Logo Predigt: Stilles Christsein



Echtes Christsein beginnt mit einer echten, täglich neuen Beziehung zu Jesus Christus. Aber eine solche Beziehung kostet Zeit. Und zwar Qualitätszeit und nicht bloß ein paar überschüssige Lückenbüßerminuten im Stundenplan des Tages. Zeit zum Stillsein, zum Meditieren, zum Beten und Nachdenken. Aber wer hat schon diese Zeit?

Epheser 4, 23

Download als pdf-Datei.

 


Liebe Freunde,

Wiederholen vom letzten Mal. Einsteig noch einmal mit der Folie von dem Haus mit den aufgemalten Türen. Erneuert euch in eurem Geist und Sinn (Epheser 4,23).

Wir sind kein Perpetuum Mobile, die Trägheit haftet uns an. Deshalb müssen wir unser Leben mit Jesus immer wieder erneuern. Diesen Grundsatz haben wir uns am letzten Sonntag bewußt gemacht. Denn wir wollen doch echt sein und nicht nur eine fromme Fassade haben.

Wie kann dies geschehen, dieser Frage wollen wir heute nachgehen.

1. Der Schlüssel

Echtes Christsein beginnt mit einer echten, täglich neuen Beziehung zu Jesus Christus. Aber eine solche Beziehung kostet Zeit. Und zwar Qualitätszeit und nicht bloß ein paar überschüssige Lückenbüßerminuten im Stundenplan des Tages. Zeit zum Stillsein, zum Meditieren, zum Beten und Nachdenken. Aber wer hat schon diese Zeit?

Unsere Gesellschaft gönnt uns diese Zeit jedenfalls nicht. Wir müssen dauernd unterwegs sein, dauernd in Betrieb, dauernd aktiv. Nur ja keine Zeit verlieren, es könnte dem Geschäft schaden, es könnte die Beförderung kosten. Früher aufstehen, später heimkommen, statt Mittagessen Geschäftsessen, Überstunden noch zu Hause.

Und die Frauen? Nicht viel besser. Die normale Mutter unserer Tage ist ständig auf Achse. Essen kochen, Wäsche waschen, Schulaufgaben beaufsichtigen, mit dem Kleinen zum Kinderarzt fahren. Zeit zum Stillsein? Wie soll das zugehen?

Wir alle stecken doch in der Tretmühle. Männer und Frauen, Jung und Alt, Arbeitgeber und Arbeitnehmer, alleinerziehende Eltern und Studenten, Pastoren und Mitarbeiter. Wo ist da noch Platz für jenes "leise, sanfte Säuseln", in welchem Gott zu Elia sprach (l. Könige 19,12) und in dem er auch zu uns reden will? Wann suchen wir schon einmal Gottes Stimme und Weisheit und Leitung? Wann reden wir mit dem Schöpfer des Universums? Wann haben wir Zeit dazu?

Nur hin und wieder einmal? Ganz selten? Nie? Kein Wunder, daß so wenige Christen echt sind.

Wer eine echte Beziehung zu Christus haben will, der muß allem den Krieg erklären, was ihn daran hindern will, täglich Gemeinschaft mit Christus zu haben. Wir müssen unseren Terminkalender kürzen, unsere Werte umwerten und Zeit und Kraft für Gott reservieren.

Ich kenne Menschen, die konsequent diesen Weg gegangen sind; es ist ein Abenteuer, sie zu erleben. Ihr Glaube ist echt. Sie strahlen eine innere Stärke aus, wie sie nur aus einem ganz persönlichen Verhältnis zu Gott kommt. Sie erfahren die Geborgenheit, die Gott für seine Kinder bereit hat. Ihr Wesen ist tiefer als das der hektischen Zeitjäger, ihre Ideen frischer, ihr Gemüt sanfter, ihr Mut größer, ihr Vorbild ansteckender, ihr Herz weiter, ihr Mitleid echter, ihre Überzeugungen konkreter. Sie haben Freude selbst in Kampf und Schwierigkeiten und eine Weisheit, die größer ist als die Zahl ihrer Lebensjahre.

Solche Menschen sind stark und kreativ. Ihre tiefe Verbindung zu Gott strahlt auf alle anderen Gebiete ihres Lebens aus. Weil sie echt vor Gott sind, können sie echt in ihrem Leben sein.

