Logo Predigt: Beziehungen I



Zwischenmenschliche Beziehungen sind Grundbedürfnis, Grundbestimmung, allzu oft leider aber auch Grundübel. Einige Tipps für Beziehungen.

Johannes 13, 12-17

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Liebe Freunde, liebe Geschwister,

die Geschichte dürfte bekannt sein und sie scheint uns heute genauso grausam wie kurios zu sein. Der Staufer - Kaiser Friedrich Barbarossa, wollte einmal nachprüfen, was mit Menschen geschieht, die ohne Beziehungen leben. So ließ er einige neugeborene Babys in einen Raum einsperren, wo sie nur gefüttert und gewickelt wurden. Sie konnten dort schlafen, aber die Pflegerinnen waren streng angewiesen, kein Wort mit den Babys zu wechseln, sie auch nicht anzulächeln, ja schlichtweg bei der Pflege zu schweigen. Es ist unschwer zu erraten, was mit diesen Kindern passierte. Sie starben innerhalb kurzer Zeit, obwohl sie genug zu essen hatten und genug schlafen konnten. Sie starben aber daran, dass sie keine Beziehungen hatten.

1. Beziehungen sind ein Grundbedürfnis

Beziehungen zu haben ist ein Grundbedürfnis des Menschen. Keiner von uns, den wir hier im Raum oder auf der Straße dazu befragen würden, würde das bestreiten. Beziehungen sind ein Grundbedürfnis des Menschen. Grundbedürfnis heißt, sie sind für uns lebensnotwendig. Einem Grundbedürfnis kann man nicht ausweichen. Essen und Schlafen sind auch Grundbedürfnisse. Wenn ich beschließe, nichts mehr zu essen, dann spreche ich mein eigenes Todesurteil. In dem Roman: Schlafes Bruder hat jemand beschlossen, aus Liebe nicht mehr zu schlafen. Und die Person ist daran gestorben. Grundbedürfnisse müssen befriedigt werden.
Ein Mensch ohne mitmenschliche Beziehungen stirbt und Beziehungen sind wichtig, ja sogar lebensnotwendig für unser Leben.
Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei, das gilt nicht nur für Mann und Frau, das gilt generell und:

2. Beziehungen sind eine Grundbestimmung

Du sollst den Herrn, deinen Gott lieben, von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit aller deiner Kraft. Das andere aber ist dem gleich, du sollst deinen Nächsten lieben, wie dich selbst.

An was das liegt? Nun, ich denke schlicht und ergreifend daran, da Gott selbst ein Gott ist, der Beziehung will. Er will Beziehung zu uns, deshalb hat er Menschen geschaffen und als seine Menschen die Beziehung zu ihm für beendet erklärten hat er Himmel und Erde, ja sogar seinen Sohn in Bewegung gesetzt, um die Beziehung des Menschen zu ihm wieder zurückzugewinnen. Und wir Menschen sind Gottes Ebenbild, sein Abbild, wie er brauchen auch wir Beziehungen. Beziehungen sind von Gott her gesehen ein Grundbedürfnis, ja aber sie sind nicht nur ein Grundbedürfnis, sondern eine Grundbestimmung des Menschen. Die biblische Grundbestimmung für uns Menschen ist neben dem Leben in der Welt, dem Herrschen über der Welt, dem Lob und der Anerkennung Gottes, das Leben in der Liebe, das Leben in der Beziehung.:

Der Mensch wurde von Gott in Beziehungen hineingestellt. Seine Bestimmung ist es in Beziehungen zu leben und zwar nicht nur in dem Sinn, dass der Mensch eben Beziehung zu anderen Menschen für sich in Anspruch nimmt, sondern auch in dem Sinn, dass der Mensch dazu bestimmt ist, Beziehung zu stiften.
Ja, das spannende an dem Thema Beziehungen besteht darin, dass ja nicht nur ich Freunde, Familie und Partner brauche, sondern die anderen brauchen ja auch mich. Ich brauche Menschen und ich werden gebraucht. Es reicht uns nicht aus, dass Menschen einfach um uns sind, sondern wir wollen auch gebraucht werden. Für uns Menschen ist das Gefühl niemand zu haben genauso schlimm wie das Gefühl: ich werde von niemand gebraucht.
Und jetzt geht´s eben los: Wie lebe ich als Mensch unter Menschen in dem unauflösbaren Geflecht von Selber-Brauchen und Gebraucht werden? Wie kann man Beziehungen leben?

