Textwerkstatt: Ansichtssache


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Der menschliche Blick hat es an sich, daß er die Dinge kostbar machen kann, allerdings werden sie dann auch teuer.
Ludwig Wittgenstein
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Der Axtdieb
Ein Mann hatte seine Axt verloren und vermutete, daß der Sohn des Nachbarn sie ihm gestohlen hatte. Er beobachtete ihn daher genau: sein Gang, sein Blick war ganz der eines Axtdiebes. Alles, was er tat, sah nach einem Axtdieb aus.
Einige Zeit später fand der Mann zufällig die Axt unter einem Bretterhaufen. Am nächsten Tag sah er den Sohn des Nachbarn: sein Gang war nicht der eines Axtdiebes, auch sein Blick war nicht der eines Axtdiebes.
Aus China
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Wenn in meinem Herzen ein Stern leuchtet, ist die Erde ein Stern. Wenn die Erde ein Stern ist, kann ich richtig Mensch sein.
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Sie Wandelbarkeit des Urteils
Sie saßen auf dem alten Wegweiser nebeneinander, die Nebelkrähe und sie Saatkrähe, und blickten über das trostlose Land zu Ende des Winters. In den Ackerfruchen lag noch schmutziger Schnee. Die Hecke reckte ihre nackten Zweige wärmeheischend in einen Himmel, der sie mit eisigem Wind übergoß. Der Pfad zwischen den Äckern war zu einer Bahn langsam abwärts schiebenden Schlammes geworden.
"Ein ekliges Land", sagte die Nebelkrähe, und sie hatte recht.
"Ein häßliches Land", ergänzte die Saatkrähe, und sie hatte ebenfalls recht.
Da wanderten gelbrote Sonnenstrahlen über die Flur, vergoldeten alles, was ihnen in den Weg lag - die Gräser der abgestorbenen Wiese, den frostzerrissenen Stamm der Birke, die Stengel der toten Schafgarbe, die dreckigen Schneeefetzen hinter der Hecke - und verwandelte das rieselnde Wasser am Weg zu purem, flüssigem Gold.
"Ein herrliches Land", sagte die Nebelkrähe.
"Fürwahr, ein schönes Land", ergänzte die Saatkrähe;
und sie hatten beide recht.
Kurt Kauter (1973)
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Ich gehe zuweilen in 8 Tagen nicht aus dem Hause und lebe sehr vergnügt, ein eben so langer Hausarrest auf Befehl würde mich in eine Krankheit werfen. Wo Freiheit zu denken ist, da bewegt man sich mit einer Leichtigkeit in seinem Zirkel, wo Gedanken-Zwang ist, da kommen auch die erlaubten mit einer scheuen Miene hervor.
Georg Christoph Lichtenberg
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Das Haus steht in der Finsternis. Finsternis steht ringsum, nur ein Fenster leuchtet. Jemand sagt: Verzweiflung. Jemand sagt: Hoffnung. Und eine Waage ist nicht zur Hand. Nur Entscheidung.
Jakob Trojan
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Du sagst: Ich liebe. Er wird sagen: Ich liebe nicht. Du sagst: Schön. Er wird sagen: Nicht schön. Du sagst: Er ist gut, sie ist gut. Er sagt: Er ist nicht gut, und sie ist schlecht. Gestern sagtest du: Ich liebe. Jetzt sagst du: Ich liebe nicht. Morgen wirst du sagen: Ich liebe. Am Morgen wirst du sagen: Ich liebe, am Abend: ich liebe nicht. Das sind deine und seine Wahrheiten von gestern und deine Wahrheit von heute abend. Du sagst: Er hat mich zuerst geschlagen. Du lügst nicht. Er sagt, daß du ihn zuerst geschlagen hast. Er lügt nicht. Du weiß es anders, und er weiß es anders, was heute war. Du sagst: Ich sehe. Er sagt: Ich sehe nicht. Du sagst: Ich höre. Er sagt: Ich höre nicht. Du sagst: Nah. Er sagt: Weit. Du sagst: Interessant. Er sagt: Langweilig. Du sagst: Schwer. Er sagt: Leicht. Deine Wahrheit ist anders, denn du bist anders. Ich sage: Eins. Auch er sagt: Eins. - Aber ich sage: Eine kleine Blume; er sagt: Eine große Welt, Staub, Mensch, Gott. Zwei sind zwei. Zwei Hände, zwei Füße, ein Kopf, ein Herz. Ein Tag. Ein Jahr. Ein Schritt auf deinem Weg und dreitausend Schritte durch dreitausend Jahre des ganzen Volkes. Sei nicht böse, wenn ich es anders erzähle, als du es möchtest. Sei nicht böse, wenn ich es anders sage, als du es weißt. Sei nicht böse, wenn ich sage: Ich weiß nicht. Sei nicht böse, wenn ich frage: War es wirklich so?
Janusz Karczak (1922)
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Der Schwarzseher macht negative Erfahrungen, der Optimist macht positive Erfahrungen, der Pechvogel macht Pech-Erfahrungen, der Pessimist macht pessimistische Erfahrungen. Und der Christ, der sich auf Christus verläßt, macht geistliche Erfahrungen.
Reinhold Ruthe
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Jeder schaut durch seine Brille, auch wenn er keine trägt.
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Viele Menschen sehen die Dinge, wie sie sind und sagen - warum?
Ich aber träume von Dingen, die nie gewesen sind und sage - warum nicht?
Robert Francis Kennedy
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Man ist niemals zu schwer für seine Größe, aber man ist oft zu klein für sein Gewicht.
Gert Fröbe
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Nur für die Erbärmlichen ist die Welt erbärmlich, nur für die Leeren leer.
Ludwig Feuerbach
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Es ist unmöglich,
dass ein Mensch in die Sonne schaut,
ohne dass sein Angesicht hell wird.
Friedrich v. Bodelschwingh
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