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Liebe Gemeinde,
Mit zwei Urlaubserfahrungen möchte ich diese Predigt beginnen.
Die eine stammt aus dem vergangenen Jahr, als wir mit der Auto nach Korsika
unterwegs waren. Wer nach Korsika will, muß fliegen oder mit der
Fähre fahren. Wir hatten uns für die Fähre entschieden.
Als wir nach der Überfahrt wieder aus dem großen Bauch des
Schiffes herausfuhren bemerkten wir vor uns einen Freiburger Audi mit
Fischaufkleber. Wie wir schon ahnten fuhr auch dieses Fahrzeug zur Ferienanlage
von Neues Leben Reisen nach Calvi und einige Tage später trafen
wir dort diesen Mann. Er stammte aus Gundelfingen, geht dort in die Baptistengemeinde
und kannte Eichstetten gut, weil er dort Verwandtschaft hat. Wie klein
die Welt doch ist, staunten wir damals.
Szenenwechsel: Ich berichte von unserem Urlaub im Allgäu. Als endlich
mal das Wetter schön war planten wir mit unseren Kindern eine Bergwanderung
auf das Steinenköpfle bei Immenstadt. Es war die erste richtige
und zugleich auch zünftige Bergtour für unsere Kinder. Mit
der Sesselbahn wollten wir den ersten Anstieg auf den Mittag bewältigen
und dann weiter zum Steinenköpfle hochwandern, eine Tour, für
die man für einen Weg gut 2 Stunden braucht. Gedacht, getan. Wir
stiegen unten in die Sesselbahn, an der Mittelstation um und oben aus
der Sesselbahn wieder aus. Gerade als wir loslaufen wollten rief jemand "Jonas" Ich
schaute mich um und wen sah ich? Drei Tanten von mir im Alter zwischen
69 und 77 aus Dettingen und Kirchheim/Teck, die an diesem Tag einen Tagesausflug
mit Orchideenwanderung im Allgäu unternahmen. So ein Zufall. Wenn
wir die Begegnung geplant hätten, wir hätten es nicht besser
abstimmen können. Die Welt ist klein, haben wir wieder gedacht.
Und ganz bestimmt hat jeder von euch schon ähnliche Erfahrungen
gemacht. Unerwartete Begegnungen mit Menschen, von denen man es nie gedacht
hätte und an Orten, wo man keinerlei Bekannten vermuten würde.
Die Welt ist klein, mag sich auch der Apostel Paulus gedacht haben,
als er einmal während seiner ersten lockeren Gefangenschaft mit
den beiden Soldaten, die ihn bewachten, durch Rom schlenderte. Kannte
er diesen Mann nicht? Er kam ihm so bekannt vor. Nun, wir wissen, Paulus
war nicht aufs Maul gefallen und so sprach er den Mann an, den er dort
mitten in der Weltmetropole traf. Und seine Ahnung hatte ihn nicht betrogen.
Natürlich, das war doch Onesimus, der Sklave seines Bekannten Philemon
aus Kolossä. Aber was macht der hier eigentlich in Rom? Und die
beiden setzen sich ins nächste Kaffee und Onesimus erzählt
und erzählt.
Ob sich die Begegnung zwischen Paulus und Onesimus so zugetragen hat,
wie ich das gerade eben erzählt habe, weiß ich nicht. Diesen
Rahmen habe ich erfunden, es kann auch ganz anders gewesen sein. Vielleicht
haben sich die beiden auch im Gefängnis in Rom als Zellennachbarn
getroffen, vielleicht sogar nicht einmal in Rom, sondern in Ephesus,
weil dort Paulus auch für eine kurze Zeit inhaftiert war. Wir wissen
es einfach nicht mehr genau. Wir wissen nur, dass Paulus und Onesimus
sich begegnet sind und sich wohl viel zu erzählen hatten. Und das,
was Onesimus zu erzählen hatte, hörte sich ungefähr so
an:
1. Wie ein Leben sich verändert
Onesimus war sein Name, zu deutsch: "Der Nützliche".