An dieser Stelle nun merken wir allzuschnell, dass Beziehungen nicht nur ein Grundbedürfnis und eine Grundbestimmung unseres Lebens sind, sondern auch ein Grundübel im Leben vieler Menschen sind.
So wenigstens ist meine Beobachtung in meinem Dienst. Grob geschätzt möchte ich einmal behaupten, dass mehr als 50 Prozent aller Probleme, die in der Seelsorge erörtert und besprochen werden, Beziehungsprobleme sind.
Und nicht selten sehe ich mich in die Aufgabe gestellt, zu vermitteln und zu dolmetschen, wenn Menschen einander missverstehen.

Manchmal kann ich das gar nicht verstehen, weil es doch gerade Jesus, unser Herr ist, der die Liebe in unser eigenes Leben ausgießt und auch die Liebe zwischen uns, den Kindern Gottes stiftet. Doch das macht es vielleicht gerade auch so schwierig.

Eigentlich dürfte es offiziell in der Gemeinde Jesu, in christlichen Ehen und Familien keine Beziehungsschwierigkeiten geben, denn: Jesus hat uns mit Liebe beschenkt und uns die gegenseitige Liebe geboten.
Aber gerade, weil Jesus die Liebe zwischen Geschwistern gestiftet hat, sind Beziehungsschwierigkeiten in der Gemeinde besonders schmerzlich. Man sollte ja eigentlich nicht einfach so auseinanderlaufen (Beispiel: Im Fußball: Wenn es einem stinkt, dann geht er einfach, dann wird der Trainer gefeuert, oder ein Spieler wechselt eben den Verein. Passiert das bei uns ist das ja immer verbunden mit dem schmerzlichen Empfinden: Das sollte, das müsste eigentlich nicht sein.

Manchmal scheint es mir gerade in den letzten Jahren auch so zu sein, dass das Gebiet der Beziehungen in Ehen und Familien und auch in Gemeinden das Hauptangriffsziel des Feindes Gottes sind. Der Teufel, der ja auch diabolos = Durcheinanderbringer bezeichnet wird legt es tatsächlich darauf an, die Gemeinde Jesu durcheinander zu bringen. Und kann er es nicht mir Verfolgung, dann tut er es damit, dass sich die Glieder einer Gemeinde nicht mehr gegenseitig verstehen. Das ist nach meiner Beobachtung zum jetzigen Zeitpunkt die Hauptgefahrenquelle und die Hauptangriffsfläche des Teufels in unseren Ländern und Breitengraden.
Das ist nicht schwarz gemalt, sondern schlicht und ergreifend eine Feststellung. Als wir Anfang Januar Bekannte besuchten berichteten sie von Spannungen in ihrer Gemeinde - eine Gemeinde, wo man das nie gedacht hätte und selbst im letzten Rundbrief von St. Chrischona an seine hauptamtlichen Mitarbeiter räumt das Leitungsteam ein, dass sie Schwierigkeiten auch im Blick auf die Beziehungen untereinander haben.

Wenn ich die Letzten Jahre so bedenke, so scheint es mir, dass der Feind zu einer Art Generalangriff bläst und gerade den Bereich der Beziehungen untereinander besonders torpediert. Er ist ja der Durcheinanderbringer und er hat keine größere Freude als die, dass Menschen sich in ihren Beziehungen nicht mehr verstehen.
Liebe Geschwister ich möchte, dass wir wach und auch aufmerksam an dieses Thema herangehen. In einer Zeit, wo Individualismus, Selbstverwirklichung und ich tue in erster Linie das, was mir gut tut und etwas bringt, in einer Zeit, in der diese Werte besonders hochgehalten und gepflegt werden wird der Bereich der Beziehungen zu einem besonders angefochtenen Gebiet für Ehen, Familien und die Gemeinden Jesu.

Beziehungen sind ein wichtiges Thema, sie sind ein biblisches Thema, weil Gott Beziehung will und sie sind ein umkämpftes Thema: Denkt doch nur kurz einmal darüber nach, wie oft schon Menschen an euch herangetreten sind und mehr oder weniger enttäuscht euch erzählt haben, was sie von dieser oder jener Person erlitten und erduldet haben.

