Textwerkstatt: Ausgeglichenheit


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Wenn man zu schnell oder zu langsam liest, versteht man nichts.
Zu viel oder zu wenig Wein: gebt ihm keinen, kann er die Wahrheit nicht finden; gebt im zu viel, gleichfalls nicht.
Blaise Pascal (1669)
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"Nichts zu sehr!" - Wie oft wird dem einzelnen angeraten, sich ein Ziel zu setzen, das er nicht erreichen kann und das über seine Kräfte geht, um so wenigstens das zu erreichen, was seine Kräfte bei der allerhöchsten Anspannung leisten können! Ist dies aber wirklich so wünschenswert? Bekommen nicht notwendig die Menschen, die nach dieser Lehre leben, und ihre besten Handlungen etwas Übertriebenes und Verzerrtes, eben weil zu viel Spannung in ihnen ist? Und verbreitet sich nicht ein grauer Schimmer von Erfolglosigkeit dadurch über die Welt, daß man immer kämpfende Athleten, ungeheure Gebärden und nirgends einen bekränzten und siegesgemuten Sieger sieht?
Friedrich Nietzsche (1881)
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Herr! Schicke, was du willst
Ein Liebes oder Leides;
Ich bin vergnügt, daß beides
Aus deinen Händen quillt.
Wolltest mit Freuden
Und wolltest mit Leiden
Mich nicht umschütten!
Doch in der Mitten
Liegt holdes Bescheiden.
Eduard Mörike (1838)
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Der Zen-Meister Hakuin wurde von seinen Nachbarn als einer, der ein reines Leben führte, gepriesen. Ein schönes japanisches Mädchen, dessen Eltern ein Lebensmittelgeschäft besaßen, wohnte in seiner Nähe. Da entdeckten die Eltern plötzlich, daß sie schwanger war.
Das machte die Eltern sehr böse. Sie wollte nicht gestehen, wer der Mann war, aber nach langem Drängen nannte sie schließlich Hakuin.
In großem Ärger gingen die Eltern zum Meister.
"So?" war alles, was er zu sagen hatte.
Nachdem das Kind geboren war, brachte man es zu Hakuin. Er hatte seinen Ruf verloren, was ihm jedoch keine Sorgen machte, und er kümmerte sich in bester Weise um das Kind. Von seinen Nachbarn erhielt er Milch und alles andere, was das Kleine benötigte.
Ein Jahr später konnte die junge Mutter es nicht länger aushalten. Sie erzählte ihren Eltern die Wahrheit - daß der echte Vater ein junger Mann sei, der auf dem Fischmarkt arbeitete.
Die Mutter und der Vater des Mädchens gingen wieder zu Hakuin und baten um Verzeihung; sie entschuldigten sich des langen und breiten und wollten das Kind wider mitnehmen.
Hakuin war einverstanden. Während er das Kind übergab, war alles, was er sagte: "So?"
Hakuin (18.Jh,. Reps)
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Pflicht ohne Liebe macht verdrießlich.
Verantwortung ohne Liebe macht rücksichtslos.
Gerechtigkeit ohne Liebe macht hart.
Klugheit ohne Liebe macht gerissen.
Freundlichkeit ohne Liebe macht heuchlerisch.
Ordnung ohne Liebe macht kleinlich.
Ehre ohne Liebe macht hochmütig.
Besitz ohne Liebe macht geizig.
Glaube ohne Liebe macht fanatisch.
Ein Leben ohne Liebe ist sinnlos.
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