
  |
Liebe Gemeinde, liebe Freunde,
oft schon hat die Geschichte so etwas erlebt.
Ein Mann ist ein Pionier. Er erfindet etwas, er entdeckt etwas, er gründet
eine kleine Firma, einen kleinen Betrieb, er baut ihn auf im Schweiße
seines Angesichts mit dem Einsatz seiner ganzen Kraft. Er geht auf in
diesem seinem Lebenswerk und bringt es bis zu einer ansehnlichen Größe.
Unzählige Male so passiert. Einen kleinen Maschinenbaubetrieb, eine
Eisenhütte (Krupp), einen Lebensmittelkonzern (Dr. Oetker).
Die nachfolgende Generation, der Sohn, übernimmt das Werk. Er kommt
nach langer und intensiver Ausbildung in ein gemachtes Nest, und es mag
ihm gelingen, den Betrieb weiter auszubauen und richtig groß zu
machen.
Und sein Sohn, der Enkel, er hat die Mühen der Aufbauzeit nicht
mehr miterlebt ist oft genug ein verwöhntes Wohlstandskind. Er kommt
oft in diesem ererbten Betrieb nicht zu recht. Es wird ein Geschäftsführer
eingesetzt oder wenn es schlimm kommt, der Enkel richtet den Betrieb
mit einer unvernünftigen Geschäftspolitik zugrunde. Schon viele
Firmen sind in der dritten Generation gescheitert. Das ist kein Gesetz
der Meder und Perser. Das ist nicht immer so, aber das konnte man oft
schon so beobachten.
Ein bißchen hat das Ganze auch eine Entsprechung in der Bibel.
Nicht ganz so, aber doch in weiten Teilen so. Und zwar in der Geschichte
der Väter, in der Geschichte Abrahams, Isaaks und Jakobs.
Abraham, Isaak und Jakob bilden drei unterschiedliche Generationen. Die
Bibel zeigt uns deutlich, dass Abraham der Pionier war und Gott mit ihm
den Bund geschlossen hatte. Es wird uns ebenso deutlich gemacht, dass
er durch seinen Glauben gerecht war. Abraham war der Arbeiter und er
hat das Werk vorangebracht. Danach kam sein Sohn Isaak. Über ihn
müssen wir uns schon wundern, denn er war ganz anders als sein Vater
Abraham. Ihm fiel alles in den Schoss, selbst um eine Frau musste er
sich nicht kümmern. So war er nachher nicht einmal in der Lage den
richtigen Sohn zu segnen. Er war gesegnet, aber er konnte nicht segnen.
So sehen wir, dass sein Sohn Jakob absolut nicht der ist, der doch ein
Vater für Israel sein könnte. Jakob war ein Schlitzohr und
ein Fersenhalter, ein Betrüger und ein gerissener Bursche, dazu
ein Muttersöhnchen und einer, der gerne im gemachten Nest saß.
Durch und durch einer, der das Erbe hätte verspielen können,
wenn da nicht Gott gewesen wäre, der rettend und helfend und zurechtbringend
in das Leben eines Jakobs eingegriffen hätte, so daß er zum
Schluß seines Lebens ein Mann wurde, der sogar den Pharao von Ägypten
gesegnet hat.
Jakob - seine Lebensgeschichte ist eine absolut faszinierende und wir
wollen sie an zwei Sonntagen miteinander betrachten.
1. Jakob - der Gauner
Wie so oft in der Vätergeschichte Israels waren Esau und Jakob
lang herbeigesehnte und erbetene Söhne ihrer Eltern. 40-jährig
heiratetet Isaak die Rebekka, 60-jährig wurden ihm die Zwillingsbrüder
Esau und Jakob geboren. Dazwischen lagen zwei Jahrzehnte des Hoffens
und Bangens, des Klagens und des Bittens. Doch schon im Mutterleibe begann
bei den beiden, was später eine lange und notvolle Geschichte wurden.
