Logo Textwerkstatt: Entschlossenheit



Wer sich entschieden hat, etwas zu tun, und an nichts anderes denkt, überwindet alle Hindernisse.

Ciacomo Girolamo Casanova


Wer in der Mitte der Straße steht, lebt gefährlich;
dort bedrohen ihn die Autos von beiden Seiten.


Eine einzige Tat, die Entschlossenheit beweist, ist mehr wert als Millionen gutgemeinter Worte.

Wayne Dyer


Das letzte Zimmer

Nein, spricht sie, als er ihr zuredet, das Haus zu verlassen - und wenn es morgen abgerissen wird.
Nein sagt die, als er fortfährt, die Zimmer auszuräumen - auch wenn du den Baugrund für eine Wochenenddatsche brauchst.
Nein sagt sie, als zwei Möbelwagen vorfahren, vier Männer Schränke und Betten die Treppen herunter bugsieren - selbst wenn du drei Neubauwohnungen hättest.
Mein Zimmer ist noch mein Zimmer, ruft sie, als Sohn, Tochter, Schwiegertochter mit Fäusten gegen die verschlossene Tür klopfen.
Ich geh in kein Altersheim, ruft sie, als ihr Sohn tags darauf über Lautsprecher bekannt gibt, der Abriß beginne in zwei Stunden.
Ha, ha, macht sie, als der hydraulische Wagenheber eine halbe Stunde vergeblich versucht, das Haus zu bewegen.
Mich kriegt ihr nicht, ruft sie, als die Seile befestigt sind, der Bagger zum ersten Mal zieht, zwei Wände Risse bekommen.
Mich nicht - als der Bagger das Treppenhaus und seine halbe Außenwand zum Einsturz bringt.
Ich habe zwei Kriege überlebt, schreit sie, als der erste Schutt weggeräumt wird, Sohn, Tochter, Schwiegertochter abwechselnd mit ihr reden wollen.
Macht, was ihr wollt, brüllt sie, als zwei von der Sozialfürsorge unter dem Fenster stehen, um sich zu überzeugen, was an dem Gerücht dran sei, daß hier eine ältere Frau gefangengehalten werde.
Ihr Idioten, flüstert sie, als ein Feuerwehrauto vorfährt, schließt den Laden vorm Fenster, rückt an der Wand das Bild ihres Mannes gerade, ehe sie den Schreibtisch öffnet und das Album mit den alten Fotos hervorzieht.
Unten wird die Leiter ausgefahren.
Sie schiebt Bücher, die aus dem umgestürzten Regal gefallen sind, zur Seite, schenkt sich Tee nach, reißt aus ihrem Vorrat die nächste Tüte Zwieback an und beginnt im Album zu blättern.

Lutz Rathenow


Beharren zeugt von Torheit, Ausharren von Entschlossenheit.

Jacinto Benavente


In alten Zeiten lebte in China ein Greis namens Yü Gung, der Närrische. Den Weg, der von seiner Haustür nach Süden führte, versperrten zwei große Berge. Yü Gung faßte den Entschluß, diese Berge mit Hacken abzutragen. Einem anderen Greis, der darüber lachte, entgegnete er: "Sterbe ich, bleiben meine Kinder; sterben die Kinder, bleiben die Enkel; und so werden sich Generationen in einer endlosen Reihe ablösen. Diese Berge sind zwar hoch, aber sie können nicht mehr höher werden; um das, was wir abtragen, werden sie niedriger. Warum sollten wir sie dann nicht abtragen können?" Und ohne auch nur im geringsten zu schwanken, machte sich Yü Gung daran, die Berge abzutragen.

Mao Tse-tung


CHANCE DER BÄRENRAUPE,
ÜBER DIE STRASSE ZU KOMMEN

Keine Chance. Sechs Meter Asphalt.
Zwanzig Autos in einer Minute.
Fünf Laster. Ein Schlepper. Ein Pferdefuhrwerk.

Die Bärenraupe weiß nichts von Autos.
Sie weiß nicht, wie breit der Asphalt ist.
Weiß nichts von Fußgängern, Radfahrern, Mopeds.
Die Bärenraupe weiß nur, daß jenseits
Grün wächst. Herrliches Grün, vermutlich freßbar.
Sie hat Lust auf Grün. Man müßte hinüber.
Keine Chance. Sechs Meter Asphalt.
Sie geht los. Geht los auf Stummelfüßen.
Zwanzig Autos in der Minute.
Geht los ohne Hast. Ohne Furcht. Ohne Taktik.
Fünf Laster. Ein Schlepper. Ein Pferdefuhrwerk.
Geht los und geht und geht und geht und kommt an.

Rudolf Otto Wiemer


Zum Bilde der Rettung gehört der feste, scheinbar brutale Zugriff.

Walter Benjamin (1928)


Unsicherheit ist für die Seele, was die Folter für den Körper ist.

Sébastien Chaqmfort


Alles auf der Welt kommt auf einen gescheiten Einfall und auf einen festen Entschluß an.

Johann Wolfgang von Goethe


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