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Lieber Otto, lieber Werner
und lieber Gerhard, liebe Gemeinde
Daß wir in einer Zeit der schnellen Veränderungen leben,
haben wohl schon alle von uns festgestellt und eine große
Veränderung findet am heutigen Sonntag nun auch in der hier
in unserer Gemeinde in der Evangelischen Gemeinschaft statt. Wir
haben einen Generationswechsel in der Aufgabe des Vorstandes. Otto
tritt zurück, Werner und Gerhard rücken nach. Manches
werdet ihr beiden wohl anders machen, anders betonen, manches kann
und wird sich wohl durch diesen Wechsel verändern, denn auch
in der Gemeinde Jesu steht ja die Zeit nicht still, auch wir sind
einem beständigen Wandel unterworfen.
Aber in allem Wandel entdecken wir, daß etwas Bestand hat
und daß ist das Wort Gottes. Dieses Bestand haben möchte
ich mit diesem Predigtext für den heutigen Sonntag zum Ausdruck
bringen. Es ist das Wort, das Dir Otto zu Beginn deiner Amtszeit
als Vorstand mitgegeben wurde und mit dem nun heute deine Amtszeit
als Vorstand endet. Und euch beide, die ihr nachrückt, ihr
sollt und dürft mit dem gleichen Wort, das damals Otto mit
auf seinen Weg gegeben wurde in eure Aufgabe starten. Kontinuität
des Wortes Gottes in allem Wandel der Zeit.
Es ist ja in der Tat auch ein Vers, der wohl wie kein anderer
für einen Generationswechsel in einem christlichen Werk passt
und der wohl auch schon vielen Männern Gottes zugesprochen
wurde, als sie Aufgaben im Reich Gottes übernommen haben.
Es sind ja Worte, die Gott selbst zu Josua gesprochen hatte, als
er nach dem Tod von Mose die Leitung und Führung des Volkes
Israels übernommen hatte. Ach, wir alle können uns gut
vorstellen, wie es dem Josua damals zumute war. Mose, er war der
größte Führer, den Israel je hatte. Er hatte das
Volk 40 Jahre lang geleitet. Er war durch Wunder, die Gott durch
seine Hand getan hatte autorisiert. Er war derjenige, der Israel
aus Ägypten führte. Er hatte die nötige Bildung,
hatte an ägyptischen Universitäten studiert. Und sein
Nachfolger sollte Josua werden. Und dann noch dieses Volk, versteht
mich jetzt nicht falsch, störrisch bis dorthinaus, mürrisch,
kleingläubig, zuweilen ungehorsam.... Wir ahnen wie er sich
gefühlt hat. Dieser Schuh ist mir zwei Nummern zu groß.
In diesen Schlappen passe ich nie und nimmer. Und dann bedenkt
den Auftrag, den Josua vor sich hatte. Er war ja kein Wanderführer,
sondern dort drüben, ja dort drüben standen die Mauern
von Jericho. Die bislang noch kein Volk eingenommen hatte. Oh,
es gibt doch nichts neues unter der Sonne. Josua stand damals vor ähnlich
großen Herausforderungen wie es die Gemeinde Jesu heute zu
Beginn eines Jahrhunderts tut, das eigentlich als nachchristliches
Jahrhundert bezeichnet werden kann. Es ist eh immer sehr schwierig,
Nachfolger eines Menschen zu werden, der ein erfolgreicher und
guter Leiter war. Auch Prediger schreien nicht gerade Hurra, wenn
sie in eine Gemeinde versetzt werden, wo der Vorgänger einen
außergewöhnlich guten Ruf hatte. So ging es auch dem
Josua, so mag es vielleicht auch Dir Werner und Gerhard gehen.
Aber genau für solche Situationen hat Gott besondere Ermutigung,
besondere Worte vorbereitet. Er sagt damals und heute eben genau
die Worte:
Seid getrost und unverzagt - ihr sollt dem Volk das Land austeilen
Seid getrost und unverzagt - haltet euch an das Wort Gottes, dann
wird es euch auf euren Wegen gelingen
Seid getrost und unverzagt - es soll euch niemand widerstehen,
euer Leben lang wird euch niemand besiegen können
Seid getrost und unverzagt - der Herr euer Gott ist mit euch in
allem, was ihr tut.