Die Babys stießen einander, einer ließ den anderen nicht
in Ruhe. Schon im Mutterleibe entbrannte der Kampf, wer von den beiden
wird der Erste sein? Rebekka war darüber in Unruhe. Hatte sie Angst
vor einer Fehlgeburt? Fürchtete sie um ihr eigenes Leben bei der
Geburt, hatte sie Angst vor dem Schicksal der noch ungeborenen? Sie befragt
Gott und bekam zur Antwort:
1Mo 25,23 Und der HERRN sprach zu ihr: Zwei Völker sind in deinem
Leibe, und zweierlei Volk wird sich scheiden aus deinem Leibe; und ein
Volk wird dem andern überlegen sein, und der Ältere wird dem
Jüngeren dienen.
Der Tag der Geburt kam und Rebekka brachte Zwillinge zur Welt. Das war
in der damaligen Zeit etwas ganz besonderes und ich wüßte
sonst keine Mutter in der Bibel, die Zwillinge zur Welt gebracht hätte.
Esau wurde zuerst geboren, dann kam Jakob zum Vorschein. Die Hand zuerst
wie wenn er den Bruder noch an der Ferse festhalten wollte. Jakob sein
Name hat viele Bedeutungsvarianten. Sein Name läßt vieles
anklingen: Gott möge beschützen - Ferse - Fersenschleicher
- Überlister.
Die zwei entwickelten sich völlig verschieden. Esau wurde Jäger,
lebte wild und meist draußen im freien Felde. Ein rauhes Leben.
Aber Isaak war vom Ertrag seiner Beute fasziniert. Jakob lebte gesittet
und friedlich bei den Zelten. Er war hineingebunden in das Gemeinschaftsleben
dieser Nomaden, was Rebekka besonders gefiel.
Sehr harmonisch schien die Ehe der beiden nicht gewesen zu sein. Jeder
bevorzugte einen anderen der Söhne. Als Isaak später Altersblind
wurde hilft Rebekka, dass ihr Mann übertölpelt wird. Wer zwischen
den Zeilen liest spürt, dass Isaak und Rebekka nicht die beste Ehe
geführt haben müssen.
Und was erfahren wir von Jakob. Der ach so friedlich bei den Zelten
lebende Jakob war gar nicht so friedlich, wie man meinen könnte.
Sein Sehnen war, die Liebe und Akzeptanz seines Vaters zu erhalten. Doch
dieser liebte den Esau.. Aus dem Mangel des Segens heraus wird Jakob
eigenwillig. Sein Streben ist es dabei, dass er gerade diese Verbindung
und Akzeptanz des Vaters erhält. Und Jakob dreht in seiner Sehnsucht
nach Segen und Anerkennung ein krummes Ding nach dem anderen.
Zuerst nutz er eine schwache und hungrige Stunde seines Bruders Esau
schamlos aus und kauft ihm für eine Suppe das Erstgeburtsrecht -
ein Vermögen ab. Dann erschleicht er sich auf fiese Art den Segen
und belügt seinen Vater und betrügt seinen Bruder.
Danach waren Jakob und Esau endgültig Feinde geworden- im hebräischen
Urtext heißt es: "Esau wurde für den Jakob zum Satan".
Esau hatte für sich beschlossen, Jakob umzubringen und wollte nur
noch den Tod seines Vaters abwarten. Rebekka hört davon und rät
Jakob zur Flucht. Sie hoffte Jakob bald wieder zurückrufen zu können,
doch ihre Rechnung ging nicht auf. Jakob kehrte erst 20 Jahre später
wieder zurück. Sie war in der Zwischenzeit gestorben und Isaak war
noch am Leben. Was ihr in der restlichen zeit ihres Lebens blieb, war
ein blinder Mann, der Haß Esaus und den Kummer mit den kanaanäischen
Schwiegertöchtern.
