Textwerkstatt: Aufeinander zugehen


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Die Schwierigkeit, mit den meisten Leuten umzugehen, besteht darin, zu ihnen gleichzeitig ehrlich und höflich zu sein.
André Heller
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Es lohnt sich, Brücken zu sehen, wo mancher nur Fallgruben befürchtet.
Elizabeth S. Hill
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Zum Eremiten kam eine Frau und sagte: "Alter, warum betest du? Es ist nicht wahr, daß Gott die Gebete der Menschen erhört, wie die Pfarrer sagen!"
"Weib, weiß du, daß du Gott lästerst?", fragte der Mönch.
"Ich lästere nicht", erwiderte die Frau ruhig. "Ich weiß, was ich sage. Drei Jahre lang habe ich jeden Tag morgens und abends Gott angefleht, er möge das Verhältnis zu meinem Mann wieder in Ordnung bringen. Aber nichts ist geschehen... Habe ich da nicht recht, wenn ich leugne, daß Gott Gebete erhört?"
"Nein", sagte der Eremit, "du hast nicht recht! Dein Gebet ist erhört worden, vielleicht schon vor langer Zeit. Man muß nicht nur beten können, sondern es auch verstehen, das Erbetene anzunehmen. Geh heim, bete nicht länger, sondern nimm Gottes Geschenk an!"
Acht Tage später stand die Frau wider vor der Hütte des Eremiten. "Vater", sagte sie, "ich weiß jetzt, der Höchste erhört unsere Gebete. Als ich neulich abends nach Hause kam, ging ich ohne zu zögern auf meinen Mann zu. Er tat das, was er seit drei Jahren nicht getan hatte: stand auf, kam mir entgegen und nahm mich in die Arme. Warum hat er das getan?"
"Weil du in den drei Jahren nie auf ihn zugegangen bist."
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Ein Bischof und ein Atomwissenschaftler kommen miteinander ins Gespräch.
"Wir räumen jetzt," sagt der Bischof stolz, "der Atomphysik einen bedeutenden Platz im Ausbildungsplan unserer Priester ein."
"Merkwürdig," antwortete der Atomphysiker, "wenn wir Atomphysiker zusammenkommen, sprechen wir neuerdings nur noch wenig über Wissenschaftliches; die meiste Zeit sitzen wir da und beten."
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Ich machte einen Besuch in der riesigen Heil- und Pflegeanstalt Bethel. Als ich gerade durchs Hoftor eintrat, steht da mitten im Weg ein großer Hund mit fürchterlichem Gebiß und wütenden Augen. Ich überlege noch, ob ich weitergehen soll. Da sehe ich, wie aus einem anliegenden Haus ein Junge kommt, einer der epileptischen Pflegebefohlenen, und auf den Hund zugeht, um ihn zu streicheln. Mir will das Herz stehenbleiben. Entsetzt rufe ich. "Halt, Junge, der Hund ist böse." Aber unbekümmert dreht sich der Junge sich zu mir und sagt: "Wenn man ihm liebhat, beißt er nicht." Da hatte ich meine Lektion.
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Ein indisches Märchen erzählt von einem Hund, der in einem Zimmer umherirrte, in dem alle Wände Spiegel waren. Er sah plötzlich viele Hunde. Da wurde er wütend, fletschte die Zähne und knurrte. Alle Hund im Spiegel wurden ebenso wütend, fletschten die Zähne und knurrten. Der Hund erschrak und fing an, im Kreis herumzulaufen, solange bis er schließlich tot zusammenbrach.
Hätte er nur ein einziges Mal mit dem Schwanz gewedelt: alle seine Spiegelbilder hätten ihm ein freundliches Bild zurückgeworfen!
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