Logo Predigt: Jakob der Gauner 1



Ein Mann ist ein Pionier. Er erfindet etwas, er entdeckt etwas, er gründet eine kleine Firma, einen kleinen Betrieb, er baut ihn auf im Schweiße seines Angesichts mit dem Einsatz seiner ganzen Kraft...

1. Mose 28, 10-22

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Liebe Gemeinde, liebe Freunde,

oft schon hat die Geschichte so etwas erlebt.
Ein Mann ist ein Pionier. Er erfindet etwas, er entdeckt etwas, er gründet eine kleine Firma, einen kleinen Betrieb, er baut ihn auf im Schweiße seines Angesichts mit dem Einsatz seiner ganzen Kraft. Er geht auf in diesem seinem Lebenswerk und bringt es bis zu einer ansehnlichen Größe. Unzählige Male so passiert. Einen kleinen Maschinenbaubetrieb, eine Eisenhütte (Krupp), einen Lebensmittelkonzern (Dr. Oetker).
Die nachfolgende Generation, der Sohn, übernimmt das Werk. Er kommt nach langer und intensiver Ausbildung in ein gemachtes Nest, und es mag ihm gelingen, den Betrieb weiter auszubauen und richtig groß zu machen.
Und sein Sohn, der Enkel, er hat die Mühen der Aufbauzeit nicht mehr miterlebt ist oft genug ein verwöhntes Wohlstandskind. Er kommt oft in diesem ererbten Betrieb nicht zu recht. Es wird ein Geschäftsführer eingesetzt oder wenn es schlimm kommt, der Enkel richtet den Betrieb mit einer unvernünftigen Geschäftspolitik zugrunde. Schon viele Firmen sind in der dritten Generation gescheitert. Das ist kein Gesetz der Meder und Perser. Das ist nicht immer so, aber das konnte man oft schon so beobachten.

Ein bißchen hat das Ganze auch eine Entsprechung in der Bibel. Nicht ganz so, aber doch in weiten Teilen so. Und zwar in der Geschichte der Väter, in der Geschichte Abrahams, Isaaks und Jakobs.
Abraham, Isaak und Jakob bilden drei unterschiedliche Generationen. Die Bibel zeigt uns deutlich, dass Abraham der Pionier war und Gott mit ihm den Bund geschlossen hatte. Es wird uns ebenso deutlich gemacht, dass er durch seinen Glauben gerecht war. Abraham war der Arbeiter und er hat das Werk vorangebracht. Danach kam sein Sohn Isaak. Über ihn müssen wir uns schon wundern, denn er war ganz anders als sein Vater Abraham. Ihm fiel alles in den Schoss, selbst um eine Frau musste er sich nicht kümmern. So war er nachher nicht einmal in der Lage den richtigen Sohn zu segnen. Er war gesegnet, aber er konnte nicht segnen. So sehen wir, dass sein Sohn Jakob absolut nicht der ist, der doch ein Vater für Israel sein könnte. Jakob war ein Schlitzohr und ein Fersenhalter, ein Betrüger und ein gerissener Bursche, dazu ein Muttersöhnchen und einer, der gerne im gemachten Nest saß. Durch und durch einer, der das Erbe hätte verspielen können, wenn da nicht Gott gewesen wäre, der rettend und helfend und zurechtbringend in das Leben eines Jakobs eingegriffen hätte, so daß er zum Schluß seines Lebens ein Mann wurde, der sogar den Pharao von Ägypten gesegnet hat.
Jakob - seine Lebensgeschichte ist eine absolut faszinierende und wir wollen sie an zwei Sonntagen miteinander betrachten.