Das war der erste Block: Grundbedürfnis - Grundbestimmung - Grundübel.
Nun wollen wir aber konkret werden, wie wir denn an unseren Beziehungen arbeiten können. Dazu lese ich uns als erstes ein Wort von Jesus, das uns bestimmt allen zu denken geben wird:

1. Einander dienen

Johannes 13, 12-17 lesen
Dieser Geschichte voraus geht das Ereignis, dass Jesus vor seinem Leiden und Sterben allen seinen Jüngern die Füße gewaschen hat - auch dem Judas.
Füße waschen, das wissen wir, war kein angenehmes Geschäft. Zur Zeit Jesu war es die Arbeit von Knechten und Mägden. Man hatte keine geschlossenen Schuhe und keine geteerten Straßen. Füße waren immer schmutzig und verschwitzt und wehe, wenn dann noch einer Schweißfüße hatte.
Jesus hatte sich zu jedem einzelnen seiner Jünger heruntergebeugt und ihnen die Füße gewaschen. Und die Jünger - sie saßen stumm und sprachlos da: Warum tust du das Jesus, du bist doch der Meister - wir sind deine Knechte.
Und Jesus stellte seinen Jüngern die Frage: Verstehst ihr, was ich euch getan habe? Das versteht ihr bezieht sich wohl darauf, was Jesus dann im folgenden zu seinen Jüngern gesagt hat:

Joh 13,14 Wenn nun ich, euer Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, so sollt auch ihr euch untereinander die Füße waschen.
Jesus macht es in der Gemeinde Jesu, in der Gruppe seiner Jünger zur Pflicht einander die Füße zu waschen - Ihr seid es schuldig - Einander die Füße waschen hängt nicht von Lust und Sympathie und Laune ab. Unsere Pflicht umfasst die gegenseitige Waschung der Füße in Form der gegenseitigen Vergebung und in der Bereitschaft zum niedrigsten Dienst aneinander. Wenn Christen zu allen Zeiten so gehandelt hätten, sehe es in der Christenheit heute noch einmal anders aus.
Die Jünger damals waren gestört von gegenseitiger Konkurrenz und Ehrsucht. Das war ihr Lieblingsthema und wie wir bei Matthäus und Markus entdecken hat dieses Thema sie sogar noch beim Abendmahl vor dem Karfreitag bewegt.
Nun weist Jesus ihnen eine völlig andere Richtung. Euer Ziel soll nicht das herrschen sein, sondern das dienen. Euer Ziel soll nicht das profitieren, sondern das beschenken sein. Euer Ziel soll es nicht sein einander den Kopf zu waschen, sondern die Füße.

Es gibt Gemeinden, die in regelmäßigen Abständen die Fußwaschung aneinander praktizieren, wo die Fußwaschung zum Gottesdienst mit dazu gehört. Wie wäre es denn, wie würde es euch denn gehen, wenn wir diese Sitte und Tradition auch bei uns einführen würden. Und nun stellt euch einmal vor, ihr würdet demjenigen, der in der Reihe hinter euch sitzt die Füße waschen und der vor euch würde euch die Füße waschen. Könnten wir das tun und dies annehmen?

Nun, ich habe kein heißes Wasser auf den Herd gestellt. Aber vielleicht verstehen wird den Sinn dessen, was Jesus wollte. Wenn jeder von uns in seiner Gesinnung darauf bedacht ist dem anderen zu dienen

2. Miteinander reden

Beobachtung: Die meisten Beziehungsschwierigkeiten kommen von Man redet zuwenig miteinander - Die meisten Beziehungsschwierigkeiten beruhen auf Missverständnissen. Man kann sich selbst nicht verständlich machen und man versteht den anderen zu wenig, weil man zu wenig miteinander redet.
Man weiß auch schlicht und ergreifend zu wenig voneinander.
So ist das reden miteinander das A und O
Nun heißt das nicht unbedingt, dass wir zu wenig miteinander reden. Die Frage steht nur im Raum: Welche Qualität hat unser reden miteinander?

Bleibt es an der Oberfläche
Verbergen wir, was wir wirklich fühlen
Wollen wir nach außen ein gutes Bild abgeben
Finde ich den Mut, es sachlich anzusprechen, wenn ein Mensch mich nicht beachtet oder nicht versteht?

