
  |
Liebe Gemeinde, liebe Freunde,
heute möchte ich über ein Thema mit Euch zusammen nachdenken,
das wir eigentlich fast nur noch aus der Werbung kennen:. Versuchung
!
Milka – die zarteste Versuchung, seit es Schokolade gibt. Versuchung – wir
kennen das, wenn wir vor dem Kühlschrank stehen und versucht werden
Nachts um 22.00 Uhr noch einen Pudding herauszuziehen, wir kennen das,
wenn wir im Supermarkt vor den Schokoladeregalen stehen, wir gebrauchen
dieses Wort, wenn eine Gastgeberin uns zu der zweiten oder gar dritten
Portion Nachtisch überreden will.
Aber im Blick auf Versuchungen im Glauben oder im Blick auf denjenigen,
den die Bibel den Versucher nennt, sind wir manchmal recht unbedarft
oder aber zumindest recht unsicher.
Das hat mich in die Versuchung gebracht, dieses Thema in zwei Sonntagspredigten
aufzugreifen. Ich möchte mit Euch über dieses Thema anhand
der Versuchungsgeschichte Jesu, wie sie uns Matthäus überliefert,
nachdenken.
Bitte lies zuerst einmal den Text: Matthäus 4, 1-11
1. Hoffentlich werden wir versucht
Das ist eine Geschichte, bei der wir an vielen Stellen stutzig werden
können. Und das beginnt beim ersten Vers.
Mt 4,1 Da wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt, damit
er von dem Teufel versucht würde.
Wie bitte, so sagen wir, warum führt ausgerechnet der Geist Gottes
Jesus in die Wüste? Das darf doch nicht wahr sein. Und dennoch,
so ist es, es steht ganz unmißverständlich da. Erst wenige
Verse davor lesen wir davon, dass Jesus bei seiner Taufe im Jordan den
Geist Gottes empfangen hat. Der Geist Gottes kam in Gestalt einer Taube
auf ihn herab. Und das erste, was dieser Geist tut: er führt Jesus
hinein in die Wüste, damit er dort versucht werden kann.
Erleben alle Menschen Versuchung ? Nein ! Der größte Teil
der Menschheit erlebt keine Versuchung. Denn ein großer Teil der
Menschen dieser Welt gehört bereits zu Satan, sind seine Knechte,
und die versucht er nicht. Die sind ihm ja gewiß. Sie tun bereits
seinen Willen, sie leben bereits unter seiner Herrschaft, er ist ihr
Fürst . Wozu sollte der Teufel die Welt versuchen, die ihm bereits
gehört? Nein – der Teufel versucht die Menschen dieser Welt
nicht. Sie sind ja bereits eines Sinnes mit ihm. Wie viele tausend Menschen
treten an jedem Tag den Weg in die Ewigkeit an, ohne dass sie es gewußt
haben, dass sie die Knechte des Teufels gewesen sind? Sie haben ruhig
zugesehen, wie der Seelenmörder ihre Seele dahinmordet und haben
dazu sogar noch ihr JA und Amen gesprochen. Er hat ihnen etwas vorgespielt
von Ehre unter den Menschen, vom Haben und vom Besitzen oder einfach
von den weltlichen Genüssen. Wer und was ihm bereits gehört,
oh nein, das versucht er nicht. Nun mag der eine oder andere hier denken:
Gott Lob und Dank, zu dieser Sorte gehöre ich nicht. Doch will ich
zu Bedenken geben, dass wir alle von Natur aus des Teufels Knechte sind.
Durch die List des Teufels ist die Sünde in die Welt gekommen und
sie ist zu allen Menschen hindurchgedrungen. Wir Menschen sind dadurch
in Gemeinschaft getreten mit dem ersten und größten Sünder,
mit dem Teufel. Weil er aber das Oberhaupt , der Fürst der Finsternis
ist, deshalb ist er auch unser Oberhaupt und Fürst geworden. Von
Natur aus stehen wir unter seiner Herrschaft. Überhaupt, es gibt
in der unsichtbaren Welt nur zwei Reiche. Das Reich des Lichtes und das
Reich der Finsternis. Zu einem dieser beiden Reiche gehören wir.