Eine ganz und gar verfahrene Familiensituation und das alles in Gottes
heiliger Familie. Das alles in der Familie, durch die Gott die ganze
Welt segnen will. Wie menschlich geht es zu und wie groß ist Gott,
dass er hieraus noch etwas macht?
Ja und Gott machte noch etwas daraus, weil Gott das Leben eines Jakobs
nicht losgelassen hat. Gott formte Jakob zu einem Mann seines Herzens,
doch dazu brauchte er Jahre, ja sogar Jahrzehnte. Aber Gott hat das geschafft.
Auch bei diesem eigenwilligen Jakob ist Gott später zu seinem Ziel
gekommen und das fasziniert mich an dieser seiner Geschichte.
Und liebe Freunde, das steht auch ganz groß über unserem
Leben. Die Wege unseres Lebens können sein wie sie wollen. Unscheinbar
und harmlos oder leidend und voller Klage. Durchzogen von immer wiederkehrender
Sünde und Ungehorsam gegenüber Gott oder gefüllt von großer
Sehnsucht Gott zu gehören und ihm zu dienen. Wir können aus
ordentlichen oder chaotischen Familienverhältnissen kommen, aus
glücklichen oder mühevollen Ehen. In unserem Leben kann schon
ganz viel gelaufen sein oder es kann nichts mehr darin laufen. Gott möchte
in und mit dir seinen Plan mit deinem Leben zu seinem Ziel bringen. Sein
Plan heißt: Gott soll durch dein Leben verherrlicht werden.
Ja das hat Gott mit dir vor. Er will durch dein Leben groß gemacht
und geehrt werden. Du kannst stehen, wo du willst. Mit deinem Leben hat
Gott noch etwas vor. Haben wir nicht einen großartigen Gott? Das
ist es auch, was die Bibel Gnade nennt.
Jakob wollte in seinem Leben Gottes Ziele, Erfolg und Segen selber erreichen.
Er hat es selbst in die Hand genommen, seines Glückes Schmied zu
sein. Er hat in seinem Leben den Autopiloten eingeschaltet. Dadurch hat
er sich in manche Schwierigkeit und auf manchen Umweg begeben. Aber am
Schluß seines Lebens hat Gott es mit ihm geschafft, dass er eingeordnet
war in die Segenslinie der Erzväter Israels.
Könnt ihr verstehen, dass mich diese Geschichte begeistert, ja fasziniert.
Text lesen: 1. Mose 28, 10-22
Es war Nacht geworden im Leben des Jakobs. Seine Träume vom Boß eines
großen Clans waren wie ein Kartenhaus zusammengefallen. Er war
auf der Flucht und das hatte seinen Grund.
Er ist ein Mann mit Vergangenheit. Dieser dunklen, unbewältigten
Vergangenheit versucht er zu entkommen. So einer geht Gott lieber aus
dem Weg. Wir wissen das, wenn wir's nicht schon an uns selber gespürt
haben, aus anderen biblischen Geschichten: Einer mit ungeklärter,
drückender Vergangenheit hat kaum Lust zum Beten und zum Gottesdienst.
Nun muß er eine Erfahrung machen, die wir auch kennen: daß man
nämlich seine Vergangenheit nicht so einfach abschütteln kann
wie eine lästige Fliege im Gesicht! Wer eine Beziehung, die er kaputtgemacht
hat, nicht zu klären versucht, wer eine unbereinigte Vergangenheit
loswerden will, indem er vor ihr davonläuft - der schleppt sie in
Wahrheit mit sich, in eine unberechenbare, bedrohliche Zukunft. Tief
ist der Brunnen der Vergangenheit: mit diesem einfachen und denkwürdigen
Satz beginnt Thomas Manns monumentaler Roman "Josef und seine Brüder",
in dem auch die Geschichte Jakobs breit erzählt wird.
In dieser desaströsen Lage wird Jakob ganz unerwartet mit Gott konfrontiert.