Mit solcher Qualität des Redens, lassen sich viele Beziehungsprobleme vermeiden

Spr 12,25 Sorge im Herzen bedrückt den Menschen; aber ein freundliches Wort erfreut ihn.
Spr 15,1 Eine linde Antwort stillt den Zorn; aber ein hartes Wort erregt Grimm.
Spr 15,23 Es ist einem Mann eine Freude, wenn er richtig antwortet, und wie wohl tut ein Wort zur rechten Zeit!
Spr 25,11 Ein Wort, geredet zu rechter Zeit, ist wie goldene Äpfel auf silbernen Schalen.

3. Jeder ist für seine eigenen Beziehungen verantwortlich

Oft erlebe ich das Thema der Beziehungen so, dass Menschen zu mir kommen und mir berichten, wie sie von diesem oder jenen nicht verstanden, nicht beachtet oder sonst etwas werden. Oft ist das nicht einmal persönlich an konkreten Personen fest zu machen, sondern dann heißt es: In dieser Gemeinde....
Dann werde ich immer besonders wild: Denn wer ist denn die Gemeinde, die Gemeinde ist doch schlicht und ergreifend eine Summe der einzelnen Glieder. Die Gemeinde kann nicht schuld sein, sondern die Gemeinde besteht doch aus konkreten Menschen.

Nun zunächst einmal kann ich es verstehen, wenn Menschen so zu mir kommen.
Nur möchte ich einmal das andere auch noch zu bedenken geben. Selten erlebe ich einen, der zu mir kommt und sagt: Ich bin diesem oder jenem nicht Bruder oder Schwester gewesen. Oft sind es eben die anderen, die schuld sind. Aber sind wir auch bereit nach unserem Anteil zu fragen, nach dem zu fragen, wo wir anderen Beziehung und Gemeinschaft schuldig geblieben sind.
Beziehungen sind nicht nur ein Problem der anderen, schon gar nicht ein Problem einer anonymen Gemeinde, sondern sind immer, zu einem gewissen Anteil auch mein Problem.
Ich möchte es heute Abend einmal so sagen: ich bin auch selbst Verantwortlich dafür, wie es mir im Bereich meiner Beziehungen geht.
Ich habe einfach die Bitte an euch: fragt doch auch einmal danach: was ist mein Anteil und zieht euch nicht verletzt in ein Schneckenhaus zurück, wenn ihr merkt: Im Bereich der Beziehungen erlebe ich Schwierigkeiten.

Ausblick auf den kommenden Sonntag: Thema Verletzungen - Was tun, wenn ich verletzt bin oder mich verletzt fühle.

Abschluss mit der Geschichte:
"Der eigentliche Glanz" aus Axel Kühner - "Hoffen wir das beste", 25. 10.
Bei der Olympiade der Behinderten in den USA vor einigen Jahren bewegte die wenigen Zuschauer vor allem der 400-mEndlauf der Männer. Acht Behinderte laufen los. Sie laufen nicht elegant, aber sie laufen, jeder mit einem anderen Handicap. Das sieht nicht so schön aus und mancher wendet sich erschrocken ab. Doch dann schauen wieder alle hin, als kurz vor dem Ziel der führende Läufer stürzt. Der zweite rennt nicht vorbei, um sich den Sieg zu sichern. Er läuft zu dem Gestürzten, richtet ihn mühsam auf, greift unter seine Arme, schleppt ihn mit sich, und zu zweit humpeln sie weiter. Da kommen die anderen auch schon heran, aber auch sie laufen nun nicht an den beiden vorbei, sondern auf sie zu. Alle greifen sich unter die Arme, den Gestürzten haben sie in der Mitte, und so laufen und schleppen sie sich gemeinsam zum Ziel.

Unsere Gemeinden sind ähnlich. Vieles läuft nicht so elegant und schneidig, mehr gebrochen und behindert, oft erbärmlich anzuschauen und eher kümmerlich. Aber der Glanz und die Schönheit unserer Gemeinden liegt nicht in unserem Können, unserer Eleganz und Kompetenz, unserer Superform und bestechenden Cleverness, sondern darin, dass wir Gestürzte aufheben und Behinderte annehmen und Schwache tragen und einander helfen und lieben. In der Gemeinde Jesu kommt es nicht darauf an, dass einer der Beste und der strahlende Sieger ist, sondern dass alle, auch die Schwachen und Kleinen, gemeinsam das Ziel erreichen. Der eigentliche Glanz der Gemeinde ist ihre Liebe.