Interessant ist es wenn wir einmal auf die verschiedenen Übersetzungsvarianten
achten, die die Übersetzer an dieser Stelle gefunden haben.
Seid getrost und unverzagt hat Luther übersetzt
Seid stark und mutig. Laß dich nicht einschüchtern und
hab keine Angst verdeutscht die modernere Hoffnung für Alle Übersetzung
die Worte Gottes an Josua.
und der hebräische Sprachwissenschaftler Martin Holland übersetzt
diese Stelle mit:
Sei stark und führungskräftig
Was also nun, ist die Botschaft, die Gott dem Josua damals und
euch, ja uns heute mit diesen Worten weitergeben wollte? Drei kurze
Gedanken.
1. Ein Wort für die Furchtlosigkeit
Furcht ist ein schlechter Ratgeber, sagt das Sprichwort im Volksmund
und hat damit absolut recht. Wer in permanenter Furcht lebt wird
wohl schwerlich auf die Dauer gut leiten können. Wer in dauernder
Furcht lebt tut sich mit dem Leben generell, sei er jetzt Leiter
oder nicht schwer. Johannes schreibt auch einmal in einem seiner
Briefe, das nachdenkenswerte Wort, daß Furcht und Liebe nichts
mit einander zu tun haben können. Die vollkommene Liebe treibt
die Furcht aus - Furcht ist nicht in der Liebe. Furcht und Liebe
sind wie Feuer und Wasser.
Dessen, so denke ich, müssen wir uns alle immer wieder einmal
bewußt werden und vielleicht besonders diejenigen, die eher
zu den Furchtsamen gehören. Furcht bringt in der Regel nicht
viel. Furcht lähmt uns, Furcht wirft uns auf uns selbst zurück,
macht uns blind für die Liebe zum anderen. Wer sich immer
nur fürchtet bleibt bei sich selber stehen und kommt wohl
kaum recht voran.
Das weiß auch die Bibel. jemand will mal gezählt haben,
daß in der Bibel 365 mal das Wort steht: Fürchte dich
nicht - also für jeden Tag einmal und für Schaltjahre
wird sich auch noch ein Wort finden.
Deshalb mahnt Gott auch den Josua zu Beginn seines Leitungsamtes:
Sei ohne Furcht, laß dir nicht grauen, entsetze dich nicht,
sei getrost, laß dich nicht einschüchtern und glaube
nur, ich dein Gott lasse dich nicht im Stich.
Wenn das nur so einfach wäre, sagt ihr jetzt - Ja, es ist
wohl tatsächlich nicht so einfach, wie es die Praxis unseres
Lebens uns wohl täglich zeigt. Aber es ist wohl ein erstrebenswertes
Ziel und ein Ding auf das wir alle wohl zu achten haben.
Wer regiert mich - bin ich ein von der Furcht bestimmter oder einer
von Liebe getriebener Mensch?
Furchtlosigkeit kommt in der Bibel wohl immer von der Zusage Gottes
her, daß er mit uns ist.
So begründet es Gott hier auch dem Josua: Du kannst getrost
und unverzagt sein, weil ich mit dir bin. Ja wenn Gott, mit uns
ist, wer kann dann noch gegen uns sein? Dieser Gedanke ist ein
Wort gegen die Furcht unseres Herzens.
Ich sage das euch beiden - ich sage das uns allen. denn wenn wir
ohne Furcht sind, dann fällt es einer Gemeindeleitung auch
leichter, ohne Furcht zu sein. Daß der Herr mit uns ist,
ist das Arzneimittel, daß uns die Furcht aus dem Leben vertreibt.
2. Ein Wort für das Wort Gottes
Eindrücklich ist in diesem Text auch die Eindringlichkeit,
mit der Gott Josua dazu ermahnt, an den Geboten Gottes und an seinem
Wort festzuhalten.
Bemühe dich darum, das ganze Gesetz zu befolgen. Weiche weder
links noch rechts davon ab. Sage dir die Gebote Gottes immer wieder
auf, denke Tag und Nacht und Nacht über sie nach. Das ist
der Originalton mit dem diese Aufforderung Gottes in recht geballter
Art und Weise an Josua heran getragen wird.
