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Liebe Gemeinde,
wenn ich diesen Text so lese, dann bin ich heute eigentlich ganz
froh, daß heute in diesem Gottesdienst der Posaunenchor nicht
dabei ist, denn wer weiß, ob sich das, was bei Jericho passiert
ist nicht irgendwann einmal wieder ereignet. Ein kräftiger
Posaunenstoß und die Mauern stürzen ein. So war es wohl
kluge Planung, daß ich in diesem Gottesdienst den Posaunenchor
nicht eingeplant habe - aber ehrlich gesagt erst gestern bei der
Vorbereitung ist mir das aufgefallen.
Liebe Freunde, wir kommen mit der Eroberung Jerichos, dem Fall
der Mauern von Jericho an eine uns von Kindheit an vertraute Geschichte.
Welcher Sonntagsschullehrer, welcher Jungscharleiter hat diese
Geschichte nicht mit Begeisterung erzählt und sehr wahrscheinlich
gehören viele von uns zu denen, die mit weit aufgerissenen
Ohren den Lärm der Posaunen von Jericho hörten und mit
weit aufgerissenen inneren Augen die Mauern von Jericho einstürzen
sahen.
Als Jugendlichem begegnete mir der Spirituell Joshua fit the battle
of Jericho - und einmal mehr war man von dieser Geschichte berührt.
Und heute - fast täglich lesen und sehen wir in den Nachrichten
etwas über Jericho, so ja auch in dieser Woche wo es in vielen
Städten im Nahen Osten zu Ausschreitungen kam - eben auch
in Jericho, der Palmenstadt am Tor zur Wüste im Süden
Israels. Im Lauf dieser Woche habe ich wieder etwas davon gespürt,
daß Israel wohl so wie damals wieder vor den Toren von Jericho
steht - in einer schier auswegslosen Situation - in einem hoffnungslos
verfahrenen Friedensprozess. Was in den letzten 10 Tagen in Israel
geschah, hat jahrzehntelange Bemühungen um eine Frieden im
Nahen Osten wohl zunichte gemacht. Was in der letzten Woche passierte
- das ist wirklich nicht von Pappe sondern in meinen Augen sehr
ernst zu nehmen. Wieder steht Israel vor Mauern, die im Grunde
genommen uneinnehmbar sind, wo kein Weiser dieser Welt weiß,
wie diese Nuß zu knacken ist.
Doch wenden wir uns einfach einmal der Geschichte zu, wie sie
uns in Josua 6 überliefert wurde.
Israel stand nach mehr als 40 Jahren in der Wüste an der
Schwelle des Gelobten Landes, des verheißenen Landes. Mose
war tot. Josua der neue Führer des Volkes. Nach dem erfolgreichen
Durchzug durch den Jordan war nun Jericho die erste und wohl auch
die größte Herausforderung bei der Einnahme des Landes.
Jericho war ein echtes Problem für die im Kampf eher ungeübten
Israeliten. Sie waren Beduinen, aber keine Krieger, sie waren Nomaden,
hatten keine Ahnung von festen Städten.
Jericho dagegen war eine befestigte Stadt. Ausgrabungen im letzten
Jahrhundert haben ergeben, daß Jericho zwei Stadtmauern besaß.
Die äußere Mauer war 2m breit und 8m hoch. Von der inneren
Mauer weiß man heute, daß sie 3.5m dick war. Jericho
- eine uneinnehmbare Festung. Jericho war aber auch eine verschlossene
Stadt. Die Bewohner hatten von den Wundern des Gottes Israels gehört
und alles verriegelt.
Jos 6,1 Jericho aber war verschlossen und verwahrt vor den Israeliten,
so daß niemand heraus- oder hineinkommen konnte.
In dieser Situation redet nun Gott mit Josua und teilt ihm mit,
wie Israel Jericho einnehmen soll. 4 Dinge spielten dabei eine
Rolle.
1. Der bedingungslose Gehorsam des Volkes
Es waren seltsame Anweisungen, die Gott Josua gegeben hatte. Zieht
in einer festen Anordnung um die Stadt 6 Tage lang. Am 7. Tag 7
mal um die Stadt. Die Marschordnung war definiert. Zuerst die Krieger,
dann die 7 Posaunen blasenden Priester, dann die Bundeslade - das
Zeichen der Gegenwart Gottes und dann die Nachhut, das übrige
Volk. Insgesamt 13 mal schweigend um die Stadt ziehen. Eine Runde
und noch eine Runde und noch eine.... So ein Blödsinn, werden
manche gedacht haben. Eigentlich eine ziemlich duselige Taktik
und Strategie. Eine Strategie, die Josua ja auch nicht im Traum
eingefallen wäre.
