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Liebe Gemeinde, liebe Freunde,
Keiner von uns wird in die Versuchung geführt, der vorher nicht
etwas substanzielles, etwas wesentliches empfangen hat. Oft ist es so,
daß das, was wir von Gott empfangen haben, in den Versuchungen
wieder in Frage gestellt und uns abspenstig gemacht wird. Versuchung
gehörte zum Leben Jesu und zu unserem Leben und ist geradezu eine
Begleiterscheinung des Segens Gottes.
Das war einer der Kernsätze aus der Predigt vor zwei Wochen, wo
wir in einer ersten Runde über die Versuchungsgeschichte Jesu nachgedacht
haben.
Es gibt keinen Christen, keinen, der aufrichtig Jesus nachfolgt, der
nicht immer wieder Versuchungen erlebt. Versuchungen haben ein Ziel:
Sie wollen Jesus und mich auseinanderbringen. Sie will uns auseinandertreiben.
Die Versuchung hat das Ziel, dass ich nicht mehr Jesus anbete, sondern
dass ich meine Anbetung einem anderen gebe oder sie zumindest teile.
Jesus anbeten und... heißt in diesem Fall die Devise. Oft meinen
wir, Versuchung, das geschieht dann in meinem Leben, wenn ich sehr harte
Lebensführungen erlebe, wenn etwas unvorhergesehenes, etwas schlimmes,
etwas trauriges meinem Leben widerfährt. Ein Unfall, eine Krankheit
oder sonst irgendwelche Dinge. Aber diese Dinge sind nicht die einzigen
Versuchungen, die an unser Leben herangetragen werden. Es gibt hier noch
viel mehr. Jesus wurde auf drei Ebenen in seinem Leben versucht und auf
all diesen drei Ebenen erleben auch wir Versuchung:
1. Versuchung: Steine zu Brot = Versuchung des Leibes
2. Versuchung: Spring von der Zinne des Tempels = Versuchung der Seele
3. Versuchung: Alle Reiche dieser Welt für eine kurze Anbetung =
Versuchung des Geistes
Die erste Versuchung haben wir vor zwei Wochen miteinander angesehen,
in die zweite wollen wir noch einmal miteinander einsteigen.
Text lesen: Matthäus 4, 5-7
Mt 4,5 Da führte ihn der Teufel mit sich in die heilige Stadt und
stellte ihn auf die Zinne des Tempels
Mt 4,6 und sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so wirf dich hinab; denn
es steht geschrieben (Psalm 91, 11.12): "Er wird seinen Engeln deinetwegen
Befehl geben; und sie werden dich auf den Händen tragen, damit du
deinen Fuß nicht an einen Stein stößt." das heißt übersetzt:
Gott mit uns."
Mt 4,7 Da sprach Jesus zu ihm: Wiederum steht auch geschrieben (5. Mose
6,16): "Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen." das
heißt übersetzt: Gott mit uns."
Wie der Teufel Jesus nach Jerusalem führte und mitnahm bleibt uns
verborgen. Die Bibel bewahrt sich eine auffallende Zurückhaltung
darüber, wie die Dinge in der anderen, der unsichtbaren Welt ablaufen.
Und dann steht Jesus auf der Zinne des Tempels und neben ihm Satan, der
Versucher. Der Teufel ist also auch in den heiligen Gebäuden zu
Hause, ebenso wie im stillen Kämmerlein. Wir müssen an einen
turmartigen, oder balkonartigen Vorsprung der Tempelmauer denken. An
dieser Stelle ging es ca. 40 m nach unten. Es wäre also genug Platz
zum Fliegen gewesen. Unten die Menschenmenge, die die Gestalt auf der
Tempelmauer vielleicht entsetzt, vielleicht erstaunt, vielleicht auch
gar nicht wahrnahm. Spring da runter sagt der Teufel. Ja, auf spring
da runter, und du wirst sehen, du bist der King. Ich kann dir sagen,
die Leute werden dir zujubeln, sie werden dich verehren, sie werden begeisterst
sein. Denn so etwas hat es noch nie gegeben. Spring, es wird dir nichts
passieren. Hat Gott nicht selbst gesagt, dass er seine Engel schickt
und sie dich auf Händen tragen und du deinen Fuß nicht an
einem Stein anstößt?
Weil Jesus sich in der vorigen Versuchung an das Wort Gottes gehalten
hat, kommt ihm der Teufel jetzt auch mit dem Wort Gottes. Es ist wirklich
das teuflische, dass das "Es ist geschrieben", also Gottes
beste Gabe, vom Teufel mißbraucht werden kann. Im Grunde geschieht
das bei jeder Irrlehre. Worte aus der Bibel werden aus ihrem Zusammenhang
genommen und als Wahrheit dargestellt. Umso wichtiger ist es für
uns, dass wir in der Gesamtausrichtung, im Gesamtzeugnis des Wortes Gottes
fest stehen und fest bleiben und uns auskennen, was die Schrift sagt.
