Logo Predigt: Sturmstillung



Bis in unsere Tage nicht verstummt: die Frage nach Jesus. (von Rainer Geiss)

Markus 4, 35-41

Download als pdf-Datei.

 


Liebe Gemeinde,

es ist bis in unsere Tage nicht verstummt, die Frage nach Jesus.

- Wer ist denn dieser Mann, dem die Naturgewalten untertan sind?
- Wer ist denn dieser Mann, der seit 2000 Jahren die Menschen in seinen Bann zieht?
- wegen dem Kriege angezettelt worden sind.
- Millonen Menschen nennen sich nach ihm.
- Seine Anhänger gehen für ihn sogar in den Tod.


Wer ist dieser Jesus von Nazareth?

Für viele unter uns ist diese Frage unverständlich.
Wer viele Jahre lang in den Gottesdienst geht und in der Gemeinde mitarbeitet, der weiß doch wer Jesus ist.
Der kennt nicht nur Jesus sondern auch den Tag an dem er ihm zum ersten mal begegnet ist. Bekehrung...
Erstaunlich ist, daß es sich wie ein roter Faden durch die Evangelien zieht: Die Jünger scheinen Jesus nicht zu kennen. sicher so vom Gesicht usw. schon, aber sie verstehen sein Handeln nicht.
Erleben seine Machttaten und blicken nicht durch.
Sie raffen es einfach nicht...

In der Nähe Jesu und sich doch fragen wer ist dieser Mann ?
Das kann passieren, auch heute

Hören Sie Markus 4, 35 - 41

1. Jesus mitnehmen

Liebe Gemeinde, wenn wir dieses Abschnitt des NT einen Augenblick auf uns wirken lassen, dann kennen wir, daß am Anfang der Geschichte eine gute Stimmung war.

Vers 34: Die Jünger werden von Jesus unterwiesen. Er erklärt ihnen die Gleichnisse, besser als den andern.
Sie wissen mehr, sie hängen ihm an den Lippen. Sie wissen mehr als die andern.

Wissen ist Macht, das gilt ja auch in unseren Tagen.
Wie können wir unser geistliches Wissen aus dem Fenster hängen unsere Erkenntnis vor uns her tragen.

Nix wissen macht auch nichts !

Laßt uns hinüberfahren....
Es herrscht Aufbruchstimmung, es geht weiter. Nicht aus eigenem Wollen. Jesus selbst ruft dazu auf.

Und doch, da steht ein kleiner Satz, der mich aufhorchen ließ.

"Sie nehmen ihn mit..."

Sie, die Jünger sind mit einem Mal die Aktiven und Jesus der Mitgenommene.

Die Gewichtungen in der nachfolge Jesu verlagern sich. Nicht absichtlich. Nein.
Aber jetzt Boot fahren, daß können wir, das ist unser Handwerk.
Schiffsausflug und Jesus darf dabei sein.

Das was wir können, dazu brauchen wir doch Jesus nicht?! oder

Die Jünger, die Gemeinde macht einen Ausflug und Jesus darf dabei sein.
Unter der Hand, ganz ohne daß man das verabredete übernehmen die Jünger offenbar das Kommando.

Jesus als Kumpel wird in unsere Mitte genommen.

Ohne das man es will, wird aus der Nachfolge und dem Jesus hinterher gehen, ein Voran gehen und die Erwartung daß halt Jesus ist dabei.
Komm mit Jesus, hier geht’s lang

Wir kennen die Redewendung: Dabei sein ist alles, das hören wir ja bei unsere Olympia-Mannschaft, immer dann, wenn es nicht gut läuft.

Jesus dabei haben, ihn als Kumpel und Freund haben wollen ist die eine Sache, aber ihn als Herrn anzuerkennen ist was anderes.
Hier sehe ich eine Gefahr in unserer Zeit für uns als Christen.

Wir schaffen Wohlfühlgemeinden und sind froh, daß Jesus dabei ist. Wir feiern ihnund lassen ihn dabei sein
Das ist zu wenig, auch in unserer Verkündigung.

Wer ist dieser Jesus ?
Er ist der Herr, der König, der Meister.
Und als solcher hat er mir hineinzureden, auch in die Themen, die ich von mir aus nicht auf den Tisch bringe.
- Herr über mein Leben
- Herr mein Geld
- Nehme ich sein Wort an und ernst, auch wenn es mir Nachteile bringt?
Er ist der Herr, auch dann wenn seine Antworten und Weisungen mir unbequem werden.

