Logo Predigt: Vergebung



Echte Vergebung ist mehr als verziehen und vergessen. Überwinden wir unsere Stolz, der uns oft ein großes Hinderniss zur echten Vergebung ist, so wird uns "echt" vergeben und wir könne dies weitergeben: kein Fehler, kein Vergehen ist zu groß, als daß es Gott nicht vergeben könnte.

Matthäus 18, 21-22

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Liebe Gemeinde,

Ein König wollte mit seinen Knechten über die Bücher gehen und die Abrechnung machen. Dabei stellte es sich heraus, daß einer seiner Knechte ihm einen Betrag von 10000 Talenten schuldet. 10000 Talente, damit nennt Jesus einen ungeheuer hohen Betrag. Aus der Literatur wissen wir, daß der König Herodes Antipas ein jährliches Einkommen von ca. 200 Talenten hatte. Daran können wir erkennen, welche immense Summe der Knecht seinem König schuldete, es dürften nach heutiger Rechnung gut und gern 100 Mio. Mark gewesen sein. Er konnte nicht bezahlen und so wollte der König ihn und seine Familie nach dem damalig gültigen Recht verkaufen. Der Knecht viel auf seine Knie und bat den König um Geduld, er wolle ihm alles zurückzahlen. Als der König dann diesen Mann so sah, packte ihn das Erbarmen, wörtlich heißt es: Es drehte ihm die Eingeweide um. Aus Erbarmen ließ er diesen Mann frei und seinen Schuldschein strich er durch, er schenkte ihm diesen riesigen Betrag.

Kaum auf der Straße wieder angelangt hatte der betreffende Knecht nichts besserer zu tun als einen seiner Mitknechte, der ihm einige Mark schuldete an der Gurgel zu packen und von ihm den Betrag zurückzufordern. Als der Mitknecht ihm nicht bezahlen konnte, fiel auch er auf seine Knie und bat ihn inständig, ihm den Betrag zu stunden. Doch derjenige, dem gerade soviel Barmherzigkeit widerfahren war, blieb unbarmherzig und hart und ließ ihn ins Gefängnis werfen, bis er alles bezahlt hatte. Die Geschichte kam vor den König und voll Zorn beorderte er den bösen Knecht zu sich. Der König ging mit diesem Knecht hart ins Gericht.

Vergebung Gottes und Vergebung untereinander stehen in einem engen Zusammenhang

Dieser Gedanke ist uns nicht recht. Wir hätten gerne die Vergebung Gottes auch dann, wenn wir unserem Nächsten nicht vergeben, auch dann, wenn wir unseren Nächsten nicht aus dem Vorwurf entlassen. Das wäre uns lieber. Aber nicht nur an dieser Stelle macht uns Jesus sehr deutlich, daß unsere Beziehung mit ihm aufs engste mit unsern Beziehungen zu anderen Menschen verknüpft ist. Ich erinnere nur an das Vaterunser, wo Jesus uns beten lehrt: Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Wenn unsere Beziehungen zu anderen Menschen blockiert sind, ist auch unsere Beziehung zu Gott blockiert. Die Lähmung auf der horizontalen Ebene zieht auch eine Lähmung der Beziehung in der vertikalen Ebene mit sich und umgekehrt. Wird dir dein Bruder fremd und kalt, wird dir auch Gott fremd und kalt werden. Und anders herum gilt es auch. Wo wir mit Menschen wieder in Ordnung kommen wird auch der Weg zu Gott wieder frei, die Beziehung zu ihm wieder neu, kann auch Frisches in meinem Leben zu Gott geschehen. Es ist möglich, daß dir Gott fern und fremd geworden ist, daß du für und zu Gott keine Liebe mehr empfindest. Die Ursache hierfür kann in der Bitterkeit anderen Menschen gegenüber bestehen.

Wie oft soll ich vergeben 7 * 70 mal - Das ist göttliches Einmaleins.