Und in der Versuchung ist es genauso wichtig, sich in der Bibel auszukennen,
damit man - wie Jesus - der Versuchung mit dem Wort Gottes begegnen kann.
War es bei der Brot-geschichte die Versuchung, sich selbst zu helfen,
so begegnet uns hier bei der zweiten Versuchung die Versuchung der Anerkennung.
Stürz dich hinunter, laß dich von den Engeln tragen, und du
wirst vor den Menschen und bei den Menschen der Super-Mann sein. Sie
werden dich anhimmeln und als den Messias erkennen. Also - why not. Spring
einfach. Später hat Jesus ja viele andere Wunder getan, die die
Menschen genauso in Erstaunen versetzt haben. Man denke nur an die Speisung
von mehr als 5000 Menschen mit zwei Fischen und 5 Broten. Aber bei diesen
Wundern hatte Jesus immer nur eines im Sinn: Er wollte den Vater verherrlichen,
er wollte Gott groß machen, aber nie sich selbst. Genau dazu versucht
ihn aber der Teufel zu bewegen. Jesus, nutz doch die Chance, ganz groß heraus
zu kommen. Ihr werdet sein wie Gott, war die Versuchung der Schlange
an Adam im Paradies. Genau um diese Versuchung geht es jetzt wieder.
Doch Jesus widersteht ihr. Jesus gibt nicht nach. Halleluja. Was wäre
das für eine Katastrophe geworden, wenn er jetzt auch seine Ehre
und Anerkennung und Herrlichkeit gesucht hätte.
Die Versuchung der Anerkennung - kennen wir sie auch in unserem Leben?
Es gibt sie, zweifels ohne. Auch wir stehen in der Gefahr, dass wir uns
selbst groß machen wollen und dass wir nach Anerkennung grabschen,
ja manchmal sogar danach süchtig sind. Und um von Menschen anerkannt
zu werden tun wir alles, nehmen wir alles in Kauf. Vielleicht ruinieren
wir unsere Familie, nur um vor anderen groß rauszukommen. Vielleicht
nehmen wir es mit Gottes Geboten nicht mehr so genau. Aber Hauptsache
man steht gut da - vor Menschen wohlgemerkt.
Nicht dass wir Menschen nicht Anerkennung brauchen würden. Jeder
von uns braucht Anerkennung und in den Ehen, in den Familien, in der
Gemeinde tun wir wohl daran, wenn wir uns gegenseitig Wertschätzung
geben. Und dennoch will ich euch auch das andere sagen.- Anerkennung
von Menschen wird nie unseren Hunger nach Anerkennung restlos stillen
können. Ein Loch, eine Leere wird immer in unserem Leben zurückbleiben.
Der einzige, der unsere Sehnsucht nach Anerkennung in ihrer ganzen Tiefe
ausfüllen kann, ist Gott selbst, ist unser Vater. Wenn er über
unserem Leben es ausspricht. Du bist gut, du bist durch Jesus gerecht,
ich finde dich spitze, dann kommen wir zur Ruhe.
Liebe Freunde wir sind gefährdet. Welche Anerkennung ist uns wichtiger,
Die Anerkennung durch Gott oder die Anerkennung durch Menschen ? Ich
kenne sogar Menschen, denen ist es wichtiger, vor Menschen gut dazustehen
und die opfern dafür ihre Anerkennung durch Gott. Ich kenne junge
Leute, die werfen ihren Glauben über Bord, um von ihren Kumpeln
nicht schief angesehen zu werden. Ich kenne Erwachsene, die nicht gerne
zur Gemeinde, zum Leib des Christus gehören wollen, weil das bei
ihren Nachbarn, ihren Bekannten und Freunden komisch aussehne würden.
Spüren wir unsere Gefährdung?
Das wußte auch Jesus - und deshalb widerstand er der Versuchung
um jeden Preis Aberkennung von Menschen zu bekommen, weil er wußte.
Meine Wurzeln sind in die Liebe meines Vaters gegraben.
Text lesen: Matthäus 4, 8 - 11
Mt 4,8 Darauf führte ihn der Teufel mit sich auf einen sehr hohen
Berg und zeigte ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit
Mt 4,9 und sprach zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du niederfällst
und mich anbetest.
Mt 4,10 Da sprach Jesus zu ihm: Weg mit dir, Satan! denn es steht geschrieben
(5. Mose 6,13): "Du sollst anbeten den Herrn, deinen Gott, und ihm
allein dienen." das heißt übersetzt: Gott mit uns."
Mt 4,11 Da verließ ihn der Teufel. Und siehe, da traten Engel zu
ihm und dienten ihm.
Einen dritten Versuch unternimmt der Teufel. Diesmal ist es die Versuchung
der Macht. Wohl im Geist führt er Jesus auf einen hohen Berg, um
ihm alle Reiche dieser Welt zu zeigen. Und er zeigt sie ihm. Mit ihrer
Herrlichkeit, mit ihren schönen Kulturen, mit ihren Schätzen,
mit allem, was dazu gehört. Und er sagt: Kannst du haben. Kann alles
dir gehören und der Preis dafür ist lächerlich gering.