Offenbar wird Jesus hier wirklich wie ein feiner Gast behandelt.
Er bekommt den besten Platz, Kissen und Decken und darf jetzt einmal sehen, wie wir die ganze Sache schaukeln.

Schaukeln, das ist das Stichwort, denn als das Boot schaukelt beginnen die Probleme.

Liebe Gemeinde, ein verdrehtes Jesusbild macht vieles kompliziert.
Wird mir Gott zum Kumpel, dann ist die Erwartung von alle Tage Sonnenschein naheliegend.

Wehe, wenn dann das Wetter umschlägt. Wenn es nicht mehr so glatt läuft wie ich es mir vorstelle, wenn es nicht mehr so glatt aus- und fromm aufgeht.
Wir sind doch in unserem Glauben nicht auf naße Füße eingestellt.
Daß es draußen tobt OK. aber im Boot, wir haben doch Jesus mitgenommen.

Liebe Leute, wer Jesus nur mitnimmt, der sieht bald sehr mitgenommen aus.

- Wenn der Glaube kriselt,
- wenn das Leben aus dem Ruder läuft
- wenn meine Jesubilder durcheinander geraten,
dann liegt der Schluß nahe, daß es mit diesem Gott auch nicht weit her ist.

Jesus schläft, Gott ist tot und der Glaube eine Täuschung.
Wir machen uns verrückt vor Angst und der Himmel schläft in dicken Kissen.

2. Jesus bewegen

Liebe Gemeinde, vielleicht waren die Jünger eingeführt in christliches Verhalten, um eine Zeitlang vorsichtig Zurückhaltung zu üben. Nicht schimpfen, nicht fluchen, alles schön lieb weiter machen.
Dann aber platzt es aus ihnen heraus. Es geht so nicht mehr.

Wenn wir Jesus doch mitgenommen haben, dann muß er doch auch wahrnehmen, wie es uns geht, daß uns das Wasser buchstäblich bis zum Hals steht.
So kann es doch nicht weiter gehen.
Interessiert er sich nicht für mich. Läßt er sich für mich und meine Not aufrütteln ?
Was habe ich nicht alles schon für ihn gemeacht?
- Zeit eingesetzt
- Geld gegeben
- In der Gemeinde mitgearbeitet
- Posauenchor
Und was tut er für mich?

Kennen sie solche Stimmungen, solche Gedanken ?

Warum läßt Jesus das zu?,
Warum muß ich das auch noch tragen? Jetzt ist das Maß doch voll. (schwäb. Vikar: Die der Herr lieb hat, die züchtigt er..)

Ich kenne diese Gedanken sehr wohl. Durch meine Krankheitsgeschichte erreichten mich diese Gedanken immer wieder und sie erreichen mich auch heute noch.

Wir kommen als Christen, als Leute, die wir Jesus mitnehmen in Situationen, wo die Angst, das Leid, der Sturm des Lebens uns die Kehle zuschnürt,das kann ganz verschiedene Ursachen haben. aber jeder von uns weiß, was ich meine. Und dann...

In den Parallelberichten heißt es, daß die Jünger das tun, was man in solchen Situationen tut.
Erst die Coolen, sie arbeiten dagegen, dann rufen sie, sie schreien, sie wecken Jesus.

Liebe Leute, das ist das Evangelium in diesem Abschnitt,
Jesus ist immer nur einen Gebetsruf weit weg.
Er läßt sich wecken, er läßt sich rufen.

Herr erbarme dich meiner, Jesu hilf mir, (Herzengebet der orthodoxen Mönche)

Keine großen litugischen Verränkungen, ein Ruf, ein Schrei und er hört, er bewegt sich, es bewegt ihn, wie es den Jüngern geht, wie es uns geht.

Er stand auf, bedrohte den Wind und sprach zu dem Meer: Schweig und verstumme (Hier werden die gleichen Worte gebraucht wie bei der Austreibung des Bessenen in Mark.1,25)

Es geht hier einen Ruhe von ihm aus.
In Jesus begegnet uns eine himmlische Gelassenheit, die nicht nur das Wasser zur Ruhe bringt.
Jesus läßt sich in Bewegung setzen, aber aus der Ruhe bringen wir ihn nicht.
Er behält den Überblick. Seine Souveränität bleibt unangetastet.

