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Liebe Freunde, liebe Geschwister,
die Geschichte dürfte bekannt sein und sie scheint uns heute
genauso grausam wie kurios zu sein. Der Staufer - Kaiser Friedrich
Barbarossa, wollte einmal nachprüfen, was mit Menschen geschieht,
die ohne Beziehungen leben. So ließ er einige neugeborene
Babys in einen Raum einsperren, wo sie nur gefüttert und gewickelt
wurden. Sie konnten dort schlafen, aber die Pflegerinnen waren
streng angewiesen, kein Wort mit den Babys zu wechseln, sie auch
nicht anzulächeln, ja schlichtweg bei der Pflege zu schweigen.
Es ist unschwer zu erraten, was mit diesen Kindern passierte. Sie
starben innerhalb kurzer Zeit, obwohl sie genug zu essen hatten
und genug schlafen konnten. Sie starben aber daran, dass sie keine
Beziehungen hatten.
1. Beziehungen sind ein Grundbedürfnis
Beziehungen zu haben ist ein Grundbedürfnis des Menschen.
Keiner von uns, den wir hier im Raum oder auf der Straße
dazu befragen würden, würde das bestreiten. Beziehungen
sind ein Grundbedürfnis des Menschen. Grundbedürfnis
heißt, sie sind für uns lebensnotwendig. Einem Grundbedürfnis
kann man nicht ausweichen. Essen und Schlafen sind auch Grundbedürfnisse.
Wenn ich beschließe, nichts mehr zu essen, dann spreche ich
mein eigenes Todesurteil. In dem Roman: Schlafes Bruder hat jemand
beschlossen, aus Liebe nicht mehr zu schlafen. Und die Person ist
daran gestorben. Grundbedürfnisse müssen befriedigt werden.
Ein Mensch ohne mitmenschliche Beziehungen stirbt und Beziehungen
sind wichtig, ja sogar lebensnotwendig für unser Leben.
Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei, das gilt nicht nur
für Mann und Frau, das gilt generell und:
2. Beziehungen sind eine Grundbestimmung
Du sollst den Herrn, deinen Gott lieben, von ganzem Herzen, von
ganzer Seele und mit aller deiner Kraft. Das andere aber ist dem
gleich, du sollst deinen Nächsten lieben, wie dich selbst.
An was das liegt? Nun, ich denke schlicht und ergreifend daran,
da Gott selbst ein Gott ist, der Beziehung will. Er will Beziehung
zu uns, deshalb hat er Menschen geschaffen und als seine Menschen
die Beziehung zu ihm für beendet erklärten hat er Himmel
und Erde, ja sogar seinen Sohn in Bewegung gesetzt, um die Beziehung
des Menschen zu ihm wieder zurückzugewinnen. Und wir Menschen
sind Gottes Ebenbild, sein Abbild, wie er brauchen auch wir Beziehungen.
Beziehungen sind von Gott her gesehen ein Grundbedürfnis,
ja aber sie sind nicht nur ein Grundbedürfnis, sondern eine
Grundbestimmung des Menschen. Die biblische Grundbestimmung für
uns Menschen ist neben dem Leben in der Welt, dem Herrschen über
der Welt, dem Lob und der Anerkennung Gottes, das Leben in der
Liebe, das Leben in der Beziehung.:
Der Mensch wurde von Gott in Beziehungen hineingestellt. Seine
Bestimmung ist es in Beziehungen zu leben und zwar nicht nur in
dem Sinn, dass der Mensch eben Beziehung zu anderen Menschen für
sich in Anspruch nimmt, sondern auch in dem Sinn, dass der Mensch
dazu bestimmt ist, Beziehung zu stiften.
Ja, das spannende an dem Thema Beziehungen besteht darin, dass
ja nicht nur ich Freunde, Familie und Partner brauche, sondern
die anderen brauchen ja auch mich. Ich brauche Menschen und ich
werden gebraucht. Es reicht uns nicht aus, dass Menschen einfach
um uns sind, sondern wir wollen auch gebraucht werden. Für
uns Menschen ist das Gefühl niemand zu haben genauso schlimm
wie das Gefühl: ich werde von niemand gebraucht.
Und jetzt geht´s eben los: Wie lebe ich als Mensch unter
Menschen in dem unauflösbaren Geflecht von Selber-Brauchen
und Gebraucht werden? Wie kann man Beziehungen leben?