Aber Onesimus war einer, der seinem Namen keine Ehre gemacht hatte. Onesimus
war ein Sklave im Haus des Philemon, eines wohlhabenden Mannes aus Kolossä und
dessen Frau Aphia. Sklaverei war im römischen Reich weit verbreitet
und gehörte mit zu den Übeln der damaligen Zeit. Wie es dem
Onesimus im Haus des Philemon ging wissen wir nicht. Philemon war Christ
gewesen, Onesimus nicht. Wir wissen nur, dass es ihm gestunken hatte,
dass er nicht länger Sklave sein wollte, warum auch immer. Und Onesimus,
ein junger Mann in seiner Kraft, er lief davon, und hat dabei seinen
Herrn auch noch bestohlen, so vermuten wir.Er hat ihn auf alle Fälle
geschädigt, um als flüchtender Sklave überhaupt eine Chance
zu haben. Eine Chance zu haben als flüchtiger Sklave war wirklich
nicht leicht. Sklaven waren damals oft gezeichnet wie ein Stück
Vieh, und es gab eine spezielle Polizeitruppe, die die Aufgabe hatte,
entlaufene Sklaven wieder einzufangen. Wurden sie gefaßt wurden
sie an ihre Herren übergeben, die sie willkürlich bestrafen
konnten, wie sie wollten. Onesimus lief trotzdem davon und schaffte es
bis nach Rom zu kommen und dort unterzutauchen. Irgendwie, ja irgendwie
kam er mit Paulus zusammen und aus der Begegnung wurden seelsorgerliche
Gespräche. Onesimus lernte Jesus kennen und er lernte Jesus lieben,
ja, das ist das verrückte bei einem Paulus. Wer ihn kennenlernte,
der lernte auch Jesus kennen. Und Onesimus fand zum Glauben er bekehrte
sich, er erlebte eine Widergeburt, eine Erneuerung seines ganzen Lebens.
Und er lernte die Verkündigung der damaligen Gemeinde kennen:
Kol 3,22-24 Ihr Sklaven, seid gehorsam in allen Dingen euren irdischen
Herren, nicht mit Dienst vor Augen, um den Menschen zu gefallen, sondern
in Einfalt des Herzens und in der Furcht des Herrn. Alles, was ihr
tut, das tut von Herzen als dem Herrn und nicht den Menschen, denn
ihr wißt, daß ihr von dem Herrn als Lohn das Erbe empfangen
werdet. Ihr dient dem Herrn Christus!
1Tim 6,1 Alle, die als Sklaven unter dem Joch sind, sollen Herren aller
Ehre wert halten, damit nicht der Name Gottes und die Lehre verlästert
werde.
Und sein Gewissen wurde berührt. Er erkannte: Einfach davonlaufen,
das ist nicht der Weg Jesu. Einfach davonlaufen, damit hatte er sich
an seinem Herrn Philemon versündigt. Das wurde ihm klar. Er konnte
auf einmal nicht mehr so denken, wie es früher viele Sklaven taten.
Nimm dir, was du nur bekommen kannst. Schaff dir Erleichterung, wo immer
es möglich ist. Nimm dir deine Freiheit, jedes Mittel ist dazu recht
oder Not kennt kein Gebot. Und in seelsorgerlichen Gesprächen mag
Paulus ihm geraten haben: Onesimus, bring die Dinge in Ordnung, laß nicht
alles so laufen. Kehre zu deinem Herrn zurück. Könnt ihr verstehen,
wie ein Onesimus sich bei diesen Gedanken gefühlt haben muß?
Doch dann fügte er auch noch hinzu: Philemon, deinen Herrn, den
kenne ich gut. Ich schick Dir einen Brief mit und trete für dich
ein. Ich setze mich für dich ein. Tychikus reist bald nach Kolossä und überbringt
einen Brief von mir. Schließ dich seiner Reise an.
An dieser Stelle wollen wir einmal innehalten und die Brücke zu
uns schlagen:
Wie ein Leben sich verändert. Was die Gnade Jesu im Leben eines
Menschen alles auf den Kopf stellt und stellen will. Das ist enorm.
Dann hat er neues Leben in Jesus gefunden. Er war zwar äußerlich
noch gefangen (evtl. im Gefängnis) aber innerlich wurde er frei.
Er wollte äußerlich frei sein, hat dann aber innere Freiheit
gefunden, die noch viel größer ist. Gott beantwortet unsere
Sehnsüchte und Gebete manchmal ganz anders, als wir uns das vorstellen.