Liebe Gemeinde, wir würden dieser Geschichte nicht gerecht, wenn sie nur als ein Naturwunder verstehen würden.

Aus dem Sturm wurde Stille.

Als den Jüngern bewußt wird, daß sie Jesus nicht nur mitgenommen haben sondern daß er bei ihnen ist mitten in der Not, nicht weil er muß, sondern weil er will ist er da, da wird ihnen klar: Wo Jesus ist, da ist Stille.
Da kann ich mitten im Sturm still werden, nicht weil ich es kann, sondern weil er mir die Hand auf die Schulter legt und mich nicht zum schweigen sondern zu seiner Ruhe bringt.

Mit Jesus im Sturm des Lebens sein heißt gleichzeitig mit ihm in seiner Ruhe sein. Bei ihm geborgen sein.
Da muß sich bei mir der Strum nicht gleich legen, die dunkle Strecke nicht gleich hell werden.
Aber bei ihm kommen wir zur Ruhe.

Er schenkt inneren Frieden, wenn das Leben mit seinen Stürmen der Verzeiflung, Spannungen und Unsicherheiten Unruhe in uns auslöst.
Angst um einen lieben Menschen oder um uns selbst, eigene Schuld und Versagen, Krankheitsnöte, Alter, einsamkeit. Viele Ursachen für Stürme..

Er will uns mitten im Sturm die Hand geben und uns festhalten. Wir müssen uns nicht einmal Sorgen ob wir die Hand halten können.
Die Hände, die am Kreuz festgenagelt waren sind stark genug uns zu halten und zu tragen.

3. Jesus vertrauen

Da ist noch einmal so ein kleiner Satz:
Habt ihr noch keinen Glauben, liebe Gemeinde, diese Frage trifft uns, sie trifft mich ganz persönlich.

Manchmal komme ich mir so vor. So, als müßte ich noch einmal ganz von vorne anfangen. So, als ob da noch nie was gewesen wäre:
- kein Wissen um Jesus
- keine Gewissheit
- keine Erfahrung
- kein Vertrauen
- kein Glauben
Das kennen sie auch ?

Können wir es uns denn erlauben so vor Jesus zu stehen und zu sagen: So ist es, ja Jesus so ist es!

Ja, so können wir vor Jesus stehen, ohne etwas zu verlieren, ohne uns zu blamieren. Bei jesus hat noch keiner sein Gesicht verloren, nur seine Maske oder die schuld, die last die drückt.
Vor Jesus hat sich noch keiner blamiert.

Was sonst nicht geht, hier geht es: Ich darf neu anfangen zu glauben, neu anfangen zu vertrauen, einen neuen Start wagen.

Ich darf Glauben wagen, weil er an mich glaubt und mir immer wieder neu die Chance gibt.
Sie dürfen Glauben wagen, weil er an Sie glaubt.
So, wie eine Mutter ihrem Kind Mut zuspricht.
So wie ein Lehrer einem „schwachen“ Schüler Mut zuspricht.
Ich glaub an dich, du schaffst es. Ich bin bei dir. Dich laß ich nicht hängen, auch wenn du einen Durchhänger hast.

Noch keinen Glauben, so kann Glauben wachsen. So ist das Geheimnis des Glauben, das Geheimnis von Beziehung und Vertrauen.
In der Gegenwart Jesu ist das Offenheit erlaubt.
So kommen wir im Glauben weiter, mitten in den Stürmen unseres Lebens.

Wer ist dieser Jesus ? so fragen die Leute, so nahmen wir deren Frage auf.
- Es ist der, der uns hält, wenn nicht mehr hält in unserem Leben.
- Es ist der, der seine Hand in unser Leben legt und uns Sicherheit gibt, Geborgenheit schenkt mitten in den Stürmen des Lebens
- Es ist der, der unsere Schuld getragen hat und sie vergeben hat, damit wir aufrecht in die Zeit sehen können und getrost über unseren Sterben nachdenken können.
- Es ist der, der am Kreuz in die Welt rief: es ist volllbracht.
- Es ist der Sohn Gottes auf den alles zuläuft in dieser Welt, der wiederkommt und seine Herrschaft sichtbar machen wird.
- Es ist der, mit dem ich heute und Morgen leben kann.

Wer ist dieser Mann, es ist der Mann der rettet, der tröstet, der heilt. Es ist eben Jesus der Heiland.

Amen.