Wer führt, braucht Grundsätze. Wer führt braucht
ein Konzept, wer führt, braucht eine Vision, so sagen wir
das heute neudeutsch. Gott sagt zu Josua: Deine Führungsgrundsätze,
deine Richtung, deine Visionen, sie sollen aus der Beschäftigung
mit dem Wort Gottes, mit der Bibel herauskommen. Sie sollen nicht
und brauchen nicht auf deinem eigenen Mist zu wachsen. Hier gilt
die Devise: Zurück zur Bibel.
Das ist heute eigentlich noch wichtiger als damals. Denn heute
gibt es ja viele Konzepte, viele Visionen, viele Ideale, viele
Modelle, viele Möglichkeiten, an denen wir uns orientieren
können. Wir leben ja heute tatsächlich in einem Land
der unbegrenzten Möglichkeiten, der unbegrenzten Meinungen.
Auch für eine christliche Gemeinde gibt es heute eine Vielzahl
von Ideen und Konzepte, wie sie aussehen soll und kann und in welche
Richtung sie sich bewegen soll. Das ist zunächst einmal gut
und das ist schön. Die Vielfalt ist ein Geschenk Gottes, nur
für Leiter ist es eine schwierige Aufgabe, im Markt der Möglichkeiten,
den rechten Weg zu finden. Wer hier nach der Devise lebt und leitet:
Zurück zur Bibel, fährt sicherlich nicht rückwärts,
macht sicherlich keine Rückschritte, gehört sicherlich
nicht zu denen von gestern, sondern zu denen, denen die Zukunft
gehört. Deshalb sei dies euch und uns allen gesagt: Schöpft
eure Visionen aus der Bibel, laßt euch vom inspirierten Wort
inspirieren, prüft eure Ideen anhand dieses Wortes, dann geht's
nicht schief, sondern dann habt ihr die Verheißung Gottes
auf eurer Seite, dann so sagt es Gott hier, dann wird Josua und
dann werdet ihr Erfolg haben in eurer Aufgabe als Leiter. Was für
ein schönes Wort - Erfolg. Das ist es doch, nachdem wir uns
sehnen. Danach sehnen sich alle, die leiten. Wenn du dich an das
Wort Gottes hältst, wirst du Erfolg haben auf deinen Wegen,
verspricht Gott dem Josua. erfolg in dem Sinne, daß Gott
euch und seiner Gemeinde seine Verheißungen erfüllt.
3. Ein Wort für die Aufgabe und ihrer
Verheißung
Nach diesen Worten Gottes an Josua lesen wir, daß Josua
damit begonnen hatte seine Aufgabe als Leiter wahrzunehmen.
Jos 1,10 Da gebot Josua den Amtleuten des Volks und sprach:
Er leitete die jetzt nötigen Schritte ein, die notwendig waren,
um das von Gott verheißene Land einzunehmen. Ich will euch
das Land geben, auf das eure Fußsohlen treten.
Das war übrigens nicht nur die Aufgabe von Josua. Das war
die Aufgabe des ganzen Volkes. Nicht Josua allein mußte das
Land einnehmen, sondern das ganze Volk war gefragt. und auch hier
gilt: es ist heute noch genauso wie damals.
Eine Gemeindeleitung geht voraus - Eine Gemeinde soll ihr folgen.
Miteinander nimmt man das Land ein, das Gott gibt und keiner von
uns soll sagen: Da klinke ich mich aus, damit will ich nichts zu
tun haben, das laß ruhig mal die anderen machen.
Das ist das Wort zum Tage an uns alle, daß wir als Gemeinde
eine neue Gemeindeleitung nicht im Stich lassen, sie nicht allein
laufen lassen, sondern daß wir alle dabei sind, daß wir
alle mit anpacken. Was heißt das denn - Land einnehmen? Gottes
Reich soll gebaut werden. Gottes Herrschaftsanspruch soll bekannt
gemacht werden. Unsere Generation ist dazu gerufen unserer Generation
das Wort von der Herrschaft Gottes und von der Gnade und Güte
unseres Gottes zu sagen. Das ist der Auftrag, den Jesus seiner
Gemeinde gegeben hat. Da laßt uns mit anpacken, wo wir können
und so gut wir können. Dann wird sich Otto freuen und Werner
und Gerhard wird´s nicht bang werden. In diesem Sinne gilt:
Siehe, ich habe dir geboten, daß du, daß ihr, daß wir
alle getrost und unverzagt sind.
Amen |