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Ermutigung zum Gottesdienst

Josua 24, 1-8a + 13-15

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Liebe Freunde, liebe Gemeinde,

viele von uns haben es vielleicht schon einmal in den Händen gehalten, dieses kleine Traktat unter dem Thema: "Letzte Worte großer Männer". Ein kleines Heft, wo uns überliefert wird, was Menschen am Ende ihres Lebens, in der Stunde ihres Todes gedacht und gesagt haben. Solche Worte haben Gewicht, in diesen Stunden kommt das Wesentliche ans Licht, der Ertrag des Lebens wird sichtbar.
Der frühere englische Premierminister Winston Churchill sagte am Ende seines Lebens: "Welch ein Narr bin ich gewesen". Und Johann Wolfgang Goethe schrie in der Stunde seines Todes nach mehr Licht. Wohl dem der in solchen Stunden nicht von Hoffnungslosigkeit oder Resignation reden muß, sondern wesentliches und bleibendes zu sagen hat.

Unser Bibeltext für heute abend ist so ein letztes Wort eines großen Mannes. Es ist nicht das Wort eines englischen, sondern eines israelischen Politikers. Es sind Worte, die in zahllosen Gefährdungen und Stürmen des Lebens erprobt waren.
Josua, der Nachfolger Moses, rief am Ende seines Lebens die Verantwortlichen Israels nach Sichem zusammen um ihnen sein Vermächtnis, sein letztes großes Anliegen weiterzugeben.

Text lesen: Josua 24,1-8a + 13-15

Diese letzte Rede Josuas war nicht von Resignation oder Hoffnungslosigkeit geprägt, sondern sie war mitreißend. Keiner im Volk Israel blieb dabei kalt oder ungerührt. Seine Rede ist eine einzige Ermutigung zum Gottesdienst. Wem wollt ihr dienen?
16 mal kommt in diesem 24. Kapitel das Wort dienen vor (7 mal in Vers 14+15). Das Thema des Gottesdienstes ist also die zentrale Botschaft dieses Abschnittes. Dabei ist der Begriff dienen jedoch anders gebraucht, als wir es heute herkömmlich meinen. Wenn wir uns über das Thema Dienst unterhalten, dann geht es uns darum zu klären, wer Mitarbeiter in der Jugendgruppe ist, wer den Kaffee beim Gemeindenachmittag kocht oder wer bei einem Strasseneinsatz dabei ist. Wir betrachten die Frage des Dienstes unter dem Aspekt: Wer macht die Arbeit. Doch dies ist nicht die Fragestellung unseres Bibeltextes. Wenn Josua hier in diesem Abschnitt den Dienst zum Zentralthema macht, dann geht es um die Herrschaftsfrage unseres Lebens. Es geht um die Frage: Wer hat in unserem Leben das Sagen? Für wen lebe ich mein Leben? Wer prägt meine Motive? Wer legt die innersten Beweggründe meines Lebens fest? Josua stellt die Herrschaftsfrage. Wer ist Herr, wem gehörst du, wem dienst du?

1. Wir müssen entscheiden wem wir dienen

Josua stellt die Israeliten vor eine Entscheidung. Erwählt euch heute, wem ihr dienen wollt. War denn diese Entscheidung überhaupt erforderlich? Israel war doch das erwählte Volk, das Gott aus Ägypten geführt hatte. Sie waren doch das Volk, das mit Gott am Berg Sinai einen Bund geschlossen hatte. Genügte das nicht, war durch diese Ereignisse in der Vergangenheit nicht schon alles klar? Josua, wie kommst du dazu, die Israeliten vor solch eine radikale Entscheidung zu stellen? Ich möchte die Frage weiter ausziehen. Müssen auch wir, obwohl wir eine Bekehrung erlebt haben, immer neu entscheiden, wem wir mit unserem Leben dienen wollen?

Josua stellte Israel vor die Entscheidung, weil Israel in einer neuen Situation lebte. Die Zeit der Wüstenwanderung war vorüber. Nun lebte Israel Tür an Tür mit den Amoritern. Israel war umgeben von den Göttern der Amoriter und diese Götter schienen angenehmere Götter als der Gott Israels zu sein. Diese Götter forderten nicht einen ethisch und moralisch einwandfreien Lebenswandel. Diese Götter waren zuständig für Erfolg und Lust im Leben, Sie förderten ein stilles und bequemes Leben. Ach es war so viel leichter, diesen Göttern zu dienen, als das Leben unter Jahwes Herrschaft zu stellen und ihm zur Verfügung zu stehen.