1. Jakob - der Gauner

Wie so oft in der Vätergeschichte Israels waren Esau und Jakob lang herbeigesehnte und erbetene Söhne ihrer Eltern. 40-jährig heiratetet Isaak die Rebekka, 60-jährig wurden ihm die Zwillingsbrüder Esau und Jakob geboren. Dazwischen lagen zwei Jahrzehnte des Hoffens und Bangens, des Klagens und des Bittens. Doch schon im Mutterleibe begann bei den beiden, was später eine lange und notvolle Geschichte wurden. Die Babys stießen einander, einer ließ den anderen nicht in Ruhe. Schon im Mutterleibe entbrannte der Kampf, wer von den beiden wird der Erste sein? Rebekka war darüber in Unruhe. Hatte sie Angst vor einer Fehlgeburt? Fürchtete sie um ihr eigenes Leben bei der Geburt, hatte sie Angst vor dem Schicksal der noch ungeborenen? Sie befragt Gott und bekam zur Antwort:
1Mo 25,23 Und der HERRN sprach zu ihr: Zwei Völker sind in deinem Leibe, und zweierlei Volk wird sich scheiden aus deinem Leibe; und ein Volk wird dem andern überlegen sein, und der Ältere wird dem Jüngeren dienen.
Der Tag der Geburt kam und Rebekka brachte Zwillinge zur Welt. Das war in der damaligen Zeit etwas ganz besonderes und ich wüßte sonst keine Mutter in der Bibel, die Zwillinge zur Welt gebracht hätte. Esau wurde zuerst geboren, dann kam Jakob zum Vorschein. Die Hand zuerst wie wenn er den Bruder noch an der Ferse festhalten wollte. Jakob sein Name hat viele Bedeutungsvarianten. Sein Name läßt vieles anklingen: Gott möge beschützen - Ferse - Fersenschleicher - Überlister.

Die zwei entwickelten sich völlig verschieden. Esau wurde Jäger, lebte wild und meist draußen im freien Felde. Ein rauhes Leben. Aber Isaak war vom Ertrag seiner Beute fasziniert. Jakob lebte gesittet und friedlich bei den Zelten. Er war hineingebunden in das Gemeinschaftsleben dieser Nomaden, was Rebekka besonders gefiel.
Sehr harmonisch schien die Ehe der beiden nicht gewesen zu sein. Jeder bevorzugte einen anderen der Söhne. Als Isaak später Altersblind wurde hilft Rebekka, dass ihr Mann übertölpelt wird. Wer zwischen den Zeilen liest spürt, dass Isaak und Rebekka nicht die beste Ehe geführt haben müssen.

Und was erfahren wir von Jakob. Der ach so friedlich bei den Zelten lebende Jakob war gar nicht so friedlich, wie man meinen könnte. Sein Sehnen war, die Liebe und Akzeptanz seines Vaters zu erhalten. Doch dieser liebte den Esau.. Aus dem Mangel des Segens heraus wird Jakob eigenwillig. Sein Streben ist es dabei, dass er gerade diese Verbindung und Akzeptanz des Vaters erhält. Und Jakob dreht in seiner Sehnsucht nach Segen und Anerkennung ein krummes Ding nach dem anderen.

Zuerst nutz er eine schwache und hungrige Stunde seines Bruders Esau schamlos aus und kauft ihm für eine Suppe das Erstgeburtsrecht - ein Vermögen ab. Dann erschleicht er sich auf fiese Art den Segen und belügt seinen Vater und betrügt seinen Bruder.

Danach waren Jakob und Esau endgültig Feinde geworden- im hebräischen Urtext heißt es: "Esau wurde für den Jakob zum Satan". Esau hatte für sich beschlossen, Jakob umzubringen und wollte nur noch den Tod seines Vaters abwarten. Rebekka hört davon und rät Jakob zur Flucht. Sie hoffte Jakob bald wieder zurückrufen zu können, doch ihre Rechnung ging nicht auf. Jakob kehrte erst 20 Jahre später wieder zurück. Sie war in der Zwischenzeit gestorben und Isaak war noch am Leben. Was ihr in der restlichen zeit ihres Lebens blieb, war ein blinder Mann, der Haß Esaus und den Kummer mit den kanaanäischen Schwiegertöchtern.