Fall einmal vor mir nieder und bete mich an. Dann hast du´s, dann
gehört alles dir. Teuflisch, nicht wahr?
Was auffällt: Der Teufel tritt auf als einer, dem alle Reiche dieser
Welt gehören, und der sie deshalb auch verschenken kann! Und Jesus
widerspricht ihm nicht. Jesus sagt nicht: Freundchen hör mal zu,
das gehört dir ja gar nicht. Jesus bestreitet die Herrschaft des
Teufels nicht. Durch Adams Fall ist es so gekommen. Dass der Teufel in
dieser Zeit der Fürst dieser Welt ist. Die Welt gehört ihm,
die Menschen gehören ihm. Jesus bestreitet das nicht. Das ist so
liebe Freunde, deshalb müssen wir erlöst werden.
Was will der Teufel von Jesus ? Nur einmal soll er vor ihm niederfallen
und ihn anbeten. Sein eigener Machtrausch, sein eigenes Streben zu sein
wie Gott, tritt unverhüllt und ganz offensichtlich heraus. Spüren
wir, was in diesem Augenblick hier auf dem Spiel stand ? Hätte Jesus
das getan, wäre auch er unter die Herrschaft Satans geraten, Hätte
Jesus das getan, wären alle Pläne Gottes zur Rettung seiner
Menschen in einem Augenblick hinfällig geworden. Da stehen diese
beiden Gestalten auf der Spitze eines Berges. Vor ihren Füßen
liegt die Welt und die Engel im Himmel und die Dämonen in der Tiefe
halten den Atem an. Das war eine Spannung, wie bei einem Weltmeisterschaftsendspiel
im Elfmeterschießen vor dem allerletzten Schuß.
Und Jesus sagt in diesem Augenblick. Satan, hau ab. Satan, ich gehöre
zu meinem Vater, Satan, dir gehorche ich nicht. Meine Anbetung gehört
Gott und Gott allein. Und ich werde meine Anbetung nicht teilen. Satan
hau ab. In diesem Augenblick hat es sich entschieden. In diesem Augenblick
ist es geschehen. Der Feind wurde besiegt, der Teufel muß weichen.
Er konnte Jesus nicht auf seine Seite bringen und seine Entmachtung,
die in Sterben und Auferstehen Jesu ihren Höhepunkt gefunden hat,
nahm ihren Lauf. Jesus vollbringt als der zweite Adam, was dem ersten
nicht gelang: Gott die Treue zu halten. Und auch für unser Leben
gilt die Maxime:
Widerstehet dem Teufel, so flieht er von euch. Naht euch zu Gott, so
naht er sich zu euch.
Vor der Verkündigung der Herrschaft Gottes besteht auch im Leben
Jesu die Notwendigkeit, der Herrschaft des Bösen abzusagen und sie
zu verneinen
(Praxis in der alten Kirche bei Taufen)
Wo flieht der Teufel und wann flieht der Teufel ?. Er flieht, wo Gott
angebetet wird. Das kann er nicht hören und das will er nicht hören
und da weiß er, dass er keine Chance mehr hat. Deshalb ist die
Anbetung Gottes in unserem Leben und in unserer Gemeinde so wichtig.
Hier in dieser Geschichte bahnt sich der Sieg Jesu über den Teufel
an, auf dessen Grund und Fundament auch wir uns heute stellen können.
Von dem aus auch wir unser Leben leben können.
Jesus lehnte den Herrschaftsanspruch Satans ab. Er tat es auch weil
er wußte, wie im Grunde genommen die Herrschaftsverhältnisse
aussehen.
Darf ich euch am Schluß noch auf etwas hinweisen?
Am Schluß seines Wirkens hier auf dieser Erde. Am Himmelfahrtsmorgen.
Da stand Jesus wieder auf einem Berg. Gekreuzigt, gestorben und auferstanden.
Dann war es klar geworden, der Teufel ist endgültig entmachtet.
Und da sagt er zu seinen Jüngern:
Mir ist gegeben alle Gewalt - wo ?
Im Himmel und auf Erden.
Am Schluß hat Jesus nicht nur die Herrschaft über die Erde
gewonnen, sondern auch über den Himmel. Hätte er den Teufel
angebetet, hätte er nur die Herrschaft über die Erde gehabt.
Aber jetzt ist er Herr des Himmels und der Erde.
Seht ihr, das ist der Mehrwert des Evangeliums.
Mehrwertssteuer ärgert uns.
Aber Gottes Mehrwertssteuer freut uns.
Gott gibt immer unendlich viel mehr, als die Welt oder gar der Teufel
uns geben kann. Deshalb gehöre ich gerne zu Jesu, deshalb bin ich
gern und leidenschaftlich Christ. Gott schenkt immer mehr, als die Welt
uns bieten kann.
Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit
Amen. |