Auch herrschte damals im Orient die Vorstellung, daß für jedes Land ein spezieller Gott zuständig sei. Für Kanaan waren es Baal und die Astarte. Jahwe war zwar der Gott in der Wüste gewesen, aber nun waren sie in einem neuem Land. Nun waren vielleicht die Götter der Völker dieses Landes zuständig. Josua sah die Gefahr, daß Israel neben Jahwe auch die anderen Götter in ihr Gottesdienstprogramm aufnahm. Deshalb forderte er Israel zur Entscheidung auf. Ihr müßt euch entscheiden, wem ihr dienen wollt.

Liebe Freunde, auch wir müssen uns entscheiden, wem wir dienen wollen. Es kann sein, daß wir schon lange Christen sind. Aber die Gefahr, daß wir anderen Göttern dienen, daß wir nach den Maßstäben der uns umgebenden Welt leben ist ständig da. Wir haben immer wieder neu zu entscheiden wem unser Leben gehören soll. Wie Israel kommen wir mit unserem Leben in neue Abschnitte, neue Phasen, neue Situationen. In neuen Situation müssen wir uns neu entscheiden, wer der Herr dieser Situation sein soll und wem wir nun dienen wollen. Und auch wir werden so leicht von den Göttern, die um uns herum angebetet werden beherrscht und bestimmt. Die Götter unserer Gesellschaft, Wohlstand, uneingeschränkte Freiheit oder Selbstverwirklichung, der Gedanke, daß wir eigentlich auch ganz gut ohne Gott zurecht kommen könnten setzt sich schnell bei uns fest. Viele Christen haben sich heute im religiösen Niemandsland angesiedelt und gehen als Unentschiedene oder als halb Entschiedene ihren Weg. Das ist eine Majestätsbeleidigung Gottes. Denn Gott teilt seine Herrschaft, seinen Anspruch auf unser Leben nicht mit den Werten unserer modernen Gesellschaft. Er ist nicht zufrieden, wenn er nur einen Teil, nur eine Möglichkeit unter anderen in unserem Leben ist. Klar und unmißverständlich hat er seinen Willen zum Ausdruck gebracht. "Ich bin der Herr dein Gott, du sollst keine anderen Götter haben neben mir". Gott will, daß wir ihm allein gehören, ihn allein ehren, ihm allein dienen. Er sagt nein zu den vielen Seitenaltären, die im Haus unseres Lebens Platz gefunden haben.

Ludwig Hofacker: " Unter allen Dingen, die dem Herrn ein Greuel sind in seinen Augen, ist ihm nichts verhaßter, nichts eine größere Abscheu, nichts das mehr seinen Eifer erregt, als das unsichere Schwanken zwischen Gott und Baal, dem Gott dieser Welt, wo man dem Herrn nicht ins Angesicht hinein den Dienst aufkündigen, und doch auch nicht von ganzem Herzen dienen will. Nichts ist ihm verhaßter als der laue Zustand der Seelen, die bequeme Mittelstraße. Ach daß du kalt oder warm wärest".

Durch die ganze Bibel hindurch zieht sich diese Linie der Entscheidung. Elia stellte das Volk Israel vor die Frage: Wie lange wollt ihr auf beiden Seiten hinken? Ist der Herr Gott, so wandelt ihm nach, ist´s aber Baal, so wandelt ihm nach (1.Könige 18,21). Und Jesus sagt ihm Evangelium: Niemand kann zwei Herren dienen: Entweder er wird den einen hassen und den anderen lieben, oder er wird an dem einen hängen und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon (Mt 6,24).

Josua wußte und ahnte es: Der Bund am Sinai ist gut, aber die Entscheidung von damals kann morgen nichtig und vergessen sein. Die Erfahrungen mit Gott in der Vergangenheit sind gut. Aber die Verführung des morgigen Tages ist groß, und kann uns in die Halbheit abgleiten lassen. Weil Josua dies ahnt stellt er Israel vor die Entscheidung. Ihr müßt euch entscheiden, wem ihr dienen wollt. Diese Entscheidung müssen auch wir immer wieder neu in unsere, Leben treffen. Auch als Christen braucht unsere Entscheidung für Jesus neue Verbindlichkeit, neue Eindeutigkeit, neue Klarheit.