Von Natur aus sind wir nicht im Reich des Lichtes. Wir müssen durch
unsere Wiedergeburt hineingeboren werden in dieses Reich. Nur wer durch
den Glauben an Jesus Christus ein Kind Gottes geworden ist, nur der ist
kein Sklave des Teufels mehr, nur der ist recht frei, weil ihn der Sohn
Gottes frei gemacht hat. Aber wer nicht mehr zum Reich des Teufels gehört,
wer ins andere Lager übergelaufen ist, wer die Kindschaft Gottes
empfangen hat und wer Träger des Heiligen Geistes geworden ist,
der wird versucht !
Keiner von uns wird in die Versuchung geführt, der vorher nicht
etwas substanzielles, etwas wesentliches empfangen hat. Oft ist es so,
daß das, was wir von Gott empfangen haben, in den Versuchungen
wieder in Frage gestellt und uns abspenstig gemacht wird. Versuchung
gehörte zum Leben Jesu und zu unserem Leben, und ist geradezu eine
Begleiterscheinung des Segens Gottes.
Keine Versuchung zu haben ist die größte Versuchung, dieses
Wort schreibt man Martin Luther zu. Keine Versuchung zu haben, das ist
ein Beleg dafür, dass man nichts empfangen hat. Deshalb: Hoffentlich
werden wir versucht, denn Versuchung ist nichts negatives, sondern eine
Begleiterscheinung des Segens Gottes.
Das Lager zu wechseln, vom Reich der Finsternis in das Reich des Lichtes
zu wechseln, das ist heute sehr schwer. Denn bereits bevor es zu diesem Übertritt
kommt macht der Feind sich auf den Weg. Und sein beliebtestes Mittel
heute heißt: Ich habe keine Zeit für Fragen des Glaubens,
ich bin zu beschäftigt. Fragt mal, wie schwierig es heute für
Menschen ist, 10 Abende lang zu einem Alpha-Kurs zu kommen. Viele sagen:
10 Abende am Stück Zeit, die habe ich nicht, das schaffe ich nicht.
Und Menschen, die zum Glauben gekommen sind, oder Menschen, die besondere
Erfahrungen mit Gott gemacht haben, empfangen zuerst und vor allem unbändiges
Glück, aber nicht selten auch große Schwierigkeiten und Versuchungen.
Denkt an Menschen in islamischen Ländern, wenn sie zum Glauben kommen – dann
beginnt die Versuchung. Auch Indianern in ihren Stämmen geht es
so und selbst Jugendliche in unseren Breitengraden machen die Erfahrung:
Du kannst alles werden, aber werde nur nicht fromm.
Deshalb, hoffentlich wirst Du versucht und wenn du versucht wirst, dann
wisse:
Hebr 4,15 Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht könnte
mitleiden mit unserer Schwachheit, sondern der versucht worden ist in
allem wie wir, doch ohne Sünde.
2. Wie werden wir versucht
40 Tage und 40 Nächte war Jesus in der Wüste um zu fasten.
40, diese Zahl erinnert an viele Begebenheiten in der Bibel. 40 Tage
lang dauerte die Sintflut, 40 Tage lang war Mose auf dem Berg Sinai,
40 Jahre lang zog Israel durch die Wüste, 40 Tage lang war Elia
zum Horeb unterwegs, 40 Tage lang dauerte die Bußzeit der Menschen
von Ninive, und 40 Tage lang war Jesus nach seiner Auferstehung unter
seinen Jüngern. 40 Tage, das ist in der Bibel so eine Bußfrist,
eine Bewährungsfrist, eine Offenbarungsfrist. Wie Jesus in dieser
Zeit gefastet hat bleibt ein Wunder, vermutlich hatte er Wasser dabei,
sonst hätte er es als Mensch nicht überlebt.