Das war so, wie wenn ihr, um einen besonders guten Wein zu erhalten,
die Reben nie zurückschneiden, sondern einfach nur wuchern
lassen würdet. Das wäre wie, um ein besonders schnelles
Auto zu bekommen muß man das Auto möglichst schwer machen.
Es waren Anweisungen, die einer gewissen Logik entbehrt haben.
Aber ausnahmsweise murrt keiner im Volk. Ausnahmsweise meint keiner,
er wüßte es besser. Und auch Josua verhandelt nicht
lange mit Gott, sondern tut, was er sagt.
Überhaupt war das wohl einer der hervorragenden Stärken von Josua.
Er war ein Mann, der Gott gehorchen konnte, was an vielen Stellen seines Lebens
deutlich wurde. Wer Gehorsam ist hat die Legitimation, von Gott großes
zu erbitten und mit Gott großes zu erleben. Wer Gott bewußt und willentlich
ungehorsam ist, wie will er kühn und keck beten? Steht nicht die ganze zeit
sein Ungehorsam zwischen ihm und dem lebendigen Gott?
Israel gehorchte, zog um die Stadt und Gott handelte. So einfach
ist die Rechnung von Josua 6. Gottes Ziele werden durch Gehorsam
erreicht. Liebe Freunde, das schmeckt mir nicht. Da melden sich
in mir gleich Stimmen die sagen. Das schaffe ich nicht. Und andere
Stimmen meinen. So eng wird´s doch nicht sein. Und wieder
andere Stimmen in mir rufen: ich würde aber gerne meinen eigenen
Weg gehen, meine eigenen Methoden anwenden. Da kann doch Gott nichts
dagegen haben, ich tue doch nichts verbotenes. Und doch gilt der
eine Satz, der für mich ein Merksatz aus der Jerichogeschichte
geworden ist.
Gottes Ziele werden auf Gottes Wegen erreicht. Gottes Ziele werden
auf Gottes Wegen erreicht und ich bin zunächst einmal gerufen,
dem zu gehorchen, was ich von Gottes Wort her weiß und verstanden
habe.
Der Überlinger Philosoph Leopold Ziegler bestimmte schon bei
seinen Lebzeiten den Spruch für den Grabstein. Dort sollte
nach seinem Willen stehen: ich habe gehorcht. Das ist ja wohl doppeldeutig
zu verstehen: Ich habe gehorcht, d.h. mein Leben ist ein Horchen,
Warten, Wachen, Empfangen und Lauschen auf das, was Gott mir sagt.
Mein Leben ist dann aber auch ein Handeln nach dem, was Gott mir
im Horchen deutlich gemacht hat. Beides trifft wohl auf Josua in
dieser Situation zu. er horchte und er gehorchte.
Und wir. Oh ja: ich weiß ja in manchen Angelegenheiten, was
Gott von mir will. Manches ist mir ja wohl bekannt, aber mit dem
Tun hapert es. Um den Besuch, den ich machen sollte, drücke
ich mich, das klärende Wort, das ich sprechen sollte ist mir
zu anstrengend, die notwendige Verschiebung der Prioritäten
in meinem Leben ist mir nicht dringend genug. Die Lässigkeit,
die zur Sünde neigt, ist mir so oft viel näher, als der
klare Wille meines Herzens zum Gehorsam. Aber, liebe Freunde, wir
brauchen uns keiner Illusion hingeben. Gottes Ziele werden nur
auf Gottes Wegen erreicht.
2. Jericho wurde durch die Einheit des Volkes
eingenommen
Bei aller Merkwürdigkeit der Prozession um Jericho - Sie
mag wohl auch etwas imposantes, etwas beeindruckendes an sich gehabt
haben. Hier zog ein schweigendes Volk um die Stadt. Aber es war
ein Volk, das sich eins war. es waren geschlossene Reihen. Es war
kein wirrer Haufe, es war eine in sich einige und geschlossene
Truppe. Sie waren sich eins geworden, ihrem Gott zu gehorchen.
Es war ein geschlossenes Volk. Und auch hier gilt: Geschlossenheit
bewirkt viel. Geschlossenheit ist ein Faktor, der auch im Reich
Gottes eine Rolle spielt.