Das Leben des Onesimus hat eine radikale Wende erlebt. Ja, es war zunächst
eine Wende zu Jesus hin. Wenn wir unser Leben Jesus zuwenden, wenn wir
anfangen an ihn zu Glauben, dann verändert sich alles. Dann zieht
Hoffnung in unserem Leben ein, wo seither Hoffnungslosigkeit da war.
Dann zieht Friede ein, wo wir doch zuvor auf der Flucht oder zumindest
auf der Suche nach Leben waren. Dann beginnen auch die Dinge in unserem
Leben sich zu ordnen. Wer Jesus begegnet findet auch Menschen, mit denen
er die Fragen seines Lebens besprechen, ja sogar klären kann, findet
Gemeinschaft, findet Ohren, die verstehen, die aber auch zurechtweisen
können. Und wer Jesus findet, findet auch die Bereitschaft, die
Probleme in seinem Leben anzugehen und anzupacken. Wer Jesus hat oder
wer Jesus findet, der läuft nicht einfach vor seinen Problemen davon,
sondern der stellt sich ihnen.
Onesimus machte die Entdeckung: Davonlaufen, das bringt es nicht. Ich
kann nicht einfach ausbrechen und wenn ich ausbreche, dann finde ich
darin keine Freiheit, keine Erfüllung, keine Erleichterung. Zum
neuen Alltag mit Jesus gehört auch die Bewältigung der eigenen
Vergangenheit: Eigene Sünden vor Gott und betroffenen Menschen bekennen,
anderen Menschen wirklich vergeben, wenn möglich Gestohlenes zurückzahlen,
usw. Das ist nicht leicht, aber nötig. Vielleicht brauchen wir bei
manchen Angelegenheiten einen Paulus, der uns hilft und für uns
eintritt. Gott hat die Gemeinde geschaffen, damit wir einander helfen
können, auch unsere Vergangenheit in Ordnung zu bringen. Mancher
hat da mehr, mancher weniger in Ordnung zu bringen.
Was die Gnade alles verändert: Als ich das alles so aufgeschrieben
und über all diese Dinge nachgedacht habe, habe ich gemerkt, wie
träge wir oft geworden sind. Was Jesus doch alles in unserem Leben
verändern will und wie wenig wir daran arbeiten. Wir geben der Hoffnungslosigkeit
Raum, wo doch Hoffnung bei uns einziehen soll. Wir pflegen unsere Sehnsucht,
vor allem davonzulaufen wo Gott doch will, dass wir uns den Situationen
stellen: Greif dir doch einen Punkt heraus, wo Gott dich heute morgen
angesprochen hat und bitte Jesus darum, daß dich seine Gnade verändert.
2. Wie die Liebe Probleme löst
Nun interessiert es uns natürlich noch, wie diese Geschichte weitergegangen,
ja vielleicht sogar ausgegangen ist. Wie sie ausgegangen ist, das wissen
wir leider nicht, aber wie sie weitergegangen ist, das wissen wir. Onesimus
hat sich also tatsächlich auf den Weg zu Philemon gemacht und Paulus
hat ihm einen Brief mit auf den Weg gegeben. Und in diesem Brief lesen
wir davon, wie Paulus sich eine Lösung der Probleme zwischen Philemon
und Onesimus vorstellte. Wir lesen, wie die Liebe solche Probleme zwischen
Menschen lösen will. Und so kommt es, dass wir fast schon zum Schluß dieser
Predigt den eigentlichen Predigttext lesen:
Lesen Philemon 1- 25
Zu Philemon will ich noch einige Anmerkungen machen:
Aus Liebe verzichtet Paulus auf sein Recht (V. 8-9). Paulus hätte
als Apostel das Recht gehabt zu sagen: "So spricht der Herr" -
und Punkt. Er tut es nicht. Es wäre nicht falsch gewesen, aber es
wäre in diesem Fall nicht weise gewesen. Paulus tut es "um
der Liebe willen" nicht. Jesus hatte es mehrfach gesagt, und Paulus
hat es so bestätigt. Die Liebe ist das höchste Gebot, das oberste
ethische Prinzip. Gott gibt uns in Seinem Gesetz Rechte. Und doch kann
es Situationen geben, wo es die Liebe gebietet, von seinem Recht keinen
Gebrauch zu machen. Dann müssen wir entscheiden: Nehme ich dieses
Recht in Anspruch, was mir von Gott zugestanden ist, oder verzichte ich
in der konkreten Situation auf mein Recht. Wir haben in der Bergpredigt
eine Anzahl solcher Beispiele: z.B. das Thema Selbstverteidigung. Das
ist ein göttliches Recht (vgl. 2Mose 22,1-2) - und doch kann es
gut, sinnvoll und in der Liebe sein, darauf zu verzichten. Das Ziel bei
allem muß sein, den anderen zu gewinnen (Mt 18,15). Paulus möchte
Philemon gewinnen, daß er Onesimus wieder aufnimmt, daß er
ihm vergibt. Deswegen schreibt er ihm nicht als der Apostel, sondern ‚einfach'
als Bruder im Herrn.