An dieser Stelle nun merken wir allzuschnell, dass Beziehungen
nicht nur ein Grundbedürfnis und eine Grundbestimmung unseres
Lebens sind, sondern auch ein Grundübel im Leben vieler Menschen
sind.
So wenigstens ist meine Beobachtung in meinem Dienst. Grob geschätzt
möchte ich einmal behaupten, dass mehr als 50 Prozent aller
Probleme, die in der Seelsorge erörtert und besprochen werden,
Beziehungsprobleme sind.
Und nicht selten sehe ich mich in die Aufgabe gestellt, zu vermitteln
und zu dolmetschen, wenn Menschen einander missverstehen.
Manchmal kann ich das gar nicht verstehen, weil es doch gerade
Jesus, unser Herr ist, der die Liebe in unser eigenes Leben ausgießt
und auch die Liebe zwischen uns, den Kindern Gottes stiftet. Doch
das macht es vielleicht gerade auch so schwierig.
Eigentlich dürfte es offiziell in der Gemeinde Jesu, in christlichen
Ehen und Familien keine Beziehungsschwierigkeiten geben, denn:
Jesus hat uns mit Liebe beschenkt und uns die gegenseitige Liebe
geboten.
Aber gerade, weil Jesus die Liebe zwischen Geschwistern gestiftet
hat, sind Beziehungsschwierigkeiten in der Gemeinde besonders schmerzlich.
Man sollte ja eigentlich nicht einfach so auseinanderlaufen (Beispiel:
Im Fußball: Wenn es einem stinkt, dann geht er einfach, dann
wird der Trainer gefeuert, oder ein Spieler wechselt eben den Verein.
Passiert das bei uns ist das ja immer verbunden mit dem schmerzlichen
Empfinden: Das sollte, das müsste eigentlich nicht sein.
Manchmal scheint es mir gerade in den letzten Jahren auch so zu
sein, dass das Gebiet der Beziehungen in Ehen und Familien und
auch in Gemeinden das Hauptangriffsziel des Feindes Gottes sind.
Der Teufel, der ja auch diabolos = Durcheinanderbringer bezeichnet
wird legt es tatsächlich darauf an, die Gemeinde Jesu durcheinander
zu bringen. Und kann er es nicht mir Verfolgung, dann tut er es
damit, dass sich die Glieder einer Gemeinde nicht mehr gegenseitig
verstehen. Das ist nach meiner Beobachtung zum jetzigen Zeitpunkt
die Hauptgefahrenquelle und die Hauptangriffsfläche des Teufels
in unseren Ländern und Breitengraden.
Das ist nicht schwarz gemalt, sondern schlicht und ergreifend eine
Feststellung. Als wir Anfang Januar Bekannte besuchten berichteten
sie von Spannungen in ihrer Gemeinde - eine Gemeinde, wo man das
nie gedacht hätte und selbst im letzten Rundbrief von St.
Chrischona an seine hauptamtlichen Mitarbeiter räumt das Leitungsteam
ein, dass sie Schwierigkeiten auch im Blick auf die Beziehungen
untereinander haben.
Wenn ich die Letzten Jahre so bedenke, so scheint es mir, dass
der Feind zu einer Art Generalangriff bläst und gerade den
Bereich der Beziehungen untereinander besonders torpediert. Er
ist ja der Durcheinanderbringer und er hat keine größere
Freude als die, dass Menschen sich in ihren Beziehungen nicht mehr
verstehen.
Liebe Geschwister ich möchte, dass wir wach und auch aufmerksam
an dieses Thema herangehen. In einer Zeit, wo Individualismus,
Selbstverwirklichung und ich tue in erster Linie das, was mir gut
tut und etwas bringt, in einer Zeit, in der diese Werte besonders
hochgehalten und gepflegt werden wird der Bereich der Beziehungen
zu einem besonders angefochtenen Gebiet für Ehen, Familien
und die Gemeinden Jesu.
Beziehungen sind ein wichtiges Thema, sie sind ein biblisches
Thema, weil Gott Beziehung will und sie sind ein umkämpftes
Thema: Denkt doch nur kurz einmal darüber nach, wie oft schon
Menschen an euch herangetreten sind und mehr oder weniger enttäuscht
euch erzählt haben, was sie von dieser oder jener Person erlitten
und erduldet haben.
Das war der erste Block: Grundbedürfnis - Grundbestimmung
- Grundübel.
