschrieben hat. Gott ist ein Gott
der Geschichte, unser Glaube kann sich doch nicht nur in unserem
Hirn abspielen.
Mit einer der wertvollsten Jugendkreisabende, die ich in Kirchheim
erlebt hatte, war der Abend, als einige ältere Geschwister
uns Jungen im Jugendkreis von der Geschichte Gottes mit ihrem Leben
berichteten. Da erzählte uns Gretel Nißler, wie Gott
ihr bei einem Preisausschreiben ein Auto, damals ein Gogomobil
geschenkt hatte. Dann wurde dieses Gogo zu einem wichtigen Faktor
des Reiches Gottes in unserer ganzen Gegend. Mit diesem Gogo fuhr
sie die Schwester Maria auf die Dörfer um dort Kinderstunden
und Jungscharen zu halten, und so entstanden heute lebendige Gemeinden.
Es ist so interessant, wenn wir über Gottes Geschichte nachdenken.
Da wird der Glaube auf einmal lebendig, bleibt er nicht trockene
Theorie.
An dieser Stelle ist es gut innezuhalten, wir wollen einige Augenblicke
still werden und darüber nachdenken: Wie ist denn die Geschichte
Gottes mit meinem Leben?
- Zeit zum Nachdenken -
Vielleicht ist es für dich gar nicht mehr so klar, warum
du Gott dienen sollst, warum und wieso du für ihn Zeit, Mühe
und Kraft einsetzen sollst. Vielleicht hast du eine gesunde und
fröhliche Perspektive für deinen Dienst verloren. Gott
fordert uns durch das Wort Josuas heute auf, über seine Geschichte
mit unserem Leben nachzudenken. Wo hast du ihn erlebt und wo war
es dir klar, daß er zu dir gesprochen hat. Wo hast du über
sein Handeln gestaunt? Denkt neu darüber nach, macht neu einen
Knoten dran. Ihr als Gemeinde, erzählt es euch untereinander,
wo Gott hier in Eichstetten und in eurem Leben Geschichte gemacht
hat. Das wird euch neu motivieren, das wird euch das Ziel wieder
klarer erkennen lassen. Es lohnt sich, ihm zu dienen. Wir dienen
Gott, weil er der Lebendige ist, derjenige, der in ganz überwältigender
Weise am Kreuz von Golgatha gehandelt hat, und auch in Zukunft
handeln wird.
3. Wir müssen lernen wie wir dienen
Wenn unsere Entscheidung und unser Wille Gott zu dienen feststeht,
so bleibt immer noch die Frage: Was heißt es überhaupt,
Gott zu dienen. Wie macht man das und was gehört dazu? Der
hebräische Begriff, den die Bibel an dieser Stelle verwendet,
meint, einem Stärkeren unterworfen zu sein. Wer jemand anderem
dient wird von ihm in Anspruch genommen. Es geht um Verfügbarkeit
und Loyalität gegenüber einem der über meinem Leben
steht. Die Psalmen zeigen uns, wie wir Gott dienen sollen. Sie
rufen uns dazu auf, Gott mit Freude, Lobpreis und Jubel zu dienen.
Dienet dem Herrn mit Freuden (Ps 100,2). In einem rechten "Gottesdienst" wird
Gott die Ehre und der Dank gegeben.
Ist unser Leben noch ein Gottesdienst? Ist unsere Beziehung zu
Gott noch von diesen Merkmalen geprägt? Überprüfen
wir doch einmal unser geistliches Leben der vergangenen Woche.
Was haben wir gebetet, was haben wir mit Gott gesprochen? Kam in
unserem Gebet Lob, Anbetung und Freude an ihm zum Ausdruck oder
bestand unser Gottesdienst einzig darin, mit ihm abzumachen, wo
er uns helfen soll? Hab ich ihm gesagt, daß ich ihm verfügbar
bin oder habe ich nur mit ihm gefeilscht, daß er mir meine
Aufgaben gelingen läßt? Sind wir noch bereit, uns unter
seinen Willen unterzuordnen oder haben wir ihn darum gebeten, daß er
doch beide Augen zudrücken möchte? Ist Gott für
uns der Herr oder unser Handelspartner?
Laßt es uns neu lernen Gott zu dienen, dadurch, daß wir
ihm die Treue halten, ihm zur Verfügung stehen und ihm die
Ehre geben.
Ich komme zum Schluß:
Am Ende des 24. Kapitels und am Anfang des Richterbuches steht
noch ein ernstes Wort. Israel diente dem Herrn, solange Josua
lebte. Als er und die Ältesten des Volk, die Gottes wunderbare
Geschichte während den Wüstenjahren erlebt hatten,
gestorben waren, verließ Israel den Gott seiner Väter.
Sie fingen an, anderen Göttern zu dienen. Die Kinder hatten
Gottes Geschichte nicht mehr erlebt, sie hatten Gottes Geschichte
vergessen. Gott zu dienen, das fand nur noch in ihren Köpfen
statt, das hatten sie irgendwo und irgendwann einmal gehört,
aber es war ihnen Theorie, nicht eigene Erfahrung. Und so ließen
sie es irgendwann und gingen den bequemeren Weg.
Liebe Geschwister, wo, unsere Entscheidungen, Gott zu dienen längst
verstaubt und sozusagen Schnee von gestern sind, wo wir sie nicht
immer wieder erneuern und befestigen und wo wir Gottes gnädiges
Handeln in der Geschichte unseres Lebens nicht mehr entdecken,
habe ich Sorge um die Gemeinde Jesu. Wenn sich Glaube nur noch
in den Köpfen abspielt, dann ist Gefahr im Verzug und höchste
Wachsamkeit angesagt. Dann dürfen wir nicht zögern, sondern
müssen unsere Entscheidung, Gott zu dienen, erneuern. Israels
Berg- und Talfahrt nach Josuas Tod ist uns Mahnung, anders zu leben
und Gott von ganzem Herzen zu dienen.
Und warum sollten wir nicht - um uns an diese Predigt besser erinnern
zu können - eine Woche lang einen Knoten in unser Taschentuch
machen? Das würde uns im Laufe dieser Woche immer wieder an
diese Predigt erinnern.
So steht nun heute abend diese Frage auch für uns im Raum:
Erwählt euch heute wem ihr dienen wollt. Josua ermutigt uns
dazu Gott dem Herrn allein zu dienen. Er ist diesen Weg gegangen
und am Ende seines Lebens bezeugt er es: Ich würde es wieder
so machen, ich habe es keinen Augenblick bereut. Für mich
und mein Haus ist die Entscheidung klar. Wir wollen dem Herrn dienen.
Letzte Worte großer Männer.
Amen |