Eine ganz und gar verfahrene Familiensituation und das alles in Gottes heiliger Familie. Das alles in der Familie, durch die Gott die ganze Welt segnen will. Wie menschlich geht es zu und wie groß ist Gott, dass er hieraus noch etwas macht?
Ja und Gott machte noch etwas daraus, weil Gott das Leben eines Jakobs nicht losgelassen hat. Gott formte Jakob zu einem Mann seines Herzens, doch dazu brauchte er Jahre, ja sogar Jahrzehnte. Aber Gott hat das geschafft. Auch bei diesem eigenwilligen Jakob ist Gott später zu seinem Ziel gekommen und das fasziniert mich an dieser seiner Geschichte.

Und liebe Freunde, das steht auch ganz groß über unserem Leben. Die Wege unseres Lebens können sein wie sie wollen. Unscheinbar und harmlos oder leidend und voller Klage. Durchzogen von immer wiederkehrender Sünde und Ungehorsam gegenüber Gott oder gefüllt von großer Sehnsucht Gott zu gehören und ihm zu dienen. Wir können aus ordentlichen oder chaotischen Familienverhältnissen kommen, aus glücklichen oder mühevollen Ehen. In unserem Leben kann schon ganz viel gelaufen sein oder es kann nichts mehr darin laufen. Gott möchte in und mit dir seinen Plan mit deinem Leben zu seinem Ziel bringen. Sein Plan heißt: Gott soll durch dein Leben verherrlicht werden.
Ja das hat Gott mit dir vor. Er will durch dein Leben groß gemacht und geehrt werden. Du kannst stehen, wo du willst. Mit deinem Leben hat Gott noch etwas vor. Haben wir nicht einen großartigen Gott? Das ist es auch, was die Bibel Gnade nennt.
Jakob wollte in seinem Leben Gottes Ziele, Erfolg und Segen selber erreichen. Er hat es selbst in die Hand genommen, seines Glückes Schmied zu sein. Er hat in seinem Leben den Autopiloten eingeschaltet. Dadurch hat er sich in manche Schwierigkeit und auf manchen Umweg begeben. Aber am Schluß seines Lebens hat Gott es mit ihm geschafft, dass er eingeordnet war in die Segenslinie der Erzväter Israels.
Könnt ihr verstehen, dass mich diese Geschichte begeistert, ja fasziniert.