Das zweite was dieser Text deutlich macht ist, daß Vergebung ein ständiger Prozeß ist. Petrus ist der Meinung: Wenn sieben mal vergeben worden ist, dann ist Schluß mit der Vergebung. Siebenmal sei schon eine recht hohe Zahl und sei wahrscheinlich schon zu viel, weil Jesus nicht will, daß der Bruder fort und fort an ihm sündigt. Doch Jesus untersagt Petrus das Zählen. Er stößt die Grenzen vom Vergeben weg und macht es ganz. Wer zählt vergibt eben doch nicht, er spart die Sünde auf, legt die neue zur alten, summiert sie genau und wenn die Summe ihre Höchstgrenze erreicht hat, dann will er strafen. Dann ist die Liebe tot. Wer vergibt tut die Sünde weg, so daß sie nichts mehr nach sich zieht und die Liebe nicht schwächen, geschweige denn töten kann.

Beziehungen erfordern Arbeit. - Das gilt ganz besonders für den Bereich der Ehen und der Familien - Immer wieder werden Dinge sich wiederholen. Wenn wir heute Dinge bereinigen kann es sein, daß ich einige Zeit später wegen gleicher oder anderer Dinge die Beziehung wieder in Ordnung bringen müssen. Menschlich gesehen mag das unmöglich sein. Menschlich gesehen ist das zermürbend. Und doch: Gott kann uns dazu die Kraft schenken, geht er doch mit uns in der genau gleichen Weise um. Wie oft bin ich schon zu Gott gekommen und habe ihm die Scherben meines Lebens gebracht und oft genug war es immer der gleiche Krug, den ich zerstört habe....

Vergeben heißt nicht Vergessen

Das ist eine Frage, die mir oft gestellt wird: Ich möchte vergeben ich habe auch der Person vergeben, aber ich kann diese Angelegenheit trotzdem nicht vergessen. Wie ist das? Heißt vergeben auch vergessen?

Vergessen kann man nicht befehlen und je mehr ich mich krampfhaft darum bemühe eine Sache zu vergessen, desto lebendiger wird sie mir vor Augen stehen.

Geschichte aus 70x7 mal: Das Einmaleins der Vergebung Seite 54

König - Finanzknappheit - Alchimisten - Innerhalb des nächsten Monats Gold erfinden - Gelingt es euch nicht, so werden eure klugen Köpfe rollen. - Der Monat verstrich und einer nach dem anderen wurde hingerichtet, bis auf den letzten. Der sagte ich hab es: Ein Löffelchen Kalkstein, Schmetterlingsflügel, eine Prise Eidechsenzunge..... Als er geendet hatte sagte der König: Ist das alles? Ja, das ist alles, sagte der Alchimist und eilte zur Tür: Kurz bevor er zur Tür hinaus war, drehte er sich noch einmal um und sagte: Was ich noch zu erwähnen vergaß, mein König: Wenn ihr beim Umrühren an einen Elefanten denkt, dann klappt es nicht.

Der Alchimist starb eines natürlichen Todes, denn wer krampfhaft versucht, an eine Sache nicht zu denken, der wird ganz automatisch aufs intensivste daran denken.

Vergeben muß nicht unbedingt vergessen heißen. Das wäre ein Trugschluß. Es kann Situationen geben, in denen ich mich wieder an eine unangenehme Sache erinnere, Situationen, in denen sie mir wieder in den Sinn kommen. Aber ich drehe dem anderen nun keinen Strick mehr daraus, ich reibe es ihm nicht wieder unter die Nase. Ich verspreche dem anderen, mich nicht mehr aktiv an sein Tun zu erinnern, mich nicht mehr im Selbstmitleid über der geschehenen Verletzung zu baden. Das heißt es zu vergeben. Und wer verspricht sich nicht mehr aktiv an eine Sache zu erinnern, wird die Erfahrung machen, daß er die Angelegenheit nach und nach vergißt. Wunden hinterlassen in der Regel Narben. Auch seelische Wunden hinterlassen Narben. Bei manchen Wetterlagen schmerzen einem die Narben noch. So gibt es auch seelische Wetterlagen, in denen alte Wunden wieder zu schmerzen beginnen. Der Schmerz an der Narbe mag sein, aber laßt uns darauf bedacht sein, daß die Wunde nicht wieder aufbricht.