Beim Einbruch der Dunkelheit, in der Trostlosigkeit der Wüste unter
freiem Himmel, als der gehetzte Betrüger todmüde ist. Alles
andere als ein passendes Ambiente für eine tiefgehende Gottesbegegnung.
Sein Kopf sucht die Ruhe, aber sein Gewissen und das verfahrene Leben
schreit weiter. Er nimmt einen Stein um sich dahinter zu schützen.
Gerade mal eine Tagesreise seiner 1250 km langen Flucht ist vorbei.
Und dann hat er diesen wunderbaren Traum, in dem Gott ihm sagt: Ich bin
da, ich bin bei Dir und ich begleite dich. Ich bin und bleibe der Gott
deiner Väter Abraham und Isaak, auch wenn du vieles in deinem Leben
vermurkst hast. Du mußt dir den Segen nicht erschleichen und erschwindeln.
Ich will dich segnen. Ich will dich mehren. Ich will dir das Land geben.
Und darin dann eingebunden diese wahnsinnige Verheissung an Jakob, die
ihn in den folgenden 20 Jahren seines Lebens begleitete und nicht mehr
los ließ:
1Mo 28,15 Und siehe, ich bin mit dir und will dich behüten, wo du
hinziehst, und will dich wieder herbringen in dies Land. Denn ich will
dich nicht verlassen, bis ich alles tue, was ich dir zugesagt habe.
In diesem Wort wird deutlich, dass Gott mit seinen Leuten einen Plan
hat, den er trotz all ihres Versagens hinausführt. Das gibt Perspektiven
für den nächsten Schritt. Gott tut, was er zusagt. Das ist
Gottes Treue.
Hier verspricht der Herr dem Jakob den wahren Segen über ihn und
sein Leben. Und Jakob erkennt diesen Segen und auch die Stimme des Herrn
und so geschieht in seinem Leben die erste Veränderung. Hier wird
deutlich gemacht, dass es einen Unterschied zum menschlichen und zum
göttlichen Segen gibt. Jakob haschte immer nach dem menschlichen
Segen und die Anerkennung, doch er bekommt sie jetzt erst als Gott ihm
begegnet. Möge der Herr uns auch so begegnen, dass wir seinen Segen
in unser Leben erfahren und uns nach ihm ausstrecken.
Liebe Freunde. Was war Jakob für ein Gauner und was haben wir für
einen treuen Gott. Wenn wir uns doch das merken könnten von diesem
Leben. Noch ist ein Jakob nicht am Ziel und noch lange nicht ist Gott
mit einem Jakob am Ziel.
Für mich kaum zu fassen ist die Unverfrorenheit mit der Jakob Gott
antwortet. Denn nach dieser überwältigenden Gottesbegegnung
fängt Jakob an mit Gott zu handeln:
1Mo 28,20 Und Jakob tat ein Gelübde und sprach: Wird Gott mit mir
sein und mich behüten auf dem Wege, den ich reise, und mir Brot
zu essen geben und Kleider anzuziehen
1Mo 28,21 und mich mit Frieden wieder heim zu meinem Vater bringen, so
soll der HERR mein Gott sein.
1Mo 28,22 Und dieser Stein, den ich aufgerichtet habe zu einem Steinmal,
soll ein Gotteshaus werden; und von allem, was du mir gibst, will ich
dir den Zehnten geben.
Erst dann Gott, wenn du das wahr gemacht hast, was du mir versprochen
hast, sollst du mein Gott sein und ich will dir den Segen geben. Ja Diese
Begegnung in Bethel im Leben eines Jakobs hat ihn noch nicht vollständig
verändert. Noch immer war er der Listige und der Händler. Aber
es war ein Anfang gemacht. Ein guter Anfang
Darf Gott auch zu Beginn dieses neuen Jahres solch einen Anfang in deinem
Leben setzen? Und setzt du solch einen Anfang mit ihm. Ja Gott hat mit
deinem Leben in diesem Jahr noch etwas vor.
Amen |