Text lesen: 1. Mose 28, 10-22

Es war Nacht geworden im Leben des Jakobs. Seine Träume vom Boß eines großen Clans waren wie ein Kartenhaus zusammengefallen. Er war auf der Flucht und das hatte seinen Grund.
Er ist ein Mann mit Vergangenheit. Dieser dunklen, unbewältigten Vergangenheit versucht er zu entkommen. So einer geht Gott lieber aus dem Weg. Wir wissen das, wenn wir's nicht schon an uns selber gespürt haben, aus anderen biblischen Geschichten: Einer mit ungeklärter, drückender Vergangenheit hat kaum Lust zum Beten und zum Gottesdienst.
Nun muß er eine Erfahrung machen, die wir auch kennen: daß man nämlich seine Vergangenheit nicht so einfach abschütteln kann wie eine lästige Fliege im Gesicht! Wer eine Beziehung, die er kaputtgemacht hat, nicht zu klären versucht, wer eine unbereinigte Vergangenheit loswerden will, indem er vor ihr davonläuft - der schleppt sie in Wahrheit mit sich, in eine unberechenbare, bedrohliche Zukunft. Tief ist der Brunnen der Vergangenheit: mit diesem einfachen und denkwürdigen Satz beginnt Thomas Manns monumentaler Roman "Josef und seine Brüder", in dem auch die Geschichte Jakobs breit erzählt wird.
In dieser desaströsen Lage wird Jakob ganz unerwartet mit Gott konfrontiert. Beim Einbruch der Dunkelheit, in der Trostlosigkeit der Wüste unter freiem Himmel, als der gehetzte Betrüger todmüde ist. Alles andere als ein passendes Ambiente für eine tiefgehende Gottesbegegnung.
Sein Kopf sucht die Ruhe, aber sein Gewissen und das verfahrene Leben schreit weiter. Er nimmt einen Stein um sich dahinter zu schützen. Gerade mal eine Tagesreise seiner 1250 km langen Flucht ist vorbei.
Und dann hat er diesen wunderbaren Traum, in dem Gott ihm sagt: Ich bin da, ich bin bei Dir und ich begleite dich. Ich bin und bleibe der Gott deiner Väter Abraham und Isaak, auch wenn du vieles in deinem Leben vermurkst hast. Du mußt dir den Segen nicht erschleichen und erschwindeln. Ich will dich segnen. Ich will dich mehren. Ich will dir das Land geben.
Und darin dann eingebunden diese wahnsinnige Verheissung an Jakob, die ihn in den folgenden 20 Jahren seines Lebens begleitete und nicht mehr los ließ:
1Mo 28,15 Und siehe, ich bin mit dir und will dich behüten, wo du hinziehst, und will dich wieder herbringen in dies Land. Denn ich will dich nicht verlassen, bis ich alles tue, was ich dir zugesagt habe.
In diesem Wort wird deutlich, dass Gott mit seinen Leuten einen Plan hat, den er trotz all ihres Versagens hinausführt. Das gibt Perspektiven für den nächsten Schritt. Gott tut, was er zusagt. Das ist Gottes Treue.
Hier verspricht der Herr dem Jakob den wahren Segen über ihn und sein Leben. Und Jakob erkennt diesen Segen und auch die Stimme des Herrn und so geschieht in seinem Leben die erste Veränderung. Hier wird deutlich gemacht, dass es einen Unterschied zum menschlichen und zum göttlichen Segen gibt. Jakob haschte immer nach dem menschlichen Segen und die Anerkennung, doch er bekommt sie jetzt erst als Gott ihm begegnet. Möge der Herr uns auch so begegnen, dass wir seinen Segen in unser Leben erfahren und uns nach ihm ausstrecken.

Liebe Freunde. Was war Jakob für ein Gauner und was haben wir für einen treuen Gott. Wenn wir uns doch das merken könnten von diesem Leben. Noch ist ein Jakob nicht am Ziel und noch lange nicht ist Gott mit einem Jakob am Ziel.
Für mich kaum zu fassen ist die Unverfrorenheit mit der Jakob Gott antwortet. Denn nach dieser überwältigenden Gottesbegegnung fängt Jakob an mit Gott zu handeln:
1Mo 28,20 Und Jakob tat ein Gelübde und sprach: Wird Gott mit mir sein und mich behüten auf dem Wege, den ich reise, und mir Brot zu essen geben und Kleider anzuziehen
1Mo 28,21 und mich mit Frieden wieder heim zu meinem Vater bringen, so soll der HERR mein Gott sein.
1Mo 28,22 Und dieser Stein, den ich aufgerichtet habe zu einem Steinmal, soll ein Gotteshaus werden; und von allem, was du mir gibst, will ich dir den Zehnten geben.
Erst dann Gott, wenn du das wahr gemacht hast, was du mir versprochen hast, sollst du mein Gott sein und ich will dir den Segen geben. Ja Diese Begegnung in Bethel im Leben eines Jakobs hat ihn noch nicht vollständig verändert. Noch immer war er der Listige und der Händler. Aber es war ein Anfang gemacht. Ein guter Anfang

Darf Gott auch zu Beginn dieses neuen Jahres solch einen Anfang in deinem Leben setzen? Und setzt du solch einen Anfang mit ihm. Ja Gott hat mit deinem Leben in diesem Jahr noch etwas vor.

Amen