Ich übertrage es einfach einmal auf unsere Situation heute.
Was könnte in Deutschland passieren, wenn die Evangelikale
Bewegung wirklich geschlossen wäre? Was könnte in Deutschland
passieren, wenn Gemeinden ihre Unterschiedlichkeiten nicht so intensiv
pflegen würden, sondern sich gemeinsam auf das Kerngeschäft,
die Evangelisation und die Wiedergeburt einzelner Menschen konzentrieren
würden?
Aus eigener Erfahrung weiß ich, daß das manchmal ein
kompliziert Ding ist. Aber für mich ist die Einheit des Leibes
Christi, seine Geschlossenheit ein Ziel. Etwas erstrebenswertes.
In Israel mag es damals auch Menschen gegeben haben die gesagt
haben. Was soll das oder Wir wissen etwas anderes. Aber sie haben
keine zweite Karawane aufgemacht. Sie haben keinen Gegenzug begonnen,
sondern sie sind einfach einmal mitgezogen. Und Gott hat sich dazu
gestellt.
3. Jericho wurde durch Glauben überwunden
So sagt es der Hebräerbrief
Hebr 11,30 Durch den Glauben fielen die Mauern Jerichos, als Israel
sieben Tage um sie herumgezogen war.
Es stimmt nicht ganz, wenn ich vorhin sagte, Israel zog schweigend
um die Stadt
Jos 6,13 So trugen die sieben Priester die sieben Posaunen vor
der Lade des HERRN her und bliesen immerfort die Posaunen; und
die Kriegsleute gingen vor ihnen her, und das übrige Volk
folgte der Lade des HERRN, und man blies immerfort die Posaunen.
Jos 6,10 Josua aber gebot dem Kriegsvolk und sprach: Ihr sollt
kein Kriegsgeschrei erheben noch eure Stimmen hören lassen,
noch soll ein Wort aus eurem Munde gehen bis auf den Tag, an dem
ich zu euch sage: »Macht ein Kriegsgeschrei!
Man weiß nicht genau, wie es nun war. vermutlich spielten
die Posaunen und das Volk war still. Doch das Blasen der Posaunen
hatte ja eine Bedeutung. Posaunen wurden geblasen, um den Sieg
zu verkünden und mitzuteilen.
Das Blasen der Posaunen war also nichts anderes als eine vorweggenommene
Proklamation: Wir werden siegen. Gott der Herr steht auf unserer
Seite und er wird unsere Sache wohl und gut hinausführen.
Er hat uns dieses Land gegeben. Wir glauben seiner Verheißung
auch im Angesicht der uneinnehmbaren Festung Jericho. Es war Glaube,
der schon jubelte, als er noch nichts sah:
Noch sah Israel nichts von Gottes Taten, aber schon jubelten sie
ihm mit den gottesdienstlichen Instrumenten und mit ihrem Lobgesang
zu.
"Der Glaube ist der Vogel der singt, auch wenn die Nacht noch dunkel ist...." (Chinesisches
Sprichwort).
Liebe Freunde, solcher Glaube würde uns heute gut stehen
und ist uns abhanden gekommen. Wir sagen. Ich will beten. Dann
wird Gott handeln und wenn er gehandelt hat will ich ihn preisen.
Doch die biblische Reihenfolge lautet: Ich will beten, dann glauben
und Gott preisen und daraufhin wird Gott handeln und solchen Glauben
belohnen.
Sind wir nicht viel zu sehr Realisten geworden? Können auch
wir nur noch glauben, was wir sehen? Josua lehrt uns Gott zu glauben
und zu vertrauen, auch wenn wir das von ihm erbetene noch nicht
in den Händen haben.
4. Der Bund wurde erneuert
Das haben wir nun im Text gar nicht gelesen, das müßt
ihr mir jetzt einfach einmal so glauben. Bevor Israel den Kampf
um Jericho aufnahm erneuerten sie den Bund, den Gott mit ihnen
geschlossen hatten. Diese Bundeserneuerung sah damals so aus, daß sie
alle Männer, die in der Wüste nicht beschnitten wurden
beschnitte. das war ja das Bundeszeichen des Volkes Israel. Und
sie taten auch noch etwas anderes. Sie feierten Passah, das Bundesmahl
des Volkes Israel. In all dem brachten sie ihre Beziehung zu Gott
in Ordnung. Sie reinigten sich von Schuld und Sünde. Sie beschlossen
bewußt in die Gegenwart Gottes zu treten. Den Bund erneuern.