Paulus achtet aber auch die Rechtsordnung (V. 12-13). "Den sende
ich dir wieder zurück und damit mein eigenes Herz" (V. 12)
- hier haben wir schon wieder das persönliche mit drin. Paulus sendet
Onesimus zurück. Er gehört zu Philemon. Er gehört nicht
Paulus. Er wünschte sich das zwar, aber das wäre nicht nach
Recht und Gesetz. Dabei geht es Paulus nicht ums persönliche Vergnügen,
sondern um den Dienst am Evangelium (V. 13). Aber er schickt ihn zunächst
zurück - als Postbote mit diesem Brief und dem Kolosserbrief.
Nun spricht Paulus das Prinzip "Freiwilligkeit" an (V. 14).
Paulus hatte längst überlegt, was das Sinnvollste wäre:
Philemon vergibt Onesimus und schickt ihn aus Dankbarkeit gegenüber
Paulus wieder nach Rom. Dann könnte ja Onesimus auch gleich in Rom
bleiben und die Sache würde per Post geklärt. Aber Paulus tut
das nicht. Das wäre abgenötigt. Das ist nicht geistlich, alles
vorwegzunehmen. Auch gute Entscheidungen vorwegzunehmen, ist nicht weise,
nicht gut.
Die Bibel redet sehr viel von "freiwilligen Entscheidungen".
So gibt es z.B. nicht nur die von Gott vorgeschriebenen Opfer, sondern
auch darüber hinausgehende freiwillige Opfer. Aufs finanzielle bezogen
könnte man sagen: Der Zehnte ist das, was Gott geboten hat. Das
war und ist Gesetz Gottes. Aber alles, was drüber hinausgeht, ist
freiwillige Gabe, so wie es Paulus in 2.Kor. 9,7 anspricht: "Ein
jeder, wie er sich's im Herzen vorgenommen hat, nicht mit Unwillen oder
aus Zwang, denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb."
Jetzt kommt Paulus auf die geistliche Perspektive zu sprechen (V. 15-16).
Das Unrecht, was Onesimus begangen hat, wird für Philemon zum Segen.
Paulus formuliert es noch ganz vorsichtig: "möglicherweise", "es
könnte ja sein". Das ist schon fast tiefgestapelt. Denn es
ist ganz sicher so. Das wird dem Philemon zum Guten dienen (Röm
8,28). Paulus meint: "Du bekommst deinen Sklaven nicht einfach nur
für den leiblichen Dienst, für das leibliche Leben, zurück,
sondern du bekommst einen Bruder im Herrn, du hast ihn auf ewig wieder.
Es ist natürlich schlimm, daß er einfach davongelaufen ist.
Das darf er nicht. Und trotzdem wird selbst das dir am Ende zum Guten
dienen." Paulus bringt diese geistliche Perspektive mit ins Spiel.
Ein wichtiger Gedanke.
Und damit wird auch deutlich, wie Paulus das Problem der Sklaverei grundsätzlich
betrachtet. Er sagt nicht: "Das ist völlig ungöttlich.
Wir schaffen es auf der Stelle ab." Er packt das Problem eine Stufe
tiefer an: "In der Gemeinde hat Sklavesein und Herrsein einfach
nicht mehr die Bedeutung." Wir lesen in Gal. 3,28: "Hier ist
nicht ... Sklave, noch Freier ..., denn ihr seid allesamt einer in Christus
Jesus." ‚Sklave' und ‚Herr' spielt nicht mehr die Rolle.
Wir sind einer in Christus. Und die Gemeinde hat es tatsächlich
so gelebt. Wir wissen, daß es unter den allerersten Bischöfen
in Rom Sklaven gegeben hat. Das war unerhört in der damaligen Zeit.