Daß dies der Schlüssel ist, mag uns vielleicht schon seit geraumer Zeit klar sein. Und obwohl wir das wissen, fällt es uns unwahrscheinlich schwer, ihn ins Schloß unseres Christseins zu stecken und endlich herumzudrehen.

Wahrscheinlich ist es bei vielen von uns auch so, daß sie selbst dann, wenn sie sich Zeit für Gott nehmen, gar nicht zur Ruhe kommen. 6.00 Uhr morgens, selbst dann, wenn wir aus dem Bett kommen, können wir oft keinen klaren Gedanken fassen. Mittags in der Mittagspause. Wie viele Dinge gehen uns durch den Kopf, die wir heute noch erledigen sollten. Abend um 21.00 oder 22.00 Uhr, wir sind so erschöpft, daß wir drei Sätze lesen und nicht mehr wissen, was wir vor einer Minute gelesen haben. Und das alles läßt auch eine Unzufriedenheit in uns zurück. Wir wissen, es wäre gut und dennoch ist gerade diese Stelle unseres Christseins von so vielen Niederlagen gekennzeichnet.

2. Wie werden wir still

Bei Bill Hybels, Pastor der Willow Creek Gemeinde in Chicago habe ich folgende Gedanken gelesen:

Vor einigen Jahren war ich dieses tägliche Auf und Ab satt. "Mir langt's", sagte ich nur, "entweder das hört auf oder ich suche mir einen anderen Beruf. Gescheiterte Pastoren gibt's genug"

Ich machte reinen Tisch vor Gott. Ich gab ihm offen zu, daß mein Leben als Christ nicht funktioniert. Ich bat ihn, mich aus diesem Elend hinaus zu führen, und begann verschiedene Hilfen auszuprobieren, die es mir leichter machen sollten, ein konsequenter Christ zu werden. Ich fand dabei schließlich zu einem "Rezept", das aus drei Teilen besteht und das ich täglich benutze, um mit Gott in Kontakt zu bleiben. Es ist nicht der einzige Weg zu echterem Christsein, aber bei mir und bei vielen meiner Freunde, Mitarbeiter und Gemeindeglieder hat es sich sehr bewährt.

Im Laufe der Jahre habe ich auf meinen Reisen - auf Konferenzen oder als Gastprediger - immer wieder einmal Menschen gefunden, die es offenbar fertigbrachten, nicht jeden Tag geistlich abzustürzen Diese Menschen machten mich jedesmal neugierig, und ich fragte sie nach dem Geheimnis ihres Christenlebens. Fast alle antworteten mir, daß sie ein Tagebuch führen, in welchem sie sich über jeden Tag Rechenschaft ablegten.

Ein Tagebuch führen? Das war ja wohl nichts für mich. Die Mönche und Heiligen des Mittelalters, die abends beim Schein einer flackernden Kerze die Feder in das Tintenfaß tauchten und ihre Gedanken zu Pergament brachten, ja, die hatten Zeit für solche Dinge gehabt. Aber ich - mit meinem Terminkalender? Und mit meinen Vieren und Fünfen bei meinen Schulaufsätzen? So weit Bill Hybels.

Ein Tagebuch führen.... Vielleicht denkt ihr: Jetzt fängt er wirklich an zu spinnen unserer Prediger. Das ist ja das Verrückteste, was ich jemals gehört habe. Tagebuch führen, da machen junge Leute zwischen 16 und 20, wenn sie verliebt sind, aber das ist nichts für mich, der ich täglich hart, auch körperlich hart arbeiten muß. Ich bin sowieso kein Schreibtischtäter.

Aber ich bitte euch, schiebt diesen Gedanken nicht so schnell, vielleicht auch nicht so weit, auf die Seite. Ein Tagebuch hilft uns, unsere Gedanken zu sammeln, ein Tagebuch hilft uns, uns zu konzentrieren. In einem Tagebuch können wir festhalten, was uns bewegt, im Blick auf Gott, im Blick auf andere Menschen, im Blick auf uns selbst. In einem Tagebuch können wir uns Rechenschaft geben, damit wir nicht jedesmal in die gleichen Fehler fallen.