Nun wollen wir aber konkret werden, wie wir denn an unseren Beziehungen
arbeiten können. Dazu lese ich uns als erstes ein Wort von
Jesus, das uns bestimmt allen zu denken geben wird:
1. Einander dienen
Johannes 13, 12-17 lesen
Dieser Geschichte voraus geht das Ereignis, dass Jesus vor seinem
Leiden und Sterben allen seinen Jüngern die Füße
gewaschen hat - auch dem Judas.
Füße waschen, das wissen wir, war kein angenehmes Geschäft.
Zur Zeit Jesu war es die Arbeit von Knechten und Mägden. Man
hatte keine geschlossenen Schuhe und keine geteerten Straßen.
Füße waren immer schmutzig und verschwitzt und wehe,
wenn dann noch einer Schweißfüße hatte.
Jesus hatte sich zu jedem einzelnen seiner Jünger heruntergebeugt
und ihnen die Füße gewaschen. Und die Jünger -
sie saßen stumm und sprachlos da: Warum tust du das Jesus,
du bist doch der Meister - wir sind deine Knechte.
Und Jesus stellte seinen Jüngern die Frage: Verstehst ihr,
was ich euch getan habe? Das versteht ihr bezieht sich wohl darauf,
was Jesus dann im folgenden zu seinen Jüngern gesagt hat:
Joh 13,14 Wenn nun ich, euer Herr und Meister, euch die Füße
gewaschen habe, so sollt auch ihr euch untereinander die Füße
waschen.
Jesus macht es in der Gemeinde Jesu, in der Gruppe seiner Jünger
zur Pflicht einander die Füße zu waschen - Ihr seid
es schuldig - Einander die Füße waschen hängt nicht
von Lust und Sympathie und Laune ab. Unsere Pflicht umfasst die
gegenseitige Waschung der Füße in Form der gegenseitigen
Vergebung und in der Bereitschaft zum niedrigsten Dienst aneinander.
Wenn Christen zu allen Zeiten so gehandelt hätten, sehe es
in der Christenheit heute noch einmal anders aus.
Die Jünger damals waren gestört von gegenseitiger Konkurrenz
und Ehrsucht. Das war ihr Lieblingsthema und wie wir bei Matthäus
und Markus entdecken hat dieses Thema sie sogar noch beim Abendmahl
vor dem Karfreitag bewegt.
Nun weist Jesus ihnen eine völlig andere Richtung. Euer Ziel
soll nicht das herrschen sein, sondern das dienen. Euer Ziel soll
nicht das profitieren, sondern das beschenken sein. Euer Ziel soll
es nicht sein einander den Kopf zu waschen, sondern die Füße.
Es gibt Gemeinden, die in regelmäßigen Abständen
die Fußwaschung aneinander praktizieren, wo die Fußwaschung
zum Gottesdienst mit dazu gehört. Wie wäre es denn, wie
würde es euch denn gehen, wenn wir diese Sitte und Tradition
auch bei uns einführen würden. Und nun stellt euch einmal
vor, ihr würdet demjenigen, der in der Reihe hinter euch sitzt
die Füße waschen und der vor euch würde euch die
Füße waschen. Könnten wir das tun und dies annehmen?
Nun, ich habe kein heißes Wasser auf den Herd gestellt.
Aber vielleicht verstehen wird den Sinn dessen, was Jesus wollte.
Wenn jeder von uns in seiner Gesinnung darauf bedacht ist dem anderen
zu dienen
2. Miteinander reden
Beobachtung: Die meisten Beziehungsschwierigkeiten kommen von
Man redet zuwenig miteinander - Die meisten Beziehungsschwierigkeiten
beruhen auf Missverständnissen. Man kann sich selbst nicht
verständlich machen und man versteht den anderen zu wenig,
weil man zu wenig miteinander redet.
Man weiß auch schlicht und ergreifend zu wenig voneinander.
So ist das reden miteinander das A und O
Nun heißt das nicht unbedingt, dass wir zu wenig miteinander
reden. Die Frage steht nur im Raum: Welche Qualität hat unser
reden miteinander?
Bleibt es an der Oberfläche
Verbergen wir, was wir wirklich fühlen
Wollen wir nach außen ein gutes Bild abgeben
Finde ich den Mut, es sachlich anzusprechen, wenn ein Mensch mich
nicht beachtet oder nicht versteht?
Mit solcher Qualität des Redens, lassen sich viele Beziehungsprobleme
vermeiden
Spr 12,25 Sorge im Herzen bedrückt den Menschen; aber ein
freundliches Wort erfreut ihn.