Das größte Hindernis der Vergebung

Das erste was überwunden werden muß, wenn man den Weg der Vergebung beschreitet ist der Stolz. Bewußt oder unbewußt blockiert unser Stolz die Vergebung und ihn zu überwinden ist oft das größte Hindernis. Jedesmal wenn wir um Verzeihung bitten, jedesmal wenn wir einem anderen vergeben ist das mit einer gewissen Verletzung unseres Stolzes verbunden. Sehr oft hängt dieser Stolz auch mit einem falschen Gefühl von Stärke und Schwäche zusammen. Wir reden uns immer ein, daß wir uns eine Blöße geben, wenn wir um Verzeihung bitten, daß nur der Schwache vergibt, daß es ein Zeichen von Stärke ist, wenn man für seine eigene Rechtfertigung kämpft. Aber es ist genau umgekehrt: Der ist der Starke, der sich selbst überwindet und um Verzeihung bitten kann und es ist ein Zeichen von Schwäche, dem anderen nicht vergeben zu können. Neben dem Stolz gibt es noch andere Gründe, warum einem die Worte: Bitte vergib mir oder ich vergebe dir so zögernd über die Lippen kommen. Bei einigen ist der Hauptgrund die Furcht, durch eine Entschuldigung den anderen in seiner von uns aus gesehenen falschen Einstellung zu bestärken und ihm dadurch eine Waffe in die Hand zu drücken, mit der er uns beherrschen kann.

Wieder bei anderen Menschen sind Haß und Bitterkeit zu festen Schutzwällen , zu einer Art Sicherheitssystem geworden. Man hat sich gegeneinander abgegrenzt und in diesem abgegrenzten Rahmen lebt man sicher. Man weiß, mit was man rechnen kann, man weiß wie die Spielregeln lauten. Man fühlt sich sicher und im Recht gegenüber dem anderen und diese Position gibt man ungern auf. Wenn nun der andere oder ich selbst um Verzeihung bitte, wäre meine ganze Sicherheit dahin. Ich müßte plötzlich alle meine Positionen und Einstellungen neu betrachten und möglicherweise revidieren. Und das ist mir zu riskant, deshalb praktiziere ich keine Vergebung und bitte um keine Vergebung. Man wäre plötzlich in einem Raum, wo man die Beziehungen ganz neu definieren muß.

Das alles können Hindernisse auf dem Weg der Vergebung sein, Hindernisse auf dem Weg aus erstarrten Beziehungen herauszutreten.

Die Quelle der Vergebung

Woher kommt uns die Kraft den Weg der Vergebung miteinander zu gehen? Die Kraft und die Quelle der Vergebung, die wir einander gewähren ist Gott selber. Er, und damit kehren wir zu unserem Gleichnis zurück, er gewährt uns die Vergebung in unbeschränkter Quantität.

In Jes. 55,7 heißt es: Der gottlose Bekehre sich zu dem Herrn, denn bei ihm ist viel Vergebung!! Die Großzügigkeit Gottes was Vergebung betrifft läßt sich aus vielen Geschichten herauslesen. Die Geschichte vom verlorenen Sohn, beim Pharisäer und beim Zöllner - Gott hat den Zöllner gerner als den Pharisäer, bei der stadtbekannten Sünderin sagt Jesus: Wem viel vergeben ist, der liebt viel. Die Dimension der Liebe und der Vergebung geht so weit, daß sie mit menschlichen Maßstäben nicht mehr meßbar ist. Sie kommt von einem, der über alles hinaus in noch weit höherem Maß zu tun vermag, als wir bitten oder verstehen. Kein Fehler, kein Vergehen ist zu groß, als daß es Gott nicht vergeben könnte. Gottes Vergebung, sein Erlaß meiner Schuld und sei sie noch so groß, ist die Quelle der Kraft, aus der unsere gegenseitige Kraft zur Vergebung fließt. Diese Kraft kann Eiszeiten zwischen Menschen beenden und zum Schmelzen bringen. Diese Kraft kann Abgründe überwinden, die für uns unüberwindbar scheinen. Diese Kraft kann die Worte über unsere Lippen bringen: ich vergebe dir, ich entlasse dich aus dem Vorwurf. Ich gebe dich frei, ich schleudere diese alte Sache weg.

Gott möge in meinem Leben und unter uns fortfahren. Daß er sein Heil unter uns aufrichte.

Amen