Die Sünde abwaschen. Gottes Gegenwart und seine Zusagen sich
vergewissern. Das war die rechte Vorbereitung auf den Kampf um
Jericho. Und da finde ich es jetzt in diesem Augenblick so schön,
daß auch wir heute das Bundesmahl des NT miteinander feiern
werden. Wir feiern heute Abendmahl. Wir essen kein Passahlamm,
aber wir erinnern uns an Jesus, der für uns das Lamm Gottes
geworden ist, der uns mit Gott, seinem Vater versöhnt hat,
so daß wir Menschen sein dürfen, die im Frieden mit
ihrem Gott leben. Abendmahl - Als Vorbereitung auf die Kämpfe,
die Glaubenskämpfe, die wir in der kommenden Woche zu kämpfen
haben, denn am Montagmorgen, da stehen ja auch wir wieder vor Jericho,
den vielen Jerichos in dieser Welt.
Und damit kommen wir zur letzten, aber wohl auch zur spannendsten
Frage: Wo liegt denn Jericho für uns? Was ist dein Jericho?
Was ist denn in deinem Leben so eine uneinnehmbare Festung?
Und da bin ich mir sicher: Es wird wohl viele Jerichos geben.
Für den einen ist Jericho in dir selbst. Da gibt es Dinge,
mit denen du nicht fertig wirst. Da gibt es Sünden, die sich
wie eine feste Bastion im Land deines Lebens halten. Das mag z.B.
die Überheblichkeit sein, mit der du anderen Menschen begegnest
- du bist dir ihrer vielleicht sogar bewußt - doch du wirst
sie nicht los. Jericho, das kann der Geiz in deinem Leben sein,
den du wohl spürst, wo du wohl ahnst, daß du keine großzügige
Einstellung zum Geld hast, wo du wohl spürst, wie du auf jeden
Pfennig drauf sitzt und du äußerst sorgfältig über
dein Vermögen wachst. Und du wirst diese Sünde im Leben
nicht los. Jericho Die Unwegsamkeiten, Unmöglichkeiten, Grenzen
im eigenen Leben. Du willst in deiner Ehe anders reagieren, anders
handeln, aber es überkommt dich immer der gleiche Jähzorn
oder der gleiche Frust. Jericho im eigenen Leben.
Jericho, kann aber auch außerhalb von dir sein. Jericho
- das kann Dein Kollege sein. Jericho, das kann dein Chef sein.
Ja Jericho, das kann sogar deine eigener Ehepartner sein. Jericho,
das ist für den einen die Aufgaben, die er nicht übersieht,
für den anderen sind es die Umstände, an denen er nichts
zu verändern vermag. Wo Jericho liegt und wie es gebaut ist,
das mußt du selbst in deinem Leben erkennen.
Unser aller Jericho aber ist das Jericho, von dem Paulus in Epheser
6 geschrieben hat:
Eph 6,12 Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen,
sondern mit Mächtigen und Gewaltigen, nämlich mit den
Herrn der Welt, die in dieser Finsternis herrschen, mit den bösen
Geistern unter dem Himmel.
Eph 6,13 Deshalb ergreift die Waffenrüstung Gottes, damit
ihr an dem bösen Tag Widerstand leisten und alles überwinden
und das Feld behalten könnt.
Das ist Jericho für uns alle - unser gemeinsames Jericho
Jos 6,20 Da erhob das Volk ein Kriegsgeschrei, und man blies die
Posaunen. Und als das Volk den Hall der Posaunen hörte, erhob
es ein großes Kriegsgeschrei. Da fiel die Mauer um, und das
Volk stieg zur Stadt hinauf, ein jeder stracks vor sich hin. So
eroberten sie die Stadt
Da fiel die Mauer um. Das will Gott und das kann Gott, daß unsere
Jerichos erobert werden. Das können nicht wir selbst - aber
das kann er .
· Leben wir im Gehorsam
· Ringen wir um die Einmütigkeit
· Üben wir uns im Glauben
· Erneuern wir den Bund, den Bund mit Gott.
Amen
Überleitung zum Abendmahl:
Erneuerung des Bundes - feiern des Passahmahles - feiern des Abendmahles.
Wir schlachten kein Lamm, wir gedenken an Jesus, das Lamm Gottes,
den Stifter des neuen Bundes. Wir stellen uns neu dazu. Wir erklären
uns neu als bedürftig und wir preisen Jesus, der unser Passahlamm
geworden ist. |