2. Wir müssen wissen, warum wir dienen

Bevor Josua das Volk Israel vor die Entscheidung stellt, wem sie dienen wollen, schildert er ihnen ausführlich die Geschichte Gottes mit seinem Volk. Er beginnt bei Abrahams Vorfahren, die anderen Götter dienten und erzählt dann von der Erwählung und der Berufung Abrahams. Abraham hatte er herausgenommen, damit er nicht den Göttern seiner Väter diente, sondern ihm, dem lebendigen Gott. Josua berichtet vom Segen Gottes in Abrahams Leben, von dem Land und dem Reichtum, den er ihm gegeben hat. Und dann geht Josua die ganze Geschichte durch. Gottes Geschichte über viele hundert Jahre. Josua zeigte den Israeliten: Gottes Geschichte mit Israel war und ist eine Geschichte der Errettung. Aus der Hungersnot, aus der Ägypter Hand, aus den Nöten der Wüste, aus den Angriffen anderer Völker, die euch locker überrannt hätten, hat Gott euch errettet. Gott hat euch ein Land gegeben, um das ihr euch nicht gemüht habt, und dessen Weinberge ihr nicht gepflanzt habt. (Stellt euch das einmal vor). Israel soll Gott dienen, weil Gott einen Weg der Gnade mit Israel gegangen ist. Ihr Dienst ist nicht ein Dienst des Gesetzes, sondern ist Antwort auf Gottes gnädiges Handeln an seinem Volk. Seht, wie Gott an eurem Leben gehandelt hat. Ist das nicht Grund genug, Gott zu dienen?

Reinhard Frische, Studienleiter auf St. Chrischona, sagte vor einigen Tagen: Unsere gegenwärtige Christenheit ist so geschichtslos geworden. Wir glauben mit dem Kopf, überlegen mit unserem Verstand, haben in unserem Hirn alles begriffen. Aber wer glaubt, weil er Gottes Realität, Gottes Handeln im Leben spürbar erfahren hat. Wenige können heute etwas davon berichten, wo Gott in ihrem Leben eingegriffen hat. Fragt man, was habt ihr in vergangener Zeit mit Gott erlebt, ist oft lähmendes Schweigen zu entdecken. Gott will sich doch nicht nur im Kopf und Herz offenbaren, sondern er will in unserem Leben Geschichte schreiben, so wie er mit dem Volk Israel Geschichte geschrieben hat. Gott ist ein Gott der Geschichte, unser Glaube kann sich doch nicht nur in unserem Hirn abspielen.

Mit einer der wertvollsten Jugendkreisabende, die ich in Kirchheim erlebt hatte, war der Abend, als einige ältere Geschwister uns Jungen im Jugendkreis von der Geschichte Gottes mit ihrem Leben berichteten. Da erzählte uns Gretel Nißler, wie Gott ihr bei einem Preisausschreiben ein Auto, damals ein Gogomobil geschenkt hatte. Dann wurde dieses Gogo zu einem wichtigen Faktor des Reiches Gottes in unserer ganzen Gegend. Mit diesem Gogo fuhr sie die Schwester Maria auf die Dörfer um dort Kinderstunden und Jungscharen zu halten, und so entstanden heute lebendige Gemeinden. Es ist so interessant, wenn wir über Gottes Geschichte nachdenken. Da wird der Glaube auf einmal lebendig, bleibt er nicht trockene Theorie.

An dieser Stelle ist es gut innezuhalten, wir wollen einige Augenblicke still werden und darüber nachdenken: Wie ist denn die Geschichte Gottes mit meinem Leben?

- Zeit zum Nachdenken -

Vielleicht ist es für dich gar nicht mehr so klar, warum du Gott dienen sollst, warum und wieso du für ihn Zeit, Mühe und Kraft einsetzen sollst. Vielleicht hast du eine gesunde und fröhliche Perspektive für deinen Dienst verloren. Gott fordert uns durch das Wort Josuas heute auf, über seine Geschichte mit unserem Leben nachzudenken. Wo hast du ihn erlebt und wo war es dir klar, daß er zu dir gesprochen hat. Wo hast du über sein Handeln gestaunt? Denkt neu darüber nach, macht neu einen Knoten dran. Ihr als Gemeinde, erzählt es euch untereinander, wo Gott hier in Eichstetten und in eurem Leben Geschichte gemacht hat. Das wird euch neu motivieren, das wird euch das Ziel wieder klarer erkennen lassen. Es lohnt sich, ihm zu dienen. Wir dienen Gott, weil er der Lebendige ist, derjenige, der in ganz überwältigender Weise am Kreuz von Golgatha gehandelt hat, und auch in Zukunft handeln wird.