Paulus geht das Problem der Sklaverei also vor allem geistlich an.
Wieder geht es um persönliche Beziehungen (V. 17): "Wenn du
mich für deinen Freund hältst, so nimm ihn auf wie mich selbst." Paulus
wirft seine persönliche Freundschaft zu Philemon in die Waagschale,
um eine freundliche Aufnahme von Onesimus zu erbitten.
Und er ist sogar bereit, die Schulden von Onesimus zu übernehmen
(V. 18-19). Auch hier wird deutlich, daß Paulus die Rechtsordnung
achtet, sowohl das römische Recht als auch das biblische Recht. "Wiedergutmachung" ist
ein biblisches Prinzip. Paulus stellt das keinesfalls in Frage. Wenn
denn irgendwo ein Schaden entstanden ist, dann hat Philemon einen Anspruch
auf Schadensersatz. Ohne Zweifel. Das heißt auch: Onesimus hat
die Pflicht, den Schaden wiedergutzumachen. Aber Paulus sagt: "Rechne
es mir an." Das Recht ist die eine Seite. Jetzt kommt aber die Barmherzigkeit
zum tragen, weshalb Paulus sagt: "Ich investiere mich persönlich." "Ich,
Paulus schreibe es mit eigener Hand. Ich will's bezahlen." Das ist
eine 100% klare juristische Form. Er schreibt mit eigener Hand, setzt
quasi einen Vertrag auf. Er meint es wirklich ernst.
Und dann kommt fast zwischen den Zeilen, ganz hinten angehängt der
Satz: Na ja, "ich schweige davon, daß du dich selbst mir schuldig
bist." Wenn er wirklich geschwiegen hätte, hätte er es
gar nicht gesagt. Wir machen das auch manchmal so. Es ist interessant,
daß Paulus das ebenso getan hat. In diesem kleinen Satz steckt
sehr viel drin: "Du hast einen Anspruch auf Wiedergutmachung. Aber
eigentlich bist du mir etwas schuldig, da du durch mich zum Glauben gekommen
bist ..." Er möchte nicht wirklich Geld haben, sondern nur
prinzipiell ganz nebenbei darauf hinweisen.
Noch ein letztes Mal geht es um persönliche Beziehungen (V. 20-22): "Ja,
lieber Bruder, gönne mir, daß ich mich an dir erfreue in dem
Herrn; erquicke mein Herz in Christus." Wieder eine ganz persönliche
Aussage. Er sagt gar nicht mehr, worum es eigentlich konkret geht. "Tue
das, was notwendig ist, damit ich mich freue."
Es ist eine richtige Beziehungskiste, die sich uns hier in diesen Zeilen öffnet.
Eine Beziehungskiste, die von der Liebe als dem obersten Gebot redet,
aber auch vom Recht, das wir als Christen nicht einfach umschiffen dürfen.
Eine Beziehungskiste, die von Freiwilligkeit und Wiedergutmachung redet
und dazu darauf hinweist, dass die Dinge unserer Beziehungen nicht nur
Beziehungsaspekte haben, sondern auch geistliche Aspekte, dass Pläne
und Absichten Gottes dahinterstehen.
Bewußt hat Paulus diesen Brief, obwohl es ja ein höchst privater
Brief ist, nicht nur an Philemon, sondern auch an die ganze Gemeinde
gerichtet. Sie soll von dem Wissen, was geschehen ist. Und sie soll helfen,
dass die beiden wieder miteinander zurechtkommen. Wenn die Sache vor
die Gemeinde kommt, dann kann ein Philemon nicht mehr sagen: Der ist
jetzt zwar Christ geworden, aber ich laß ihn auspeitschen oder
ins Gefängnis werfen. Philemon, weiß, dass er dann mit Onesimus
umgehen soll, wie Jesus mit ihm umgegangen ist. Das gilt auch für
uns alle: Was die Liebe vermag: Die Liebe vermag, dass wir in unseren
Familien und untereinander so miteinander umgehen, wie Jesus mit dem
anderen umgehen würde. Das ist der Maßstab.
Gott ist ein großer Gott im Leben des Onesimus und im Leben des
Philemon. Er will auch in unserem Leben ein großer Gott sein.
Amen |