Bill Hybels schreibt: Ich war damals Seelsorger für die Football-Mannschaft "Chicago Bears". Montagmorgens, vor der Bibelstunde, schaute ich mir manchmal zusammen mit ihnen die Video - Aufzeichnungen vom letzten Spiel an, die sie dann eingehend diskutierten, um so aus ihren Fehlern zu lernen und sie beim nächsten Spiel nicht mehr zu machen.

Und da machte es eines Tages "Klick" bei mir, und ich begriff. Was die Leute mit dem Tagebuch machten, war doch im Grunde nichts anderes, als was diese Sportler auch taten: eine Auswertung des vergangenen Tages. Sie analysierten ihre Fehler, um daraus zu lernen. Wie konnte ich erwarten, jemals Christus ähnlicher zu werden, wenn ich nicht regelmäßig meine Fehler - und meine Fortschritte - untersuchte? Wie konnte ich jemals geistlich wachsen, wenn ich nicht meinen Charakter, meine Entscheidungen, meine Arbeit, meine Ehe, meine Art, mit meinen Kindern umzugehen, immer wieder unter die Lupe nahm? Vielleicht war das mit dem Tagebuch doch keine so schlechte Idee...

Und er fing an, solch ein Tagebuch zu schreiben. Keine Romane, jeden Tag nur eine Seite. 5-10 Minuten. Was einem beim Lesen der Losung oder der Bibel wichtig wurde, welche Gedanken und Gefühle er gehabt hat, wie er gestern mit seiner Zeit umgegangen ist. Das Tagebuch half ihm, am Tag wenigstens einige Minuten zur Stille zu kommen, zum Nachdenken, zur Besinnung, auch zum Hören auf das, was Gott ihm sagen möchte. Er hat seine Fragen und Gottes Wirken, Erfahrungen mit ihm festgehalten. Einfach so, wie es ihm in den Sinn kam und über diesem Schreiben ist er zur Inneren Ruhe gekommen, zur inneren Ruhe, die man braucht um Gott zu begegnen.

Ich habe das früher gemacht und habe in der Zwischenzeit wieder damit angefangen und meine, das könnte wirklich eine große Hilfe sein, Gott zu begegnen.

Ein Tagebuch, das ist nicht das 11. Gebot, aber es kann eine praktische Hilfe sein und wir wollen ja praktisch werden in unseren Gottesdiensten, nicht in der Theorie stecken bleiben.

3. Wie können wir beten?

Wie oft ist es uns nicht schon so gegangen, wir wollten uns einige Minuten Zeit nehmen um zu beten, und auf einmal wissen wir gar nicht mehr, was wir Gott sagen wollen. Wir merken, daß wir ihm vielleicht gar nicht viel zu sagen haben. Wie oft geht es uns so, daß wir anfangen und es dauert keine 5 sec, dann sind unsere Gedanken wo anders. Bei den ungelösten Problemen, bei der Planung des nächsten Urlaubs....

Es ist zum Verzweifeln! Normalerweise kann ich mich sehr gut konzentrieren. Aber beim Beten mache ich oft eine gegenteilige Erfahrung, da klappt es nicht. Da hört man von Leuten, die vier Stunden lang beten konnten - und wir selbst schaffen es nicht einmal vier Minuten...

Bill Hybels erzählte beim Gemeindebaukongreß, daß er auch angefangen hat seine Gebete aufzuschreiben und zwar unter vier Rubriken. Anbetung, Schuldbekenntnis, Dank, Bitte.

Anbetung:

Das kann vielleicht nur ein Satz sein, der mir in den Sinn kommt, das kann ein Liedvers sein, der mir einfällt, ein Bibelwort. Ihr Lieben, es muß ja nicht viel sein, was wir schreiben, aber es hilft, damit wir Gott nicht nur unsere tägliche Wunschliste herunterrattern.

Schuldbekenntnis:

Das mag verwundern. Mit dem Bekennen unserer Sünden nehmen wir es nicht so besonders ernst. Unsere Devise lautet: Was du heute kannst besorgen, das verschiebe ruhig auf morgen. Und wenn wir unsere Sünden vor Gott bringen, tun wir es oft auf die schnelle Art und Weise. "Herr, vergib nur bitte alle meine Sünden." Pauschalbekenntnisse vom Typ "Vergib nur alle meine Sünden" gehen leicht über die Lippen und tun nicht weh. Entsprechend gering ist ihre Kraft, unsere Herzen zu verändern. Mir scheint, daß wir das Bekennen unserer Sünden erst dann ernst nehmen, wenn es uns weh tut, in Verlegenheit bringt, peinlich ist.