3. Wir müssen lernen wie wir dienen

Wenn unsere Entscheidung und unser Wille Gott zu dienen feststeht, so bleibt immer noch die Frage: Was heißt es überhaupt, Gott zu dienen. Wie macht man das und was gehört dazu? Der hebräische Begriff, den die Bibel an dieser Stelle verwendet, meint, einem Stärkeren unterworfen zu sein. Wer jemand anderem dient wird von ihm in Anspruch genommen. Es geht um Verfügbarkeit und Loyalität gegenüber einem der über meinem Leben steht. Die Psalmen zeigen uns, wie wir Gott dienen sollen. Sie rufen uns dazu auf, Gott mit Freude, Lobpreis und Jubel zu dienen. Dienet dem Herrn mit Freuden (Ps 100,2). In einem rechten "Gottesdienst" wird Gott die Ehre und der Dank gegeben.

Ist unser Leben noch ein Gottesdienst? Ist unsere Beziehung zu Gott noch von diesen Merkmalen geprägt? Überprüfen wir doch einmal unser geistliches Leben der vergangenen Woche. Was haben wir gebetet, was haben wir mit Gott gesprochen? Kam in unserem Gebet Lob, Anbetung und Freude an ihm zum Ausdruck oder bestand unser Gottesdienst einzig darin, mit ihm abzumachen, wo er uns helfen soll? Hab ich ihm gesagt, daß ich ihm verfügbar bin oder habe ich nur mit ihm gefeilscht, daß er mir meine Aufgaben gelingen läßt? Sind wir noch bereit, uns unter seinen Willen unterzuordnen oder haben wir ihn darum gebeten, daß er doch beide Augen zudrücken möchte? Ist Gott für uns der Herr oder unser Handelspartner?
Laßt es uns neu lernen Gott zu dienen, dadurch, daß wir ihm die Treue halten, ihm zur Verfügung stehen und ihm die Ehre geben.

Ich komme zum Schluß:
Am Ende des 24. Kapitels und am Anfang des Richterbuches steht noch ein ernstes Wort. Israel diente dem Herrn, solange Josua lebte. Als er und die Ältesten des Volk, die Gottes wunderbare Geschichte während den Wüstenjahren erlebt hatten, gestorben waren, verließ Israel den Gott seiner Väter. Sie fingen an, anderen Göttern zu dienen. Die Kinder hatten Gottes Geschichte nicht mehr erlebt, sie hatten Gottes Geschichte vergessen. Gott zu dienen, das fand nur noch in ihren Köpfen statt, das hatten sie irgendwo und irgendwann einmal gehört, aber es war ihnen Theorie, nicht eigene Erfahrung. Und so ließen sie es irgendwann und gingen den bequemeren Weg.

Liebe Geschwister, wo, unsere Entscheidungen, Gott zu dienen längst verstaubt und sozusagen Schnee von gestern sind, wo wir sie nicht immer wieder erneuern und befestigen und wo wir Gottes gnädiges Handeln in der Geschichte unseres Lebens nicht mehr entdecken, habe ich Sorge um die Gemeinde Jesu. Wenn sich Glaube nur noch in den Köpfen abspielt, dann ist Gefahr im Verzug und höchste Wachsamkeit angesagt. Dann dürfen wir nicht zögern, sondern müssen unsere Entscheidung, Gott zu dienen, erneuern. Israels Berg- und Talfahrt nach Josuas Tod ist uns Mahnung, anders zu leben und Gott von ganzem Herzen zu dienen.

Und warum sollten wir nicht - um uns an diese Predigt besser erinnern zu können - eine Woche lang einen Knoten in unser Taschentuch machen? Das würde uns im Laufe dieser Woche immer wieder an diese Predigt erinnern.

So steht nun heute abend diese Frage auch für uns im Raum: Erwählt euch heute wem ihr dienen wollt. Josua ermutigt uns dazu Gott dem Herrn allein zu dienen. Er ist diesen Weg gegangen und am Ende seines Lebens bezeugt er es: Ich würde es wieder so machen, ich habe es keinen Augenblick bereut. Für mich und mein Haus ist die Entscheidung klar. Wir wollen dem Herrn dienen. Letzte Worte großer Männer.

Amen