Verstehen kann das jeder, dass Jesus in dieser Situation Hunger hatte.
Er war ja kein weltverrückter Held, sondern er erfährt Durst
und Hunger wie wir. Er kennt die Bedeutung des täglichen Brotes.
Wie natürlich wäre auch die Idee gewesen: Weil ich Hunger habe
und schwach bin, will ich meine Gotteskraft gebrauchen und Steine zu
Brot machen. Wenn im Text nicht stehen würde, dass der Teufel ihm
diesen Vorschlag gemacht hatte, könnte man eigentlich meinen, Jesus
wäre selbst auf diese Idee gekommen. Und die Vernunft, sie würde
sagen: Es ist ja aber auch wahr, warum mußt Du Hunger leiden ?
Die übernatürliche Kraft hat der Vater in dich hineingelegt,
damit du dir selbst helfen kannst. Hätte Gott dir diese Kraft gegeben,
wenn es nicht sein Wille wäre?“
Was wäre natürlicher und vernünftiger als dieser Gedanke?
Aber nicht alles, was logisch und vernünftig ist, ist auch richtig.
Worin bestand denn die Versuchung? War es die Versuchung etwas zu essen?
Nein, das kann es ja nicht gewesen sein, denn essen an sich ist ja keine
Sünde. War es die Versuchung ein Wunder zu tun? Nein, denn Jesus
hatte die Kraft und die Möglichkeit dazu und hat sie später
unzählige Male genutzt
Der Teufel geht hier in dieser Geschichte von der Gottessohnschaft Jesu
aus, ebenso wie die Dämonen in Matth 8,29. Dies kann er nicht leugnen.
Aber was der Teufel hier will ist, dass Jesus seine Wundermacht für
die eigene Größe mißbraucht. Wie der Teufel vor langer
Zeit, so soll auch der Sohn gegen den Vater rebellieren. Brot ist ja
eine gute Sache und nicht böse. Aber hier entscheidet nicht das
Endprodukt, sondern die Quelle aus der es stammt. Ist die Quelle böse,
werden die besten Erzeugnisse zum Tode führen.
Übrigens gilt dieses Prinzip auch heute bei so unendlich vielen
Dingen. Es kommt nicht auf die Sache an. Die Sache ist gut. Es kommt
auf die Quelle an, aus der sie gespeist wird. Brot an und für sich
ist gut. Aber wenn die Quelle böse ist, werden selbst die besten
Erzeugnisse zum Tod führen.
Fernsehen ist nicht schlecht, aber es kommt darauf an, aus welcher Quelle
es gespeist wird und was es bei mir bewirkt. Wenn ich ständig dadurch
versucht werde, mein Leben schlecht und eintönig zu finden, weil
es diese Filmstars ja viel besser haben, dann wird Fernsehen schlecht
für mich. Wenn es mich dazu versucht, dass ich meine Ehe schlecht
finde, weil es in ihr nicht den gleichen Sex gibt wie im Fernsehen oder
weil mein Ehemann nicht so romantisch ist wie jene Charmeure im Fernsehen,
dann ist es schlecht.
Internet ist nicht schlecht. Welch sagenhafte Möglichkeit haben
wir, dass unsere Gemeinde durch das Internet bei vielen anderen Christen
bekannt wird. Welch tolle Möglichkeiten der Kommunikation mit Missionaren
ergeben sich durch die E-mails. Aber wenn ich bis tief in die Nächte
hinein vor dem PC sitze und meine Zeit mit chatten im Netz unendlich
tot schlage, dann wird es schlecht.
Unsere Freizeitangebote die wir haben, sie sind nicht schlecht.Toll,
was man heute alles machen kann. Aber wenn sie mich von Jesus abhalten
incl. Volkshochschulen und was es alles gibt, dann kann die Vielfalt
der Freizeitangebote zu einer tödlichen Gefahr für unsere Seele
werden.