Eine Möglichkeit, unser Sündenbekenntnis echter zu machen, besteht darin, unsere Sünden aufzuschreiben - nicht das Wort "Sünden", wohlgemerkt, sondern die ganz konkreten Dinge, die wir getan haben. Es kann einen vom Stuhl hauen, diese Dinge schwarz (oder blau) auf weiß auf einem Blatt Papier vor sich zu sehen. Zum Beispiel so: "Gestern habe ich meine Frau ganz bewußt mit meinen Worten verletzt; ich war grausam, zynisch und gefühllos zu ihr. Oder: "Gestern abend habe ich meinem Sohn versprochen, mit ihm zu spielen, aber ich habe mein Wort nicht gehalten; ich habe meinen Sohn belogen."

Das ist konkret, das tut weh, aber das reinigt, bringt weiter, vertieft unsere Beziehung zu Gott.

Danken:

Auch da können wir es praktisch machen. Wir brauchen wieder keine Romane zu schreiben. Vielleicht nur einzelne Wörter: Danke Herr für:

Meine Frau, meine Kinder, meine Gemeinde, meinen Freund..... Danken und unser Herz wird mit Dank erfüllt.

Bitten:

"Macht euch keine Sorgen, sondern wendet euch in jeder Lage an Gott und bringt eure Bitten vor ihn. Tut es mit Dank für das Gute, das er euch schon erwiesen hat" (Phillipper 4,6).

Bill Hybels teilt seine Bittgebete in vier Themen auf: Beruf, Mitmenschen, Familie, Persönliches. Unter "Beruf" er für seine Gemeinde und Kirche.

Unter "Mitmenschen" betet er für seine Gemeindemitarbeiter und Gemeindeältesten, außerdem für gläubige wie nichtgläubige Freunde.

Unter "Familie" bete er für seine Frau und Kinder. Darum, daß er ein guter, gottesfürchtiger Ehemann und Vater sein kann. Er bittet für seine Finanzen, die Schule, die Ferien und andere Gebiete des Familienlebens.

Unter "Persönlich" bringe er sich selbst, seinen Charakter, sein Ich vor Gott. Stellt euch doch eure eigenes Gebetsthemen zusammen. Und führt Buch darüber, wann ihr Gott um was gebeten haben. Nach ein paar Wochen geht die Liste noch einmal durch - Ihr werdet staunen, was Gott getan hat!

Einen letzten Gedanken möchte ich noch zum Gebet sagen.

Wahrscheinlich haben wir es uns oft vorgenommen, zu beten, und wir haben Zeiten in unserem Leben, in denen uns das nicht gelingt. Was neben dem Aufschreiben der Gebete eine unschätzbare Hilfe zum Beten sein kann ist ein Gebetspartner. Einen anderen Christen, mit dem man sich trifft. Zu zweit, zu Dritt. Das schafft Verbindlichkeit. Ich weiß, der andere wartet auf mich, und die Gefahr, daß ich mich drücke, ist wesentlich kleiner. Es müssen ja wieder keine Stunden sein, die man miteinander betet. Einmal in der Woche eine halbe Stunde beim Gebetspartner sein. Für die persönlichen Dinge beten, für die Familien, für die Gemeinde, für einen Missionar, für unser Dorf.

Zu zweit kann man es individuell miteinander ausmachen, zu einem festen Termin, oder spontan. Und da muß man nicht jedesmal dabei Kaffee oder Tee trinken. Wenn wir jemand anderes bitten. Komm bete mit mir, dann bindet uns das ein Stück weit, aber es wird dadurch auch verbindlicher.

Liebe Freunde, das alles sind keine Gesetze. Sowohl das Tagebuch, als auch die Gebetspartnerschaft wollen Hilfen sein. Hilfen zum Still werden, Hilfen zum echt werden, Hilfen zur Erneuerung. Wenn wir nur eine Anregung des heutigen Vormittags miteinander praktizieren, haben wir viel gewonnen und sind der Erneuerung unseres geistlichen Lebens ein Stück weiter gekommen.

Amen