Spr 15,1 Eine linde Antwort stillt den Zorn; aber ein hartes Wort
erregt Grimm.
Spr 15,23 Es ist einem Mann eine Freude, wenn er richtig antwortet,
und wie wohl tut ein Wort zur rechten Zeit!
Spr 25,11 Ein Wort, geredet zu rechter Zeit, ist wie goldene Äpfel
auf silbernen Schalen.
3. Jeder ist für seine eigenen Beziehungen
verantwortlich
Oft erlebe ich das Thema der Beziehungen so, dass Menschen zu
mir kommen und mir berichten, wie sie von diesem oder jenen nicht
verstanden, nicht beachtet oder sonst etwas werden. Oft ist das
nicht einmal persönlich an konkreten Personen fest zu machen,
sondern dann heißt es: In dieser Gemeinde....
Dann werde ich immer besonders wild: Denn wer ist denn die Gemeinde,
die Gemeinde ist doch schlicht und ergreifend eine Summe der einzelnen
Glieder. Die Gemeinde kann nicht schuld sein, sondern die Gemeinde
besteht doch aus konkreten Menschen.
Nun zunächst einmal kann ich es verstehen, wenn Menschen
so zu mir kommen.
Nur möchte ich einmal das andere auch noch zu bedenken geben.
Selten erlebe ich einen, der zu mir kommt und sagt: Ich bin diesem
oder jenem nicht Bruder oder Schwester gewesen. Oft sind es eben
die anderen, die schuld sind. Aber sind wir auch bereit nach unserem
Anteil zu fragen, nach dem zu fragen, wo wir anderen Beziehung
und Gemeinschaft schuldig geblieben sind.
Beziehungen sind nicht nur ein Problem der anderen, schon gar nicht
ein Problem einer anonymen Gemeinde, sondern sind immer, zu einem
gewissen Anteil auch mein Problem.
Ich möchte es heute Abend einmal so sagen: ich bin auch selbst
Verantwortlich dafür, wie es mir im Bereich meiner Beziehungen
geht.
Ich habe einfach die Bitte an euch: fragt doch auch einmal danach:
was ist mein Anteil und zieht euch nicht verletzt in ein Schneckenhaus
zurück, wenn ihr merkt: Im Bereich der Beziehungen erlebe
ich Schwierigkeiten.
Ausblick auf den kommenden Sonntag: Thema Verletzungen - Was tun,
wenn ich verletzt bin oder mich verletzt fühle.
Abschluss mit der Geschichte:
"Der eigentliche Glanz" aus Axel Kühner - "Hoffen wir das
beste", 25. 10.
Bei der Olympiade der Behinderten in den USA vor einigen Jahren
bewegte die wenigen Zuschauer vor allem der 400-mEndlauf der Männer.
Acht Behinderte laufen los. Sie laufen nicht elegant, aber sie
laufen, jeder mit einem anderen Handicap. Das sieht nicht so schön
aus und mancher wendet sich erschrocken ab. Doch dann schauen wieder
alle hin, als kurz vor dem Ziel der führende Läufer stürzt.
Der zweite rennt nicht vorbei, um sich den Sieg zu sichern. Er
läuft zu dem Gestürzten, richtet ihn mühsam auf,
greift unter seine Arme, schleppt ihn mit sich, und zu zweit humpeln
sie weiter. Da kommen die anderen auch schon heran, aber auch sie
laufen nun nicht an den beiden vorbei, sondern auf sie zu. Alle
greifen sich unter die Arme, den Gestürzten haben sie in der
Mitte, und so laufen und schleppen sie sich gemeinsam zum Ziel.
Unsere Gemeinden sind ähnlich. Vieles läuft nicht so
elegant und schneidig, mehr gebrochen und behindert, oft erbärmlich
anzuschauen und eher kümmerlich. Aber der Glanz und die Schönheit
unserer Gemeinden liegt nicht in unserem Können, unserer Eleganz
und Kompetenz, unserer Superform und bestechenden Cleverness, sondern
darin, dass wir Gestürzte aufheben und Behinderte annehmen
und Schwache tragen und einander helfen und lieben. In der Gemeinde
Jesu kommt es nicht darauf an, dass einer der Beste und der strahlende
Sieger ist, sondern dass alle, auch die Schwachen und Kleinen,
gemeinsam das Ziel erreichen. Der eigentliche Glanz der Gemeinde
ist ihre Liebe. |