In der Beurteilung der Dinge, die uns begegnen heißt die entscheidende
Frage nicht: Ist das Ding gut oder schlecht sondern: Was bewirkt es in
mir, was macht es mit mir.
Das Muster der teuflischen Versuchung hier war: Hilf dir selbst, mach
einen eigenen Plan und Gott wird ihn dann schon segnen. Hilf dir selber,
nimm dein Geschick selber in deine Hand und warte nicht darauf, daß Gott
dir hilft. Es ist die Versuchung, daß Jesus sich selber hilft,
daß er seine Wundermacht für seine eigene Zwecke mißbraucht.
Jesus verzichtet auf die Selbsthilfe und damit ist eine ungeheure geistliche
Entscheidung gefallen: Seit dem Sprechen der Schlange in 1. Mose 3 will
der Mensch selbst Erkenntnis und Leben schaffen. Der griechische Prometheus,
der selbst alles schafft, wird zum Urbild des gefallenen Menschen. Jesus überwindet
aber diesen Stolz, der nach Luther die Wurzel aller Sünde ist. Hier
siegt Jesus, der zweite Mensch über die Versuchung, der der erste
erlegen war.
An dieser Stelle werden auch wir immer wieder versucht. Hilf dir selbst,
dann hilft dir Gott, heißt es im Volksmund. Nimm dein Geschick
selbst in die Hand, warum wartest du auf einen Gott? Und schon hat der
Feind einen Keil getrieben zwischen uns und Gott. Genau das ist es aber
auch, was die Versuchung in deinem Leben will. Sie will dich von Gott
lösen, sie will dich von Gott abbringen.
Brot essen ist nicht schlecht, und Jesus wäre das erlaubt gewesen.
Aber was die Versuchung hat bewirken sollen war, dass ein Keil zwischen
ihm und seinen Vater getrieben worden wäre.
Liebe Geschwister. Auf die Keile, auf die müssen wir achten ! Versuchungen
in unserem Leben, Keile, die Gott und mich auseinanderbringen, sie können
so verschieden sein.
Für den einen sind ist es eine Krankheit, die ihn und seinen Gott
auseinanderbringen und ihn damit versuchen. Lieber Gott warum mutest
du mir das zu?
Andere fühlen sich im Blick auf ihre Familie von Gott verlassen.
Lieber Gott, warum kann weder ich noch der andere viel anders werden,
so kann es doch nicht bleiben.
Andere fühlen sich finanziell zu kurz gekommen, knabbern an jedem
Monatsende und für sie ist besteht die Versuchung darin, dass sie
daran zweifeln, dass Gott auf ihrer Seite steht.
Was treibt jetzt gerade einen Keil zwischen dich und deinen Gott? Laßt
uns darauf acht haben gerade auch in der kommenden Woche:
Gerne würden wir wahrscheinlich in einer Welt und in einer Umgebung
leben, in der es keine Versuchung gibt. Und gerne würden wir es
auch bequem haben in unserer Nachfolge Jesu. Beides ist, solange wir
leben, nicht möglich. Was ich heute mit dieser Predigt wollte ist,
dass wir wachsam sind und der Versuchung widerstehen
Ein Gutsherr suchte einmal einen neuen Kutscher. Es meldeten sich drei
bei ihm.
Er fragte den ersten: Wie nahe kannst du an einem Graben vorbeifahren
ohne zu kippen?
Nun, antwortete der, ich denke bis auf 20 cm.
Und du, fragte er den zweiten: Bis auf 10 cm meinte dieser, um den ersten
zu unterbieten.
Und du? wandte er sich an den dritten? Meine Treu, rief dieser mit ehrlicher
Bestürzung. Vom Graben bleiben wir weg, so weit wir nur können.
Diesen Kutscher stellte der Gutsherr ein.
Amen |